Verhalten & Psychologie

... möchte ich mich nun gerne mal öffentlich äußern - zu den Missständen vieler Hundehalter die sich sowohl direkt als auch indirekt auf viele andere Hundehalter und auch Nichthundehalter auswirken. Grund hierfür ist erstens, dass ich gerade eben in Ludwigshafen (ich möchte den Stadtteil nicht näher benennen, denn das tut hier nichts zur Sache) mit Siba und Merle zusammen die Morgenrunde gedreht habe. Vorwiegend auf Gartenwegen, aber auch über Parkplätze und durch Seitenstraßen waren wir unterwegs. Auf all diesen Wegen sind wir binnen einer dreiviertel Stunde 7 Hunden begegnet. Und nicht einer von denen konnte auch nur ansatzweise ruhig unseren Weg kreuzen. Sechs von den sieben waren von ihren Menschen nur schwer bis fast gar nicht unter Kontrolle zu halten - das ging vom krächzenden und fiepsenden ziehen an der Leine bis hin zum aggressiven Bellen und der wiederkehrenden Versuche, an uns, bzw unsere Hunde ran zu kommen. Und die Reaktionen der Menschen dieser Hunde waren ebenso individuell. Das ging von erfolglos beruhigendem Taubgelabere der Hunde, bis hin zu höchst aggressivem anschreien und reißen an der Leine - in jedem Fall jedoch war das Handeln der Menschen ebenso von offensichtlicher Verzweiflung geprägt wie das ihrer Hunde. Und ich rede jetzt hier nicht nur von sehr großen und massigen Tieren, sondern durchaus auch von kleineren Modellen, die deutlich unter 10 Kilo haben (oder hätten, würden sie nicht großteils übergewichtig gefüttert werden - das steht aber auf einem anderen Blatt). Nun ist es so, dass ich durchaus versuche, mich da nicht sonderlich drüber aufzuregen. Ganz im Gegenteil - so manchem habe ich schon mit dem einen oder anderen Tipp und einer klaren Anleitung diesen Druck wegnehmen können. Für gewöhnlich fruchtet das binnen weniger Tage bis Wochen, sofern man diszipliniert und konsequent am Ball bleibt. Das Unvermögen dieser vielen, die ihre Hunde nicht unter Kontrolle haben, wirkt sich nur leider nicht allzu selten auch auf jene aus, die sich allergrößte Mühe geben, ihre Tiere alltags- und vor allem gesellschaftstauglich zu machen und auch zu halten. Die Verfehlungen derer die es nicht können oder wollen, haben häufig direkt oder indirekt Einfluss auf unsere wohlerzogenen und durchaus gut geführten und auch führbaren Hunde. Davon jetzt aber erst mal genug - mir brennt noch etwas anderes auf der Seele - und das ist ebenso allgegenwärtig wie die miserabel erzogenen und großteils auch noch schlecht sozialisierten Vierbeiner - und das sind die Zweibeiner mit vorgenannten Eigenschaften! Täglich und nahezu überall komme ich an Hausecken, öffentliche wie auch in privatem Besitz vorbei, die vollgepisst sind. Von Hunden. Die markieren. Und deren Menschen nichts, aber auch rein gar nichts dagegen tun. Ich möchte hier explizit betonen, dass es sich vorrangig um Rüden handelt, es aber auch manche Hündin praktiziert, das Bein zu heben und an irgend etwas stinkenden Urin zu verspritzen. Mal davon abgesehen, dass es höchst widerlich ist, wirklich unschön aussieht und dazu noch dem Eigentümer des entsprechenden Gegenstandes (wir reden hier nicht nur von Hausecken und Wänden, sondern auch von Ampeln, Straßenpollern, Blumenkästen, Autoreifen - alles was eben angepinkelt wird und dazu gehören auch Tore und Zäune von Privatpersonen, sowie auch deren Gärten und die darin befindlichen Pflanzen, wobei es sich teilweise auch um Nutzpflanzen handelt und mal ganz ehrlich - keiner von euch will Rosmarin in der Bratensoße haben, der von Hunden gedüngt wurde!) gegenüber höchst respektlos ist, es handelt sich hierbei juristisch gesehen auch noch um eine Sachbeschädigung. Ich weiß, jetzt kommt wieder der eine oder andere aus dem Busch gekrochen und will argumentieren, dass die Hunde damit nur kommunizieren - ja, das tun sie und das sollen sie auch. Jedoch bitte nur an zum Beispiel Feldwegen, im Wald oder auf entsprechend geeigneten Grünstreifen, die vielleicht auch nicht gerade als Liegewiesen genutzt werden. Jeder von euch kann seinem Hund beibringen, dass schnuppern okay ist, spritzen aber nicht. Und dann noch was und das ist mindestens genauso schlimm: Hundescheiße! Ja, ich sag's ganz offen und rede das auch nicht schön - hier noch mal zum Verständnis: HUNDESCHEISSE! - die überall auf Gehwegen, Randstreifen, auf Brücken, in privaten Gärten, vor Haustüren und sonstwo liegen gelassen wird. Wie asozial kann man eigentlich sein? Ich weiß schon, so mancher denkt sich: Ja für was zahl ich Hundesteuer, soll die Stadt den Scheiß doch wegmachen! Mal ernsthaft - davon abgesehen, dass auch das höchst widerlich ist und eine riesen Sauerei, es wirkt sich ebenfalls auf andere und auch eure Hunde aus. Primär auf zwei Arten: 1. An liegen gelassenem Kot schnupppern andere Hunde - viele kommen mit der Nase damit in Kontakt dabei und sind somit exponiert, können sich somit Erreger aufnehmen, die übrigens in jedem Häufchen sein können, auch in dem von Hunden die augenscheinlich gesund sind - und das betrifft auch und vor allem Giardien, die im Übrigen bei sehr alten und schon schwächeren Hunden und auch bei vor allem Welpen sehr schnell zum Tod führen können, wenn man sie nicht rechtzeitig erkennt und behandelt! 2. Genau durch diese niederträchtige Liederlichkeit sich so manch anderer asoziale Mensch bemüßigt fühlt, Giftköder auszulegen, um dem ein vermeintliches Ende zu setzen. Und auch das wirkt sich nicht nur auf die betreffenden Hunde aus, sondern auf ALLE! Jeder Hund kann einen ausgelegten Giftköder aufnehmen - und nur allzu häufig passiert auch genau das. Und nun zu guter letzt möchte ich eine Frage, die mich in letzter Zeit häufiger erreicht hat, auch noch öffentlich beantworten - nämlich warum ich seit mehreren Wochen im Forum nicht mehr aktiv bin: Ich schaue da durchaus regelmäßig rein und gelegentlich ist auch das eine oder andere Thema dabei, wo ich mir denke, dass ich dazu eigentlich etwas schreiben könnte. Ich entscheide mich jedoch meist dagegen, denn es sind nicht selten Themen, die schon wie oft diskutiert wurden und wenn ich mir jetzt zum Beispiel konkret mal wieder die Frage nach der Beißhemmung bei Welpen anschaue und mir auch durchlese, was da teilweise für Tipps und Ratschläge gegeben werden, platzt mir fast die Hutschnur. Mal davon abgesehen, dass die gegebenen Antworten teilweise mehr als nur abenteuerlich und keinesfalls zielführend sind, so stelle ich mir bei dem was da noch alles dazugeschrieben wird ernsthaft die Frage, wie das erst werden soll, wenn die Vierbeiner erst in die Pubertät kommen und dann die richtigen Probleme losgehen, wenn doch jetzt schon mit der Beißhemmung Kirmes in der Bude ist. Diesbezüglich ein Tipp für alle die es nicht wissen - die Beißhemmung lernt der Welpe normalerweise während der Sozialisierung vom Muttertier - allerdings erst in der 10. bis 12. Woche. Wer sich also einen 8-9 Wochen alten Welpen ins Haus holt und dem dann auch noch ein Quietschspielzeug gibt (das erst GENAU AUS DIESEM GRUND!!!!! nicht bevor der Hund nicht mindestens 6 Monate alt ist!), braucht sich nicht wundern, wenn da die Weichen schon auf Ärger gestellt werden. Wir alle haben Hunde und das ist auch gut so - aber bitte macht euch bewusst, dass ihr damit auch verdammt noch mal Verantwortung tragt. Für eure Hunde, die Hunde anderer und auch für Dritte, die auch nicht selten gefährdet sind. Als Halter eines Hundes ist man gesetzlich dazu verpflichtet, uneingeschränkt Sorge dafür zu tragen, dass niemand, egal ob Mensch mit oder ohne Hund, sich von eurem Hund belästigt, bedrängt oder bedroht fühlt. Gesetze hin oder her - ich weiß, viele von euch Pfeifen da drauf, manches ist auch wirklich schwachsinnig, keine Frage. Aber hier geht es um Anstand, Respekt und Rücksichtnahme. Alles Tugenden, die jeder von euch als Kind schon gelernt haben sollte! Und 'der tut nix!' zu rufen, nur weil man selbst resigniert feststellt, dass der Hund in erster Linie von dem was man von ihm will nix tut, ist der falsche Ansatz. Das lässt sich alles erzieherisch regeln. Das ist aber eben anstrengend, kostet Zeit und Nerven. Und so lange ihr das nicht im Griff habt, bleibt der halt einfach an der Leine. Und nein, damit ist nicht die schleppleine gemeint, die er dann fröhlich dekorativ hinter sich herschleift und der Mensch alleine deshalb beruhigt ist, weil er denkt, er könnte ja drauftreten wenn der Hund losrennt. Das Ende der schleppleine gehört in die Hand, denn die schleppleine ist ein Erziehungsmittel, mit dem man dem Hund nicht größtmögliche Freiheit gibt, sondern ihm anerzieht, wie groß sein Radius um uns herum ist! Mich regt sowas maßlos auf, genauso wie die Tatsache, dass offensichtliche Anfänger, die nicht mal vom Thema Beißhemmung einen blassen Schimmer haben, sich zum Beispiel belgische Schäferhunde anschaffen. Ich weiß, das sind tolle Tiere. Sie sind jedoch auch tendenziell gefährlich - aber das merkt man leider erst, wenn das Pubertier dann anfängt komische Sachen zu machen, die man sehr schnell nicht mehr kontrollieren kann. Und der Maligator war jetzt nur beispielhaft - das betrifft auch noch sehr viele andere Rassen und deren Mischlinge. Nun möchte ich aber auch mal langsam zum Ende kommen und freue mich auf einen regen, bitte aber sachlichen Austausch unter diesem Beitrag. In diesem Sinne, wie man bei uns in Mainz sagt: Narrhallamarsch!