Spaß & Tratsch

Hallo liebe Leute, dieser Thread soll dazu dienen sich über das Leben mit einem herausfordernden Hund auszutauschen. Geschichten über das Leben und die Erziehung von schwierigen Hunden sollen motivieren und stark machen. War jemand von euch schon an dem Punkt eine Pro-Contra-Liste zu erstellen ob der Hund bleibt oder nicht? Ist jemand gescheitert? Wie fühlt es sich an, wenn man endlich den Hund versteht und ihm das bieten kann, was er braucht? Ich freue mich immer riesig über Erfahrungsberichte und hoffe anderen geht es auch so. Ich hoffe auf einen netten Austausch ohne Vorwürfe. Wir fangen an. Unsere Geschichte ist sehr lang. Ich versuche mich kurzzuhalten... Meine Hündin Ginny kam vor etwas mehr als einem Jahr mit 6 Monaten zu uns in ein ruhiges Dorf am Rand von Berlin. Sie ist ein Schäferhund-Mix, 65cm groß und 35kg schwer. Sie dürfte als Welpe keine Erfahrungen sammeln und wurde im Shelter stark zerbissen. Ein großes Paket. Ginny ist stark verunsichert und teilweise ängstlich. Sie ist sehr eigenständig und neigt dazu Dinge zu kontrollieren. Wenn ihr etwas Angst macht, reagiert sie mit Aggression. Nach harter Arbeit wurde es besser. Wir hatten eine ganz liebe Hündin der ich auch im Freilauf voll vertrauen konnte. Dann kamen die Rückschläge. Im Urlaub wurde sie von einem Husky gebissen der einen leeren Tisch verteidigte (mein Freund musste nach dem Versuch die Hunde zu trennen ins Krankenhaus). Ein großes Loch im Hals und Salz in der Wunde einer eh traumatisierten Hündin. Im Herbst 2021 riss sie sich beim Sturm los und hinterließ nichts als blutige Hände. Nach zwei Tagen wurde sie verletzt gefunden und operiert. Eine Rutenamputation und ein ordentliches psychisches Trauma. Irgendwann wurden wir von einem ausgebüxten Boxer-Rüden gestellt. Er begrenzte meine Hündin stark und ging auf mich los, als ich versuchte ihn von der Straße zu drängen. Ja, ich hatte Angst. Meine Hündin auch. Ihr Vertrauen zu mir hat hier ordentlich gelitten. Die Aggression an der Leine kam zurück. Sie versucht sich mit allen Mitteln und vollem Körpereinsatz vor entgegenkommenden Hunden zu schützen. So passierte es im Winter 2021, als ich die Leine für eine Minute an einem Marktplatz aus der Hand gab, dass Ginny beim Hundekontakt losstürzte, meine Schwiegermama nieder riss, sie über den Platz schliff und ihr die Hüfte brach. Um der Vollständigkeit halber alle Baustellen zu nennen, ist Ginny sehr futteraggressiv und verteidigt sonstige Ressourcen. Gegenüber anderen Hunden nutzt sie Dominanz als Strategie um sich zu schützen. Vor souveränen Hunden zeigt sie Angst, ängstliche Hunde möchte sie mobben. Fest stand, der Hund läuft nurnoch mit Maulkorb. Das war nun die Sahnehaube. Alle im Dorf mieden uns, gaben Ratschläge über den Zaun und fluchten über unser "Vieh" hinter der Hecke. Wir durften Ginny nicht mehr mit zu Familienfeiern nehmen aus Angst, dass sie jemandem etwas antut. Während all der Zeit hatten wir immer Hundetrainer an der Seite. Einige haben uns geholfen, andere nicht. Unsere jetzige Trainerin bat uns um eine Pro-Contra-Liste. Können wir Ginny das geben was sie braucht? Ich werde es versuchen. Ich durfte lernen meine Emotionen zu kontrollieren und Ginny durchs Leben zu führen, wie sie es braucht. Außerdem habe ich gelernt meinem Bauchgefühl zu vertrauen und die Kommentare und Blicke anderer zu ignorieren. Ginny und ich stehen und näher als jemals zuvor. Es ist für mich okay wie sie ist. Momentan wird alles in unserem Zusammenleben besser und ich weiß, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir werden alle Traumata langsam angehen und achten immer darauf, dass Spaß an erster Stelle steht. Ich freue mich riesig über eure Geschichten und Erfahrungsberichte 😊🐾 vielleicht können wir dem Einen oder Anderen Mut machen...
Leben mit "Problemhund" 🐾