Ich habe einen Hund, der extrem manchen Wölfen ähnelt und recherchierte, warum zB der Chow Chow, der genetisch so viel näher am Wolf ist, überhaupt nicht so aussieht.
Ich erhielt in Auszügen die folgende Antwort:
Ein Wolfskörper ist das evolutionäre Meisterwerk für Ausdauer, Wetterbeständigkeit und Effizienz.. also gibt es nichts besseres für zB Arbeitshunde, die Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende für bzw mit dem Mensch arbeiten mussten/ durften..
Konkret.. mein Schäfimix ist ein Nachfahre von Hütehunden aus allen möglichen Regionen.. also ein Mischling von "ähnlichen Hunden", die alle vergleichbar arbeiteten..
Der Chow Chow trennte sich früh vom Wolf und blieb danach weitgehend von der Durchmischung mit Hundeschlägen verschont. Sogesehen ist er eine viel ältere Rasse, als die Schäferhundschläge, die aber aufgrund ihrer Aufgaben einen Vorteil von wölfischer Statur hatten und haben.. Optik spielte dabei nie die erste Geige (erst seit etwa 100 Jahren zum Teil).. Beim Chow Chow allerdings sehr wohl.
Er mag noch mehr Wolfsgene haben, da die Durchmischung geringer ausfiel.. ist aber inzwischen in vielerlei Hinsicht weiter entfernt von einem Wolf und nicht im Ansatz so leistungsfähig..
Ich verstehe deinen Gedanken so, dass Funktion und Optik nicht dasselbe sind?
Dass ein funktionaler, wolfsähnlicher Körperbau sich erhalten kann, weil er für bestimmte Aufgaben schlicht gut funktioniert?
Das würde ja nicht automatisch bedeuten, dass der Hund genetisch „ursprünglicher“ oder näher am Wolf ist.
Ich finde den Begriff „ursprünglich“ bei Hunden schwierig. Ein Hund kann äußerlich sehr wolfsähnlich sein und trotzdem über lange Zeit stark auf bestimmte Funktionen selektiert worden sein.
Umgekehrt kann ein Hund, der äußerlich kaum noch Ähnlichkeit mit einem Wolf hat, genetisch trotzdem sehr nah an alten Hundepopulationen liegen.
Was aber passiert, wenn Funktion nicht mehr der entscheidende Selektionsgrund ist und die Optik selbst zum Zuchtziel wird, sehen wir ja leider an vielen unschönen Entwicklungen.
Dann wird der funktionale Körper, der sich bewährt, weil er für das Leben des Hundes sinnvoll ist vernachlässigt zugunsten menschlicher Vorstellungen, die für das Hundeleben an sich im Grunde völlig unsinnig sind.
Und da lande ich wieder an dem Punkt ob die Zucht das, was der Hund für ein gutes Leben braucht überwiegend weniger gewichtet als das, was mensch an ihm haben will - koste es den Hund was es wolle.