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Dogorama-Mitglied
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heute 11:51

"Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Hallo ihr Lieben :)
Ich habe kürzlich o.g. Buch verschlungen und gleich begeistert mit dem dort aufgeführten Training begonnen.

Für alle, die es nicht kennen: Es geht darum gemeinsam mit seinem Hund die Welt zu entdecken und Spuren zu suchen etc.. Quasi ein Leitfaden, wie man dem Hund zeigt nicht mehr alleine jagen zu gehen, sondern voller Freude zu kooperieren.

Ich bin nun unendlich begeistert, weil erste (auch unerwartete) Erfolge schon in wenigen Tagen sichtbar wurden und wollte nun mal fragen, ob noch jemand inspiriert von diesen Methoden mit seinem Hund die Welt erkundet?

Würde mich über einen Erfahrungsaustausch unheimlich freuen!

Liebe Grüße
 
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Katja
15. Sept. 17:52
Soziale Rückmeldung kann allerdings auch fies sein, Beispiel: Setting Ferienhaus: Zur Wohnung ging eine Treppe hoch, Patschi: "Ne, gehe ich nicht". Ich (Idiot): Na dann, wer mit kommt, kommt mit, wer nicht, der nicht. Also alle einschließlich Lotta hoch. Patschi zitternd unten geblieben und sich "eingenässt". Das war so schrecklich, werde ich nie vergessen. Nächsten Tag haben wir das ordentlich geübt und die Treppe war kein Problem mehr. Will sagen, sozial klingt immer so sozial 😄, aber es kann auch richtig gewaltsam sein.
Jo, die Schwierigkeit ist eben die Grenze zu finden: wo bin ich noch genug im Kontakt, um aufzumuntern und in Zweifelsfalle auch Ängste wenigstens zu dämpfen, so dass ein gedanklicher Prozess zur Auseinandersetzung möglich wird?
Und wann verliere ich den Kontakt?
Der Hund darf halt nicht das Gefühl haben, er wird im Stich gelassen.
Aber fordern darf man schon!

Ich bin da tendenziell immer zu soft und will zu früh abbrechen („der arme Hund“).
Aber mit meinem Freund ist Polli echt schon so einige Male über sich hinausgewachsen!
Das hat mich denn doch zum Nachdenken gebracht.
Aber es ist immer ein schmaler Grat…
 
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Katja
15. Sept. 18:02
Diese Klamm war für Polli z.B. echt die ultimative Herausforderung: Man kann durchgucken, unten bewegt es sich und überall laute Geräusche.
PAAAANIK!!!!

Wenn wir ihr nicht gut zugeredet hätten, hätte sie da selber keinen Schritt reingesetzt… und das war durchaus auch eine mögliche Option, dass ich mit ihr einfach nen anderen Weg nehme.

Das erste Video ist der Anfang. Da war wichtig, dass die Angst nicht übernimmt und wir sie in Bewegung halten. Machen musste sie’s aber selber!
Das zweite Video war dann ein Stückchen weiter oben: komplette Todesverachtung und wieder voll im Job als Hütehund angekommen: „eins, zwei… mooooment: da fehlt doch eine!“😀
 
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Kirsten
15. Sept. 21:22
Oh, ich freue mich total, dass ihr euch die Zeit genommen habt den Text ausführlich zu lesen und euch dazu Gedanken gemacht und geteilt habt ☺️ Danke dafür! ❤️

Ich hatte doch zugegebenermaßen ein wenig Sorge, dass dieser kluge und durchdachte Text vielleicht doch hier und da als Aufforderung zu Laissez-faire missverstanden werden würde und die Kernbotschaft dabei verloren geht. Oder das es sich ein bisschen wie Bashing gegenüber dem Üben von Dingen lesen könnte und damit auch Dinge eingeschlossen werden, die zu mehr Sicherheit, Selbstwirksamkeit und einem schönerem Miteinander führen. Ist ja manchmal etwas schwer auf Social Media. Völlig unbegründet, wie es scheint 🥰
Das erleichtert mich.

Ich lese es tatsächlich auch gar nicht als Vorschlag Konditionierung komplett zu verbannen (was ja auch unsinnig bis unmöglich wäre).

Sondern viel mehr als Einladung genauer hinzusehen, was für wichtige Prozesse unabhängig von Kommandos in der Situation stattfinden (könnten) und wieviel Austausch sich dort ohnehin schon zwischen Mensch und Hund abspielt.

Die Polli ist schon ein richtiges Muskelpaket geworden oder? Wahnsinn.
 
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SandrA
16. Sept. 05:00
Netzfund bei Simone Mangold. Ich hatte den Eindruck, es passt ganz gut hier rein zum Nachdenken 😊 Vielleicht auch zum Anregen einer respektvollen Diskussionsrunde, falls ihr Lust habt?
Vielen Dank, Kirsten, für den tollen Denkanstoß 🥰

Ich finde es so schön, dass es immer mehr Auseinandersetzungen damit gibt, wie wir im Umgang mit Hunden stärker über soziale Rückmeldung, Beziehung und bedürfnisorientiertes Lernen arbeiten können. Die Perspektive, den Hund auch in seinen Bedürfnissen, seinen Emotionen und vor allen seiner Sicht auf die Welt wahr- und ernst zu nehmen, ist auch das, was ich an diesem Thread so mag ☺️
Hier geht es ja vor allem um Beziehung, das gemeinsame Erleben der Natur und darum, die Perspektive des Hundes einzunehmen. Und ich nutze diese Sichtweise sehr gern für mich und meine Hunde.

Der Text von Frau Mangold erinnert mich an ein interessantes Video eines Trainers auf das ich kürzlich auf SM gestoßen bin. Darin ging es um einen Hund, der an einem Zaun auf einen dort kläffenden Hund reagierte und dabei völlig eskalierte. Besonders spannend fand ich, dass der Trainer eben nicht nur die unmittelbare Situation fokussierte und Anweisungen gab um diese konkrete Situation zu trainieren, sondern dass er vor allem darauf schaute, was danach passiert: Abstand herstellen, dem Hund die Möglichkeit geben, wieder herunterzufahren und die Situation anschließend aus einem regulierteren Zustand heraus noch einmal wahrzunehmen.

Es ging also darum, eine andere Lernerfahrung zu machen und nicht „nur“ das gezeigte Verhalten zu verändern. Eben nicht nur „Aufregung - Wegführen - Entspannung“ bzw. Ablenkung - keine Aufregung, sondern Aufregung - Abstand - Wahrnehmung - Regulation gemeinsam mit dem Menschen - die Situation des bellenden Hundes wahrnehmen,selbst nicht eskalieren müssen und so neu bewerten .

Dazu passt auch eine relativ jung gelöste Baustelle die ich mit oder wegen unserer beiden Nachbarhunde hatte, die regelmäßig und ungestört direkt gegenüber in einer sehr löchrigen Hecke hängen und dort völlig eskalieren. Für Neo war das anfangs eine Mega Herausforderung. Er kam letztlich schon mit der Erwartung „Gleich geht’s los“ aus dem Haus.

Unser Ansatz bestand deshalb aus mehreren Bausteinen. Zunächst haben wir daran gearbeitet, dass er überhaupt mit einem regulierteren Erregungsniveau aus dem Haus gehen konnte. Er sollte nicht schon auf 180 sein, bevor wir den Vorgarten überhaupt betreten.

Anschließend habe ich begonnen, den Vorgarten für ihn emotional neu zu besetzen. Von „gleich gibts Randale“, zu „gleich passieren tolle Dinge! Wir machen Suchspiele, beschäftigen uns miteinander und es gibt KEKSEEE.“ Ich habe also durchaus mit Konditionierung gearbeitet, weil Futter für Neo einen hohen Wert hat und er sich damit gerne auf gemeinsame Aktivitäten einlässt.

Wenn die Nachbarhunde draußen waren, haben wir auf der Straße den Abstand geschaffen, bei dem ich das Gefühl hatte, dass Neo die Situation bewältigen und noch mit mir kommunizieren konnte. Von dort aus haben wir uns wieder positiv miteinander beschäftigt und so alternative Verhaltensweisen aufgebaut aber auch sein inneres Gefühl verändert - von Angespannt zu Lustig.

Mit der Zeit hat sich dadurch wahnsinnig viel verändert. Neo kann das Gebell heute deutlich besser aushalten - sogar trotz eskalierender Ivy, die noch nicht so weit ist🙈😂. Er kann ins Auto springen, an der Hecke vorbeigehen und manchmal ignoriert er das Gekläffe sogar völlig. Er ist dabei nicht immer völlig entspannt, aber er hat heute wesentlich mehr Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. ER schafft es die Situation zu bewältigen ohne dass ich zwingend ablenken, umlenken usw muss.

Bei Ivy ist es momentan tatsächlich so, dass ich recht viel über Konditionierung arbeite. Sie ist einfach ein Hund, der sehr stark nach außen orientiert, ausgesprochen reizoffen und sehr impulsiv ist. Da befinden wir uns gerade an einem Punkt, an dem gezieltes Training für uns sehr hilfreich ist.

Gleichzeitig arbeiten wir aber auch intensiv an Frustrationstoleranz, Co - Regulation, und daran, dass sie zunehmend lernt, mit verschiedenen Reizen besser umzugehen - also zu beobachten anstatt direkt loszuschreien oder loszupreschen. Konzentrierte Nasenarbeit anstatt sich in Rage zu schnüffeln usw.

Auch bei ihr ist es also immer eine Kombination aus verschiedenen Elementen. Für mich sind Methoden und Denkmodelle stets unterschiedliche Bestandteile eines großen Ganzen und ich finde es immer wieder schön Hilfreiches zum Bestehenden hinzuzufügen ☺️
 
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Kirsten
16. Sept. 17:42
Vielen Dank, Kirsten, für den tollen Denkanstoß 🥰 Ich finde es so schön, dass es immer mehr Auseinandersetzungen damit gibt, wie wir im Umgang mit Hunden stärker über soziale Rückmeldung, Beziehung und bedürfnisorientiertes Lernen arbeiten können. Die Perspektive, den Hund auch in seinen Bedürfnissen, seinen Emotionen und vor allen seiner Sicht auf die Welt wahr- und ernst zu nehmen, ist auch das, was ich an diesem Thread so mag ☺️ Hier geht es ja vor allem um Beziehung, das gemeinsame Erleben der Natur und darum, die Perspektive des Hundes einzunehmen. Und ich nutze diese Sichtweise sehr gern für mich und meine Hunde. Der Text von Frau Mangold erinnert mich an ein interessantes Video eines Trainers auf das ich kürzlich auf SM gestoßen bin. Darin ging es um einen Hund, der an einem Zaun auf einen dort kläffenden Hund reagierte und dabei völlig eskalierte. Besonders spannend fand ich, dass der Trainer eben nicht nur die unmittelbare Situation fokussierte und Anweisungen gab um diese konkrete Situation zu trainieren, sondern dass er vor allem darauf schaute, was danach passiert: Abstand herstellen, dem Hund die Möglichkeit geben, wieder herunterzufahren und die Situation anschließend aus einem regulierteren Zustand heraus noch einmal wahrzunehmen. Es ging also darum, eine andere Lernerfahrung zu machen und nicht „nur“ das gezeigte Verhalten zu verändern. Eben nicht nur „Aufregung - Wegführen - Entspannung“ bzw. Ablenkung - keine Aufregung, sondern Aufregung - Abstand - Wahrnehmung - Regulation gemeinsam mit dem Menschen - die Situation des bellenden Hundes wahrnehmen,selbst nicht eskalieren müssen und so neu bewerten . Dazu passt auch eine relativ jung gelöste Baustelle die ich mit oder wegen unserer beiden Nachbarhunde hatte, die regelmäßig und ungestört direkt gegenüber in einer sehr löchrigen Hecke hängen und dort völlig eskalieren. Für Neo war das anfangs eine Mega Herausforderung. Er kam letztlich schon mit der Erwartung „Gleich geht’s los“ aus dem Haus. Unser Ansatz bestand deshalb aus mehreren Bausteinen. Zunächst haben wir daran gearbeitet, dass er überhaupt mit einem regulierteren Erregungsniveau aus dem Haus gehen konnte. Er sollte nicht schon auf 180 sein, bevor wir den Vorgarten überhaupt betreten. Anschließend habe ich begonnen, den Vorgarten für ihn emotional neu zu besetzen. Von „gleich gibts Randale“, zu „gleich passieren tolle Dinge! Wir machen Suchspiele, beschäftigen uns miteinander und es gibt KEKSEEE.“ Ich habe also durchaus mit Konditionierung gearbeitet, weil Futter für Neo einen hohen Wert hat und er sich damit gerne auf gemeinsame Aktivitäten einlässt. Wenn die Nachbarhunde draußen waren, haben wir auf der Straße den Abstand geschaffen, bei dem ich das Gefühl hatte, dass Neo die Situation bewältigen und noch mit mir kommunizieren konnte. Von dort aus haben wir uns wieder positiv miteinander beschäftigt und so alternative Verhaltensweisen aufgebaut aber auch sein inneres Gefühl verändert - von Angespannt zu Lustig. Mit der Zeit hat sich dadurch wahnsinnig viel verändert. Neo kann das Gebell heute deutlich besser aushalten - sogar trotz eskalierender Ivy, die noch nicht so weit ist🙈😂. Er kann ins Auto springen, an der Hecke vorbeigehen und manchmal ignoriert er das Gekläffe sogar völlig. Er ist dabei nicht immer völlig entspannt, aber er hat heute wesentlich mehr Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. ER schafft es die Situation zu bewältigen ohne dass ich zwingend ablenken, umlenken usw muss. Bei Ivy ist es momentan tatsächlich so, dass ich recht viel über Konditionierung arbeite. Sie ist einfach ein Hund, der sehr stark nach außen orientiert, ausgesprochen reizoffen und sehr impulsiv ist. Da befinden wir uns gerade an einem Punkt, an dem gezieltes Training für uns sehr hilfreich ist. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch intensiv an Frustrationstoleranz, Co - Regulation, und daran, dass sie zunehmend lernt, mit verschiedenen Reizen besser umzugehen - also zu beobachten anstatt direkt loszuschreien oder loszupreschen. Konzentrierte Nasenarbeit anstatt sich in Rage zu schnüffeln usw. Auch bei ihr ist es also immer eine Kombination aus verschiedenen Elementen. Für mich sind Methoden und Denkmodelle stets unterschiedliche Bestandteile eines großen Ganzen und ich finde es immer wieder schön Hilfreiches zum Bestehenden hinzuzufügen ☺️
Ja, stimmt. Du hattest schon von Neo und den Nachbarshunden berichtet.
Mega, dass das so gut klappt 🤩🥳

Oh, ich überlege gerade, wenn mich mein direkter Nachbar regelmäßig anbrüllen würde, dann würde ich vermutlich auch nicht entspannt an seinem Fenster langgehen 😄✌🏻


Ich hatte mal, als die Mira noch ganz arg war, eine furchtbare Auseinandersetzung mit einem anderen Hundehalter. Eigentlich war das der blödeste Konflikt, den ich wegen der Hundehaltung je erlebt habe, nicht schön.
Wochenlang hatte ich anschließend Puls, wenn ich den Deppen nur gesehen habe und bin wortlos und angespannt vorbeigegangen. Unglücklicherweise hab ich ihn regelmäßig gesehen.

Er hat auch einen Terrier, mittlerweile einen anderer, gleiches Modell.
Der Neueinzug hatte wohl sein Rasseportrait gut gelesen und ähnliche Verhaltensweisen an den Tag gelegt, wie die, die mir mit Mira Schwierigkeiten bereitet haben 😅

Mittlerweile sind wir doch sehr verträglich miteinander geworden *grins*
Aber nun bin ich abgeschweift. (Ich wollte damit jetzt keine versteckte Nachricht transportieren, nur sagen, dass ich die beiden so gut verstehen kann. Ich habe auch immer wieder drüber nachgedacht, ihm wegen der Geschichte nochmal ordentlich die Meinung zu geigen, als ich so angefressen war.)

Ich bin ganz gespannt, wie es mit Jägerbraut Ivy weitergeht und was für tolle Ideen du auf eurer Reise noch entwickelst 🥰
Ich freue mich so sehr über deine Updates!
 
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Kirsten
17. Sept. 13:38
Ich habe gestern noch länger über das Thema Frustrationstoleranz nachgedacht.

Ich habe den Eindruck, dass die Art, wie ich darüber denke, sich verändert hat. Früher habe ich vermutet, dass Miras Wert, auf einer Skala von 0-10, wohl deutlich im Minusbereich liegen müsste 😅

Andererseits war ihr ziemlich deutlich anzusehen, dass ihr Hindernisse ziemlich wenig ausgemacht hätten, wenn sie ein Ziel vor Augen hat.
Widrigkeiten und Frust haben bei ihr zu noch extremeren Lösungswillen, kreativeren Alternativen und mehr dranbleiben geführt (wenn auch oft nicht in meinem Sinne 🫣😂).
Für Fotos mag sie nicht an Blättern positioniert werden, sodass sie von ihnen berührt wird. Ich hab so tolle Fotoideen dafür, für sie ein No-Go! Sich für Kaninchen durch eine stachlige Brombeerhecke zu schlagen, gar kein Problem 😄
Wehrhaftes Wild wäre vermutlich auch eher Ansporn, statt Problem (wobei da vermutlich auch Lernprozesse stattfinden würde, die Schmerzen und Schäden am eigenen Körper meiden würden). Aber ein „hat nicht geklappt“ würde direkt mit dem ausprobieren der nächsten Lösung einhergehen.

Als ich mit dem territorialen Hund vor unserem Haus inkl. Futterbeutel in der Schnute in ein anderes Team reingelaufen bin, hatte sie nach kurzer Überlegung entschieden, dass das Ding heimzubringen viel wichtiger ist, als dem anderen Hund den Kopf zu waschen.

Im Nachhinein frage ich mich, ob ich an einigen Stellen einen Mangel an Frustrationstoleranz vermutet habe, wo sie eine sehr hohe Persistenz bei Widrigkeiten gezeigt hat. Im Sinne ihres genetischen Ursprungs.
Denn sie scheint Frustration in der Regel nicht durch Aufgeben oder Rückzug zu verarbeiten, sondern durch gesteigerte Problemlöseaktivität.

Ich denke, bei uns sind oft Probleme entstanden, weil ich in irgendeiner Form ihren Versuch der Lösungsfindung blockiert hab. Klar, gerade dort wo ich wohne, kann ich Mira nicht jede mögliche Idee durchspielen lassen. Das würde die Grenzen unseres Umfeldes doch ein wenig mehr strapazieren, als ich zuzulassen bereit bin 😄 Aber es macht für mich die Frage auf, ob einige unserer Probleme dem Frust geschuldet waren, oder ob ein Zielkonflikt zwischen uns beiden bestand.

Mittlerweile habe ich häufig das Gefühl, dass es ihr im Punkt Frust aushalten, unbequeme Dinge akzeptieren usw. mehr hilft, zu schauen, ob sie selber schon irgendwelche Ansätze im Hirn hat, mit denen man situativ etwas anfangen kann.

Dann muss ich ihre durch den Reiz entstandene Aktivierung und ihre Strategie der Lösungssuche nicht so abrupt blockieren. Stattdessen kann ich versuchen, an dem anzuknüpfen, was sie ohnehin gerade anbietet, und daraus eine Lösung zu entwickeln, die auch mit der Menschenwelt kompatibel ist.
Manchmal befindet sich auf ihrem Weg eine taugliche Abzweigung.

Das hat jetzt überhaupt nichts mit deiner Geschichte zu tun. Du machst dir ja eh zu allem sehr reflektierte Gedanken. Sind eher lose Grübeleien zum Thema Frustrationstoleranz 😄
Ich bin oft ein wenig chaotisch, das kennt ihr ja mittlerweile von mir.
 
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Kirsten
17. Sept. 13:43
Ich hab bestimmt schon mindestens 1.000 Mal mein allerliebstes Ullizitat geteilt oder?
https://www.ullihunde.com/welt-erklaeren/
Ich mag inzwischen einfach nicht mehr von meinem Hund verlangen, dass sie „stehen bleibt“.

Es erscheint mir aus heutiger Perspektive nicht mehr sinnig.
 
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Ina
17. Sept. 18:39
Ich kann deine Gedanken sehr gut verstehen und teile sie auch.
Liegt es an der Natur des Terriers? Ich weiß es nicht, ich hatte nur Terrier. Aber dieser unbedingte Durchhaltewillen, Wiedrigkeiten, Probleme und Schmerz sind lediglich ein Ansporn - das alles kenne ich sehr gut. Für mich war bei meinen Hunden Frustrationstoleranz das auszuhalten, was ich jetzt vorgebe, der Hund aber keine Lust drauf hat. Oft erst mal sehr in Punkt Ruhe lernen.

Ich finde aber deine Überlegung Miras Angebot an Lösungsansätzen einzubeziehen sehr interessant! Bitte gerne auf dem Laufenden halten!
 
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SandrA
18. Sept. 10:44
Ich habe gestern noch länger über das Thema Frustrationstoleranz nachgedacht. Ich habe den Eindruck, dass die Art, wie ich darüber denke, sich verändert hat. Früher habe ich vermutet, dass Miras Wert, auf einer Skala von 0-10, wohl deutlich im Minusbereich liegen müsste 😅 Andererseits war ihr ziemlich deutlich anzusehen, dass ihr Hindernisse ziemlich wenig ausgemacht hätten, wenn sie ein Ziel vor Augen hat. Widrigkeiten und Frust haben bei ihr zu noch extremeren Lösungswillen, kreativeren Alternativen und mehr dranbleiben geführt (wenn auch oft nicht in meinem Sinne 🫣😂). Für Fotos mag sie nicht an Blättern positioniert werden, sodass sie von ihnen berührt wird. Ich hab so tolle Fotoideen dafür, für sie ein No-Go! Sich für Kaninchen durch eine stachlige Brombeerhecke zu schlagen, gar kein Problem 😄 Wehrhaftes Wild wäre vermutlich auch eher Ansporn, statt Problem (wobei da vermutlich auch Lernprozesse stattfinden würde, die Schmerzen und Schäden am eigenen Körper meiden würden). Aber ein „hat nicht geklappt“ würde direkt mit dem ausprobieren der nächsten Lösung einhergehen. Als ich mit dem territorialen Hund vor unserem Haus inkl. Futterbeutel in der Schnute in ein anderes Team reingelaufen bin, hatte sie nach kurzer Überlegung entschieden, dass das Ding heimzubringen viel wichtiger ist, als dem anderen Hund den Kopf zu waschen. Im Nachhinein frage ich mich, ob ich an einigen Stellen einen Mangel an Frustrationstoleranz vermutet habe, wo sie eine sehr hohe Persistenz bei Widrigkeiten gezeigt hat. Im Sinne ihres genetischen Ursprungs. Denn sie scheint Frustration in der Regel nicht durch Aufgeben oder Rückzug zu verarbeiten, sondern durch gesteigerte Problemlöseaktivität. Ich denke, bei uns sind oft Probleme entstanden, weil ich in irgendeiner Form ihren Versuch der Lösungsfindung blockiert hab. Klar, gerade dort wo ich wohne, kann ich Mira nicht jede mögliche Idee durchspielen lassen. Das würde die Grenzen unseres Umfeldes doch ein wenig mehr strapazieren, als ich zuzulassen bereit bin 😄 Aber es macht für mich die Frage auf, ob einige unserer Probleme dem Frust geschuldet waren, oder ob ein Zielkonflikt zwischen uns beiden bestand. Mittlerweile habe ich häufig das Gefühl, dass es ihr im Punkt Frust aushalten, unbequeme Dinge akzeptieren usw. mehr hilft, zu schauen, ob sie selber schon irgendwelche Ansätze im Hirn hat, mit denen man situativ etwas anfangen kann. Dann muss ich ihre durch den Reiz entstandene Aktivierung und ihre Strategie der Lösungssuche nicht so abrupt blockieren. Stattdessen kann ich versuchen, an dem anzuknüpfen, was sie ohnehin gerade anbietet, und daraus eine Lösung zu entwickeln, die auch mit der Menschenwelt kompatibel ist. Manchmal befindet sich auf ihrem Weg eine taugliche Abzweigung. Das hat jetzt überhaupt nichts mit deiner Geschichte zu tun. Du machst dir ja eh zu allem sehr reflektierte Gedanken. Sind eher lose Grübeleien zum Thema Frustrationstoleranz 😄 Ich bin oft ein wenig chaotisch, das kennt ihr ja mittlerweile von mir.
Deine Gedanken finde ich gerade sehr inspirierend ☺️
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, dass gezieltes und konzentriertes Training manchmal auch mich selbst in eine Art Tunnel bringen kann. Ich habe ein bestimmtes Trainingsziel im Kopf und bin dann so darauf fokussiert, dieses Ziel zu erreichen, dass ich vielleicht weniger wahrnehme oder würdige, was der Hund mir von sich aus anbietet.

Bei Ivy wird mir das durch dein Beispiel noch einmal bewusst.
Allerdings erlebe ich Frust bei ihr eher so, dass die Aktivierung extrem schnell hochschießt und sie dann voll im Tunnel hängt, kopflos agiert, Abhänge gnadenlos runterprescht oder Mauern überspringen will obwohl es dahinter metertief nach unten geht - die bringt sich teils echt in Lebensgefahr. Ihr Problemlöseverhalten ist Vollgas mit dem Kopf durch die Wand🤔

Frustrationstoleranz für mich bei ihr bedeutet momentan vor allem, dass sie lernen soll, Frust - insbesondere Jagdfrust - eben nicht mit 100 % Aktivierung und darüber hinaus lösen zu müssen, sondern in einen Zustand zu kommen, in dem sie handlungsfähig und zugänglich ist und überhaupt nach einer anderen Lösung suchen kann.😅

Deine Gedanken erinnern mich daran, dass ich aber wieder viel genauer hinschauen sollte, welche Lösungs- oder Regulationsangebote Ivy selbst bereits macht.
Bei Wildsichtungen gibt es beispielsweise etwas, das sie immer wieder von sich aus anbietet: Sie stellt sich zwischen meine Beine und streckt den Kopf durch. Und ich weiß inzwischen, dass ihr Körperkontakt tatsächlich hilft, wieder etwas herunterzufahren.

Das ist eigentlich ein ziemlich schönes Beispiel dafür, wie leicht man so etwas übersehen kann, wenn man ein konkretes Trainingsziel im Kopf hat. Man denkt vielleicht: „Ich möchte, dass sie sich jetzt anders verhält“, und übersieht dabei, dass der Hund gerade selbst eine Strategie anbietet, die für ihn funktioniert.

Danke dass du mich dran erinnerst mal wieder einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, was vom Hund kommt - das möchte ich mir auch stärker bewahren.
 
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Kirsten
18. Sept. 18:01
Deine Gedanken finde ich gerade sehr inspirierend ☺️ Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, dass gezieltes und konzentriertes Training manchmal auch mich selbst in eine Art Tunnel bringen kann. Ich habe ein bestimmtes Trainingsziel im Kopf und bin dann so darauf fokussiert, dieses Ziel zu erreichen, dass ich vielleicht weniger wahrnehme oder würdige, was der Hund mir von sich aus anbietet. Bei Ivy wird mir das durch dein Beispiel noch einmal bewusst. Allerdings erlebe ich Frust bei ihr eher so, dass die Aktivierung extrem schnell hochschießt und sie dann voll im Tunnel hängt, kopflos agiert, Abhänge gnadenlos runterprescht oder Mauern überspringen will obwohl es dahinter metertief nach unten geht - die bringt sich teils echt in Lebensgefahr. Ihr Problemlöseverhalten ist Vollgas mit dem Kopf durch die Wand🤔 Frustrationstoleranz für mich bei ihr bedeutet momentan vor allem, dass sie lernen soll, Frust - insbesondere Jagdfrust - eben nicht mit 100 % Aktivierung und darüber hinaus lösen zu müssen, sondern in einen Zustand zu kommen, in dem sie handlungsfähig und zugänglich ist und überhaupt nach einer anderen Lösung suchen kann.😅 Deine Gedanken erinnern mich daran, dass ich aber wieder viel genauer hinschauen sollte, welche Lösungs- oder Regulationsangebote Ivy selbst bereits macht. Bei Wildsichtungen gibt es beispielsweise etwas, das sie immer wieder von sich aus anbietet: Sie stellt sich zwischen meine Beine und streckt den Kopf durch. Und ich weiß inzwischen, dass ihr Körperkontakt tatsächlich hilft, wieder etwas herunterzufahren. Das ist eigentlich ein ziemlich schönes Beispiel dafür, wie leicht man so etwas übersehen kann, wenn man ein konkretes Trainingsziel im Kopf hat. Man denkt vielleicht: „Ich möchte, dass sie sich jetzt anders verhält“, und übersieht dabei, dass der Hund gerade selbst eine Strategie anbietet, die für ihn funktioniert. Danke dass du mich dran erinnerst mal wieder einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, was vom Hund kommt - das möchte ich mir auch stärker bewahren.
Gnadenlos Abhänge runterballern wollen und Hindernisse überspringen kommt mir bekannt vor 🫣

Mega, dass Ivy Körperkontakt so gut hilft. Kann sie darauf eingehen, wenn du es auch bei höherer Erregung anbietest? Das hat bei euch ja schon bei Neo super geholfen. Echt cool!

Ich hab mir kürzlich durch verschiedene Threads hier Gedanken gemacht, um Aussagen wie, ob Gebrauchshunde leidensfähiger sind (als ursprüngliche Hundetypen), ob ihnen Schutzmechanismen fehlen (Vielleicht erinnert sich jemand an die „Hunde sind Hunde“-Diskussion, als ich damals den Nora Brede Text geteilt habe 😬 Man war das ein Aufreger für manche ✌🏻)
Selbstregulation ist da ja auch immer wieder ein großes Thema. Für Hunde während der Arbeit, nach der Arbeit und „arbeitslose“ Hunde. (Das Problemhundbuch hab ich noch nicht gelesen).

Bitte verzeiht mir das Klugscheißern, mir geht’s weniger ums Belehren, sondern es sind wirklich Gedanken, die mir akut im Kopf rumgehen.
Ich hab mal gegooglt:
„Selbstregulation ist in der Psychologie die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Emotionen, Impulse und Handlungen bewusst oder unbewusst zu steuern, um das eigene Verhalten an bestimmte Situationen anzupassen und persönliche Ziele zu erreichen.

Kernbereich der Selbstregulation sind Emotions- und Stressregulation, Impulskontrolle, und Handlungs- und Zielsteuerung (Das Ausrichten des eigenen Verhaltens auf selbst gesetzte Ziele).“

Im Zuge dessen habe mich gefragt, ob denn ein Jagdhund, der auf jagdliche Auslöser reagiert, in dem Moment wirklich nicht selbstreguliert ist. Also klar, ich als jemand, der den Hund nicht jagdlich führt, für mich ists praktischer, wenn der Hund ruhig mit den Reizen umgehen kann. Aber ist er nicht auf die Situation reguliert?
Aus seiner Sicht ist das Ziel ja der jagdliche Auslöser, und daran passt er Emotionen, Impulse und Handlungen an, oder nicht? Mit Aufregung ist der Hund ja erstmal auf dem Level, den die Situation aus seiner Sicht benötigt, denn ohne Aktivierung geht die Jagd in die Hose.
Und dann trifft er auf die blockierte Erwartung, weil die Leine kurz ist, er nicht hinterher gehen kann und da der Halter daneben ist, der die Vorstellung hat ihn zu beruhigen.

Bitte nicht falsch verstehen, ich will gar nicht provozieren. Wir haben ja auch Auf-Reh-gung 🦌und ich fühle deine Texte eh total und sehe bei Neo und Ivy viele Parallelen zu Mira.