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zuletzt 6. Nov.

"Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Hallo ihr Lieben :)
Ich habe kürzlich o.g. Buch verschlungen und gleich begeistert mit dem dort aufgeführten Training begonnen.

Für alle, die es nicht kennen: Es geht darum gemeinsam mit seinem Hund die Welt zu entdecken und Spuren zu suchen etc.. Quasi ein Leitfaden, wie man dem Hund zeigt nicht mehr alleine jagen zu gehen, sondern voller Freude zu kooperieren.

Ich bin nun unendlich begeistert, weil erste (auch unerwartete) Erfolge schon in wenigen Tagen sichtbar wurden und wollte nun mal fragen, ob noch jemand inspiriert von diesen Methoden mit seinem Hund die Welt erkundet?

Würde mich über einen Erfahrungsaustausch unheimlich freuen!

Liebe Grüße
 
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Julien
15. Sept. 09:36
Das Buch kannte ich noch gar nicht.
Klingt aber sehr interessant und werde ich mir Mal anschauen.
 
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Jochen
15. Sept. 11:15
Scheint eine tolle Trainerin zu sein. Mich nervt das blindwütige Konditionieren auch immer mehr. Ich muss die Augen verdrehen, wenn manch Trainierender den Leuten empfiehlt eine ganze Leckerligalerie dabei zu haben. Sie sehen den Hund ausschließlich als Reiz-Reaktions-Maschine. Natürlich geht es nicht/schlecht ohne Konditionierung (wobei ich die Frage sehr spannend finde), schon allein, weil sie auch automatisch abläuft. Aber ich bin mir auch sicher, dass sie oft auch viel kaputt macht.

Auch kann Konditionierung Hund und Halter viel Spaß machen, zB. beim Tricksen, wodurch dann wieder Beziehung/Gemeinsamkeit/Erfolgserlebnisse/Selbstwirksamkeit/Selbstregulation/Selbstbewusstsein/gegenseitiges Lesen usw. profitieren…

Wenn Pepe freudig und stolz der Richtungsumkehr bei der Spurensuche gefolgt ist und ich ihm ein Leckerli geben wollte, hatte er mich immer angeschaut, als wäre ich nicht ganz dicht. Das hat mir die Augen geöffnet, da gebe ich nur noch soziale Rückmeldung, die er wirklich auch aufsaugt und als sehr wertig empfindet, nach meinem Dafürhalten.

Bei mir gibt es beim Spaziergang nur noch bedingungslose Leckerli.
 
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Katja
15. Sept. 11:42
Bei unserer verfressenen Hundine ist das sehr gut zu merken, insbesondere als wir mal beim Degility waren: mit Leckerlis wird sie im Verlauf immer fahriger und trampelt irgendwann auch alles nieder, da sie sich da selber reinsteigert, weil sie nur ans Leckerli will.
Hab dann irgendwann die Leckerlis weggesteckt und dann konnte sich die Kleene viel besser konzentrieren… geht da ja schließlich um Körperbeherrschung!

Wir nutzen‘s jetzt ganz gezielt, wenn‘s ums Überwinden geht und sie im ersten Ansatz gar nicht so viel mitkriegen SOLL.😬
Um’s dann aber selbstverständlich für sie zu machen, MUSS sie sich ja z.B. mit einem gruseligen Steg auseinandersetzen. Da sind die Leckerlis definitiv kontraproduktiv, die lassen wir da weg und versuchen sie nur zu überreden!
 
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Katja
15. Sept. 12:01
Hier sieht man schön, wie die Kleene auf schwankt zwischen „gib mir schon das Leckerli!“ und „das ist doch ganz schön gruselig und mich interessiert das Leckerli eigentlich grad überhaupt nicht“…

Hat bei diesem wirklich wunderschönen Parkour an diesem Campingplatz am Brombachsee echt prima funktioniert: die meisten Hindernisse ist Polli danach, als sie sich erstmal überwunden hatte und gemerkt hat, sie wird nicht gefressen, ganz entspannt ohne Hilfsmittel gelaufen!🤗
 
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Ina
15. Sept. 15:00
Der Text spricht mir sehr aus dem Herzen!
Yaco folgt in vielen Dingen mit der terriertypischen langsamen Lässigkeit. Außer er merkt, dass ich angespannt bin (z.B. weil ein Auto kommt, immer wenn Gefahr von Außen droht). Dann folgt er immer sofort und unmittelbar.
Auch ist er nicht wirklich gut Leinenführig - ihm ist der Abstand zum Menschen in der normalen Leinenführigkeit viel zu eng, es gruselt ihn regelrecht. Wenn es aber aus seiner Sicht notwendig ist z.B. in der Stadt, habe ich einen perfekt leinenführigen und bei Fuß gehenden Hund. Aber er macht es aus eigenem Antrieb.
So gibt es bei uns ganz viele Situationen, die Yaco zwar als Kommando kennt, aber nicht wirklich umsetzt, ausser man erklärt ihm, warum das jetzt notwendig ist 🤣
So eine Beziehung finde ich so wertvoll!
 
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Jochen
15. Sept. 16:04
Hier sieht man schön, wie die Kleene auf schwankt zwischen „gib mir schon das Leckerli!“ und „das ist doch ganz schön gruselig und mich interessiert das Leckerli eigentlich grad überhaupt nicht“… Hat bei diesem wirklich wunderschönen Parkour an diesem Campingplatz am Brombachsee echt prima funktioniert: die meisten Hindernisse ist Polli danach, als sie sich erstmal überwunden hatte und gemerkt hat, sie wird nicht gefressen, ganz entspannt ohne Hilfsmittel gelaufen!🤗
Soziale Rückmeldung kann allerdings auch fies sein, Beispiel:
Setting Ferienhaus: Zur Wohnung ging eine Treppe hoch, Patschi: "Ne, gehe ich nicht".
Ich (Idiot): Na dann, wer mit kommt, kommt mit, wer nicht, der nicht.
Also alle einschließlich Lotta hoch. Patschi zitternd unten geblieben und sich "eingenässt".

Das war so schrecklich, werde ich nie vergessen.
Nächsten Tag haben wir das ordentlich geübt und die Treppe war kein Problem mehr.

Will sagen, sozial klingt immer so sozial 😄, aber es kann auch richtig gewaltsam sein.
 
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Katja
15. Sept. 17:52
Soziale Rückmeldung kann allerdings auch fies sein, Beispiel: Setting Ferienhaus: Zur Wohnung ging eine Treppe hoch, Patschi: "Ne, gehe ich nicht". Ich (Idiot): Na dann, wer mit kommt, kommt mit, wer nicht, der nicht. Also alle einschließlich Lotta hoch. Patschi zitternd unten geblieben und sich "eingenässt". Das war so schrecklich, werde ich nie vergessen. Nächsten Tag haben wir das ordentlich geübt und die Treppe war kein Problem mehr. Will sagen, sozial klingt immer so sozial 😄, aber es kann auch richtig gewaltsam sein.
Jo, die Schwierigkeit ist eben die Grenze zu finden: wo bin ich noch genug im Kontakt, um aufzumuntern und in Zweifelsfalle auch Ängste wenigstens zu dämpfen, so dass ein gedanklicher Prozess zur Auseinandersetzung möglich wird?
Und wann verliere ich den Kontakt?
Der Hund darf halt nicht das Gefühl haben, er wird im Stich gelassen.
Aber fordern darf man schon!

Ich bin da tendenziell immer zu soft und will zu früh abbrechen („der arme Hund“).
Aber mit meinem Freund ist Polli echt schon so einige Male über sich hinausgewachsen!
Das hat mich denn doch zum Nachdenken gebracht.
Aber es ist immer ein schmaler Grat…
 
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Katja
15. Sept. 18:02
Diese Klamm war für Polli z.B. echt die ultimative Herausforderung: Man kann durchgucken, unten bewegt es sich und überall laute Geräusche.
PAAAANIK!!!!

Wenn wir ihr nicht gut zugeredet hätten, hätte sie da selber keinen Schritt reingesetzt… und das war durchaus auch eine mögliche Option, dass ich mit ihr einfach nen anderen Weg nehme.

Das erste Video ist der Anfang. Da war wichtig, dass die Angst nicht übernimmt und wir sie in Bewegung halten. Machen musste sie’s aber selber!
Das zweite Video war dann ein Stückchen weiter oben: komplette Todesverachtung und wieder voll im Job als Hütehund angekommen: „eins, zwei… mooooment: da fehlt doch eine!“😀
 
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SandrA
16. Sept. 05:00
Vielen Dank, Kirsten, für den tollen Denkanstoß 🥰

Ich finde es so schön, dass es immer mehr Auseinandersetzungen damit gibt, wie wir im Umgang mit Hunden stärker über soziale Rückmeldung, Beziehung und bedürfnisorientiertes Lernen arbeiten können. Die Perspektive, den Hund auch in seinen Bedürfnissen, seinen Emotionen und vor allen seiner Sicht auf die Welt wahr- und ernst zu nehmen, ist auch das, was ich an diesem Thread so mag ☺️
Hier geht es ja vor allem um Beziehung, das gemeinsame Erleben der Natur und darum, die Perspektive des Hundes einzunehmen. Und ich nutze diese Sichtweise sehr gern für mich und meine Hunde.

Der Text von Frau Mangold erinnert mich an ein interessantes Video eines Trainers auf das ich kürzlich auf SM gestoßen bin. Darin ging es um einen Hund, der an einem Zaun auf einen dort kläffenden Hund reagierte und dabei völlig eskalierte. Besonders spannend fand ich, dass der Trainer eben nicht nur die unmittelbare Situation fokussierte und Anweisungen gab um diese konkrete Situation zu trainieren, sondern dass er vor allem darauf schaute, was danach passiert: Abstand herstellen, dem Hund die Möglichkeit geben, wieder herunterzufahren und die Situation anschließend aus einem regulierteren Zustand heraus noch einmal wahrzunehmen.

Es ging also darum, eine andere Lernerfahrung zu machen und nicht „nur“ das gezeigte Verhalten zu verändern. Eben nicht nur „Aufregung - Wegführen - Entspannung“ bzw. Ablenkung - keine Aufregung, sondern Aufregung - Abstand - Wahrnehmung - Regulation gemeinsam mit dem Menschen - die Situation des bellenden Hundes wahrnehmen,selbst nicht eskalieren müssen und so neu bewerten .

Dazu passt auch eine relativ jung gelöste Baustelle die ich mit oder wegen unserer beiden Nachbarhunde hatte, die regelmäßig und ungestört direkt gegenüber in einer sehr löchrigen Hecke hängen und dort völlig eskalieren. Für Neo war das anfangs eine Mega Herausforderung. Er kam letztlich schon mit der Erwartung „Gleich geht’s los“ aus dem Haus.

Unser Ansatz bestand deshalb aus mehreren Bausteinen. Zunächst haben wir daran gearbeitet, dass er überhaupt mit einem regulierteren Erregungsniveau aus dem Haus gehen konnte. Er sollte nicht schon auf 180 sein, bevor wir den Vorgarten überhaupt betreten.

Anschließend habe ich begonnen, den Vorgarten für ihn emotional neu zu besetzen. Von „gleich gibts Randale“, zu „gleich passieren tolle Dinge! Wir machen Suchspiele, beschäftigen uns miteinander und es gibt KEKSEEE.“ Ich habe also durchaus mit Konditionierung gearbeitet, weil Futter für Neo einen hohen Wert hat und er sich damit gerne auf gemeinsame Aktivitäten einlässt.

Wenn die Nachbarhunde draußen waren, haben wir auf der Straße den Abstand geschaffen, bei dem ich das Gefühl hatte, dass Neo die Situation bewältigen und noch mit mir kommunizieren konnte. Von dort aus haben wir uns wieder positiv miteinander beschäftigt und so alternative Verhaltensweisen aufgebaut aber auch sein inneres Gefühl verändert - von Angespannt zu Lustig.

Mit der Zeit hat sich dadurch wahnsinnig viel verändert. Neo kann das Gebell heute deutlich besser aushalten - sogar trotz eskalierender Ivy, die noch nicht so weit ist🙈😂. Er kann ins Auto springen, an der Hecke vorbeigehen und manchmal ignoriert er das Gekläffe sogar völlig. Er ist dabei nicht immer völlig entspannt, aber er hat heute wesentlich mehr Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. ER schafft es die Situation zu bewältigen ohne dass ich zwingend ablenken, umlenken usw muss.

Bei Ivy ist es momentan tatsächlich so, dass ich recht viel über Konditionierung arbeite. Sie ist einfach ein Hund, der sehr stark nach außen orientiert, ausgesprochen reizoffen und sehr impulsiv ist. Da befinden wir uns gerade an einem Punkt, an dem gezieltes Training für uns sehr hilfreich ist.

Gleichzeitig arbeiten wir aber auch intensiv an Frustrationstoleranz, Co - Regulation, und daran, dass sie zunehmend lernt, mit verschiedenen Reizen besser umzugehen - also zu beobachten anstatt direkt loszuschreien oder loszupreschen. Konzentrierte Nasenarbeit anstatt sich in Rage zu schnüffeln usw.

Auch bei ihr ist es also immer eine Kombination aus verschiedenen Elementen. Für mich sind Methoden und Denkmodelle stets unterschiedliche Bestandteile eines großen Ganzen und ich finde es immer wieder schön Hilfreiches zum Bestehenden hinzuzufügen ☺️
 
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Ina
17. Sept. 18:39
Ich kann deine Gedanken sehr gut verstehen und teile sie auch.
Liegt es an der Natur des Terriers? Ich weiß es nicht, ich hatte nur Terrier. Aber dieser unbedingte Durchhaltewillen, Wiedrigkeiten, Probleme und Schmerz sind lediglich ein Ansporn - das alles kenne ich sehr gut. Für mich war bei meinen Hunden Frustrationstoleranz das auszuhalten, was ich jetzt vorgebe, der Hund aber keine Lust drauf hat. Oft erst mal sehr in Punkt Ruhe lernen.

Ich finde aber deine Überlegung Miras Angebot an Lösungsansätzen einzubeziehen sehr interessant! Bitte gerne auf dem Laufenden halten!