Vielen Dank, Kirsten, für den tollen Denkanstoß 🥰
Ich finde es so schön, dass es immer mehr Auseinandersetzungen damit gibt, wie wir im Umgang mit Hunden stärker über soziale Rückmeldung, Beziehung und bedürfnisorientiertes Lernen arbeiten können. Die Perspektive, den Hund auch in seinen Bedürfnissen, seinen Emotionen und vor allen seiner Sicht auf die Welt wahr- und ernst zu nehmen, ist auch das, was ich an diesem Thread so mag ☺️
Hier geht es ja vor allem um Beziehung, das gemeinsame Erleben der Natur und darum, die Perspektive des Hundes einzunehmen. Und ich nutze diese Sichtweise sehr gern für mich und meine Hunde.
Der Text von Frau Mangold erinnert mich an ein interessantes Video eines Trainers auf das ich kürzlich auf SM gestoßen bin. Darin ging es um einen Hund, der an einem Zaun auf einen dort kläffenden Hund reagierte und dabei völlig eskalierte. Besonders spannend fand ich, dass der Trainer eben nicht nur die unmittelbare Situation fokussierte und Anweisungen gab um diese konkrete Situation zu trainieren, sondern dass er vor allem darauf schaute, was danach passiert: Abstand herstellen, dem Hund die Möglichkeit geben, wieder herunterzufahren und die Situation anschließend aus einem regulierteren Zustand heraus noch einmal wahrzunehmen.
Es ging also darum, eine andere Lernerfahrung zu machen und nicht „nur“ das gezeigte Verhalten zu verändern. Eben nicht nur „Aufregung - Wegführen - Entspannung“ bzw. Ablenkung - keine Aufregung, sondern Aufregung - Abstand - Wahrnehmung - Regulation gemeinsam mit dem Menschen - die Situation des bellenden Hundes wahrnehmen,selbst nicht eskalieren müssen und so neu bewerten .
Dazu passt auch eine relativ jung gelöste Baustelle die ich mit oder wegen unserer beiden Nachbarhunde hatte, die regelmäßig und ungestört direkt gegenüber in einer sehr löchrigen Hecke hängen und dort völlig eskalieren. Für Neo war das anfangs eine Mega Herausforderung. Er kam letztlich schon mit der Erwartung „Gleich geht’s los“ aus dem Haus.
Unser Ansatz bestand deshalb aus mehreren Bausteinen. Zunächst haben wir daran gearbeitet, dass er überhaupt mit einem regulierteren Erregungsniveau aus dem Haus gehen konnte. Er sollte nicht schon auf 180 sein, bevor wir den Vorgarten überhaupt betreten.
Anschließend habe ich begonnen, den Vorgarten für ihn emotional neu zu besetzen. Von „gleich gibts Randale“, zu „gleich passieren tolle Dinge! Wir machen Suchspiele, beschäftigen uns miteinander und es gibt KEKSEEE.“ Ich habe also durchaus mit Konditionierung gearbeitet, weil Futter für Neo einen hohen Wert hat und er sich damit gerne auf gemeinsame Aktivitäten einlässt.
Wenn die Nachbarhunde draußen waren, haben wir auf der Straße den Abstand geschaffen, bei dem ich das Gefühl hatte, dass Neo die Situation bewältigen und noch mit mir kommunizieren konnte. Von dort aus haben wir uns wieder positiv miteinander beschäftigt und so alternative Verhaltensweisen aufgebaut aber auch sein inneres Gefühl verändert - von Angespannt zu Lustig.
Mit der Zeit hat sich dadurch wahnsinnig viel verändert. Neo kann das Gebell heute deutlich besser aushalten - sogar trotz eskalierender Ivy, die noch nicht so weit ist🙈😂. Er kann ins Auto springen, an der Hecke vorbeigehen und manchmal ignoriert er das Gekläffe sogar völlig. Er ist dabei nicht immer völlig entspannt, aber er hat heute wesentlich mehr Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. ER schafft es die Situation zu bewältigen ohne dass ich zwingend ablenken, umlenken usw muss.
Bei Ivy ist es momentan tatsächlich so, dass ich recht viel über Konditionierung arbeite. Sie ist einfach ein Hund, der sehr stark nach außen orientiert, ausgesprochen reizoffen und sehr impulsiv ist. Da befinden wir uns gerade an einem Punkt, an dem gezieltes Training für uns sehr hilfreich ist.
Gleichzeitig arbeiten wir aber auch intensiv an Frustrationstoleranz, Co - Regulation, und daran, dass sie zunehmend lernt, mit verschiedenen Reizen besser umzugehen - also zu beobachten anstatt direkt loszuschreien oder loszupreschen. Konzentrierte Nasenarbeit anstatt sich in Rage zu schnüffeln usw.
Auch bei ihr ist es also immer eine Kombination aus verschiedenen Elementen. Für mich sind Methoden und Denkmodelle stets unterschiedliche Bestandteile eines großen Ganzen und ich finde es immer wieder schön Hilfreiches zum Bestehenden hinzuzufügen ☺️