Super Kommentar, Kirsten, und sehr wichtige Fragen, mit denen ich mich auch sehr oft beschäftige.
Ich glaube, was in Foren oft unterschätzt wird, ist die psychologische Wirkung von Bewertungssituationen.
Wenn jemand ein Video mit seinem Hund einstellt, zeigt der-/diejenige ja nicht einfach nur „Content“. Mensch zeigt Beziehung, Entscheidungen, Emotionen, Unsicherheiten und macht sich damit verletzlich. Das ist gerade in emotional aufgeladenen Foren fast immer etwas sehr Persönliches.
Und digitale Kritik funktioniert psychologisch eben anders als ein Gespräch unter vier Augen im Wald.
Ich vergleiche das mal mit einer Prüfungssituation:
Wie würde es sich anfühlen, wenn die eigene Prüfungsarbeit vor der gesamten Schule oder Uni öffentlich vorgestellt würde und jeder dürfte spontan kommentieren, analysieren, kritisieren oder anzweifeln, was man da gemacht hat?
Genau deshalb sind Prüfungen normalerweise geschützte Räume.
In öffentlichen Foren stellen Menschen nun sehr persönliche Situationen ein und erleben dann, dass viele gleichzeitig ihre Einschätzung dazu abgeben. Selbst vorsichtig formulierte Kritik kann sich dadurch schnell wie öffentliche Bewertung oder Rechtfertigungsdruck anfühlen.
Und ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, wie viel Scham, Stress oder inneren Druck das auslösen kann. Vor allem bei Themen, die einem emotional wichtig sind.
Ich würde zu Kirstens Fragen noch gern als Denkanstoß ergänzen, dass ein Raum schön wäre, in dem Reflexion möglich bleibt, ohne dass Menschen das Gefühl bekommen, sich öffentlich verteidigen zu müssen.
(Ich hatte hier im Thread allerdings lange das Gefühl, dass das eigentlich recht gut funktioniert.)