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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 28. Aug.

Die brauchen aber viel Beschäftigung! - Der Bordercolli-"Mythos"...?

Wie oft bekomm ich sowas zu hören - "Der braucht sicher viel Auslauf/Beschäftigung/Training." Oder "Machen Sie Agility mit ihm?" Oder "Den muss man richtig auspowern." Nö, braucht er nicht. Nö, mach ich nicht. Nö, muss man nicht. Was er braucht ist mehrmals die Woche ordentliche Spaziergänge, bei denen was von ihm verlangt wird. Heisst in seinem Alter nach wie vor Erziehung, Impulskontrolle, Benehmen generell und an der Leine. Agility mach ich, wenn ich einen hysterischen, überdrehten Hund will. Und bevor ich ihn auspowere leg ich mich lieber mit ihm auf die Couch. Wie sind eure Erfahrungen und Beobachtungen zu dem Thema bzw zu ähnlichen Glaubenssätzen rund um andere Rassen? Ps: ja ich hab Showlinie aber da einen richtigen Vivzack, der auch ohne weiteres zum Hüten ausgebildet werden könnte. Warum und wozu viele Arbeitslinien noch extra nervös sein müssen, versteh ich ehrlich gesagt nicht ganz.
 
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R
19. Apr. 10:01
Irgendwie schade, dass bei vielen der Konsens herrscht, dass es nur Theorie ODER Praxis gibt. Kann man denn nicht anerkennen, dass die Theorie von der Praxis lernen kann und dass die Praxis von der Theorie lernen kann? Oder auch immer dieses erfahrene Hundehalter gegen unerfahrene Hundehalter. Natürlich sind unerfahrene Hundehalter erstmal verkopfter und mehr auf Theorien bezogen, woher sollen sie denn die Erfahrung nehmen? Die muss man ja erstmal erarbeiten. Die bekommt man nicht in die Wiege gelegt. So wie man von erfahrenen Haltern einiges lernen kann, können doch aber auch erfahrene Hundehalter von neuen Erkenntnissen lernen. Früher gab es wohl kaum Hunde, die so alt geworden sind, weil es noch keine Zeckenmittel, Wurmkuren, Medikamente und gesunde Ernährung gab. Ist doch super, dass sich da auch die Wissenschaft entwickelt und wir unseren Vierbeinern ein besseres Leben schenken können, ganz egal ob es nun medizinisch oder auch im gemeinsamen Zusammenleben.
Um ehrlich zu sein, sehe ich gar nicht, dass ich dir da groß widersprochen hätte. Zum Thema Theorie und Praxis muss ich nur ganz klar die Stellung beziehen, mein Hund/meine Hunde leben im Moment und ohne groß in Vergangenheit oder zu Zukunft zu denken. Sie agieren spontan und direkt in Situationen. Man kann viel über Theorie lernen, aber meine Erfahrung ist, in der Praxis ist es nicht Denken, sondern direktes klares Agieren. Die Theorie kann den Anschwung geben,für bestimmte Interaktionen, oder auch zur Reflektion genutzt werden. Die direkte Situation ist aber im Handeln und umsetzen gefragt, ohne zuviel zu denken. So kann ich zwar theoretisch wissen, wie ich meinem Hund etwas verständlich mache, aber sofern diese Umsetzung nicht meine Praxis ist, ist das für den Hund schnell nur ein böhmisches Dorf.
 
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Dogorama-Mitglied
19. Apr. 10:08
Das sind natürlich total Extreme die so nicht vertretbar sind, ganz klar. Dennoch werden auch diese Leute eher weniger ihren Hund dominieren, weil ihnen das ihr Bauchgefühl sagt. 😅 Das sind vor allem ja veraltete Theorien und Praktiken, die sich sowohl faktisch als auch menschlich widerlegen lassen. Und anderweitig fühlt es sich ja auch nicht wirklich gut an, wenn der Hund da in schrecklichen Kostümen steckt und er vor lauter Stress hechelt. Da stecken immer andere Motivationen dahinter. Sagen wir mal so: Ich vertraue auf mein Bauchgefühl. Nicht unbedingt auf das von anderen. 😅 Und das natürlich auch nur im alltäglichen Kontext. Da bin ich nämlich auch Mensch und nicht nur Wissenschaftler. ☺️
Ja Beispiele sind halt oft extra plakativ, damit der Punkt rüberkommt.

Fakt ist aber, dass sich sowohl das Eine wie das Andere lang genug gehalten hat(te), um als sehr prakisbezogene negative Konsequenzen theoretischer Sichtweisen zu taugen.

Dass das im Moment zumindest in unseren Breiten seltener wird, ist natürlich nur zu begrüßen.
 
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Birgit
19. Apr. 10:18
Was stört dich denn daran, dass Joe auch an anderen Sportarten Interesse zeigt, bei denen Hunde erstmal recht erregt wirken? Verstehe ich jetzt nicht so ganz, was daran so schlimm ist. 🤔
Gar nichts!! Warum auch?! Nur ist es dann auch mal irgendwann gut. Agility kommt nun mal nicht bei jedem gut an. Ist ja reichlich geschrieben wurden. Als nächstes die Schlittenhunde?! Interesse an Sportarten ist gut aber hier ewig schildern wie hyper die Hunde sind weil ich diese Sportart nicht mag. Es gibt durchaus auch Hunde die ruhig durch den Parcour laufen. Permanent die Sportart schlecht zu reden ist irgendwann abgelutscht. Brauche mitunter nur durch die Gegend zu laufen und sehe hyperaktive Hund die kurz an der Leine gehalten werden und agro sind weil gar nichts gemacht wird. Damit will ich sagen die hyper Hunde gibt es überall und nicht nur im Sport. Deswegen sehe ich es ganz einfach, lerne die Hundesprache 😉
 
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Dogorama-Mitglied
19. Apr. 10:28
Gar nichts!! Warum auch?! Nur ist es dann auch mal irgendwann gut. Agility kommt nun mal nicht bei jedem gut an. Ist ja reichlich geschrieben wurden. Als nächstes die Schlittenhunde?! Interesse an Sportarten ist gut aber hier ewig schildern wie hyper die Hunde sind weil ich diese Sportart nicht mag. Es gibt durchaus auch Hunde die ruhig durch den Parcour laufen. Permanent die Sportart schlecht zu reden ist irgendwann abgelutscht. Brauche mitunter nur durch die Gegend zu laufen und sehe hyperaktive Hund die kurz an der Leine gehalten werden und agro sind weil gar nichts gemacht wird. Damit will ich sagen die hyper Hunde gibt es überall und nicht nur im Sport. Deswegen sehe ich es ganz einfach, lerne die Hundesprache 😉
Weisst du, womit es meiner Meinung nach gut sein könnte?

Mit Beiträgen, die sich über Beiträge beschweren.

Niemand brauch bei einem Thread mitzumachen, der ihm/ihr nicht zusagt.
 
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Birgit
19. Apr. 10:54
Weisst du, womit es meiner Meinung nach gut sein könnte? Mit Beiträgen, die sich über Beiträge beschweren. Niemand brauch bei einem Thread mitzumachen, der ihm/ihr nicht zusagt.
Naja meine Meinung äußern darf ich schon. Bin schon weg.
 
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Babs
19. Apr. 13:51
Ja soweit geh ich absolut mit, wir hatten weiter hinten aber schon mal die Feststellung, dass es dort problematisch wird, wo aus solch mangelhaften Konstrukten auch mangelhafte Trainings- und Umgangsformen abgeleitet werden. Sie Abrichten, Dressieren, Dominieren, Unterwerfen, in die Gegügigkeit Prügeln etc. Oder im anderen Extrem in Kleidchen stecken, in Handtaschen rumschleppen, Fettfüttern etc Ich hab nicht annähernd so viel Vertrauen in das menschliche "Bauchgefühl" wie du 😄
Darf ich fragen, von welcher Sportart Du redest, bei denen Hunde abgerichtet, dressiert, dominiert, unterworfen, in die Gefügigkeit geprügelt .... werden?
 
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Kirsten
19. Apr. 16:07
Ich sehe sehr viel hochtrabende Theorie-schwurbelei und wenig Praxisbezogene Strategie. Im Kern stört mich, das ganz groß gewettert wird, über Ausführungen Anderer(immer die Unbekannten Personen XYZ), während die eigene Ausführung der Praxis als möglichst arm und damit leichter verdaulich diskutiert wird. Vom Thema her wird jetzt ein Leitfaden Studium der Verhaltenstherapie, gegen die angeblich so verrosteten und verrohten und vor Allem angeblich völlig vom Hund abweichenden, alten "Stammpfeiler" Traditionen gestellt. Was ich nicht mag, ist diese Sprachschwurbelei. Man kann die Dinge ja umbenennen. Ist mir wurscht ob Trieb, Motivation, Genetische Veranlagung. Viele Ansätze sind leider so Junghundbesitzer typisch, dass ich sie für ein ganzes Hundeleben nicht feststecken möchte. Routinen und Bewegungsmöglichkeiten sind in allererster Linie deshalb genutzt, damit der Hund im Alltag seine Zeit findet. Auch vermenschlichung von Zielen wird niemals abhanden kommen, der Hund will ja grundsätzlich Gefallen und wird seine Menschen weiter dazu animieren . Wenn ich Welpen sehe, sehe ich Arbeit. Sie sind unerzogen, undicht, fressen wahrscheinlich noch alles usw. Na sicher kann man jetzt stundenlang über Verhaltenstheorien sprechen, Praxis ist aber immer Recht ähnlich um sie dem menschlichen Umfeld anzupassen. Und das haben die alten Theorien den neuen Theorien (die wie gesagt , viel kritisieren ohne praxisnahe Alternativen) etwas voraus. Schlicht weil Traditionen zwar veralten und nicht immer mit der Zeit Schritt halten, aber sich bewährt haben. Von daher nicht alles alte ist schlecht und muss zerrissen werden. Ein guter Weg ist eine brücke zwischen alt und neu zu schlagen. So lange der Hund jung fit und gesund ist- finde ich eine möglichst große hundegerechte Erlebnisbandbreite wirklich Lebenswert. Für den einen ist das täglich Wald und Natur und der andere der in der Stadt wohnt, geht halt gerne zu einem Sportverein. Adrenalin ist etwas , das alle Hunde zur Aktivität freisetzen. Und ob die nun bellen ist für mich kein Zeichen von Negativem. Was tut das denn dem Hund? Wenn die Zunge aus dem Rachen hängt, nach dem spielen in der Hundegruppe ist er glücklich. Geht man zum Sport ist es ungesund? ... Das Hundeleben wird immer auf und ab geben, der eine verletzt sich, der andere wird alt, der Nächste hat in seiner Menschenfamilie gerade häusliche Geschichten zu managen. Ich bewundere die Geradlinigkeit der Diensthundeführer.Der Familienhund (rasseunabhängig) macht auch immer sehr viel unhündisches mit. Ob in kleinen oder großen Situationen. Und was überreizung angeht...nach knapp 25jahren beobachtung- hohe Hundedichte , größere Reaktivität und mehr überreizte Hunde.
Was wäre denn eine praxisbezogene Strategie die du als passend empfindest?
Das der Hund im Alltag Zeit für sich wertvoll nutzen kann, empfinde ich auch als sehr wichtig.

Welche Ansätze sind Junghundbesitzer typisch?
Magst du mal adressieren, was dich so stört?
 
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R
19. Apr. 20:51
Was wäre denn eine praxisbezogene Strategie die du als passend empfindest? Das der Hund im Alltag Zeit für sich wertvoll nutzen kann, empfinde ich auch als sehr wichtig. Welche Ansätze sind Junghundbesitzer typisch? Magst du mal adressieren, was dich so stört?
Ich finde es gut in der Praxis zu beobachten, welche Theorie für einen Sinn macht 😀 ein Hütehund, hat nun Mal sehe krasse Unterschiede zu einem herdenschützer, die Bewegungsperspektive eines kleinen jagdhundes ist auch anders als die eines großen jagdhundes. Ein Familienhund ist anders dran, als ein Singlehund. Genauso ist ein Einzelhund meist anders gestellt, als ein Mehrhundehaushalt. Für und wider gibt es bei allem. Die alte Tradition kommt hauptsächlich von gebrauchs- und diensthundeführern. Züchter würden ihre eigenen bücher zur Rasse schreiben und Verhaltensexperten sehen in der Praxis meistens auch ganz andere Typen, als der Halter selbst in seinem Hund. Wenn ich was brauche, schaue ich nach. Wenn mich ein Thema interessiert , kann es mich zu manchen veranlassen. Aber Glück ist, man selbst sein zu können. Mögen auch die Hunde. Wenn ein Hund einen Tagesablauf hat, ist Ruhen ganz weit oben. Nun ist es so, das bei dienst- und Gebrauchshunden der Akku adrenalinbedingt gerne mehr macht als normal. Warum auch nicht. Ein Windhund ist auch ganz anders physisch aufgestellt , als ein Beagle z.b. klar soll ein Hund ruhen, aber was meint der Verhaltensforscher bitte für einen ? Reden wir von Border Collie Studien muss auch nicht der Leistungsleitfaden abgearbeitet werden, oder die Rekorde. Aber sicher , hole ich mir einen Athleten, so wird er Sportlich aktiv sein und körperliche beschäftigung erhalten . Kenne keinen BC der nicht richtig zufrieden ist, wenn ihm nach Action die Zunge aus dem Hals hängt.
 
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R
19. Apr. 21:04
Was wäre denn eine praxisbezogene Strategie die du als passend empfindest? Das der Hund im Alltag Zeit für sich wertvoll nutzen kann, empfinde ich auch als sehr wichtig. Welche Ansätze sind Junghundbesitzer typisch? Magst du mal adressieren, was dich so stört?
Der Hund wird sich nach seiner Familie richten :) daher empfinde ich bspw einen energiegeladenen Jungspund einer Diensthundeasse nicht unbedingt Rentnerfreundlich. l(Ausnahmen bestätigen die Regel und ich kenne nicht wenige!!) solche Theorien, die einfach nicht den Empfänger erwischen, betreffen hauptsächlich die Eignung, den passenden Hund l, zum passenden Halter und Haushalt zu bringen. Züchter vollbringen da schon viel mit der gekonnten Auswahl ihrer Schützlinge. Die meisten Katastrophen entstehen Blindkäufen. Junghundhalter typisch ist leider die Ansicht ein Hund bis 4jahre wäre schon ganz große Schule. Doch jeder Hund ist anders und kein Haushalt wirklich vergleichbar um mit diesem einen vermeintlich kerngesunden fitten vitalen Jungspund in der blüte seiner Zeit verglichen zu werden. Ganz schnell kippt bei dem ersten "normalen" Problem die Stimmung. Und ja, die Aufgabe als Halter sehe ich nicht darin Theorien zu predigen, sondern Hunde, durch Höhen und Tiefen,glücklich durch ihr Leben zu bringen. Sie sind im Prinzip froh, wenn wir es sind :) niemand von uns ist immer froh. Theorien hin oder her, sie werden nicht vorm leben schützen. Kein Barfplan schützt vorm Tierarzt und ein steriles leben ist nicht hundegerecht. Sei es in optimierender schützender Haltung, noch in reiner Gebrauchsform.
 
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Dogorama-Mitglied
19. Apr. 22:40
Darf ich fragen, von welcher Sportart Du redest, bei denen Hunde abgerichtet, dressiert, dominiert, unterworfen, in die Gefügigkeit geprügelt .... werden?
Ich hab in diesem Fall nicht von Sportart gesprochen, aber vor allem der Umgang mit Arbeits- und "Gebrauchs"hunden war (und ist tw) von solchen Methoden geprägt.