Ich kann deine Gedanken ehrlich gesagt gut nachvollziehen.
Zwar wüsste ich nicht dass Autismus bei Hunden als natürlich vorkommende Diagnose belegt ist, aber bei meiner Hündin habe ich anfangs auch kurz in diese Richtung gedacht.
Als sie aus der Tötung (in der sie auch geboren wurde) zu uns kam, wirkte sie überwiegend wirklich komplett „weg“. Sie reagierte kaum bis gar nicht auf Ansprache, nahm Außenreize scheinbar überhaupt nicht wahr und klebte wirklich permanent mit der Nase am Boden. Ob Rufen, Gebell, Händeklatschen, Quietschgeräusche - nichts führte auch nur im mindesten zu Orientierung. Wir haben damals tatsächlich überlegt, ob sie taub sein könnte und hatten bereits Kontakt zum Tierarzt deswegen. Sie ist es nicht.
Später wurde immer deutlicher, dass hinter ihrem Verhalten vermutlich nicht „fehlende“ Wahrnehmung, sondern eher das Gegenteil - eine extreme Reizoffenheit und Überflutung - steckt. Auf Spaziergängen fuhr sie unglaublich schnell extrem hoch, schrie, hing in der Leine, konnte Reize anfangs kaum filtern oder priorisieren und war dadurch oft gar nicht mehr ansprechbar. Beruhigt hat sie sich erst Minuten später, nachdem der auslösende Reiz schon längst außer Sicht war. Selbst das Verlassen der Wohnung führte zu Stress - Fiepen, Anspannung, lospreschen.
Von außen hätte man dieses Verhalten vielleicht auch mit Begriffen wie „autistisch“ beschreiben können. Es zeigte sich aber im Verlauf, dass es eher um massive Überforderung, fehlende Regulation und ein Nervensystem ging, das kaum in der Lage war (und teilweise auch noch ist), Reize sinnvoll zu sortieren.
Wie es RL schreibt fragten auch wir nach dem „wie“ - also zunächst, was diesem Hund hilft überhaupt erstmal aufnahmefähig und ansprechbar zu werden - und das war u. a. wenig Reize, viel Struktur, Ruhe lernen, Vorhersagbarkeit, Wiederholung, viel, viel, viel Regulationsarbeit, sehr kleinschrittige Gewöhnung.
Und trotzdem merken wir bis heute, dass sie in einigen Bereichen deutlich eingeschränkter lernt als andere Hunde.
Aber es hat geholfen (und hilft noch)
zu schauen, wie sie im besonderen Reize wahrnimmt, verarbeitet, wie und wann sie ansprechbar und regulierbar ist und was ihr hilft runterkommen.