Hmm…da tue ich mich inzwischen etwas schwer mit einer eindeutigen Erklärung.
Natürlich kann fehlende Orientierung/Verlässlichkeit eine Rolle spielen. Ich denke jedoch, dass man den Einfluss von Erregung nicht unterschätzen sollte.
Gerade wenn ein Hund sehr hochfährt, wird es für ihn ja zunehmend schwieriger, Informationen überhaupt wahr- und aufzunehmen, Impulse zu kontrollieren oder sich an etwas anderem zu orientieren. Dann sieht es von außen vielleicht so aus, als würde er bewusst Entscheidungen treffen oder Führung übernehmen, obwohl er innerlich möglicherweise gar nicht mehr zugänglich ist.
Ich denke, dass nicht jedes Verhalten zwangsläufig nur daraus entsteht, dass der Hund führen möchte.🤔
Yep, ich gehe da noch einen Schritt weiter und denke, dass viele Hunde gar nicht führen wollen bzw. können, es aber aus verschiedenen Gründen müssen.
Da spielen ja ganz viele Faktoren eine Rolle wie z. B. der Charakter. Ein Wesentlicher Faktor ist auch das Alter. Einem Junghund die Führung zu übergeben endet gerne mal in Überforderung, auch wenn er sich in diesem Alter mal austesten möchte.
Mein Rüde ist in der Junghundphase immer mit dicken Eiern rumgelaufen. Mit 4 Jahren konnte ich dann eine Veränderung erkennen. Er übernimmt nur die Führung in bestimmten Bereichen (wie z. B. ,nach Absprache mit mir, für eine entspannte Stimmung innerhalb einer Hundegruppe zu sorgen oder einem Junghund ein paar Regeln beizubringen). Ist er mit seinen Lösungen am Ende, kommt er zu mir und gibt die Führung ab (setzt sich hinter mich). Manchmal folgt aber auch wieder eine Führungsanfrage.
HF geben oft unbewusst die Führung ab. Ein Schritt nach hinten, Gewichtsverlagerung auf das vom Hund abgewandte Bein ... Anders, als viele Hunde es machen, fragt der HF dann seinen Hund nicht, sondern lässt ihn mit dieser übertragenen Aufgabe stehen. Das meinte ich mit "müssen" führen.