Moooin.
Ich hab da noch ein paar Fragen.
In deinem Thread bzgl. Neros Problem mit den Besuchshunden hast du geschrieben, dass dir grundsätzlich immer egal ist, wo die Hunde sich in der Wohnung aufhalten.
Ist das noch immer so? Und wenn ja, wo hält Nero sich am häufigsten auf?
Haben deine Trainer sich jemals eure Beziehung Zuhause angeschaut, wurden Regeln und Grenzen installiert? Möglicherweise Tabu Zonen oder Stellvertreter Konflikte, erstmal Zuhause, wo es um nichts geht, erzeugt, um dort zu erleben und zu üben, was Konsequenz wirklich bedeutet?
Wurden jemals wirklich anspruchsvolle Beschäftigungen antrainiert, wie z.B. Fährten- oder Gegenstandsuche? Und das mit seiner aktuellen ... nennen wir es zusammengefasst mal Reaktivität nicht 1x wöchentlich in einem Verein oder einer Hundeschule, sondern täglich Zuhause?
Ich bin fest davon überzeugt, dass du bei einem Hund wie Nero mit reinem Training und Konditionieren nicht weiter kommst.
Aber es geht trotzdem nicht um Strafen oder Härte, sondern um klugen Beziehungsaufbau, wahrnehmen und fördern seiner Kompetenzen und vor allem um das Einbringen deiner Persönlichkeit, als cleverer, ihn wahrnehmender, fördernder, aber auch an den richtigen Stellen begrenzender Sozialpartner.
Ich glaube, das was du dir wünschst, nämlich einfach so, wie nebenbei, mit Nero leben und Gassi gehen, entspricht nicht annähernd seinen Anlagen. Du musst viel präsenter werden und ihn viel ernster nehmen.
Du beschreibst irgendwo weiter unten, wie sein Verhalten während des Umzugs besser wurde und du das dem neuen Training zugeschrieben hast, hast aber gar nicht gemerkt, was wirklich passierte. Er kam langsam, völlig losgelöst von dir und eurem Training, das für ihn ein bisschen Trick - Beschäftigung nebenher war - in seinem neuen Revier an. Er lebt nicht BEI dir. Er lebt da mit dir. Bzw. überzogen formuliert du bei ihm.
Hier sind ja schon richtig viele schöne Kommentare und Ratschläge zusammengekommen, ich finde der zitierte Kommentar hier hat in meinen Augen ganz viel wichtiges! Passend dazu will ich mal erzählen, wie das bei uns lief:
Ich habe die Leinenführigkeit (also eher Alltagsfuß für uns, neben mir gehen, kein Schnüffeln, bis Freigabe) zunächst über Futtertreiben aufgebaut, Ablenkung gesteigert, Futter langsam abgebaut, pipapo. Das hat bei uns in Summe ganz in Ordnung funktioniert, hat aber nicht dazu geführt, dass Hina an lockerer Leine (3 m oder auch 10 m Schleppleine) gelaufen ist, wenn sie das Kommando nicht hatte.
Was für mich die große Veränderung war: Radiustraining, schauen was mir der Hund an Aufmerksamkeit bietet (es muss kein direkter Blick sein!), diese anfangs auch einfordern (hier über Richtungswechsel, aber alles ohne Ansprache), eine abwechslungsreiche Belohnung und Interaktion mit mir für die freiwillige Aufmerksamkeit (a la "es lohnt sich aufmerksam zu sein, wir kennen es) und am besten auf die aktuellen Bedürfnisse abgestimmt (z.B. Jagen wollen, stattdessen abwenden (ist aber auch schon next level!) - gibts ein Leckerlinachjagspiel mit mir). Zusätzlich auch noch andere "Arbeit" wie Dummysuche, Mantrailing o.Ä., was dem Hund Spaß macht und ihn entsprechend seiner Bedürfnisse beschäftigt. Ich habe das als Onlinekurs bei Familienjagdhund gemacht (Freilaufkurs für jagdlich motivierte Hunde). Durch dieses Training, was eigentlich auf einen Freilauf abzielt, ist unsere Bindung insgesamt deutlich besser geworden und ihre Aufmerksamkeit auch an der kurzen Leine gewachsen. Ich habe sie auch viel besser lesen gelernt. (Kann den Kurs auch wirklich empfehlen ^^)
Worauf ich hinaus will: Hundetraining bzw. bestimmte Trainingsziele sind ja selten losgelöst und eigenständig zu sehen. Ich schätze auch, dass die einzelnen Methoden für die Leinenführigkeit nicht viel bringen, wenn das große Ganze vielleicht nicht passt und es vielleicht woanders hapert (Beziehung ausbaufähig, Belohnungen wirklich(!) bedürfnisorientiert - und der Hund entscheidet was die Belohnung ist :D, Führungsthemen wurden hier ja auch oft schon angesprochen). Vielleicht lohnt es sich wirklich nochmal ganz wo anders anzusetzen und sich zu fragen, was dem Hund Spaß macht, was dir und euch eventuell zusammen Spaß macht! Gibt es denn freiwillige Aufmerksamkeitssignale von Nero (Ohr dreht sich, er wird langsamer, seitlicher Blick, ...?).
Bei dem Radiustraining ging es übrigens auch darum, die "richtige" Position quasi zu markern, aber nicht so punktuell (weil ja Spielraum ist) und vor allem nicht eintönig, damit es doch immer abwechslungsreich und spannend bleibt - da konnte man z.B. auch mal längere Aufgaben einbauen, wenn das was für den Hund ist.
Das Thema mit ruhig in den Spaziergang starten bzw. Themen, die zuhause schon entstehen nutzen, um Regeln und Grenzen durchzusetzen unterschreibe ich auch.