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Julia 🐾Nero
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heute 13:51

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 16:34
Danke für die ausführliche Antwort. 😊 Mir kommen noch zwei Aspekte in den Sinn. In deinem Text klingt es ein bisschen so, als wären die Phasen, in denen Leinenfuehrigkeit angesagt ist, die “Ausnahme” sind, während der Freizeitmodus eher die Regel/ der Alltag ist. Also erstmal kann der Hund sein Ding durchziehen und dann arbeitet er ein bisschen mit dir. Und das zweite, was ich auch gerade wieder in einem Podcast gehört habe: Wo ist der Anfang? Wie sieht denn das Losgehen bei euch aus, ab der Entscheidung, dass es los geht? Kannst du das mal konkret beschreiben?
Ja dein Eindruck ist richtig, der Freizeitmodus überwiegt und die Trainingseinheiten sind eher kurz, wobei wir diese durchaus schon auch in der Dauer und Schwierigkeit gesteigert haben.

Dennoch fällt es mir sehr schwer Nero nicht sein Ding machen zu lassen. Ich gehe schon *für* ihn spazieren, das soll seine Zeit sein.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass sich sein Leinenverhalten auch zwischen den Einheiten deutlich verbessert hatte. Und das ist ja eigenlich das Ziel, dass der Hund sich in der Freizeit immer mehr dem Leinenführigksmodus angleicht. Das hat stattgefunden.

Das Losgehen machen wir falsch, das will ich gar nicht abstreiten. Nero ist sehr aufgeregt und steigert sich an der Wohnungstür schon rein (läuft rum, jammert, hechelt), daher versuche ich möglichst schnell loszugehen. Wir fangen auch erst mal mit Freizeit an, also gehen aus dem Haus und er darf erst mal machen.
Ich bin da der Meinung, dass er zu aufgeregt ist und erst mal paar Minuten braucht, bevor ich überhaupt irgendwas von ihm verlangen kann. Richtig wäre es ruhig loszugehen.
Das haben wir auch mal eine zeitlang priorisiert, aber dann ist das irgendwie eingeschlafen.
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 16:46
Wie läuft es denn ab, wenn er dann plötzlich nicht mehr will, wie reagierst du/was machst du? Ich habe den Eindruck, dass er sehr wohl was gelernt hat und zwar: Wenn er keinen Bock mehr hat, dann muss ers einfach nicht mehr machen, weil du dich nicht konsequent durchsetzt 🙈
Zunächst versuche ich es wieder einzufordern und werde deutlicher.
Und kurzzeitig hilft es auch.
Aber dann reagiert er auch darauf nicht mehr, dann reagiere ich mit mehr Nachdruck und er mit mehr Gegenwehr.
Es ist wie eine Abwärtsspirale.
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 16:49
Hundeschach: https://youtu.be/mY5hlM4OWTA 😉 Ein Beispiel von uns: Wenn ich die Hunde für den Spaziergang fertig mache, bestimme ich die Reihenfolge. Oma Thea ist immer die erste. Jeder darf nur nach Aufforderung in den Flur kommen. Manchmal will es partout nicht funktionieren. Dann bleibt Thea hinter Biscotti sitzen und kommt einfach nicht in den Flur. Da war ich erst ziemlich verzweifelt, habe dann aber beschlossen, einfach die Regel zu ändern. Ich rufe in solchen Situationen also Biscotti und Elisa in den Flur und gehe zu Thea ins Wohnzimmer, um sie fertig zu machen.
Das ist ein guter Punkt, danke dass du mich daran erinnerst, wie wichtig es ist gesittet loszugehen.
Das muss ich wieder verstärkt in Angriff nehmen.
Ich versuche es so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, aber in der Situation des Losgehens ist sehr viel Potential für Beziehungsarbeit.
 
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Svenja
14. Juni 17:00
Ja dein Eindruck ist richtig, der Freizeitmodus überwiegt und die Trainingseinheiten sind eher kurz, wobei wir diese durchaus schon auch in der Dauer und Schwierigkeit gesteigert haben. Dennoch fällt es mir sehr schwer Nero nicht sein Ding machen zu lassen. Ich gehe schon *für* ihn spazieren, das soll seine Zeit sein. Allerdings muss ich dazu sagen, dass sich sein Leinenverhalten auch zwischen den Einheiten deutlich verbessert hatte. Und das ist ja eigenlich das Ziel, dass der Hund sich in der Freizeit immer mehr dem Leinenführigksmodus angleicht. Das hat stattgefunden. Das Losgehen machen wir falsch, das will ich gar nicht abstreiten. Nero ist sehr aufgeregt und steigert sich an der Wohnungstür schon rein (läuft rum, jammert, hechelt), daher versuche ich möglichst schnell loszugehen. Wir fangen auch erst mal mit Freizeit an, also gehen aus dem Haus und er darf erst mal machen. Ich bin da der Meinung, dass er zu aufgeregt ist und erst mal paar Minuten braucht, bevor ich überhaupt irgendwas von ihm verlangen kann. Richtig wäre es ruhig loszugehen. Das haben wir auch mal eine zeitlang priorisiert, aber dann ist das irgendwie eingeschlafen.
Jetzt direkt vorweg eine Bitte an alle: nicht falsch verstehen! Bedürfnisse von Hunden müssen artgerecht befriedigend werden, das ist oberste Priorität. Dennoch:
Nero schleift dich durch die Gegend, dass dir alles weh tut. Er ignoriert dich, jagt, greift auf große Distanzen andere Hunde an, er ist - wie du selber sagst - völlig außer Kontrolle und bringt dich in die unmöglichsten Situationen und dir fällt es schwer, ihn nicht sein Ding machen zu lassen??
...

Ich erlebe es oft, dass die Hunde, deren Halter ihnen alles Recht machen möchten, die größten Schwierigkeiten bereiten.
Natürlich gibt es Hunde, die du den ganzen Tag betüddeln, mit Futter voll stopfen und ihr Ding machen lassen kannst und die trotzdem ein Leben lang unauffällig bleiben. Aber es gibt auch eben die anderen, die sofort merken, wenn sich ihr Mensch an ihnen orientiert.
Bedürfnisse kann man auch anders befriedigen und dabei Regeln und Grenzen einbauen und sich so langsam eine Position erarbeiten, die auch solche Hunde annehmen.
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 17:00
Ich denke eher über Kooperation als über Gehorsam. Beim Jagdthema habe ich zum Beispiel immer auf die Momente gewartet, in denen hund von sich aus Kontakt oder Kooperation angeboten hat. Irgendwann fing Neo an, mir Wildgeruch, Spuren oder andere interessante Dinge zu zeigen. Das habe ich aufgegriffen und positiv bestätigt. Damit er aufhört draußen Kram zu fressen, habe ich ihm zu Anfang körperlich von den verbotenen Früchten abgehalten und kooperatives Verhalten sofort bestätigt. Mittlerweile sucht er Pferdekacke um sie mir zu zeigen - da tuts dann manchmal auch ein Maulwurfshügel - weil er gelernt hat, dass „etwas Interessantes gemeinsam entdecken“ in der Regel zu einer positiven Interaktion führt. Ich denke, dass viele unserer Fortschritte nicht daraus entstanden sind, dass er bestimmte Regeln gelernt hat, sondern daraus, dass Kooperation für ihn selbst sinnvoll geworden ist. Für mich klingt es so, als würde Nero irgendwann entscheiden, dass das Gelernte für ihn selbst keinen ausreichenden Wert hat.bzw der Umweltreiz bedeutsamer wird als die Belohnung. Vielleicht schaust du mal was Nero dir an Kooperationsangeboten macht und was du davon wie, wann, für was verstärken und nutzen kannst.
Ich verstehe im Prinzip was du meist, allerdings fällt es mir schwer es auf unsere Situation zu übertragen.

Ich werde mal beobachten, ob es etwas in Richtung Kooperation gibt, was ich verstärken kann. Aber wenn ich an einen normalen Spaziergang denke fällt mir da nicht viel ein. Nero ist schon sehr autark unterwegs.
Kooperationsbereitschaft ist grundsätzlich vorhanden, aber nach seinen Spielregeln bzw wenn es nichts besseres zu tun gibt.
Und es gibt draußen immer besseres zu tun 😅.

Ich habe über das Thema Kooperation noch mal nachgedacht und er spielt auch nicht wirklich kooperativ. Wenn er den Futterbeutel gefunden hat, bringt er ihn nur, weil er ihn nicht aufbekommt.
Wenn ich ein Spielzeug verstecke zum Suchen bringt er es nicht, wenn er es gefunden hat. Er rennt seine Freudesrunden und braucht mich da nicht. Wenn wir mit Objekten spielen ist das Objekt für ihn interessant, nicht die Interaktion mit mir.

Allerdings weiß ich nicht, wie ich das ändern soll. Kooperation scheint nur eine Option zu sein, wenn er selber nicht weiterkommt.
Und er kommt sehr gut alleine zurecht draußen. Bzw ich bin vermutlich eher ein Störfaktor. Ich glaube er würde gerne alleine Gassi gehen.
 
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Christine
14. Juni 17:02
Ja dein Eindruck ist richtig, der Freizeitmodus überwiegt und die Trainingseinheiten sind eher kurz, wobei wir diese durchaus schon auch in der Dauer und Schwierigkeit gesteigert haben. Dennoch fällt es mir sehr schwer Nero nicht sein Ding machen zu lassen. Ich gehe schon *für* ihn spazieren, das soll seine Zeit sein. Allerdings muss ich dazu sagen, dass sich sein Leinenverhalten auch zwischen den Einheiten deutlich verbessert hatte. Und das ist ja eigenlich das Ziel, dass der Hund sich in der Freizeit immer mehr dem Leinenführigksmodus angleicht. Das hat stattgefunden. Das Losgehen machen wir falsch, das will ich gar nicht abstreiten. Nero ist sehr aufgeregt und steigert sich an der Wohnungstür schon rein (läuft rum, jammert, hechelt), daher versuche ich möglichst schnell loszugehen. Wir fangen auch erst mal mit Freizeit an, also gehen aus dem Haus und er darf erst mal machen. Ich bin da der Meinung, dass er zu aufgeregt ist und erst mal paar Minuten braucht, bevor ich überhaupt irgendwas von ihm verlangen kann. Richtig wäre es ruhig loszugehen. Das haben wir auch mal eine zeitlang priorisiert, aber dann ist das irgendwie eingeschlafen.
Ich bin sicher keine Fachfrau,aber ich würde auf alle Fälle die "Los-geh -Situation anders gestalten.Ich finde,er sollte nicht so drängeln.Wenn es irgendwie geht,solltest Du abbrechen wenn er sich vorher schon so aufregt,und warten bis er runterkommt!Anders bestimmt er ja schon von Anfang an das Tempo!🤔
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 17:07
Hallo Ich glaube du hast das gut beschrieben. Ich sehe es auch so. Jede Situation verändert sich im Sekundentakt. Vor allem gibt Hunde, die einfach sehr, sehr autonom/ eigenständig sind und sich von jeder Situation erstmal selbst "eine Meinung" machen wollen. Ob dein Nero ehr ein eigenständiger Hund ist, oder zu der Gruppe der folgsamen Mitspieler gehört oder irgendwas dazwischen ist, weißt du wahrscheinlich selbst am besten. Und wie groß seine Individualdistanz ist. Manche laufen gern im maximalen Abstand von 5 m, sprinten wenig, manche rennen 50-100m vorweg und drehen sich dann mal um, um zu schauen wo der Rest bleibt. Ich glaube das Hauptproblem liegt daran, dass Training wie Leinenführigkeit eine Art eintrainiertes Kunststück ist. Und dieses Kunststück passt nicht in 3-4 Spaziergänge am Tag in jede Situation. Es muss langweiliger Alltag werden dass dein Hund in deiner Nähe bleiben will. Aber als Schäferhund sollte er das drin haben. Hat ein Trainer mal vermutet warum er sich so an der Leine verhält?
Mein Eindruck ist, dass es sich nicht als Teil einer Gruppe sieht, aber Gruppen gerne kontrolliert.
Wobei alles was ich schreibe immer meine Interpretation ist.

Trainer gehen aufgrund seiner Vorgeschichte immer davon aus, dass er es einfach nicht gelernt hat.
Da er anfangs ja immer so schnell und schön mitmacht bestätigt das natürlich ihre Vermutung. Er hat es einfach nicht gewusst, es wurde einfach nicht verständlich beigebracht, aber siehst du jetzt versteht er es.

Ich habe lange auch geglaubt, dass die Vorbesitzer es ihm "einfach nicht beigebracht" haben.
Inzwischen bin ich mir da nicht so sicher. Haben sie es ihm einfach nicht beigebracht, oder sind sie einfach gescheitert so wie ich?
 
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M.
14. Juni 17:15
Vielleicht sollten wir mehr Bereitschaft zeigen von Hunden zu lernen😊 Diese Hundemama kennt anscheinend, wie auch Thomas Baumann den neuesten wissenschaftlichen Stand nicht?😊 Ich finde sie liebt ihre Welpen und weis, das sie ihre Welpen nur optimal versorgen und erziehen kann wenn sie sich durchsetzt 😊 Hier ein interessantes Video, das aus meiner Sicht jeder Hundehalter mal gesehen haben sollte!
Normalerweise korregieren und maßregeln die Hündinnen ihre Welpen b.B.
In diesem Video hat aber die Hündin Bauchkrämpfe. Deswegen, nehme ich an, dieses Verhalten. Man sieht, wie ihr Bauch arbeitet. Entweder muss sie ihre Notdurft verrichten, oder sie hat Bauchschmerzen aus anderen Gründen. Falls hier auch Tierärzte dabei sind, können sie es bestätigen. Eigentlich müsste der Züchter sowas erkennen 🤷🏻‍♀️
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 17:18
Was verstehst du denn konkret unter Führung?
Sehr gute Frage, da denke ich schon den ganzen Tag darüber nach 😬.

Ich würde mal sagen, dass Führung bedeutet die Entscheidungsgewalt zu haben, aber auch Verantwortung zu tragen.
Führung basiert auf der sozialen Beziehungsebene und ist wenn man so sagen möchte das Gegenteil von Training über Konditionierung.
Hat sicherlich etwas mit Präsenz, Ausstrahlung, innerer Haltung zu tun. Aber das sind alles Begriffe, über die ich mich immer sehr ärgere. Weil sie so viel und gleichzeitig so wenig aussagen.
Ich glaube aber auch, dass Führung schon eine klare Hierarchie erfodert, also eine akzeptierte soziale Überlegenheit einer Partei.
Es gibt Leute, die von gleichberechtigter Führung reden, aber das ist für mich ein Widerspruch in sich.
Der der führt hat das sagen, anders wird der Begriff bedeutungslos.
 
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Julia 🐾Nero
14. Juni 17:21
Wie wäre es denn mit einer Trainingspause? Vielleicht geht ihr zu "verkopft" an die Sache heran. Ein bisschen Abstand kann manchmal gut tun.....
Wir kommen eigentlich aus einer sehr langen Trainingspause.

Ich hatte eine Phase der radikalen Akzeptanz, in der ich die Dinge angenommen habe, wie sie sind und einfach nur gemanagt habe.