Ich meine damit das nicht jede Auffälligkeiten im Verhalten zuchtbedingt ist oder sein aber halt sein kann. Beispiel, bekannte von mir haben einen Labbi dessen Mutter weniger wesensfest war und eine stressige Trächtigkeit hatte. Das hat sich genetisch auf den Hund übertragen. Auch dieser Hund ist alles andere als offen und ausgeglichen. Wie weit aber letztendlich das ganze führt (bis zum drunter leiden oder nicht) hängt halt auch von der Art der Haltung und dem Umgang mit dem Hund ab. Ja dieser Hund wird nie ein völlig entspannter offener und neugieriger Hund werden was schade ist aber dieser Hund steht erstens nicht stellvertretend für eine ganze Zucht oder Rasse und zweitens leidet er im passenden Umfeld auch nicht. Pack den aber in eine Stadt und der wird zum Wrack. Zucht heißt auch das Fehler passieren.
Zucht heißt nicht nur, dass Fehler passieren. Zucht heißt vor allem Verantwortung.
Verantwortung dafür, welche genetischen Anlagen wir weitergeben, welche Eigenschaften wir verstärken und welche Konsequenzen diese für das Individuum haben können.
Und wenn Zucht die Verantwortung für Verhaltensprobleme immer erst dort übernimmt, wo ein Hund offensichtlich „extrem“ oder nicht mehr funktional ist, dann bleiben doch gerade die subtileren Formen außen vor.
Bei körperlichen Merkmalen erkennen wir relativ leicht, wann etwas zum Leiden führen kann. Bei Verhalten sagen wir viel schneller: falsche Haltung, falsche Auslastung, falscher Halter.
Natürlich spielen diese Faktoren eine Rolle. Aber solange wir nicht bereit sind, auch bei Verhaltensmerkmalen nach möglichen züchterischen Ursachen und Kosten für das Tier zu fragen, wird sich an diesen Entwicklungen auch nichts ändern.
Und ich meine damit ausdrücklich nicht, dass jeder verhaltensauffällige Hund „schlecht gezüchtet“ wurde. Ich meine, dass wir die Verantwortung nicht grundsätzlich aus der Zucht herauslösen sollten.
Auch ein Merkmal, das nicht offensichtlich eine Qualzucht ausmacht, kann für den Hund problematisch werden, wenn wir es über Generationen immer weiter verstärken.
Da wünsche ich mir mehr Forschung, mehr Offenheit und letztlich auch mehr züchterische Verantwortung. Nicht erst dann, wenn das Problem offensichtlich ist, sondern bevor eine Eigenschaft überhaupt zum Zuchtziel wird.