Interessanter Gedankengang.
Ob es wohl ein höheres Interesse an Pariahunden bzw. deren Nachkommen gäbe? Vielleicht würde man sie hier in Zoos oder aber Wildgehegen finden, wie Wildschweine oder die ursprünglich aus Asien stammenden Sikas? Oder als Exoten in den Privatgärten reicher Menschen?
Möglicherweise hätte sich der Blick und die Ansichten über Hunde und den Umgang mit ihnen anhand dieser Hunde entwickelt? Vielleicht gäbe es wenige(r) Menschen, die mit ihnen ähnlich Leben, wie mit Katzen?
Es gäbe sicher weniger Hundeleid, wenn weniger Hunde da wären.
Was würde wohl mit den Hunden passieren, die sich mehr oder weniger selbst gezüchtet haben?
Man kann mit dieser Grundlage das Kopfkino ein wenig stricken lassen 🐾
Super spannend, Kirsten😃
Was ich an deinem und Tina‘s Gedankenspiel eigentlich am spannendsten finde ist, dass es mal nicht die Frage in den Mittelpunkt stellt, wie der Hund in unsere heutige Gesellschaft passen würde, sondern, wie sich unser Verhältnis zum Hund entwickelt hätte, wenn wir nicht zuerst gefragt hätten, was wir aus ihm machen können!
Vielleicht hätten wir den Hund ja dann gar nicht in erster Linie als Nutz- und später Haustier im heutigen Sinne verstanden. Vielleicht wäre er eher ein Tier gewesen, mit dem wir unseren Lebensraum teilen, statt eines Tieres, das wir über Jahrhunderte so umfassend an unsere Bedürfnisse angepasst haben.
Ich sage mal frech, bei aller emotionalen Verbundenheit bleibt der Hund für mich im Kern ein als Nutztier gehaltener Genosse. 🤷♀️
Nur sind die Nutzungszwecke bis heute viel subtiler und „netter“ geworden. Früher waren es Jagd, Hüten, Bewachen, Schutz oder Rattenjagd. Heute heißt es Familienhund, Begleithund, Sporthund, Therapiehund, Seelenpartner …
Wir lieben unsere Hunde und gleichzeitig bestimmen wir nahezu alles in ihrem Leben: wo sie leben, mit wem sie leben, was sie fressen, ob sie sich fortpflanzen und auch, welche optischen Merkmale/Eigenschaften/Verhaltensweisen wir durch Zucht verstärken.
Emotionale Verbundenheit und Nutzung schließen sich also offenbar nicht aus.
Wenn ich deinen Text richtig verstehe, geht’s ja genau nicht darum einen Pariahund morgen in Nachbars Garten zu setzen, sondern um das Gedankenspiel einer alternativen Entwicklung/Selektion.
Und bei dem Argument „Pariahunde würden hier doch sofort Hühner reißen und wären ganz schnell wieder weg“ denke ich: Japp, das wäre ja doch Teil der Entwicklung gewesen. 😄
Man kann ja nicht den heutigen Pariahund nehmen, ihn gedanklich ins heutige Deutschland setzen und erwarten, dass er sich exakt angepasst verhält und gleichzeitig die Gesellschaft sich spontan an diesen Hund gewöhnt/angepasst hätte.
Evolution ist keine Einbahnstraße. Wenn sich eine solche Hundepopulation hier über viele Generationen gemeinsam mit den Menschen entwickelt hätte, hätten diejenigen Hunde, die ständig Nachbars Hühner gerissen oder massive Konflikte verursacht hätten, vermutlich deutlich schlechtere Chancen gehabt, geduldet zu werden, Ressourcen zu bekommen und sich fortzupflanzen.
Die menschliche Umwelt hätte also genauso selektiert wie die Hunde selbst.
Da fallen mir Günther Blochs „Pizza Hunde“ ein. Dort hat sich in unmittelbarer menschlicher Umgebung eine eigene Population entwickelt, ohne dass jemand einen Rassestandard festgelegt hätte. Die Hunde mussten mit ihrer Umwelt zurechtkommen und diejenigen, die das konnten, konnten sich erfolgreich behaupten.
Vielleicht hätten wir also nicht einfach „die heutigen Pariahunde“ in Deutschland, sondern über Jahrhunderte einen ganz eigenen Hundetyp bekommen, der an genau diese Umwelt angepasst wäre.
Vielleicht wäre unser Verhältnis zum Hund ohne unsere jahrhundertelange gezielte Selektion ein völlig anderes geworden?
Das ist für mich eigentlich das Spannendste an deinem Kopfkino. Und ich glaube, diese Gedanken werden bei einigen Menschen durchaus ein paar Triggerpunkte treffen. 😄
Aber für mich sind gerade die unbequemen Fragen die interessanteren😇
Edit: und jetzt muss ich gerade an Ulli Reichmann denken🤔