Von einem bestimmten Hund, der auf die Straße lief und angefahren wurde, war doch ursprünglich garnicht die Rede.
Da hieß es allgemein, "Situationen, in denen der kleine Hund an der Leine war und dennoch gebissen wurde."
Auf das "dennoch" bezog sich meine Antwort, weil Leine in Aufeinandertreffen halt häufig nicht vor Konflikteskalation schützt, sondern sie eher befördert - alleine schon dadurch, dass sie den angeleinten Hund massiv in der Kommunikation beschränkt, ihm die Fluchtmöglichkeit nimmt und zusätzlich noch durch direkte Übertragung der oft gestressten Reaktion des Halters auch den Hund in Stress versetzt.
Natürlich gibt es daneben immer mal wieder Ereignisse, Unfälle auf die jemand kaum bis keinen Einfluss hat.
Das ist dramatisch und tragisch, aber doch relativ selten der Fall, meist sind wir schon aktiv an Interaktionen beteiligt.
Diese Beteiligungen jenseits von Schuldfragen halbwegs neutral und selbstkritisch betrachten zu können, wäre doch gerade bei wiederholt auftretenden und festgefahrenen Problemlagen echt wichtig - und das nochmal mehr wenn ein Lebewesen involviert ist, das so sensiblel auf unsere Verfassungen, Handlungen und Bewegungen reagiert wie der Hund.
Erst kürzlich in der Praxis erlebt, wo Hundehalter A zu anderen hin ist, obwohl die Hunde sich nicht vertragen, Hund A imponiert und provoziert hat, Halter B mit seinem Hund nur aus der unangenehmen Situation raus wollte und trotzdem im Rückzug ungewollt eine weitere Eskalation ausgelöst hat, weil sein Hund um Weggehen zu können über eine kleine Hürde springen musste.
Ist nix passiert, war aber suboptimal.
Halter B ist ein Reflektierter und hat sofort danach gesagt - obwohl nicht er sondern A an der Ausgangssituation Schuld war - war blöd von mir, hätt ich bedenken sollen, dass so eine abrupte Bewegung womöglich nicht gut kommt. Machen wir nächstes Mal besser.
Das tut doch nicht weiters weh, sowas anschauen und eingestehen zu können...
Natürlich gibts diese ungewollten Konfliktsituationen, weil viele Hundehalter nicht mal wissen was da gerade zwischen den Hunden abgeht. Oder bei Kleinhunden auch gerne, weils ihnen völlig wumpe ist und die 3 kg Hund locker wegzuziehen sind.
Was mich immer ärgert und ich sprech jeden drauf an.... dass viele Probleme schlicht durch falsches Bestätigen passieren. Da hängt der Hund... egal wie groß... flätschend, geifernd und kläffend in der Leine und Herrchen/Frauchen sagen "is doch guuuut". Hunde wissen verdammt früh im Leben, was das Wort "gut" bedeutet. Ich frag dann die Leute, ob sie es tatsächlich gut finden, was ihr Hund da gerade macht. Da gibts dann oft ziemlich verwirrte Gesichter.
Dir gehts um Freilauf, der alles besser macht. Mir gehts um Hunde, die egal ob im Freilauf oder angeleint angemessen sozial reagieren können. Weil dummerweise hat ein Großteil
meiner Hunde in vielen Gebieten Leinenzwang.