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Kirsten
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zuletzt 7. Aug.

Eure Meinung zum Artikel: Soziale Balance im Tierreich

Eine Freundin bereichert mich regelmäßig mit interessanten Artikeln von Tiermedizin Thieme. Zu diesem hier würden mich eure Meinungen, Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Tierreich interessieren: https://tiermedizin.thieme.de/aktuelles/vet-news/detail/soziale-balance-im-tierreich-warum-dominanz-nicht-grenzenlos-ist-2413 Wart ihr schon einmal Zeuge von einem solchen Ausgleichsverhalten? Welche sozialen Kosten könnten entstehen? Welche Risiken könnten mit ausgleichendem Verhalten verbunden sein? Kennt ihr interessante Literatur zu dem Thema? Ich bin gespannt auf eure Gedanken ☺️ (Bild dient der Aufmerksamkeit)
 
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Kirsten
4. Aug. 18:53
Jetzt verstehe ich viel besser, was du meinst 💡
Danke fürs Teilen!

Und warum ist derjenige der Kontakt sucht, derjenige der führt? Ist das überhaupt so?
 
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Maria
5. Aug. 11:49
Jetzt verstehe ich viel besser, was du meinst 💡 Danke fürs Teilen! Und warum ist derjenige der Kontakt sucht, derjenige der führt? Ist das überhaupt so?
Kontakt suchen war falsch. Da hab ich geschludert.

Mit “Kontakt suchen” meinte ich “Kontakt initiieren”, also die Interaktionsquantitaet (und auch die Qualität) bestimmen.

Wichtig hinter dem Gedanken: “Wer Kontakt initiiert, der führt.” finde ich vor allem die Haltung dahinter. Das ist natürlich keine Einbahnstraße und ich meine nicht, dass man als Mensch nur seine Vorstellung durchsetzen sollte, wie es einem gerade passt.

Ein Beispiel, das ich wähle, weil wir heute nur eine sehr kurze Runde gelaufen sind, auf der die Hunde aber auf ihre Kosten kommen sollten.

Ein Extrem für so eine kurze Runde wäre: Der Mensch geht seinen Weg und macht was er moechte (Vielleicht hat er es eilig, weil er Stress bei der Arbeit hat) ohne auf den Hund zu achten. Der Hund kann folgen und sich beugen oder nebenbei sein eigenes Ding machen, wenn es die Situation zulässt. In Kontakt sind die beiden dann aber nicht. Jeder macht seins. Alternativ kann der Hund hier auch Ausgleichsverhalten zeigen (z.B. durch Verweigern)

Das andere Extrem: der Mensch rennt dem Hund hinterher, während der Hund sein Ding macht, ohne auf den Menschen zu achten (und der Mensch hängt klassischerweise am Handy). Die beiden sind auch nicht in Kontakt und Führung gibt es obendrein nicht. Das fällt mit einem Hund erstmal nicht auf, aber mit mehreren hat man dann absolutes Chaos.

Und die Spanne dazwischen ist sehr groß.

Eine Idee für die Mitte, in der der Mensch Interaktion initiiert, und Quantität und Qualität des Kontakts bestimmt: Der Mensch bestimmt Tempo und Richtung und unterbindet unerwünschtes Verhalten (z.B. Markieren an einer Haustür). Während des Spaziergangs ist er sich der Bedürfnisse des Hundes aber bewusst und steuert bewusst und eigeninitativ dorthin, wo es für den Hund interessant sein kann (Baum, Busch, Wiesertc.), gibt ihm dort die Freiheit, seine Geschäfte zu erledigen und lässt sich dann noch auf interessante Dinge ein, die der Hund findet oder der Mensch initiiert selbst ein Spiel. In diesem Beispiel führt der Mensch und beide bleiben in Verbindung.

Und Jan Nejboer höre ich gerade sagen, dass der Hund denken muss, dass man es als Mensch voll drauf hat, wenn man super spannende Schnueffelstellen findet.

Ich weiß nicht, ob deutlich wird, was ich meine. Irgendwie hab ich das Gefühl, ich hab mich verlaufen und etwas ganz anderes beschrieben. Ich finde es wirklich schwierig, alles, was ich damit verbinde mitzuteilen.

Und wie gesagt, bis vor kurzem habe ich nicht so gedacht. Zumindest drinnen war es so, dass ich mir dachte, dass Elisa doch jederzeit kommen kann und ich dann entscheide, ob der Kontakt für mich dann okay ist oder nicht. Schließlich entscheide ich in diesem Kontext ja auch. Aber am Ende bin ich in dieser Art der Kontaktgestaltung immer nur die, die reagiert und Elisa weiß im Grunde nie genau, wann sie dran ist, sie muss es immer erst ausprobieren und als Kontrolletti hoch 10 immer wieder prüfen, ob ich verfügbar bin.
 
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Kirsten
5. Aug. 18:35
Sehr spannend ☺️ich musste beim Lesen des Artikels an unsere Hundegruppe denken. Dort beobachte ich durchaus, dass Hunde, die zunächst überwiegend forsch oder übermäßig kontrollierend auftreten, von anderen Hunden eher „abgelehnt“ oder gemieden werden. Das könnte man durchaus als eine Art “soziale Kosten” verstehen - allerdings ja nur dann, wenn diese Hunde eigentlich Kontakt oder Spiel suchen und sich erstmal zu ungeschickt oder unsicher in der Kontaktherstellung verhalten. Manche passen ihr Verhalten mit der Zeit tatsächlich an und werden in ihren Annäherungen deutlich adäquater. Bei meinem Rüden ist es allerdings anders. Sein Verhalten dient in vielen Situationen ja gar nicht dazu, in Kontakt zu treten und sei es um andere Hunde zu kontrollieren, sondern ganz im Gegenteil möchte er überwiegend Distanz herstellen. Wenn andere Hunde ihn dann meiden, erreicht er ja zunächst genau das, was er wollte. Das wären für ihn also eher keine soziale Kosten sondern eher ein individueller Nutzen. Spannend wird es, wenn er selbst Kontakt möchte. Bei Hunden, die er kennt und mag, zeigt er ein völlig anderes Verhalten: verspielt, albern wenn auch hier und da etwas grobschlächtig. Manche Hunde können damit nichts anfangen und gehen auf Abstand, andere kommen damit sehr gut zurecht - insbesondere unsere Hündin, mit der er zusammenlebt. Deshalb frage ich mich, ob man bei “sozialen Kosten” nicht immer auch berücksichtigen muss, welchen Wert der jeweilige Sozialkontakt für das Individuum überhaupt hat. Mein Eindruck ist, dass Neo gar nicht das Ziel hat, von möglichst vielen Hunden gemocht zu werden. Wird er von einem Hund abgelehnt, reagiert er Schulterzuckend nach dem Motto: “Pfff, gut, dann eben nicht.” Er orientiert sich dann wieder an mir oder beschäftigt sich mit etwas anderem. Sein eigentlich intensives Sozialverhalten zeigt er ohnehin nur gegenüber wenigen, vertrauten Hunden. Vielleicht hängt die Wirkung solcher Ausgleichsmechanismen also nicht nur vom Verhalten der Gruppe ab, sondern auch davon, welche Bedeutung einzelne Sozialpartner oder die Gruppe insgesamt für das jeweilige Individuum haben. Insofern sagt das Ausgleichsverhalten vielleicht nicht nur etwas über den „Sanktionierenden“ aus, sondern auch darüber, welchen sozialen Wert die Beziehung für denjenigen hat, der sie erfährt.
Danke für den Beitrag, sehr interessant.
Meinst du mit „sozialem Wert für die Beziehung“ es könnte auch eine Rolle spielen, welche Kontakte aus seiner Sicht überhaupt zum engeren sozialen Umfeld gehören? Bin gespannt.
 
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SandrA
6. Aug. 05:11
Danke für den Beitrag, sehr interessant. Meinst du mit „sozialem Wert für die Beziehung“ es könnte auch eine Rolle spielen, welche Kontakte aus seiner Sicht überhaupt zum engeren sozialen Umfeld gehören? Bin gespannt.
Ja, im Grunde schon. 😊
Ich frage mich, ob Ausgleichsverhalten überhaupt nur dann wirksam sein kann, wenn die Beziehung für beide Seiten einen entsprechenden sozialen Wert oder Relevanz hat.
Im Artikel wird vor allem die Kosten-Nutzen-Abwägung der Gruppe betrachtet. Ich frage mich aber, ob man nicht auch berücksichtigen muss, welchen Stellenwert die Gruppe oder einzelne Sozialpartner für das betroffene Individuum überhaupt haben - und umgekehrt.
Denn soziale Kosten können ja nur dann als solche wirken, wenn dem Adressaten tatsächlich etwas Wichtiges entzogen wird. Reagiert er auf Regulationsbemühungen eher mit einem „Mir doch Wurscht, dann geh ich halt“, würden diese letztlich verpuffen und der Aufwand wäre aus Sicht der Gruppe möglicherweise auch gar nicht lohnend.

Umgekehrt könnte man auch fragen, warum eine Gruppe überhaupt Energie in solche Regulationsmechanismen investiert? Sagt das vielleicht ebenfalls etwas über die Bedeutung des betreffenden Individuums für die Gruppe aus?
Wäre es sozial völlig irrelevant, könnte Ignorieren unter Umständen die kostengünstigere Strategie sein.

Das ist jetzt eher ein Gedankenspiel als eine Schlussfolgerung aus dem Artikel.
 
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Andrea
6. Aug. 13:54
Tatsächlich konnte ich solches Ausgleichsverhalten schon mehrfach beobachten.

Am meisten bei meinen Kaninchen, aber auch bei den Hunden sind solche Züge durchaus erkennbar.

Meine Hunde könnten vom Charakter kaum unterschiedlicher sein.
Mara ist sehr charakterstark und mitunter distanzlos/fordernd gegenüber ihrem Bruder Paavo, wenn es ums spielen geht.
Paavo ist der schwächere der beiden und gleichzeitig sehr tolerant gegenüber seiner Schwester.
Mara kann schon sehr penetrant zum Spielen auffordern und da zieht sie echt alle Register.
Paavo sanktioniert zu grobe Aufforderungen oft, indem er Mara ganz stumpf ignoriert. So wie es auch in dem Beitrag zu lesen ist.
 
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Kirsten
7. Aug. 13:17
Ja, im Grunde schon. 😊 Ich frage mich, ob Ausgleichsverhalten überhaupt nur dann wirksam sein kann, wenn die Beziehung für beide Seiten einen entsprechenden sozialen Wert oder Relevanz hat. Im Artikel wird vor allem die Kosten-Nutzen-Abwägung der Gruppe betrachtet. Ich frage mich aber, ob man nicht auch berücksichtigen muss, welchen Stellenwert die Gruppe oder einzelne Sozialpartner für das betroffene Individuum überhaupt haben - und umgekehrt. Denn soziale Kosten können ja nur dann als solche wirken, wenn dem Adressaten tatsächlich etwas Wichtiges entzogen wird. Reagiert er auf Regulationsbemühungen eher mit einem „Mir doch Wurscht, dann geh ich halt“, würden diese letztlich verpuffen und der Aufwand wäre aus Sicht der Gruppe möglicherweise auch gar nicht lohnend. Umgekehrt könnte man auch fragen, warum eine Gruppe überhaupt Energie in solche Regulationsmechanismen investiert? Sagt das vielleicht ebenfalls etwas über die Bedeutung des betreffenden Individuums für die Gruppe aus? Wäre es sozial völlig irrelevant, könnte Ignorieren unter Umständen die kostengünstigere Strategie sein. Das ist jetzt eher ein Gedankenspiel als eine Schlussfolgerung aus dem Artikel.
Ich hoffe, dass das dort weiter geforscht und auch ein paar Antworten für solche Fragen gefunden werden ☺️ ergibt für mich absolut Sinn.

Interessant ist sicher auch ob und wie sehr es auf die soziales Gemeinschaften mit dem Mensch übertragen werden kann.
In der Studie waren auch Methoden erwähnt, wie Ungleichheit im Vorfeld vermieden werden kann, wie Nahrungssuche in anderen Gebieten, Fortpflanzung außerhalb der Gruppe oder Abwanderung. Das ist ja bei uns alles nicht möglich.

Ein temporäres oder dauerhaftes Abwandern des Individuums oder sein Ausschluss schwächt wohl seine Überlebenschancen, Möglichkeiten an Nahrung zu gelangen und Fortpflanzung. Also sind das wohl doch sehr hohe Kosten. Kommt aber wohl durchaus vor.

Jedenfalls sehr interessante Gedanken!