Sehr spannend ☺️ich musste beim Lesen des Artikels an unsere Hundegruppe denken.
Dort beobachte ich durchaus, dass Hunde, die zunächst überwiegend forsch oder übermäßig kontrollierend auftreten, von anderen Hunden eher „abgelehnt“ oder gemieden werden. Das könnte man durchaus als eine Art “soziale Kosten” verstehen - allerdings ja nur dann, wenn diese Hunde eigentlich Kontakt oder Spiel suchen und sich erstmal zu ungeschickt oder unsicher in der Kontaktherstellung verhalten. Manche passen ihr Verhalten mit der Zeit tatsächlich an und werden in ihren Annäherungen deutlich adäquater.
Bei meinem Rüden ist es allerdings anders. Sein Verhalten dient in vielen Situationen ja gar nicht dazu, in Kontakt zu treten und sei es um andere Hunde zu kontrollieren, sondern ganz im Gegenteil möchte er überwiegend Distanz herstellen. Wenn andere Hunde ihn dann meiden, erreicht er ja zunächst genau das, was er wollte. Das wären für ihn also eher keine soziale Kosten sondern eher ein individueller Nutzen.
Spannend wird es, wenn er selbst Kontakt möchte. Bei Hunden, die er kennt und mag, zeigt er ein völlig anderes Verhalten: verspielt, albern wenn auch hier und da etwas grobschlächtig. Manche Hunde können damit nichts anfangen und gehen auf Abstand, andere kommen damit sehr gut zurecht - insbesondere unsere Hündin, mit der er zusammenlebt.
Deshalb frage ich mich, ob man bei “sozialen Kosten” nicht immer auch berücksichtigen muss, welchen Wert der jeweilige Sozialkontakt für das Individuum überhaupt hat. Mein Eindruck ist, dass Neo gar nicht das Ziel hat, von möglichst vielen Hunden gemocht zu werden. Wird er von einem Hund abgelehnt, reagiert er Schulterzuckend nach dem Motto: “Pfff, gut, dann eben nicht.” Er orientiert sich dann wieder an mir oder beschäftigt sich mit etwas anderem. Sein eigentlich intensives Sozialverhalten zeigt er ohnehin nur gegenüber wenigen, vertrauten Hunden.
Vielleicht hängt die Wirkung solcher Ausgleichsmechanismen also nicht nur vom Verhalten der Gruppe ab, sondern auch davon, welche Bedeutung einzelne Sozialpartner oder die Gruppe insgesamt für das jeweilige Individuum haben. Insofern sagt das Ausgleichsverhalten vielleicht nicht nur etwas über den „Sanktionierenden“ aus, sondern auch darüber, welchen sozialen Wert die Beziehung für denjenigen hat, der sie erfährt.