Vorsicht, die Aussage, dass Rassezucht erst seit 200 Jahren stattfindet und sich Verhalten in so kurzer Zeit nicht genetisch etablieren kann ist irreführend.
Die ersten spezialisierten Hütehunde gibt es seit 6000 bis 8000 Jahren!
Eine passendere Aussage wäre, dass seit 200 Jahren eine Standardisierung von Rassen stattfindet.
Wissenschaftlich und Evidenzbasiert sollte Hinterfragung nie ausschließen, sondern immer begrüßen. Das ist gute wissenschaftliche Praxis. Denn die Qualität und die Gewichtung von Evidenz variieren stark. Eine kleine Halterumfrage ist genauso wissenschaftliche Evidenz, wie ein praktisches, doppel blindes Verhaltensexperiment. Das eine hat aber weniger Gewichtung, als das andere.
Ein Buch ist eine Zusammenstellung von wissenschaftlichen Evidenzen, die eine Hypothese bekräftigen, die Meinung des Autors entspricht. Quellen die dagegen sprechen werden ausgelassen, Aussagen aus den Quellen, die angeführt werden, sind selektiert und oft auch interpretiert. Es werden also häufig Aussagen getroffen, die in der Quelle selber so schwarz weiß eigentlich nicht erfolgen.
Es gibt genauso viele wissenschaftliche Quellen die eine genetische Verankerung und Vererbung von Verhalten bei Tieren belegt. Richtig zusammengetragen und umformuliert und schon hat man ein Buch, dass genau das Gegenteil behauptet.
Und das ist gar keine Kritik, denn das ist nun mal die Standardpraxis. Es ist eher ein Hinweis.
Ich hoffe das kommt nicht konfrontativ rüber, denn so meine ich es überhaupt nicht. Ich finde es ist eine tolle und spannende Diskussion.
"Rassezucht hat bis auf ein paar äußere Merkmale keinen Einfluss" ist zu 100% eine Wertung des Buchautor und fällt daher unter Meinung.
Wobei der Autor immer ein bisschen hin und her springt zwischen "Eigenschaften sind nicht *alleine* durch Gene bestimmt" und "Zucht hat keinen Einfluss bis auf Optik".
Abschließend findet aber wieder eine Vermischung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und rassespezifischen Verhalten wie Hüten oder Jagen statt. Ersteres wird untersucht und dann zweiteres dadurch widerlegt. Das funktioniert so nicht. Zumdest wenn die Quelle für diese Aussage diese eine häufig zitierte Studie ist, die behauptet, dass der Unterschied innerhalb einer Rasse größer ist, als zwischen Rassen. 1) Halterumfrage -> schwache Evidenz und 2) es wurden eher Persönlichkeitsmerkmale untersucht und nicht spezialisiertes Verhalten wie Hüten, Jagen, Schützen.
Epigenetik ist die Regulation von DNA, das ist richtig. Aber was nicht da ist, kann auch nicht ein- oder ausgeblendet werden. Siehe das Gen für Fettleibigkeit bei Mäusen.
Und auch das Experiment mit den Mäusen ist wenn man es genau betrachtet nicht so schwarz weiß, wie die Zusammenfassung.
Denn in Wahrheit werden nicht alle Embryos der fettleibigen Maus, die in die schlanke Maus transplantert werden normalgewichtig (so wird es aber zur Vereinfachung und zur Erklärung des Prinzips zitiert). Es findet eine Verschiebung der Wahrscheinlichkeit in Richtung Normalgewicht statt (das tatsächliche wisssenschftliche Ergebnis. Zeigt, dass Epigenetik nicht in allen Individuen das Gen gleich stark ausgeblendet hat und wieso man mit genetisch aggressiven Hunden besser nicht züchten sollte).
PS: Epigenetik durch DNA Methylierung ist kein Konzept, dass ich anzweifle. Das ist wissenschaftlicher Konsens.
Dessen Bedeutung für rassespezifisches Verhalten und Hundezucht hingegen ist unklar und bei weitem nichts, was einem Konsens gleicht. Wenige, wackelige Studien und sehr viel Interpretation und subjektive Gewichtung/Meinung einiger weniger.
Also Peter Spork ist Biologe macht Vorträge und Schulungen zu dem Thema. Das ist auch nicht sein erstes Buch über Epigenetik, es ist also kein laienhaft zusammengesammeltes Buch.
Er sollte schon wissen wovon er spricht.
Und er spricht selten bis nie in Absoluten.
Ich habe es so verstanden, dass die Gene beim Hund bereits alle entschlüsselt sind. Und es gibt zB. kein jeweils explizites Gen für ein Verhalten, wie es das zB. für die Fellfarbe gibt etc.
Jeder Hund verfügt über den gleichen Text. Das wiederum bedeutet, die Zucht kann die genetische Disposition nicht verändern.
Mit einem Gentest ist das Wesen nicht bestimmbar, wohl aber mit einem Epigentest (den es wohl auch schon teilweise gibt).
Dieser Maustest wurde auch erwähnt, allerdings mit anderen Parametern.
Das waren Embryo-Klone mit einem manipulierten Gen, das Fettleibigkeit und eine gelbe Fellfarbe verursacht.
Die eine Mutter (ich glaube die Mütter waren auch Klone, muss ich aber nochmal nachlesen) wurde mit Substanzen gefüttert, die förderlich für die Metylisierung sind (zB. Vitamin B12), die andere nicht. Das Ergebnis ist klar, denke ich.