Home / Forum / Rasse-spezifisches / Qualzucht - Warum Aufklärung alleine nicht reicht

Verfasser-Bild
Katrin
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 3367
zuletzt 23. Mai

Qualzucht - Warum Aufklärung alleine nicht reicht

Noch nie wurde soviel Aufklärung betrieben wie heutzutage und trotzdem steigt die Anzahl an Qualzuchthunden. Durch Zufall bin ich auf einen Artikel gestoßen den ich hier gerne teilen möchte, quasi als Diskussionsgrundlage. https://kynologisch.net/qualzucht-psychologie-2/ Es ist etwas viel eröffnet einem aber eine neue Sicht auf das Problem und warum das durch einfaches Aufklären nicht lösbar ist. Mich würde interessieren ob diese Erklärung für euch nachvollziehbar ist? Welche Schlüsse ihr daraus zieht und ob sich eure Meinung über das halten von Qualzuchten dadurch ändert oder nicht? Wie immer bitte lieb und freundlich bleiben und bedenkt bitte das Qualzucht nicht nur brachyzephale Rassen betrifft. Liebe Grüße eure Katrin J. https://www.ardmediathek.de/video/story/leiden-auf-vier-pfoten-zuechten-wir-unsere-haustiere-kaputt/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyNjQ4MTg
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Jochen
21. Mai 03:24
Wir dürfen gerne diskutieren -es rüttelt auch an meinem Weltbild- aber es ist zum großen Teil wissenschaftlich und evidenzbasiert hergeleitet (teilweise aber anhand anderer Säugetiere) und nicht eine Meinung oder Erfahrung.

Die Gentextur ist bei allen Hunden nahezu identisch. Sie hat sich über 10000 bis 30000 Jahre gebildet, Rassezucht gibt es erst seit 200 Jahren und hat bis auf ein paar äußere Merkmale keinen Einfluss.
Der Hund ist nicht die Summe seiner Gene.

Wir dürfen auch „angeboren“ und „genetisch fixiert“ nicht in einen Topf werfen, das sind zwei unterschiedliche Dinge.
Teile der epigenetischen Prägung gibt der Hund an die Nachkommen weiter.
Die Zellen eines jeden Lebewesens haben ein Gedächtnis.

Dh. Wesensmerkmale können typisch für eine Rasse sein, müssen aber darob nicht genetisch fixiert sein.

Epigenetik ist die Regulation der DNA. Dh. verschiedene Gene können ein-und ausgeblendet werden oder auch nur „gedimmt“. Es ist also die Frage, wie das Individuum die Gene abliest.

Zitat:
Dank der nebengenetischen Strukturen, die die Genetik bleibend programmieren und abhängig von äußeren Einflüssen sein können, erinnern sich Zellen an ihre Vergangenheit. Die Epigenetik prägt, beeinflusst von der individuellen Vergangenheit eines Lebewesens, das Verhalten seiner Zellen in der Zukunft. Sie verändert niemals den Code der DNA, sie lässt die Gene unberührt, aber sie bestimmt, welche Gene in Proteine übersetzt werden können und welche nicht.
….
Damit ist die Epigenetik maßgeblich an der Ausprägung aller komplexen Merkmale von Mensch und Hund beteiligt. Das Wesen, die Gesundheit, die Intelligenz, die Trainierbarkeit, die elterliche Behutsamkeit, die Ausgeglichenheit, die Bindungsfähigkeit und sehr vieles mehr: All das sind Eigenschaften eines Hundes, die niemals durch seine Gene alleine bestimmt werden. Sie sind das Produkt dessen, was die Umwelt im Laufe des Lebens eines Tieres aus dem Potenzial in seinen Genen mit Hilfe der Epigenetik herausholt. Sie sind Phänotyp, nicht Genotyp.

Neun von zehn Wesensmerkmalen, die kennzeichnend für eine bestimmte Rasse sind, verdanken diese Tiere nicht dem Prinzip der Zuchtauswahl.
Zitatende

Ich fange jetzt nicht an über Metylisierung und weitere wissenschaftliche Begründungen, die auch Konsens sind in der Wissenschaft, zu dozieren, ich kann euch nur empfehlen das Buch zu lesen.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
SandrA
21. Mai 04:40
Ich denke auch, dass Verhalten deutlich komplexer ist als dass man es linear bestimmten Genen „zuweisen“ kann.

Aber dass Zucht bis auf äußere Merkmale kaum Einfluss auf Verhalten gehabt haben soll, da tue ich mich auch schwer mit.
Ich habe kürzlich eine Doku-Reihe geschaut - „Der Hund“ oder so ähnlich - dort wurde unter anderem diese Untersuchung mit Dingos, die vom Menschen aufgezogen/sozialisiert wurden und Haushunden beim Problemlöseverhalten gezeigt. Haushunde orientieren sich dabei viel schneller sozial am Menschen, suchen Blickkontakt und „fragen“ nach Hilfe, während Dingos deutlich länger eigenständig lösen bzw die Bezugsperson gar nicht auf dem Schirm hatten. Ähnliche Unterschiede sieht man ja teilweise auch bei Wolfshybriden mit höherem Wolfanteil.

Das spricht für mich schon dafür, dass Domestikation und Selektion/Zucht eben nicht nur Optik verändert haben, sondern auch soziale und neurobiologische Dispositionen gegenüber Menschen.
Das zeigt ja auch, dass eben bestimmte genetische (verhaltensrelevante) Veranlagungen vorhanden sind, die dann sicher mit Umwelt, Erfahrung, Epigenetik usw zusammenwirken bzw wenn ich Jochen richtig verstanden habe, dem individuellen Gedächtnis entsprechend abgelesen werden. Aber wo keine Disposition ist, kann auch nichts abgelesen werden. Und anders herum, wo genetische Veranlagungen gegeben sind, können sie Verhalten (mit-)bestimmen.

Von daher würde sich für mich aber auch die Schlussfolgerung, problematisches Verhalten bei der Zucht weitgehend auszublenden, ehrlich gesagt nicht ganz stimmig anfühlen.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
21. Mai 06:33
Wir dürfen gerne diskutieren -es rüttelt auch an meinem Weltbild- aber es ist zum großen Teil wissenschaftlich und evidenzbasiert hergeleitet (teilweise aber anhand anderer Säugetiere) und nicht eine Meinung oder Erfahrung. Die Gentextur ist bei allen Hunden nahezu identisch. Sie hat sich über 10000 bis 30000 Jahre gebildet, Rassezucht gibt es erst seit 200 Jahren und hat bis auf ein paar äußere Merkmale keinen Einfluss. Der Hund ist nicht die Summe seiner Gene. Wir dürfen auch „angeboren“ und „genetisch fixiert“ nicht in einen Topf werfen, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Teile der epigenetischen Prägung gibt der Hund an die Nachkommen weiter. Die Zellen eines jeden Lebewesens haben ein Gedächtnis. Dh. Wesensmerkmale können typisch für eine Rasse sein, müssen aber darob nicht genetisch fixiert sein. Epigenetik ist die Regulation der DNA. Dh. verschiedene Gene können ein-und ausgeblendet werden oder auch nur „gedimmt“. Es ist also die Frage, wie das Individuum die Gene abliest. Zitat: Dank der nebengenetischen Strukturen, die die Genetik bleibend programmieren und abhängig von äußeren Einflüssen sein können, erinnern sich Zellen an ihre Vergangenheit. Die Epigenetik prägt, beeinflusst von der individuellen Vergangenheit eines Lebewesens, das Verhalten seiner Zellen in der Zukunft. Sie verändert niemals den Code der DNA, sie lässt die Gene unberührt, aber sie bestimmt, welche Gene in Proteine übersetzt werden können und welche nicht. …. Damit ist die Epigenetik maßgeblich an der Ausprägung aller komplexen Merkmale von Mensch und Hund beteiligt. Das Wesen, die Gesundheit, die Intelligenz, die Trainierbarkeit, die elterliche Behutsamkeit, die Ausgeglichenheit, die Bindungsfähigkeit und sehr vieles mehr: All das sind Eigenschaften eines Hundes, die niemals durch seine Gene alleine bestimmt werden. Sie sind das Produkt dessen, was die Umwelt im Laufe des Lebens eines Tieres aus dem Potenzial in seinen Genen mit Hilfe der Epigenetik herausholt. Sie sind Phänotyp, nicht Genotyp. Neun von zehn Wesensmerkmalen, die kennzeichnend für eine bestimmte Rasse sind, verdanken diese Tiere nicht dem Prinzip der Zuchtauswahl. Zitatende Ich fange jetzt nicht an über Metylisierung und weitere wissenschaftliche Begründungen, die auch Konsens sind in der Wissenschaft, zu dozieren, ich kann euch nur empfehlen das Buch zu lesen.
Vorsicht, die Aussage, dass Rassezucht erst seit 200 Jahren stattfindet und sich Verhalten in so kurzer Zeit nicht genetisch etablieren kann ist irreführend.

Die ersten spezialisierten Hütehunde gibt es seit 6000 bis 8000 Jahren!
Eine passendere Aussage wäre, dass seit 200 Jahren eine Standardisierung von Rassen stattfindet.

Wissenschaftlich und Evidenzbasiert sollte Hinterfragung nie ausschließen, sondern immer begrüßen. Das ist gute wissenschaftliche Praxis. Denn die Qualität und die Gewichtung von Evidenz variieren stark. Eine kleine Halterumfrage ist genauso wissenschaftliche Evidenz, wie ein praktisches, doppel blindes Verhaltensexperiment. Das eine hat aber weniger Gewichtung, als das andere.

Ein Buch ist eine Zusammenstellung von wissenschaftlichen Evidenzen, die eine Hypothese bekräftigen, die Meinung des Autors entspricht. Quellen die dagegen sprechen werden ausgelassen, Aussagen aus den Quellen, die angeführt werden, sind selektiert und oft auch interpretiert. Es werden also häufig Aussagen getroffen, die in der Quelle selber so schwarz weiß eigentlich nicht erfolgen.

Es gibt genauso viele wissenschaftliche Quellen die eine genetische Verankerung und Vererbung von Verhalten bei Tieren belegt. Richtig zusammengetragen und umformuliert und schon hat man ein Buch, dass genau das Gegenteil behauptet.

Und das ist gar keine Kritik, denn das ist nun mal die Standardpraxis. Es ist eher ein Hinweis.

Ich hoffe das kommt nicht konfrontativ rüber, denn so meine ich es überhaupt nicht. Ich finde es ist eine tolle und spannende Diskussion.

"Rassezucht hat bis auf ein paar äußere Merkmale keinen Einfluss" ist zu 100% eine Wertung des Buchautor und fällt daher unter Meinung.
Wobei der Autor immer ein bisschen hin und her springt zwischen "Eigenschaften sind nicht *alleine* durch Gene bestimmt" und "Zucht hat keinen Einfluss bis auf Optik".
Abschließend findet aber wieder eine Vermischung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und rassespezifischen Verhalten wie Hüten oder Jagen statt. Ersteres wird untersucht und dann zweiteres dadurch widerlegt. Das funktioniert so nicht. Zumdest wenn die Quelle für diese Aussage diese eine häufig zitierte Studie ist, die behauptet, dass der Unterschied innerhalb einer Rasse größer ist, als zwischen Rassen. 1) Halterumfrage -> schwache Evidenz und 2) es wurden eher Persönlichkeitsmerkmale untersucht und nicht spezialisiertes Verhalten wie Hüten, Jagen, Schützen.

Epigenetik ist die Regulation von DNA, das ist richtig. Aber was nicht da ist, kann auch nicht ein- oder ausgeblendet werden. Siehe das Gen für Fettleibigkeit bei Mäusen.

Und auch das Experiment mit den Mäusen ist wenn man es genau betrachtet nicht so schwarz weiß, wie die Zusammenfassung.
Denn in Wahrheit werden nicht alle Embryos der fettleibigen Maus, die in die schlanke Maus transplantert werden normalgewichtig (so wird es aber zur Vereinfachung und zur Erklärung des Prinzips zitiert). Es findet eine Verschiebung der Wahrscheinlichkeit in Richtung Normalgewicht statt (das tatsächliche wisssenschftliche Ergebnis. Zeigt, dass Epigenetik nicht in allen Individuen das Gen gleich stark ausgeblendet hat und wieso man mit genetisch aggressiven Hunden besser nicht züchten sollte).

PS: Epigenetik durch DNA Methylierung ist kein Konzept, dass ich anzweifle. Das ist wissenschaftlicher Konsens.
Dessen Bedeutung für rassespezifisches Verhalten und Hundezucht hingegen ist unklar und bei weitem nichts, was einem Konsens gleicht. Wenige, wackelige Studien und sehr viel Interpretation und subjektive Gewichtung/Meinung einiger weniger.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
21. Mai 06:33
Sag niemals nie. Vllt wird das doch noch iwie genauer erforscht, könnte ich mir schon vorstellen, die Wissenschaft schläft nicht. War es nicht auch erst verhältnismäßig kurz her, wo anhand von Hirn CT/MRT am wachen Hund erforscht wurde, dass Hunde tatsächlich Gefühle (ähnlich uns Menschen) haben?! Ich glaube den meisten HH war das auch schon vorher klar, aber da kam dann erst der hirnlich/neurologisch finale Beweis.
Ich meinte dass so eine große Verhaltensstudie nie stattfindet wird.
Das würde unzählige Tiere bedeuten, die unter regulierten, vergleichbaren Laborbedingungen aufwachsen müssten und das bedeutet wahnsinnig viel Geld und selbst wenn das ausreichend zur Verfügung steht, würde da wohl keine Ethikkommision mitmachen.
Jedes Versuchstier muss beantragt und genehmigt werden. Selbst wenn man sich auf 10 Rassen beschränken würde und jeweils 10 Tiere nimmt, sind das 100 Hunde, die aufgezogen, versorgt und entsprechend ausgewertet werden müssen.

Verhaltensstudien bei Hunderassen finden daher über Halterumfragen statt.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
21. Mai 07:02
Eine Interesante Studie in dem Zusammenhang ist Dutrow et al. 2022 "Domestic dog lineages reveal genetic drivers of behavioral diversification".

Hier wurden 10 große genetische Linien von Hunden identifiziert, die mit bestimmten Verhaltensprofilen korrelieren.

Zum Beispiel Hütehundlinien korrelieren mit Hüteverhalten, Terrier Linien mit Jagdverhalten.

Dabei zeigt sich, daß Hüte und Jagdverhalten klaren genetischen Cluster entsprechen und diese in bestimmten Linien angereichert sind.
Hütehund Linien zeigen zum Beispiel genetische Cluster für Axonführung und neuronale Signalverarbeitung.

Das Fazit ist, dass Hunde ursprünglich nach Funktionen selektiert wurden, also Jäger, Hüter, Wächter und daraus entstanden dann die heutigen Rassen.

Außerdem werden vor allem Unterschiede zwischen den Linien in nicht Protein-kodierenden, sondern regulatorischen DNA Bereichen gefunden. Heißt, es gibt nicht ein "Hüte-Gen", sondern Hüteverhalten wird über komplexe Genregulation und neurobiolosche Netzwerke gesteuert. Gene für Verhalten sind in Netzwerken organisiert, Beispiel bei Hütehundlinien visuelle Reizverarbeitung und Bewegungssteuerung.

Das heißt aber NICHT, dass Umwelt und Epigenetik unwichtig sind.
Es zeigt dass bestimmte rassespezifische Verhalten wie Hüten oder Jagen auf einer komplexen, polygenetischen Grundlage und Gehirnentwickling basiert, die evolutionär über Aufgaben entstanden ist.

Aber das Verhalten des Individuums wird immer auch ein Ergebnis von Umwelt, Erfahrung, Training usw. sein.

Also Genetik -> neurobiolosche Entwicklung -> Verhaltensdisposition (Jagen, Hüten) -> Epigenetik, Umwelt, Training, Erfahrung -> ausgeführtes Verhalten.

Mit der Rasse Border Collie wurde Hüteverhalten nicht "erfunden", also nicht innerhalb von 200 Jahren herbeigezüchtet. Sondern die heutige Rasse Border Collie ist ein Vertreter einer Hütehundlinie, die vor Tausenden vor Jahren durch eine Aufgabe entstanden ist und sich genetisch von anderen Linien z.B. Terrier unterscheidet.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sonja
21. Mai 07:29
Da gebe ich dir natürlich recht. Aber auch wenn man sich für einen kleineren Hund bzw mittelgroßen Hund entscheidet dann sollte er auf jeden Fall gesund sein. In der Größe gibt es ja immer Variationen aber man muss ja nicht mit den kleinsten und mickrigsten züchten. Das gleiche gilt aber auch nach oben. Meine sind schon eher groß für Mittelspitze und es gibt viele die erheblich kleiner sind. Für mich ist ihre Größe perfekt und ich hätte sie auch genommen wenn sie etwas größer oder kleiner gewesen wären. Aber viel kleiner finde ich für mich zu klein. Tatsächlich hätte ich auch einen wunderhübschen Kleinspitz bekommen können aber er war mir einfach zu klein. Ich brauche Hunde die zwar handlich aber sportlich sind und auch mal eine längere Wanderung problemlos durchhalten. Da ich selber keine Zuchtambitionen haben spielt es auch nicht die große Rolle und wenn dann käme für mich nur die Erhaltungszucht für diese Rasse in Frage. Süß kann ich diese armen deformierten Wesen nicht finden-sie tun mir einfach nur leid.
Ja klar sollte die Gesundheit und Wesensfestigkeit , egal bein welcher Hundegrösse, an erster stelle stehen. Aussreisser, nach unten/oben in grösse hat es schon immer gegeben und wird es immer geben und das ist völlig natürlich .... "Nicht natürlich" hingehen ist das "züchten"/miteinander verpaaren der jeweils kleinsten und schwächsten, in der Natur würde das kein einziges Tier , egal ob Säugetier oder andere "freiwillig" machen...., da dann die Jungen in der Regel auch klein und schwach zum Durchnit ausfallen würden . Die extreme "selektion" nach unten/oben ist eine "Moderscheinung der Neuzeit" , damit wurde eigentlich erst so richtig angefangen seit Hunde in erster Linie als "Begleittiere" und nicht mehr "Arbeitstiere/Nutztiere" gezüchtet wurden/werden... es ist ja leider auch so das in vielen Rassen erst seit einigen Jahrzehnten grösse unterteillung, also z.B Toy/Pocket bis XXL , eingeführt wurde. Und das gilt ja auch nicht nur für "neue Rassen" wie z.B. American Bully sondern auch für einige ältere Rassen, eben wie Spitz, Pudel, Aussie etc... und bei denen darf/wird ja "normalerweise/standartmässig" nicht miteinader also (z.b. klein mit mittel) verpaart...🤔🤗....Vieles ist ja vetaltet aber der alte spruch : ....Hunde unter 5kg und/oder über 50kg sind des Tierartzts Brot..." ist was wahres dran😉
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Carola
21. Mai 07:34
Eine Interesante Studie in dem Zusammenhang ist Dutrow et al. 2022 "Domestic dog lineages reveal genetic drivers of behavioral diversification". Hier wurden 10 große genetische Linien von Hunden identifiziert, die mit bestimmten Verhaltensprofilen korrelieren. Zum Beispiel Hütehundlinien korrelieren mit Hüteverhalten, Terrier Linien mit Jagdverhalten. Dabei zeigt sich, daß Hüte und Jagdverhalten klaren genetischen Cluster entsprechen und diese in bestimmten Linien angereichert sind. Hütehund Linien zeigen zum Beispiel genetische Cluster für Axonführung und neuronale Signalverarbeitung. Das Fazit ist, dass Hunde ursprünglich nach Funktionen selektiert wurden, also Jäger, Hüter, Wächter und daraus entstanden dann die heutigen Rassen. Außerdem werden vor allem Unterschiede zwischen den Linien in nicht Protein-kodierenden, sondern regulatorischen DNA Bereichen gefunden. Heißt, es gibt nicht ein "Hüte-Gen", sondern Hüteverhalten wird über komplexe Genregulation und neurobiolosche Netzwerke gesteuert. Gene für Verhalten sind in Netzwerken organisiert, Beispiel bei Hütehundlinien visuelle Reizverarbeitung und Bewegungssteuerung. Das heißt aber NICHT, dass Umwelt und Epigenetik unwichtig sind. Es zeigt dass bestimmte rassespezifische Verhalten wie Hüten oder Jagen auf einer komplexen, polygenetischen Grundlage und Gehirnentwickling basiert, die evolutionär über Aufgaben entstanden ist. Aber das Verhalten des Individuums wird immer auch ein Ergebnis von Umwelt, Erfahrung, Training usw. sein. Also Genetik -> neurobiolosche Entwicklung -> Verhaltensdisposition (Jagen, Hüten) -> Epigenetik, Umwelt, Training, Erfahrung -> ausgeführtes Verhalten. Mit der Rasse Border Collie wurde Hüteverhalten nicht "erfunden", also nicht innerhalb von 200 Jahren herbeigezüchtet. Sondern die heutige Rasse Border Collie ist ein Vertreter einer Hütehundlinie, die vor Tausenden vor Jahren durch eine Aufgabe entstanden ist und sich genetisch von anderen Linien z.B. Terrier unterscheidet.
Das finde ich ziemlich einleuchtend und klar die Rasse Zucht im heutigen Sinne gibt es noch nicht ganz so lange. Dennoch wurden Hunde für bestimmte Aufgaben"gezüchtet" und es entstanden sogenannte Schläge die zwar optisch nicht unbedingt einheitlich waren jedoch in ihren Eigenschaften und Verhaltensweisen.
Wofür hätten unsere Vorfahren denn Hunde gebrauchen sollen wenn nicht zur Arbeit wie jagen, hüten, bewachen? Ich denke auch nicht dass in früheren Zeiten die Optik so ausschlaggebend war dennoch hat sich vermutlich ein ähnliches Bild bei den unterschiedlichen Aufgaben ergeben.
Nehmen wir mal wieder den Spitz: spitzartige Hunde gibt es archäologisch belegt seit ca 8000 Jahren also muss diese Form der Hunde- nicht unbedingt die Rasse- mit Sicherheit einen gewissen Nutzen für die Menschen gehabt haben denn sonst hätten sie diese Hunde nicht in ihr Haus geholt.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Carola
21. Mai 07:37
Ja klar sollte die Gesundheit und Wesensfestigkeit , egal bein welcher Hundegrösse, an erster stelle stehen. Aussreisser, nach unten/oben in grösse hat es schon immer gegeben und wird es immer geben und das ist völlig natürlich .... "Nicht natürlich" hingehen ist das "züchten"/miteinander verpaaren der jeweils kleinsten und schwächsten, in der Natur würde das kein einziges Tier , egal ob Säugetier oder andere "freiwillig" machen...., da dann die Jungen in der Regel auch klein und schwach zum Durchnit ausfallen würden . Die extreme "selektion" nach unten/oben ist eine "Moderscheinung der Neuzeit" , damit wurde eigentlich erst so richtig angefangen seit Hunde in erster Linie als "Begleittiere" und nicht mehr "Arbeitstiere/Nutztiere" gezüchtet wurden/werden... es ist ja leider auch so das in vielen Rassen erst seit einigen Jahrzehnten grösse unterteillung, also z.B Toy/Pocket bis XXL , eingeführt wurde. Und das gilt ja auch nicht nur für "neue Rassen" wie z.B. American Bully sondern auch für einige ältere Rassen, eben wie Spitz, Pudel, Aussie etc... und bei denen darf/wird ja "normalerweise/standartmässig" nicht miteinader also (z.b. klein mit mittel) verpaart...🤔🤗....Vieles ist ja vetaltet aber der alte spruch : ....Hunde unter 5kg und/oder über 50kg sind des Tierartzts Brot..." ist was wahres dran😉
Da bin ich völlig bei dir und weder extreme Größe noch extreme Kleinheit können gesund sein.
Bei den Spitzen wurde die Größenunterteilung tatsächlich in den 1960er Jahren eingeführt.
Es gibt Verbände die sich der Erhaltungszucht widmen und daher die Einteilung in Groß- und Mittel und Kleinspitz sozusagen aufgehoben haben denn hier handelt es sich tatsächlich nur um einen Größenunterschied. Der Pomeranian wurde wegen seiner massiven gesundheitlichen Einschränkungen und Probleme explizit ausgenommen.
 
Beitrag-Verfasser
A
21. Mai 10:59
Lautet der Spruch nicht "über 50kg" statt cm, so kenne ich den zumindest?
Den Spruch kenne ich auch so...50cm groß sind doch keine Qualzuchthunde, es gibt doch schon alte Rassen welche diese Größe haben
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sonja
21. Mai 13:31
Da bin ich völlig bei dir und weder extreme Größe noch extreme Kleinheit können gesund sein. Bei den Spitzen wurde die Größenunterteilung tatsächlich in den 1960er Jahren eingeführt. Es gibt Verbände die sich der Erhaltungszucht widmen und daher die Einteilung in Groß- und Mittel und Kleinspitz sozusagen aufgehoben haben denn hier handelt es sich tatsächlich nur um einen Größenunterschied. Der Pomeranian wurde wegen seiner massiven gesundheitlichen Einschränkungen und Probleme explizit ausgenommen.
Einfach mal so intetessehalber; Wie ist es eigentlich im VDH/FCI : wenn z.b. zwei Mittelspitze verpaart werden und einzelne Welpen sind 1cm oder 2cm unter/über dem "Mittelspitz Rassestandart", gelten die denn automatisch als nächst kleinere/nächst grössere "unter-rasse"🤔. Und würden die dann, überhaupt Zuchtzulassung bekommen resp als Klein-oder Gross-Spitz, obwohl sie ja eigentlich "reinrassige Mittelspitze" sind...🤔🤯