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Katrin
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zuletzt 23. Mai

Qualzucht - Warum Aufklärung alleine nicht reicht

Noch nie wurde soviel Aufklärung betrieben wie heutzutage und trotzdem steigt die Anzahl an Qualzuchthunden. Durch Zufall bin ich auf einen Artikel gestoßen den ich hier gerne teilen möchte, quasi als Diskussionsgrundlage. https://kynologisch.net/qualzucht-psychologie-2/ Es ist etwas viel eröffnet einem aber eine neue Sicht auf das Problem und warum das durch einfaches Aufklären nicht lösbar ist. Mich würde interessieren ob diese Erklärung für euch nachvollziehbar ist? Welche Schlüsse ihr daraus zieht und ob sich eure Meinung über das halten von Qualzuchten dadurch ändert oder nicht? Wie immer bitte lieb und freundlich bleiben und bedenkt bitte das Qualzucht nicht nur brachyzephale Rassen betrifft. Liebe Grüße eure Katrin J. https://www.ardmediathek.de/video/story/leiden-auf-vier-pfoten-zuechten-wir-unsere-haustiere-kaputt/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyNjQ4MTg
 
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Jochen
20. Mai 16:28
Tatsächlich erscheint mir das empfohlene Konzept gar nicht nach einem großen Perspektivwechsel, sondern ist im Grunde recht konservativ. Optische Abweichungen vom Standard durchaus auch mal zulassen (also sagen wir man hat nen super Zuchtrüden, der einen cm zu klein ist oder einen Fleck im Fell hat, der da nicht hingehört), Zuchtbücher öffnen (heißt nicht wild einkreuzen, sondern zum Beispiel einen Hund der gleichen Rasse, der nicht aus diesem Zuchtbuch abstammt, zur Zucht erlauben, wenn er tolle Voraussetzungen mitbringt. Oder auch Out-Crossing, aber ein Verschwimmen oder Verschwinden der Rassen scheint nicht das Ziel zu sein) und Fokus wieder mehr auf Gesundheit und Verhalten legen. Das ist eigentlich das, was die meisten Befürworter der reinrassigen Zucht hier immer wieder fordern bzw vorschlagen. Vielleicht nicht so elaboriert formuliert, aber das ist ja auch ein Forum und kein Journal 😅. Oder habe ich etwas übersehen? Ich stimme soweit dem Artikel zu und es mal "wissenschaftlich" zu verfassen und zu veröffentlichen gibt dem ganzen einfach mehr Gewicht. Daher hat er natürlich eine wichtige Bedeutung, da man sich auf sowas berufen bzw es referenzieren kann.
Ich habe gerade das Buch „Die Epigenetik des Hundes“ von Peter Spork gelesen.
Es hat mich doch sehr aufgewühlt.

Er stellt noch mal einen ganz anderen Denkansatz in den Raum. Nämlich dass man bei der Zucht nicht nach Verhalten selektieren sollte und damit den Genpool größer hält. Er würde auch mit ängstlichen und aggressiven Hunden züchten.

Denn das Verhalten des Hundes steht nicht im DNA Text, sondern ist der Epigenetik geschuldet, die veränderbar ist bei gleicher DNA.
 
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Katrin
20. Mai 16:38
Ich habe gerade das Buch „Die Epigenetik des Hundes“ von Peter Spork gelesen. Es hat mich doch sehr aufgewühlt. Er stellt noch mal einen ganz anderen Denkansatz in den Raum. Nämlich dass man bei der Zucht nicht nach Verhalten selektieren sollte und damit den Genpool größer hält. Er würde auch mit ängstlichen und aggressiven Hunden züchten. Denn das Verhalten des Hundes steht nicht im DNA Text, sondern ist der Epigenetik geschuldet, die veränderbar ist bei gleicher DNA.
Sicherlich ein spannendes Thema. Mich persönlich gruselt die Vorstellung ängstliche oder aggressive Hunde zur Zucht einzusetzen.
 
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Jochen
20. Mai 17:14
Sicherlich ein spannendes Thema. Mich persönlich gruselt die Vorstellung ängstliche oder aggressive Hunde zur Zucht einzusetzen.
Ja, mich auch, es ist aber gut begründet. Trotzdem bleiben auch bei mir Zweifel.
 
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Bernadette
20. Mai 17:32
Ja, mich auch, es ist aber gut begründet. Trotzdem bleiben auch bei mir Zweifel.
Ja aber eigentlich ganz logisch, sonst würde sich jeder Hund, jeder Mensch usw. genau wie seine Eltern verhalten. Aber da sind die Unterschiede oft größer als die Gemeinsamkeiten 😅
 
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Su
20. Mai 17:34
Ja, mich auch, es ist aber gut begründet. Trotzdem bleiben auch bei mir Zweifel.
Wenn man von Untersuchungen im Mouse-Modell ausgeht (da ging es um Traumatisierungen) und diese auf den Hund überträgt müsste man vor allem darauf achten eine gute Hundemutter (in der Pflege der Welpen) zu haben. Falls Rüden an der Aufzucht beteiligt wären, diese ebenso.
Dadurch kann die Epigenetik der Welpen beeinflusst werden.

Spannender Ansatz!
Frage mich, wie schnell da Veränderungen bemerkbar wären….
 
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Julia 🐾Nero
20. Mai 17:46
Ich habe gerade das Buch „Die Epigenetik des Hundes“ von Peter Spork gelesen. Es hat mich doch sehr aufgewühlt. Er stellt noch mal einen ganz anderen Denkansatz in den Raum. Nämlich dass man bei der Zucht nicht nach Verhalten selektieren sollte und damit den Genpool größer hält. Er würde auch mit ängstlichen und aggressiven Hunden züchten. Denn das Verhalten des Hundes steht nicht im DNA Text, sondern ist der Epigenetik geschuldet, die veränderbar ist bei gleicher DNA.
Ich denke es kommt darauf an, was man unter Verhalten versteht.

Wenn es um bestimmte, nennen wir es mal "Fähigkeiten" geht, ist Verhalten absolut genetisch bedingt. Also sagen wir mal das Anzeigeverhalten des Pointers. Das führen Welpen mit wenigen Wochen aus, ohne zu wissen, was sie da tun. Bestimmtes Jagdverhalten, Hüteverhalten, Territorial/Schutzmotivation sind auf jeden Fall genetisch verankert.

Wenn es jetzt um Verhalten geht, dass eher der Persönlichkeit, Prägung, Sozialisierung entspricht, dann ist Epigenegik, Erziehung usw sicher mindestens genauso wichtig oder sogar wichtiger.

Wobei ich recht sicher bin, dass es relativ gut beigelegt ist, dass aggressive Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Aggression neigende Nachkommen zeugen und umgekehrt.
Die Fuchsexperimente zeigen die "harte" Vererbung durch Genetik, denn aggressive und zahme Gruppe werden unter gleichen Bedingungen und Umwelteinflüssen gehalten, so dass in diesem Fall der Einfluss der Epigenegik für die Selektion auf aggressiv vs zahm die gleiche ist.
 
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Julia 🐾Nero
20. Mai 17:54
Sicherlich ein spannendes Thema. Mich persönlich gruselt die Vorstellung ängstliche oder aggressive Hunde zur Zucht einzusetzen.
Solange man nicht weiß, woher Angst oder Aggression stammen, wäre es aus meiner Sicht auch verrückt mit solchen Hunden zu züchten.
Beides kann ja auch verborgene neurologische oder hormonelle Ursachen haben, die vererbt werden könnten.

Bsp diese Mutation beim Malinois, die zu idiopathischen Aggressionsschüben führt und verebt wird. Das ist Verhalten, das rein genetisch bedingt ist und wie viele andere Mutationen es rassespezifisch oder rasseübergreifend gibt wissen wir nicht.

Daher wäre es russisch Roulette zu raten, ob der Zuchthund aufgrund von Genetik, Epigenetik, Erfahrung oder oder aggressiv ist.
 
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Jochen
20. Mai 17:56
Ich denke es kommt darauf an, was man unter Verhalten versteht. Wenn es um bestimmte, nennen wir es mal "Fähigkeiten" geht, ist Verhalten absolut genetisch bedingt. Also sagen wir mal das Anzeigeverhalten des Pointers. Das führen Welpen mit wenigen Wochen aus, ohne zu wissen, was sie da tun. Bestimmtes Jagdverhalten, Hüteverhalten, Territorial/Schutzmotivation sind auf jeden Fall genetisch verankert. Wenn es jetzt um Verhalten geht, dass eher der Persönlichkeit, Prägung, Sozialisierung entspricht, dann ist Epigenegik, Erziehung usw sicher mindestens genauso wichtig oder sogar wichtiger. Wobei ich recht sicher bin, dass es relativ gut beigelegt ist, dass aggressive Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Aggression neigende Nachkommen zeugen und umgekehrt. Die Fuchsexperimente zeigen die "harte" Vererbung durch Genetik, denn aggressive und zahme Gruppe werden unter gleichen Bedingungen und Umwelteinflüssen gehalten, so dass in diesem Fall der Einfluss der Epigenegik für die Selektion auf aggressiv vs zahm die gleiche ist.
Er schreibt, ich zitiere:

So verrückt es klingt, aber die fraglos existierenden rassetypischen Wesensmerkmale sind zum Großteil nicht durch rassetypische Genvarianten verursacht. Sie können nicht das direkte Produkt der gezielten Hundezucht sein. Es gibt keine Wächter-, Hüte-, oder Vorsteh-Gene. Das Verhalten eines Hundes ist im Gegenteil so komplex geregelt, dass es sich nicht innerhalb weniger Generationen herbeizüchten lässt.
 
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Julia 🐾Nero
20. Mai 18:11
Er schreibt, ich zitiere: So verrückt es klingt, aber die fraglos existierenden rassetypischen Wesensmerkmale sind zum Großteil nicht durch rassetypische Genvarianten verursacht. Sie können nicht das direkte Produkt der gezielten Hundezucht sein. Es gibt keine Wächter-, Hüte-, oder Vorsteh-Gene. Das Verhalten eines Hundes ist im Gegenteil so komplex geregelt, dass es sich nicht innerhalb weniger Generationen herbeizüchten lässt.
Im Kern ist die Aussage richtig, ich finde die Schlussfolgerung falsch.

Ja Hüteverhalten ist so komplex, dass es nicht durch ein Gen kodiert ist und es entsteht nicht in wenigen Generationen. Es ist durch eine uns unbekannte Kombination verschiedenster Gene kodiert und ist über Jahrhunderte entstanden.

Ich denke an ein hypothetisches Experiment, in dem man 100 Border Collies nimmt und 100 Weimaraner. Man hält die Eltern unter gleichen Bedingungen und Umwelteinflüssen und zieht die Welpen identisch auf.
Ich bin überzeugt, dass die Hälfte der Weimaraner nicht anfangen zu schleichen und zu "starren", wie es nur die Border Collies machen und die Hälfte der Border Jagdschärfe an Wild zeigen.

Ich will die weiche Vererbung durch Epigenetik nicht abwerten oder die Bedeutung klein reden. Ich glaube es ist am Ende eine Kombination aus Genetik, Epigenetik, Prägung, Sozialisierung, Erziehung usw.

Was man zum Beispiel sehr gut weiß ist, dass wenn Welpen früh dosiert und kontrolliert Stress ausgesetzt werden, sie als Erwachsene Hunde viel Stressresilienter sind. Und zwar in einem Umfang, der sich bei dosierter Stressexposition bei erwachsenen Tieren nicht mehr replizieren lässt. Das wäre für mich etwas, was die Bedeutung von Epigenetik unterstreicht.

Die besten Gene nützen nichts, wenn in entscheidenden Lebensphasen die Neurologie und Physiologie nicht richtig stimuliert wird.
 
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Carola
20. Mai 18:26
Er schreibt, ich zitiere: So verrückt es klingt, aber die fraglos existierenden rassetypischen Wesensmerkmale sind zum Großteil nicht durch rassetypische Genvarianten verursacht. Sie können nicht das direkte Produkt der gezielten Hundezucht sein. Es gibt keine Wächter-, Hüte-, oder Vorsteh-Gene. Das Verhalten eines Hundes ist im Gegenteil so komplex geregelt, dass es sich nicht innerhalb weniger Generationen herbeizüchten lässt.
Das ist schon spannend aber mich würde mal interessieren wie dann begründet wird woher diese Verhaltensweisen kommen.
Warum zeigen Hunde bestimmte Verhaltensweisen auf die gezüchtet wurden ohne dass ihnen das jemals einer beigebracht hat?
Dann sind wir ganz schnell wieder bei der Theorie das Gene keine Rolle spielen und alles nur Erziehung ist- das finde ich sehr fragwürdig.

Ja das Verhalten unserer Hunde ist komplex und man kann nicht mal eben in drei Generationen eine wesensfeste Rasse kreieren.
Man darf auch Charakter nicht mit Veranlagung verwechseln denn selbst bei gleicher oder ähnlicher Veranlagung haben Hunde durchaus unterschiedliche Charaktere.
Ich verstehe auch nicht ganz wieso bei Hunden der genetische Einfluss geleugnet wird wenn man weiß dass Gene eine riesengroße Rolle nicht nur bei Hunden spielen. Wenn bei einem Menschen ein einziges Gen defekt ist dann kommt es zu großen Veränderungen und auch zu Krankheiten- man denke nur an die Trisomie und weitere Gendefekte.
Ebenso führt der Merle Gendefekt oftmals zu schweren Behinderungen und Krankheiten bei Hunden.
Natürlich sind Gene nicht alles denn Prägung, Umwelt, Erziehung beeinflussen die Eigenschaften und auch den Charakter sie aber völlig zu leugnen finde ich schwierig.