Als Mensch kann man sich nicht deswegen umbringen. Es ist ein schleichender Prozess und bevor einem bewusst wird, was mit einem selbst passiert, ist das „bewusst werden“ auch schon wieder vorbei.
Ich erlebe es beim Menschen gerade im engsten Familienkreis hautnah…
Beim Hund kann man als Halter die Entscheidung über noch vorhandene Lebensqualität abnehmen. Aber eben auch nur, wenn man es „kann“.
Realistisch und objektiv die Lebensqualität einschätzen, sein Ego, das schlechte Gewissen und den Widerwillen zu akzeptieren, dass alles endlich ist in den Hintergrund rücken…, das ist alles so verdammt schwer.
So lange ich mit meinen eigenen Hunden nicht betroffen bin, lässt es sich leicht reden.
Stecke ich selbst mittendrin, in dieser Situation, dann ist es plötzlich nicht mehr so leicht.
Das stimmt wohl. Meine Mutter arbeitet beruflich ausschließlich und spezialisiert mit demenzkranken Menschen. Ich sag mal so: ich würde so nicht leben wollen. Das ist ungefähr gleich mit bettlägerig sein oder an Maschinen gefesselt zu sein. Zumindest für mich. Aber leider ist es wohl oft auch so, dass Menschen mit stark fortgeschrittener Demenz auch körperlich gebrechlich sind und sich gar nicht mehr umbringen könnten, selbst wenn sie es wollten. Schrecklicher Gedanke.
Wie gesagt, ich will es mir bei meinen Hunden nicht vorstellen. Niemand spricht davon einen Hund bei anfänglicher Demenz sofort einzuschläfern. Es ist ja eine Krankheit die sich langsam entwickelt und immer weiter fortschreitet. Da muss man natürlich für sich selbst bzw. für den Hund den Punkt finden,wo das "noch eine gute Zeit ermöglichen so lange es geht" zum Leiden für den Hund wird.
Wenn meine Hunde sich nicht mehr über mich freuen würden, mich nicht mal mehr erkennen und deswegen vielleicht Angst vor mir haben würden, sich nicht mehr richtig bewegen können, oder wie Zombies umherlaufen würden. Dann würde ich denen das nicht lange zumuten.
Wer soll denn damit noch glücklich sein? Der Hund, der nichts mehr mitbekommt und unter Ruhelosigkeit und Panikzuständen leidet? Oder ich, der sich das traurige Leid mit anschauen muss? Ich könnte das nicht. Und ich bin mir sicher, meine Hunde würden das auch nicht wollen, wenn sie sich mitteilen könnten.
Wäre die Demenz nicht, würde man definitiv merken wann die Hunde "lebensmüde" sind, man sieht und spürt das. Aber die Demenz verändert eben das komplette Verhalten und den Körper. Da kann man nichts mehr deuten, weil der Hund es gar nicht mehr anzeigen kann.
Bei meiner alten Hündin Chiwa war es definitiv leichter zu erkennen und zu akzeptieren. Sie hatte aber auch keine Demenz, sie hat ihr Leben wirklich bis Ende aktiv bewusst wahrgenommen und auch noch teilgenommen. Bis sie dann über Nacht an die 30 Knubbel auf dem Rücken und an den Seiten bekommen hat, die einen Tag später dann auch anfingen aufzuplatzen. Noch am selben Abend kam die Tierärztin zu uns. Da gab es gibt's mehr zu überlegen,nichts zu untersuchen und zu unternehmen. Außer sie wirklich friedlich und ohne Leid gehen zu lassen. Und sie hat es auch akzeptiert. Sie hat von der Tierärztin alles mit ihr machen lassen, hätte sie normalerweise nie. Aber sie war lebensmüde. Direkt nach der ersten Spritze hat sie einmal tief durchgeatmet, entspannt geschmatzt und war dann weg, hat losgelassen. Da hab ich leider schon ganz andere Geschichten gehört. Wo dann Hunde mit Widerstand und weit aufgerissen Augen "friedlich" eingeschlafen sind.
Ich hatte aber auch einige Monate Zeit mich darauf einzustellen, sie fing nämlich auch an ganz klassisch abzubauen. Trotz doppelter Portionen und High Energy Futter. Sie hatte schon einige Lipome, die auch eine Zeit lang untersucht wurden, aber dann auch nicht mehr. Sie wird wohl da schon Krebs gehabt haben.
Eines Tages ging es ihr irgendwie nicht so gut, sie musste dringend raus, war aber nicht mehr so schnell unterwegs und ist dann letztendlich in ihrem eigenen Urin und Kot ausgerutscht und kam dann auch nicht mehr von selbst hoch. Da war mir dann klar, dass es langsam Zeit wird sich darauf einzustellen. Sie hat dann aber noch ein gutes halbes Jahr gelebt. Und auch glücklich, nur eben nicht mehr so schnell.