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Vroni Fuchs hat seit einer Weile einen X-Herder-Mali-Mix extrem verhaltensauffällig übernommen. Sie beschreibt in ihren Videos sehr detailliert den Werdegang und wie sie die ablaufenden Stereotypen durchbrochen hat.
Hier mal ihr Text dazu (von FB), ich hoffe, dass ist ok, denn hier zu teilen:
„Xaver ist ein 3 jähriger Malinois x Herder Mix Rüde, den ich im Oktober übernommen habe, nachdem für ihn wegen seines aggressiven und stereotypen Verhaltens bereits ein Euthanasietermin im Raum stand. Als er zu mir kam, war schnell klar, dass wir es hier nicht mit einem einfachen Trainingsfall zu tun haben. Gleichzeitig war für mich aber auch klar, dass solche Hunde nicht einfach schwierig sind, sondern oft über lange Zeit in Muster geraten, die sich selbst immer weiter aufrechterhalten. Genau deshalb darf man sie nicht vorschnell aufgeben, sondern muss sehr genau hinschauen, verstehen und verantwortungsvoll arbeiten. Er ist ein so wundervoller Hund und hat einfach verdient ein entspanntes Leben führen zu können.
Seit seiner Übernahme haben wir in vielen Bereichen bereits sehr viel aufgearbeitet und erarbeitet um ein gutes Fundament zu haben. Solche Themen muss man Schritt für Schritt erarbeiten und erst sichere Grundlagen, sowie eine gute Beziehung zueinander aufbauen. Xaver hat große Fortschritte gemacht, und es gibt viele Dinge, die heute deutlich besser laufen als noch am Anfang. Trotzdem bleibt ein zentrales und sehr gefährliches Thema bestehen, seine hohe Erregung in für ihn schwierigen Situationen so zu regulieren, dass sie sich nicht mehr in einer Attacke auf Menschen entlädt. Genau darum geht es in diesem Video.
Lerntheoretisch betrachtet handelt es sich bei solchen Verhaltensweisen oft um ein selbstbelohnendes Muster. Wenn ein Hund in hoher Erregung auf Menschen losgeht, kann dieses Verhalten für ihn selbst verstärkend wirken. Die innere Spannungsentladung, das Gefühl von Kontrolle oder auch die wiederholte erfolgreiche Ausführung des Verhaltens festigen genau dieses Muster. Je öfter so etwas passiert, desto stabiler wird es. Dazu kommen bei bestimmten Hunden genetische Faktoren, Temperamentsmerkmale und eine hohe Dopamin Reaktivität, die dazu führen können, dass sie besonders schnell hochfahren, impulsiv reagieren und sich schlechter selbst regulieren können. Das ist keine Ausrede, sondern erklärt, warum solche Hunde oft nicht einfach mit ein bisschen Belohnung umzupolen sind.
Genau hier stoßen rein positive Ansätze in der Praxis häufig an ihre Grenzen. Positive Verstärkung ist ein wichtiger Teil von gutem Training, aber sie reicht bei einem bereits fest etablierten, selbstbelohnenden und sicherheitsrelevanten Angriffsmuster oft nicht aus, wenn das unerwünschte Verhalten immer wieder erfolgreich durchlaufen werden kann. Dann braucht es mehr als nur das Belohnen des richtigen Verhaltens. Dann braucht es einen Trainingsrahmen, in dem das alte Muster unterbrochen wird, bevor es sich erneut festigt.
Aus meiner Sicht ist eine angemessene, klare und emotionslose Korrektur bei solchen Verhaltensweisen nicht nur sinnvoll, sondern wirklich unabdingbar. Nicht, um den Hund klein zu machen oder ihn für sein Verhalten zu bestrafen, sondern um den Erregungskreislauf zu unterbrechen, bevor er sich weiter hochschaukelt. Das kann je nach Hund und Situation auch bedeuten, mit sehr klaren, für den Hund verständlichen Signalen zu arbeiten, notfalls auch mit unangenehmen, aber kurzen und eindeutigen Unterbrechungen. Anstehender körperliche Druck ist hier keine Lösung, denn genetisch bedingt, streiten solche Hunde gerne. Entscheidend ist dabei, dass die Korrektur nicht aus Frust, Wut oder Härte kommt, sondern aus Verantwortung, Klarheit und dem Ziel, den Hund wieder in Lernfähigkeit zu bringen.
Tierwohl bedeutet für mich in solchen Fällen nicht, alles laufen zu lassen, was der Hund gerade ausdrückt. Tierwohl bedeutet auch, gefährliche Verhaltensmuster nicht weiter zu belohnen und dem Hund stattdessen einen Rahmen zu geben, in dem er überhaupt lernen kann, was erwünscht ist. Wenn ein Hund immer wieder in der Eskalation Erfolg hat, lernt er nicht Sicherheit, sondern nur, dass dieses Muster für ihn funktioniert. Genau das ist langfristig weder fair noch sicher, weder für Menschen noch für andere Tiere und auch nicht für den Hund selbst.
Deshalb ist ein solches Training auch bewusst so aufgebaut, dass man den besten Lernerfolg haben kann. Das heißt: kontrollierte Situationen, klarer Rahmen, gute Vorhersagbarkeit und ein Umfeld, in dem der Hund nicht unkontrolliert in alte Muster kippt. Man schafft also absichtlich und bewusst genau die Bedingungen, unter denen man das Verhalten sauber sehen, unterbrechen und anschließend alternative Verhaltensweisen belohnen kann. Ein Abbruch alleine ist nicht die Lösung. So wird Lernen überhaupt erst möglich. Der Hund bekommt nicht einfach nur mehr Reize, sondern einen strukturierten Raum, in dem er neue Verknüpfungen machen kann. Und genau das ist der Punkt, nicht Chaos, sondern kontrollierte Lernbedingungen. Xaver wurde im Vorfeld mit dem Schild positiv vertraut gemacht und dies dient tatsächlich nur der Sicherheit des Menschen. Aufgrund seiner Vorgeschichte trägt er einen speziellen Maulkorb mit festen Platten seitlich eingearbeitet, deshalb ist eine Attacke auch mit Maulkorb nicht ungefährlich.
Für mich ist das auch eine Botschaft dieses Videos. Selbst bei sehr schwierigen Hunden gibt es Wege, die über die reine Euthanasie hinausgehen. Nicht jeder Hund ist leicht. Nicht jeder Hund ist schnell sicher. Und nicht jeder Weg ist angenehm oder simpel. Aber schwere Fälle dürfen nicht vorschnell aufgegeben werden, wenn verantwortungsvolle, fachlich durchdachte Arbeit noch eine echte Chance bietet. Man muss jedoch ehrlich sein.
Rein positives Arbeiten hat hier Grenzen. Und genauso ehrlich muss man sein, wenn man sagt, dass eine klare, emotionslose und passende Korrektur in solchen Fällen zum Schutz aller Beteiligten und vor allem zum Wohl des Hundes notwendig sein kann.
Für mich ist Xaver genau so ein Fall, der zeigt, wie viel möglich ist, wenn man nicht wegschaut, sondern hinsieht. Wenn man nicht nur hofft, sondern strukturiert arbeitet. Wenn man den Hund nicht in seinem alten Muster belässt, sondern ihm hilft, da rauszukommen. Und wenn man dabei bereit ist, sowohl mit Herz als auch mit fachlicher Klarheit zu arbeiten.
Mir ist bewusst, dass es zu solchen Fällen unterschiedliche fachliche Ansätze und Bewertungssysteme gibt. Das ist aus meiner Sicht völlig legitim, solange der gewählte Weg für das jeweilige Hund Mensch Team fachlich begründet, sicher und verantwortungsvoll umgesetzt wird. Der hier gezeigte Ansatz ist der Weg, der in unserer Situation zu einer deutlichen Verbesserung geführt hat und uns in der Entwicklung von Xaver spürbar weitergebracht hat. Er erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern stellt eine dokumentierte Möglichkeit dar, mit einem komplexen und sicherheitsrelevanten Verhaltensproblem umzugehen.“
Für mich ist Vroni Fuchs eine beeindruckend kompetente Trainerin… vielleicht nimmst Du mit ihr mal Kontakt auf?