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Debora
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 76
zuletzt 1. Juli

Wenn kein Trainer helfen kann

Hallo zusammen. Ich habe meine Hündin schon als Welpen bekommen. Wir haben sie aus einer Hinterhof-Züchtung übernommen, da die Welpen nicht vermittelt werden konnten. Sie ist ein X-Herder und Deutscher Schäferhund Mischling. Sie hat, bis sie zu uns kam, noch nichts anderes kennen gelernt als das Zimmer, in dem sie zur Welt gekommen ist. Von Tag eins an war sie extrem reaktiv. Mir war klar, was diese Rasse mit sich bringt und habe mir gleich Trainer und Verein gesucht. Beide wussten nach einem knappen Jahr nicht mehr weiter. Kein Zugang um an der Reaktivität zu arbeiten. Jetzt stehe ich mit meiner 2,5 Jahre alten Hündin und nach 2 weiteren Trainer noch genauso da wie am ersten Tag. Keiner weiß, wie man an diesen Hund ran kommt. Ich hab alles probiert. Klar, sie ist noch jung. Alle sagen immer „einfach dran bleiben“. Aber woran soll ich denn dran bleiben , wenn keine Trainingsmethode bei ihr funktioniert? Sie wird immer nur reaktiver. Knurrt und schnapp bei jedem, geht immer nach vorne und ist Dauer gestresst. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich liebe sie absolut aber so wie es steht würde ich sie sofort abgeben, wenn jemand mit Expertise sie haben wollte. Ich bin nämlich am Ende meines Lateins - und die Trainer auch. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich bin für jeden Rat und jeden Tipp Dankbar.
 
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Alois
29. Juni 19:09
Hier noch ein Interessanter Artikel, der zum nachdenken anregen sollte😊

https://share.google/ITbSZESfoyk4ZP0vk
 
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Michaela
29. Juni 23:52
Liebe Debora 😊 ergänzend zu den vielen Beiträgen - ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit Verhaltenstherapie und weniger Hundetraining in solchen Fällen. Das braucht zwar noch mehr Geduld, aber lohnt sich bestimmt. Wenn Du einen Kontakt benötigst, melde Dich gerne
 
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Babs
30. Juni 07:06
Hier noch ein Interessanter Artikel, der zum nachdenken anregen sollte😊 https://share.google/ITbSZESfoyk4ZP0vk
Ja, es gab eine Zeit, da wurde so gedacht. Dabei war Auslastung = körperlich auspowern. Mittlerweile wird gesagt, dass insbesondere Arbeitsrassen 20 Stunden am Tag schlafen sollen.

Beide Aussagen gehen ins Extreme und werden dem belgischen Schäferhund nicht gerecht.

Weder monotones rennen neben dem Fahrrad, noch 20 Stunden am Tag zu schlafen tun einem Malinois gut. Das sind einfach nur Pauschalaussagen und werden einem Hund nicht gerecht.

In dem Artikel stehen 3 wichtige Worte: Vertrauen, Entspannung und Sicherheit. Doch weder Vertrauen, noch Entspannung und Sicherheit bekommt man, wenn der Hund 20 Stunden schläft. Entspannung sollte man nicht mit der Schlafdauer verwechseln. Entspannung bedeutet innere Ausgeglichenheit. Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation sind die grundlegenden Themen.

Einen intelligenten Arbeitshund mit einem genetischen Auftrag legt man nicht still. Dafür wurden sie nicht geboren. Es kommt nicht auf die Schlafdauer an, sondern darauf, WIE ich mit meinem Hund umgehe. Und genau da liegt die Herausforderung bei einem Malinois. Er denkt, lernt und reagiert schnell. Damit haben viele Hundeführer ein Problem. Sie sind schlichtweg zu langsam/nicht im Timing.

Auslastung: auch hier kommt es nicht auf das "was", sondern auf das "wie" an. Monotones Laufen neben dem Fahrrad langweilt ihn. Sie möchten denken und brauchen daher eine anspruchsvolle geistige Aufgabe. Körperliche Betätigung gepaart mit einer anspruchsvollen geistigen Aufgabe macht diese Hunde glücklich. Und wenn ihr menschlicher Partner da mithalten kann, Perfekt.

Also grob gesagt: Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation plus eine für den Malinois ausgewogene Auslastung sind die Basis für einen ausgeglichen belgischen Schäferhund.

Voraussetzungen, die der Hundeführer mitbringen sollte: eine schnelle Reaktion, Einfühlungsvermögen, Timing, Fairness, innere Ausgeglichenheit, Freude am gemeinsamen Arbeiten, Selbstreflexion insb. in Bezug auf die Körperhaltung/Körpersprache und die Körpersprache des Hundes schnell lesen und verstehen können. Das Wichtigste ist aber, sich auf den Malinois einlassen zu können. Da gibt es ein Sprichwort:" Der Malinois lebt nicht mit, sondern IN einem." Und das ist die mentale größte Herausforderung. Wer das schafft und fühlt, bekommt einen tollen Begleiter. Druck, inskonsequentes und unfaires Verhalten sowie Härte hingegen, wird der sensible Malinois nicht verstehen und dann bekommt man keinen tollen Begleiter.

Ich selber habe 2 Tervueren aus Arbeitslinien. Beide wollen immer in unserer Nähe sein und wir haben sie gerne in unserer Nähe. Mein Rüde liegt oft unter meinem Schreibtisch oder irgendwo in meiner Nähe, wenn ich arbeite (Stunden). Dann passiert nichts und er schläft. Mache ich den Haushalt, hat er seine Aufgaben, die er gerne erfüllt (selbstverständlich denkt er da mit 🤣) und dann machen wir noch Hundesport, bei dem er körperlich und geistig ausgelastet wird. Alles aber unter dem Aspekt: Gemeinsam. Dazu gehört aber auch, dass man die Bedürfnisse des anderen akzeptiert und respektiert. Wenn ich z. B. meine Ruhe haben möchte, dann legt er sich woanders hin... Wenn er seine Dynamik ausleben möchte, dann machen wir das (er hat übrigens gelernt, dass er seine zu hohe Motivation/das bekannte Hochfahren regulieren kann und falls er es mal nicht schafft, helfe ich ihm dabei, wie bei so vielen anderen Themen auch wie Regulation des Jagdverhaltens, Konflikte zu lösen ... ). Er darf Hund sein, seinen besten Kumpel besuchen, mit mir quatschen, diskutieren ... und natürlich mit mir kuscheln.

Ich möchte übrigens keinen Hund, der 20 Stunden am Tag schläft und zu einer Schlaftablette mutiert, sondern einen aktiven Hund, der mit mir Spaß hat. Auslastung ist für uns keine Verpflichtung, sondern gehört genau so zu unserem Leben wie gemeinsam kuscheln und entspannen.

Auslastung bedeutet übrigens gemeinsam Spaß haben und nicht:" Ohje, jetzt muss ich schon wieder was mit dem machen. Wie mache ich das am Besten?" Genau das ist m. M.n. kein guter Gedankengang und ist eine sehr ungünstige Grundeinstellung.

Letztendlich richte ich mich nicht nach Pauschalaussagen wie 20 Stunden schlaf am Tag, sondern schaue auf meine Hunde, was sie brauchen (Schlaf, spielen, denken, arbeiten, soziale Kontakte, kuscheln, dösen, miteinander reden und auch mal diskutieren, Training der Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation ...). Sie zeigen es und ich möchte, dass sie glücklich und gesund sind, entspannt leben und irgendwann auf ein erfülltes Leben zurückblicken können.

Sorry, dass es länger geworden ist, als ich wollte und hoffe, dass rüber kommt, worauf ich hinaus möchte. Vieles gilt übrigens nicht nur für den Malinois, sondern für ganz viele Hunde.
 
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Dogorama-Mitglied
30. Juni 10:31
Ja, es gab eine Zeit, da wurde so gedacht. Dabei war Auslastung = körperlich auspowern. Mittlerweile wird gesagt, dass insbesondere Arbeitsrassen 20 Stunden am Tag schlafen sollen. Beide Aussagen gehen ins Extreme und werden dem belgischen Schäferhund nicht gerecht. Weder monotones rennen neben dem Fahrrad, noch 20 Stunden am Tag zu schlafen tun einem Malinois gut. Das sind einfach nur Pauschalaussagen und werden einem Hund nicht gerecht. In dem Artikel stehen 3 wichtige Worte: Vertrauen, Entspannung und Sicherheit. Doch weder Vertrauen, noch Entspannung und Sicherheit bekommt man, wenn der Hund 20 Stunden schläft. Entspannung sollte man nicht mit der Schlafdauer verwechseln. Entspannung bedeutet innere Ausgeglichenheit. Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation sind die grundlegenden Themen. Einen intelligenten Arbeitshund mit einem genetischen Auftrag legt man nicht still. Dafür wurden sie nicht geboren. Es kommt nicht auf die Schlafdauer an, sondern darauf, WIE ich mit meinem Hund umgehe. Und genau da liegt die Herausforderung bei einem Malinois. Er denkt, lernt und reagiert schnell. Damit haben viele Hundeführer ein Problem. Sie sind schlichtweg zu langsam/nicht im Timing. Auslastung: auch hier kommt es nicht auf das "was", sondern auf das "wie" an. Monotones Laufen neben dem Fahrrad langweilt ihn. Sie möchten denken und brauchen daher eine anspruchsvolle geistige Aufgabe. Körperliche Betätigung gepaart mit einer anspruchsvollen geistigen Aufgabe macht diese Hunde glücklich. Und wenn ihr menschlicher Partner da mithalten kann, Perfekt. Also grob gesagt: Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation plus eine für den Malinois ausgewogene Auslastung sind die Basis für einen ausgeglichen belgischen Schäferhund. Voraussetzungen, die der Hundeführer mitbringen sollte: eine schnelle Reaktion, Einfühlungsvermögen, Timing, Fairness, innere Ausgeglichenheit, Freude am gemeinsamen Arbeiten, Selbstreflexion insb. in Bezug auf die Körperhaltung/Körpersprache und die Körpersprache des Hundes schnell lesen und verstehen können. Das Wichtigste ist aber, sich auf den Malinois einlassen zu können. Da gibt es ein Sprichwort:" Der Malinois lebt nicht mit, sondern IN einem." Und das ist die mentale größte Herausforderung. Wer das schafft und fühlt, bekommt einen tollen Begleiter. Druck, inskonsequentes und unfaires Verhalten sowie Härte hingegen, wird der sensible Malinois nicht verstehen und dann bekommt man keinen tollen Begleiter. Ich selber habe 2 Tervueren aus Arbeitslinien. Beide wollen immer in unserer Nähe sein und wir haben sie gerne in unserer Nähe. Mein Rüde liegt oft unter meinem Schreibtisch oder irgendwo in meiner Nähe, wenn ich arbeite (Stunden). Dann passiert nichts und er schläft. Mache ich den Haushalt, hat er seine Aufgaben, die er gerne erfüllt (selbstverständlich denkt er da mit 🤣) und dann machen wir noch Hundesport, bei dem er körperlich und geistig ausgelastet wird. Alles aber unter dem Aspekt: Gemeinsam. Dazu gehört aber auch, dass man die Bedürfnisse des anderen akzeptiert und respektiert. Wenn ich z. B. meine Ruhe haben möchte, dann legt er sich woanders hin... Wenn er seine Dynamik ausleben möchte, dann machen wir das (er hat übrigens gelernt, dass er seine zu hohe Motivation/das bekannte Hochfahren regulieren kann und falls er es mal nicht schafft, helfe ich ihm dabei, wie bei so vielen anderen Themen auch wie Regulation des Jagdverhaltens, Konflikte zu lösen ... ). Er darf Hund sein, seinen besten Kumpel besuchen, mit mir quatschen, diskutieren ... und natürlich mit mir kuscheln. Ich möchte übrigens keinen Hund, der 20 Stunden am Tag schläft und zu einer Schlaftablette mutiert, sondern einen aktiven Hund, der mit mir Spaß hat. Auslastung ist für uns keine Verpflichtung, sondern gehört genau so zu unserem Leben wie gemeinsam kuscheln und entspannen. Auslastung bedeutet übrigens gemeinsam Spaß haben und nicht:" Ohje, jetzt muss ich schon wieder was mit dem machen. Wie mache ich das am Besten?" Genau das ist m. M.n. kein guter Gedankengang und ist eine sehr ungünstige Grundeinstellung. Letztendlich richte ich mich nicht nach Pauschalaussagen wie 20 Stunden schlaf am Tag, sondern schaue auf meine Hunde, was sie brauchen (Schlaf, spielen, denken, arbeiten, soziale Kontakte, kuscheln, dösen, miteinander reden und auch mal diskutieren, Training der Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation ...). Sie zeigen es und ich möchte, dass sie glücklich und gesund sind, entspannt leben und irgendwann auf ein erfülltes Leben zurückblicken können. Sorry, dass es länger geworden ist, als ich wollte und hoffe, dass rüber kommt, worauf ich hinaus möchte. Vieles gilt übrigens nicht nur für den Malinois, sondern für ganz viele Hunde.
Ich glaube auch, dass das von dir beschriebene Grundprinzip auf sehr viele Hunde und Rassen zutrifft.

Der größte Unterschied liegt vermutlich in den Konsequenzen einer falschen Haltung bzw eines falschen Zusammenleben trifft es besser. Denn du hast sehr schön beschrieben, dass es nicht um Training oder Auslastung geht, was ja immer temporäre Ereignisse sind, sondern um das Zusammenleben mit dem Hund als Ganzes.

Viele Hunde verzeihen das, sind aber nicht glücklich. Andere Hunde entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, die in den nervigen Bereich fallen z.b. Zerstören der Einrichtung oder dauerhaftes Kläffen.

Bei Rassen wie dem Malinois oder Hollandse Herder hingegen richtet sich die Zerstören oft gegen sich selbst (Dauer-erregung und -stress fallen sicher genauso unter Selbstverletzung wie sich selber ins Bein beißen) und nicht selten gegen den Halter (bzw alle und alles in Reichweite). Das ist einfach ein dramatisches Ausmaß an Leid für Tier und Mensch.

Gerade der Malinois ist ein Social Media Opfer. Vor 10 Jahren wusste kaum jemand, dass es die Rasse gibt. Seit einigen Jahren möchte einfach gefühlt jeder einen haben. Es ist geradezu verrückt. (und die Kritik richtet sich nicht nur an Normalo Hundehalter, sondern auch gegen Hundetrainer. Jeder Hundetrainer oder der es werden möchte läuft plötzlich mit einem Malinois rum. Früher war der Border Collie der klassische Trainerhund).
 
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Alois
30. Juni 11:45
Ja, es gab eine Zeit, da wurde so gedacht. Dabei war Auslastung = körperlich auspowern. Mittlerweile wird gesagt, dass insbesondere Arbeitsrassen 20 Stunden am Tag schlafen sollen. Beide Aussagen gehen ins Extreme und werden dem belgischen Schäferhund nicht gerecht. Weder monotones rennen neben dem Fahrrad, noch 20 Stunden am Tag zu schlafen tun einem Malinois gut. Das sind einfach nur Pauschalaussagen und werden einem Hund nicht gerecht. In dem Artikel stehen 3 wichtige Worte: Vertrauen, Entspannung und Sicherheit. Doch weder Vertrauen, noch Entspannung und Sicherheit bekommt man, wenn der Hund 20 Stunden schläft. Entspannung sollte man nicht mit der Schlafdauer verwechseln. Entspannung bedeutet innere Ausgeglichenheit. Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation sind die grundlegenden Themen. Einen intelligenten Arbeitshund mit einem genetischen Auftrag legt man nicht still. Dafür wurden sie nicht geboren. Es kommt nicht auf die Schlafdauer an, sondern darauf, WIE ich mit meinem Hund umgehe. Und genau da liegt die Herausforderung bei einem Malinois. Er denkt, lernt und reagiert schnell. Damit haben viele Hundeführer ein Problem. Sie sind schlichtweg zu langsam/nicht im Timing. Auslastung: auch hier kommt es nicht auf das "was", sondern auf das "wie" an. Monotones Laufen neben dem Fahrrad langweilt ihn. Sie möchten denken und brauchen daher eine anspruchsvolle geistige Aufgabe. Körperliche Betätigung gepaart mit einer anspruchsvollen geistigen Aufgabe macht diese Hunde glücklich. Und wenn ihr menschlicher Partner da mithalten kann, Perfekt. Also grob gesagt: Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation plus eine für den Malinois ausgewogene Auslastung sind die Basis für einen ausgeglichen belgischen Schäferhund. Voraussetzungen, die der Hundeführer mitbringen sollte: eine schnelle Reaktion, Einfühlungsvermögen, Timing, Fairness, innere Ausgeglichenheit, Freude am gemeinsamen Arbeiten, Selbstreflexion insb. in Bezug auf die Körperhaltung/Körpersprache und die Körpersprache des Hundes schnell lesen und verstehen können. Das Wichtigste ist aber, sich auf den Malinois einlassen zu können. Da gibt es ein Sprichwort:" Der Malinois lebt nicht mit, sondern IN einem." Und das ist die mentale größte Herausforderung. Wer das schafft und fühlt, bekommt einen tollen Begleiter. Druck, inskonsequentes und unfaires Verhalten sowie Härte hingegen, wird der sensible Malinois nicht verstehen und dann bekommt man keinen tollen Begleiter. Ich selber habe 2 Tervueren aus Arbeitslinien. Beide wollen immer in unserer Nähe sein und wir haben sie gerne in unserer Nähe. Mein Rüde liegt oft unter meinem Schreibtisch oder irgendwo in meiner Nähe, wenn ich arbeite (Stunden). Dann passiert nichts und er schläft. Mache ich den Haushalt, hat er seine Aufgaben, die er gerne erfüllt (selbstverständlich denkt er da mit 🤣) und dann machen wir noch Hundesport, bei dem er körperlich und geistig ausgelastet wird. Alles aber unter dem Aspekt: Gemeinsam. Dazu gehört aber auch, dass man die Bedürfnisse des anderen akzeptiert und respektiert. Wenn ich z. B. meine Ruhe haben möchte, dann legt er sich woanders hin... Wenn er seine Dynamik ausleben möchte, dann machen wir das (er hat übrigens gelernt, dass er seine zu hohe Motivation/das bekannte Hochfahren regulieren kann und falls er es mal nicht schafft, helfe ich ihm dabei, wie bei so vielen anderen Themen auch wie Regulation des Jagdverhaltens, Konflikte zu lösen ... ). Er darf Hund sein, seinen besten Kumpel besuchen, mit mir quatschen, diskutieren ... und natürlich mit mir kuscheln. Ich möchte übrigens keinen Hund, der 20 Stunden am Tag schläft und zu einer Schlaftablette mutiert, sondern einen aktiven Hund, der mit mir Spaß hat. Auslastung ist für uns keine Verpflichtung, sondern gehört genau so zu unserem Leben wie gemeinsam kuscheln und entspannen. Auslastung bedeutet übrigens gemeinsam Spaß haben und nicht:" Ohje, jetzt muss ich schon wieder was mit dem machen. Wie mache ich das am Besten?" Genau das ist m. M.n. kein guter Gedankengang und ist eine sehr ungünstige Grundeinstellung. Letztendlich richte ich mich nicht nach Pauschalaussagen wie 20 Stunden schlaf am Tag, sondern schaue auf meine Hunde, was sie brauchen (Schlaf, spielen, denken, arbeiten, soziale Kontakte, kuscheln, dösen, miteinander reden und auch mal diskutieren, Training der Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation ...). Sie zeigen es und ich möchte, dass sie glücklich und gesund sind, entspannt leben und irgendwann auf ein erfülltes Leben zurückblicken können. Sorry, dass es länger geworden ist, als ich wollte und hoffe, dass rüber kommt, worauf ich hinaus möchte. Vieles gilt übrigens nicht nur für den Malinois, sondern für ganz viele Hunde.
Hallo Babs,
du beschreibst sehr treffend ein Leben mit dem Hund😊, aber das wollen und können nicht alle für den Hund leisten!
Der Ursprung unseres Handelns sollte aus meiner Sicht immer die Bereitschaft sein, Verantwortung zu übernehmen und sich auch auf die individuellen Bedürfnisse des Hundes einzulassen!
Ich wollte schon immer einen Hund, habe mir aber erst vor knapp sieben Jahren, Nina geholt und sie gab mir reichlich Anlass mich mit dem Thema Hund zu beschäftigen!
Früher wäre ich ihr nicht gerecht geworden!😕
Ich musste mir ein gewisses Grundwissen aneignen, und auch die Zeit die für Erziehung, Training und gemeinsame Unternehmungen haben!
Der Begriff „Auslastung“ existiert für mich nicht mehr, durch unser gemeinsames Leben werden anscheinend ihre Bedürfnisse ausgiebig erfüllt!😊
Nur jeder hat eine andere Motivation, sich einen Hund zu holen!
Das reine Sportgerät (nahe 300 Punkte) mit dem das gassi gehen schon zum Problem wird, kann genauso kontraproduktiv sein, wie wenn sich Eltern einen Hund für ihre drei Kinder holen😕
Es ist auch eine Sache der Wertschätzung die ich dem Hund entgegenbringe!
 
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Babs
1. Juli 07:21
Ich glaube auch, dass das von dir beschriebene Grundprinzip auf sehr viele Hunde und Rassen zutrifft. Der größte Unterschied liegt vermutlich in den Konsequenzen einer falschen Haltung bzw eines falschen Zusammenleben trifft es besser. Denn du hast sehr schön beschrieben, dass es nicht um Training oder Auslastung geht, was ja immer temporäre Ereignisse sind, sondern um das Zusammenleben mit dem Hund als Ganzes. Viele Hunde verzeihen das, sind aber nicht glücklich. Andere Hunde entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, die in den nervigen Bereich fallen z.b. Zerstören der Einrichtung oder dauerhaftes Kläffen. Bei Rassen wie dem Malinois oder Hollandse Herder hingegen richtet sich die Zerstören oft gegen sich selbst (Dauer-erregung und -stress fallen sicher genauso unter Selbstverletzung wie sich selber ins Bein beißen) und nicht selten gegen den Halter (bzw alle und alles in Reichweite). Das ist einfach ein dramatisches Ausmaß an Leid für Tier und Mensch. Gerade der Malinois ist ein Social Media Opfer. Vor 10 Jahren wusste kaum jemand, dass es die Rasse gibt. Seit einigen Jahren möchte einfach gefühlt jeder einen haben. Es ist geradezu verrückt. (und die Kritik richtet sich nicht nur an Normalo Hundehalter, sondern auch gegen Hundetrainer. Jeder Hundetrainer oder der es werden möchte läuft plötzlich mit einem Malinois rum. Früher war der Border Collie der klassische Trainerhund).
Yep, der Mali ist leider zum Modehund erklärt worden, was Auswirkungen auf seine Genetik hat. Noch schneller, noch mehr Fokus auf einer niedrigen Reizschwelle und noch höherer Erregungslage. Dies führt dazu, dass er schnell aufgrund von Reizüberflutung in Konflikte gerät. Die selbsternannten Profis sagen:" Je kürzer die Zündschnur, desto besser ist er." Wie sagt man so schön:" Einen Ferrari muss man fahren können. Das Gaspedal ist vorsichtig zu betätigen." Und das trifft es in meinen Augen auf den Punkt. Er hat, wenn so gezüchtet wird, nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Malinois zu tun, der als Allrounder wie als Hüte- und Treibhund auf Bauernhöfe, Melde- und Sanitätshund und auch als Zughund von kleinen Karren eingesetzt werden konnte. Heute will man ihn im Schutzdienst als Statussymbol haben.

Im Grunde gelten für ihn im Rahmen der Erziehung die gleichen "Regeln" wie bei anderen Hunden, nur alles ein bis zwei Nummern herausfordernder in bestimmten Bereichen. Auf der anderen Seite kann seine Bindung zum Mensch auch einiges erleichtern, wenn man diese intensive Bindung zulässt.

Das Trainer auf Malis umsteigen ist mir auch aufgefallen. Wahrscheinlich um zu zeigen, dass die auch Malis erziehen können. Aber ... Malis haben oft auch einen Erziehungsauftrag in ihrer Genetik und sind sehr klar in ihrer hündischen Körpersprache/Kommunikation. Das kann für Hundetrainer ein Vorteil sein. Richtig und gut erzogen, ist er ein toller Begleiter.

Ich selber habe mich ganz bewusst für Tervueren aus Arbeitslinien entschieden. In ihnen steckt zwar der Malinois, aber noch in seiner Ursprünglichkeit. Robust, intelligent, schnell in seiner Reaktion, Aufmerksam und arbeitet gerne. Sie fahren zwar auch schnell hoch und landen dann im Tunnel, aber das kann man mit Feingefühl (Betätigung des Gaspedals) trainieren.