Hier noch ein Interessanter Artikel, der zum nachdenken anregen sollte😊
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Ja, es gab eine Zeit, da wurde so gedacht. Dabei war Auslastung = körperlich auspowern. Mittlerweile wird gesagt, dass insbesondere Arbeitsrassen 20 Stunden am Tag schlafen sollen.
Beide Aussagen gehen ins Extreme und werden dem belgischen Schäferhund nicht gerecht.
Weder monotones rennen neben dem Fahrrad, noch 20 Stunden am Tag zu schlafen tun einem Malinois gut. Das sind einfach nur Pauschalaussagen und werden einem Hund nicht gerecht.
In dem Artikel stehen 3 wichtige Worte: Vertrauen, Entspannung und Sicherheit. Doch weder Vertrauen, noch Entspannung und Sicherheit bekommt man, wenn der Hund 20 Stunden schläft. Entspannung sollte man nicht mit der Schlafdauer verwechseln. Entspannung bedeutet innere Ausgeglichenheit. Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation sind die grundlegenden Themen.
Einen intelligenten Arbeitshund mit einem genetischen Auftrag legt man nicht still. Dafür wurden sie nicht geboren. Es kommt nicht auf die Schlafdauer an, sondern darauf, WIE ich mit meinem Hund umgehe. Und genau da liegt die Herausforderung bei einem Malinois. Er denkt, lernt und reagiert schnell. Damit haben viele Hundeführer ein Problem. Sie sind schlichtweg zu langsam/nicht im Timing.
Auslastung: auch hier kommt es nicht auf das "was", sondern auf das "wie" an. Monotones Laufen neben dem Fahrrad langweilt ihn. Sie möchten denken und brauchen daher eine anspruchsvolle geistige Aufgabe. Körperliche Betätigung gepaart mit einer anspruchsvollen geistigen Aufgabe macht diese Hunde glücklich. Und wenn ihr menschlicher Partner da mithalten kann, Perfekt.
Also grob gesagt: Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation plus eine für den Malinois ausgewogene Auslastung sind die Basis für einen ausgeglichen belgischen Schäferhund.
Voraussetzungen, die der Hundeführer mitbringen sollte: eine schnelle Reaktion, Einfühlungsvermögen, Timing, Fairness, innere Ausgeglichenheit, Freude am gemeinsamen Arbeiten, Selbstreflexion insb. in Bezug auf die Körperhaltung/Körpersprache und die Körpersprache des Hundes schnell lesen und verstehen können. Das Wichtigste ist aber, sich auf den Malinois einlassen zu können. Da gibt es ein Sprichwort:" Der Malinois lebt nicht mit, sondern IN einem." Und das ist die mentale größte Herausforderung. Wer das schafft und fühlt, bekommt einen tollen Begleiter. Druck, inskonsequentes und unfaires Verhalten sowie Härte hingegen, wird der sensible Malinois nicht verstehen und dann bekommt man keinen tollen Begleiter.
Ich selber habe 2 Tervueren aus Arbeitslinien. Beide wollen immer in unserer Nähe sein und wir haben sie gerne in unserer Nähe. Mein Rüde liegt oft unter meinem Schreibtisch oder irgendwo in meiner Nähe, wenn ich arbeite (Stunden). Dann passiert nichts und er schläft. Mache ich den Haushalt, hat er seine Aufgaben, die er gerne erfüllt (selbstverständlich denkt er da mit 🤣) und dann machen wir noch Hundesport, bei dem er körperlich und geistig ausgelastet wird. Alles aber unter dem Aspekt: Gemeinsam. Dazu gehört aber auch, dass man die Bedürfnisse des anderen akzeptiert und respektiert. Wenn ich z. B. meine Ruhe haben möchte, dann legt er sich woanders hin... Wenn er seine Dynamik ausleben möchte, dann machen wir das (er hat übrigens gelernt, dass er seine zu hohe Motivation/das bekannte Hochfahren regulieren kann und falls er es mal nicht schafft, helfe ich ihm dabei, wie bei so vielen anderen Themen auch wie Regulation des Jagdverhaltens, Konflikte zu lösen ... ). Er darf Hund sein, seinen besten Kumpel besuchen, mit mir quatschen, diskutieren ... und natürlich mit mir kuscheln.
Ich möchte übrigens keinen Hund, der 20 Stunden am Tag schläft und zu einer Schlaftablette mutiert, sondern einen aktiven Hund, der mit mir Spaß hat. Auslastung ist für uns keine Verpflichtung, sondern gehört genau so zu unserem Leben wie gemeinsam kuscheln und entspannen.
Auslastung bedeutet übrigens gemeinsam Spaß haben und nicht:" Ohje, jetzt muss ich schon wieder was mit dem machen. Wie mache ich das am Besten?" Genau das ist m. M.n. kein guter Gedankengang und ist eine sehr ungünstige Grundeinstellung.
Letztendlich richte ich mich nicht nach Pauschalaussagen wie 20 Stunden schlaf am Tag, sondern schaue auf meine Hunde, was sie brauchen (Schlaf, spielen, denken, arbeiten, soziale Kontakte, kuscheln, dösen, miteinander reden und auch mal diskutieren, Training der Impulskontrolle, Frusttoleranz, Akzeptanz und Selbstregulation ...). Sie zeigen es und ich möchte, dass sie glücklich und gesund sind, entspannt leben und irgendwann auf ein erfülltes Leben zurückblicken können.
Sorry, dass es länger geworden ist, als ich wollte und hoffe, dass rüber kommt, worauf ich hinaus möchte. Vieles gilt übrigens nicht nur für den Malinois, sondern für ganz viele Hunde.