Home / Forum / Erziehung & Training / Leine oder nicht?

Verfasser-Bild
Julia
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 60
zuletzt 23. Juni

Leine oder nicht?

Wie seht ihr das? Rückruf 100 % möglich? Und ist das überhaupt nötig für den Freilauf? Wann mit, wann ohne Leine? Und bei Mehrhundehaltung? Hört euer Hund auch besser ohne Leine? Bin gespannt!
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Aga
22. Juni 17:50
Dazu möchte ich am Rande einwerfen, weil mich das Wort "aversiv" direkt mal wieder antriggert: Aversiv zu arbeiten heißt nicht automatisch immer gleich das schlimmste wie ein Stromhalsband oder andere schlimme Gewalt zu nutzen. Aversiv ist für mein Verständnis ein wichtiger Gegenspieler zur positiven Erziehung und gehört auch mit dazu, um konsequent und glaubwürdig zu handeln. Ein guter Ausgleich zwischen beiden schafft eine gute Erziehung und auch die Beziehung leidet nicht gleich, weil man mal aversiv handelt. Ich glaube mein Hund würde mich gar nicht für voll nehmen, wenn ich alles stets nur mit Keksen und Lob regel, z. B. wenn er sich total daneben verhält, mir das Sofa zerfrisst oder sonst was. Was wäre das für ein Umgang, wenn ich niemals mal mein Wort erhebe und auch mal unmissverständlich Schimpfe oder streng werde. Und wie gesagt aversiv muss nicht direkt was ganz schlimmes sein, dazu zählt auch allein schon einfach etwas positives weg zu lassen. Ich glaube viele denken aversiv ist ganz schlimm und es wird verteufelt. Dabei ist es nur so gebrandmarkt weil es halt noch immer Halter mit Strom und Schlägen gibt, aber das ja dann quasi ne sehr extrem ausgeprägte aversive Form und nicht das was aversiv allgemein beschreibt. Eine extreme Ausprägung von etwas ist mMn immer nicht gut. Genauso wie das positive dermaßen gehyped wird als der einzige gute Weg, was ich auch nicht in jeder Situation für sinnvoll halte und viel zu leichtfertig als der goldene Pfad gegriffen wird. Ja bei neuen Tricks, Training ist es oft sehr sinnvoll und toll. Im Alltag ist es nicht immer in jeder Situation sinnig und kann einem die Erziehung sehr erschweren, wenn man rein nur darauf setzt. Ich möchte weder das eine noch das andere als Ansatz preisen, denke ein gesunder Mittelweg ist es (bei uns zumindest) und nicht zu jedem Hundetyp passt eine rein nur immer positive Erziehung bzw ich halte das ehrlich gesagt für schlicht absolut unmöglich. Außerdem denke ich das jeder, der der Meinung ist seinen Hund 100% positiv zu erziehen auch aversive Züge hat. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das solche Menschen ruhig bleiben, Unarten immer ignorieren und absolut ständig nur mit Lob und Keksen arbeiten, auch wenn einem der Hund "aufs Dach" steigt. Auch solche werden sicher ihr deutliches "Nein" anwenden und im Zweifel auch mal streng werden, Belohnungen auslassen etc. Ich möchte mit dem Beitrag niemanden angreifen, sondern wollte nur aufklären, dass aversiv nicht immer total krass negativ behaftet sein muss, sondern genauso wie bspw positive Erziehung seine Daseinsberechtigung hat. Das musste an der Stelle einfach mal aus mir raus. ✌️😅
Wenn ich hier einhacke, ich scheisse meinen Hund auch mal an wenn ich dir beim Essen klauen erwische, das meine ich aber nicht, ich spreche wirklich von Stromhalsbändern oder dem Jagdhund mit einem Ast auf die Nase zu Zwiebeln, ich spreche von unschönen Methoden, damit meine ich nicht dass ich permanent Kekse verteile, meine Hündin weiß auch wann mir der Spaß vergeht, aber eben nicht mit Gewalt.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Miriam
22. Juni 17:53
Ich stimme zu dass 100% eher die Ausnahme sind.
Leine dran dort, wo es Pflicht ist und sobald ein anderer Hund kommt. Einfach aus Respekt vor der anderen Person.

Mein Hund hört besser ohne Leine und läuft auch super bei Fuß auf Befehl im Freilauf. Mit Leine kommt es bei ihr auf die Tagesform an und wahrscheinlich auch weil meine Ausstrahlung eine andere ist ohne dass sie an der Leine ist. An der Leine hat man even doch noch eine Absicherung.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Tina
22. Juni 17:59
Wenn ich hier einhacke, ich scheisse meinen Hund auch mal an wenn ich dir beim Essen klauen erwische, das meine ich aber nicht, ich spreche wirklich von Stromhalsbändern oder dem Jagdhund mit einem Ast auf die Nase zu Zwiebeln, ich spreche von unschönen Methoden, damit meine ich nicht dass ich permanent Kekse verteile, meine Hündin weiß auch wann mir der Spaß vergeht, aber eben nicht mit Gewalt.
Ich glaube so krasses scheiß Zeug machen nicht nur die Jäger, sondern gibt es bestimmt auch bei bspw. Polizei- oder Schutzhundeausbildung.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die modernere/faire Hunderziehung auch in diesen Arbeitsbereichen mehr Einzug gewinnt.

An gänzliches weg fallen von dem Mist, daran glaube ich nicht. Dafür ist der Mensch einfach zu mies und zu viel bösem fähig, leider. 😪
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Carola
22. Juni 18:14
Noch etwas zur Mehrhundehaltung; an dem Satz ‚die schauen sich meist das Schlechte ab‘ ist natürlich was dran 😅 Würde ich Peach ableinen würde sie sich nicht, wie die Traumvorstellung, an Caily orientieren und bei (in ihren Augen 🙄) gruseligen Sachen dem Rückruf und dem anderen Hund folgen, sondern im Gegenteil, Caily vergisst dann schon mal ihre gute Erziehung und läuft kläffend mit. 🤦🏻‍♀️😮‍💨
Natürlich schauen Sie sich auch den Blödsinn ab aber sie lernen auch voneinander im positiven Sinne.
Wenn ich mit einem Hund übe muss der andere sitzen und oftmals ist es so dass der Hund der zugeschaut hat sofort das wiederholt was ich dem anderen Hund gezeigt habe.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Petra
22. Juni 18:29
100% von Tag eins!!!!!!!
Einmal nicht gehört dann muss der Hund für immer an die Leine☝️ Denn wer im Mathe Unterricht aufgepasst hat weiß, das kann dann nie wieder 100% werden. 99,999999% sind nicht 100%

Mich nerven die 100% tigen ganz gewaltig. Vor allen die bei denen ich weiß das sie im Mathe nicht aufgepasst haben 🤭
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Tina
22. Juni 18:30
Natürlich schauen Sie sich auch den Blödsinn ab aber sie lernen auch voneinander im positiven Sinne. Wenn ich mit einem Hund übe muss der andere sitzen und oftmals ist es so dass der Hund der zugeschaut hat sofort das wiederholt was ich dem anderen Hund gezeigt habe.
Zum gemeinsamen oder auch Imitationsverhalten habe ich bisher die Erfahrung, dass es bei uns in einigen Punkten nicht zieht. Ja es muss mal geschnüffelt und untersucht werden was der andere gerade spannend findet und sowas.

Gehen wir bspw. gemeinsam mit einem Hund der einen viel größeren Radius im Freilauf nutzt, geht meine da nicht mit und bleibt in ihrem Radius, was ich eig total spannend finde. Also ich glaube da gibt es kein Garant, dass Hunde immer unbedingt alles imitieren. Würde meine Hand nicht ins Feuer legen, denn wie der Rückruf nicht zu 100% garantiert ist, kann aber natürlich trotzdem passieren das mal so ein krasser Reiz kommt wo Hunde gemeinsam durchgehen und sich förmlich in ihrer Erregung anstecken können.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
22. Juni 18:31
Wenn ich hier einhacke, ich scheisse meinen Hund auch mal an wenn ich dir beim Essen klauen erwische, das meine ich aber nicht, ich spreche wirklich von Stromhalsbändern oder dem Jagdhund mit einem Ast auf die Nase zu Zwiebeln, ich spreche von unschönen Methoden, damit meine ich nicht dass ich permanent Kekse verteile, meine Hündin weiß auch wann mir der Spaß vergeht, aber eben nicht mit Gewalt.
Das finde ich jetzt leicht widersprüchlich. Oder ich verstehe dich falsch?

Du sagst ja selber, dass Jagdhunde mit so starkem Trieb wie deiner im Grunde nicht anders zu kontrollieren sind, als über starke aversive Reize.
Immerhin muss so ein Hund absolut zuverlässig sein, es sind Schusswaffen im Gebrauch.
Jäger machen das nicht aus Jux und Tollerei oder aus Boshaftigkeit, sondern weil diese Hunde nur positiv nicht eingesetzt werden könnten.

Gleichzeitig kritisiert du die Praktik aufs Schärfste und willst es selber nicht so machen. Erklärst dadurch aber, wieso dein Hund eben aufgrund seiner Trieblage nicht zuverlässig bei Wild ist.

Also was ist die Lösung? Solche Hunde gar nicht erst einsetzen?

Nicht anders bei Schutzhunden. Wenn die über hunderte von Metern Verdächtige verfolgen, Adrenalin auf Maximum ist, sie dann den Verdächtigen erwischen und von diesem geschlagen und getreten werden und sich dann festbeißen, überall geschrien wird, dann ist doch klar, dass die auf Kommando nicht mehr loslassen. Da kickt der Überlebensinstinkt und positiv bekommst du sie über konditionierte Laute nicht mehr weg. Deshalb werden sie ja oft abgewürgt, damit sie loslassen.
Das macht Polizei auch nicht aus Boshaftigkeit.

Wenn man in höchsten Stress und Trieblagen mit Tieren arbeitet, ist das die unschöne Realität.

Man kann natürlich argumentieren, dass so ein Einsatz von Hunden nicht mehr zeitgemäß ist (wäre meine Position). Aber zu glauben, dass da moderne Erziehung irgendwas ändert, wenn der Hund in Ekstase oder im Überlebensmodus ist, erscheint mir ein bisschen naiv.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sebbi
22. Juni 18:31
Wenn ein Hund gut erzogen ist brauch man normal auch keinen Rückruf weil er von selbst andere in Ruhe lässt und richtige Enscheidungen trifft, aber das ist ja dann schon das Problem wo es hakt. Ich nutze selten wirklich nen Rückruf, meist kommt er von selbst ins Fuß oder wenigstens Nahbereich wenn Fremde uns passieren oder wir an unübersichtliche Weggabelungen und Kurven kommen. Manchmal denkt er von selbst nicht dran, dann langt ne kurze Ansprache und er weiß bescheid und kommt direkt.
Hier ist deine finale Antwort, perfekt geschliffen und bereit zum Abschicken:
Eine kurze Ansprache, nach der der Hund direkt zu dir kommt, ist übrigens ein Rückruf. 😉
Schön, dass es bei euch auch so gut läuft.

Aber ein wenig gedämpftere Arroganz und gleichzeitig eine etwas zurückhaltendere Diskreditierung gegenüber denjenigen, die noch an kleinen Details oder hart an der Basis arbeiten, wäre echt sympathischer.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Carola
22. Juni 18:32
Zum gemeinsamen oder auch Imitationsverhalten habe ich bisher die Erfahrung, dass es bei uns in einigen Punkten nicht zieht. Ja es muss mal geschnüffelt und untersucht werden was der andere gerade spannend findet und sowas. Gehen wir bspw. gemeinsam mit einem Hund der einen viel größeren Radius im Freilauf nutzt, geht meine da nicht mit und bleibt in ihrem Radius, was ich eig total spannend finde. Also ich glaube da gibt es kein Garant, dass Hunde immer unbedingt alles imitieren. Würde meine Hand nicht ins Feuer legen, denn wie der Rückruf nicht zu 100% garantiert ist, kann aber natürlich trotzdem passieren das mal so ein krasser Reiz kommt wo Hunde gemeinsam durchgehen und sich förmlich in ihrer Erregung anstecken können.
Da gebe ich dir recht und manchmal stecken Sie sich auch gegenseitig an aber das Imitieren funktioniert eben auch manchmal.
Wir trainieren ja nur schon eine ganze Zeit und das ist mit der Zeit wirklich besser geworden. Ich glaube sie müssen das abschauen auch erst lernen. Beim Jagen und Blödsinn machen natürlich nicht😏
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Tina
22. Juni 18:42
Das finde ich jetzt leicht widersprüchlich. Oder ich verstehe dich falsch? Du sagst ja selber, dass Jagdhunde mit so starkem Trieb wie deiner im Grunde nicht anders zu kontrollieren sind, als über starke aversive Reize. Immerhin muss so ein Hund absolut zuverlässig sein, es sind Schusswaffen im Gebrauch. Jäger machen das nicht aus Jux und Tollerei oder aus Boshaftigkeit, sondern weil diese Hunde nur positiv nicht eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig kritisiert du die Praktik aufs Schärfste und willst es selber nicht so machen. Erklärst dadurch aber, wieso dein Hund eben aufgrund seiner Trieblage nicht zuverlässig bei Wild ist. Also was ist die Lösung? Solche Hunde gar nicht erst einsetzen? Nicht anders bei Schutzhunden. Wenn die über hunderte von Metern Verdächtige verfolgen, Adrenalin auf Maximum ist, sie dann den Verdächtigen erwischen und von diesem geschlagen und getreten werden und sich dann festbeißen, überall geschrien wird, dann ist doch klar, dass die auf Kommando nicht mehr loslassen. Da kickt der Überlebensinstinkt und positiv bekommst du sie über konditionierte Laute nicht mehr weg. Deshalb werden sie ja oft abgewürgt, damit sie loslassen. Das macht Polizei auch nicht aus Boshaftigkeit. Wenn man in höchsten Stress und Trieblagen mit Tieren arbeitet, ist das die unschöne Realität. Man kann natürlich argumentieren, dass so ein Einsatz von Hunden nicht mehr zeitgemäß ist (wäre meine Position). Aber zu glauben, dass da moderne Erziehung irgendwas ändert, wenn der Hund in Ekstase oder im Überlebensmodus ist, erscheint mir ein bisschen naiv.
Ich gebe dir recht, dass die Methoden ja nicht aus Spaß oder rein zum den Hund zu quälen eingesetzt werden. Es geht ja hinten raus auch um die Sicherheit der Hunde. Z. B. Jagdhund rennt nicht in die Schussbahn und so.

Aber ich denke iwie trotzdem, dass es etwas optimiert werden könnte. Das Wissen zur Hunderziehung hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten so rapide entwickelt und erweitert, dass es mMn in diesen Arbeitsbereichen eig mit der Zeit auch etwas fairere Methoden als "lernen durch Schmerz" geben könnte.

Kann mir aber prinzipiell vorstellen so etwas dauert dann länger bis der Hund fertig ausgebildet ist = mehr Kosten und Aufwand = wenig Interesse.