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Julia 🐾Nero
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 36
heute 12:17

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
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Charlotte
heute 11:22
Das klingt nach eintretender "Langeweile", wenn das ein passender Begriff wäre?
Genau, denke ich auch. Entsprechend bauen wir auch mehr Abwechslung ein. Und manchmal brechen wir ein Spiel ab, wenn der Hund die Regeln nicht mehr einhält, also bspw den Ball nicht mehr bringt, sondern damit rumspielt. Ist ja prinzipiell total ok, aber eben nicht auf das Kommando "Bring".
 
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Jochen
heute 11:22
Im Grunde ist das Endergebnis schon, dass ich aufgebe. Aber ich versuche es durchaus lange, nur entgegnet Nero mit Verweigerung oder sich blöd stellen (was natürlich eine menschliche Sichtweise ist, nur fällt mir keine bessere Interpretation ein). Wie bleibt man konsequent? Das ist eine ernst gemeinte Frage, vielleicht verstehe ich das Konzept der Konsequenz nicht richtig. Er ignoriert mich dann einfach 🤷🏻‍♀️. Hochwertigere Belohnung wird links liegen gelassen und strengere Korrektur beeindruckt ihn sowieso nicht, wenn er an dem Punkt ist. Wenn es an mangelnder Konsequenz liegt, dann weiß ich einfach nicht, wie ich diese durchsetzen soll, wenn der Hund die Kooperation einstellt. Aber ja ich denke schon das seine Sichtweise ist "das war jetzt voll nett und jetzt mache ich wieder mein Ding".
Entschuldige, dass ich abschweife, aber es ist ja dein Thread.

Also zunächst blubbere ich natürlich wieder meinen Sermon vom hochsozialen Hund und Partnerschaft und dass Leinenführigkeit auch immer was mit Beziehung zutun hat und ein Hund, der nicht leinenführig ist auch nicht in den Freilauf darf und blabla du kennst die Sprüche, trotzdem.

Und da sind wir auch schon beim Positiven, du hast offensichtlich einen Hund, dem Kooperation schon auch Spaß machen kann und eine Bereitschaft durchaus vorhanden ist. Und es ihm auch gefällt was richtig zu machen.
Das ist toll und eine super Basis.

Leinenführigkeit ist ja ein weites Feld und es gibt unendlich viele Methoden und Ziele.

Dennoch sollte man bei der Auswahl der Methode schon berücksichtigen was man für einen Hund hat und wie man es leisten kann immer konsequent zu bleiben.

Auch sollte man berücksichtigen, dass es um konsequent bleiben zu können, nicht in einem Machtkampf münden sollte. Dann wäre es wieder ein Gegeneinander und überdies kannst du bei manchen Hunden schnell verlieren und dann kann es passieren, dass er dich nicht mehr als Führungspersönlichkeit anerkennt, dass er dir nicht mehr zutraut, dass du weißt was für die Gruppe gut ist, er dir nicht mehr vertraut (muss nicht generell sein, aber in dem speziellen Kontext, hier LeinenFÜHRIGkeit schon).

Dann wird die Frage nach dem Wie auch rhetorisch.

Es ist ja so, dass Hunde die Gemeinschaft eigentlich nicht verlassen, das bedeutet Gefahr für die Gruppe und ist asozial. Das lernen sie vom Welpenalter an.

Leinenführigkeit bedeutet Orientierung. Ist der Hund bei dir, ist er auch leinenführig. Es gilt also, ihn aus der Außenorientierung zurückzuholen.

Ich bin zB. ein Fan vom Stehenbleiben. Aber kein stumpfes "Machtkampfstehenbleiben", sondern als "Intonation" einer Einladung (bitte nicht locken und nur einmal einladen), als Erinnerung, dass ihr zusammengehört, dass es asozial ist, nicht aufeinander zu achten und ihr zusammen Spaß haben wollt.

Das heißt, du lädst ihn freundlich zu dir ein. Kommt er nicht, bleibst du stehen, kommt er, freust du dich aufrichtig und es geht weiter. "Fertig ist der Lack".

Und stehenbleiben kannst du immer, oder? Und Zeit hast du auch, oder?

Ich bin auch kein Freund vom Differenzieren, kurze Leine, lange Leine (ich würde sogar mit der Schlepp anfangen zu trainieren), irgendwelchen Leckerli oder Geschirr zu Halsband, sondern immer immer, Leine darf nie stramm sein, basta und du bestimmst wie lang sie gerade ist.

Ich habe ein bis zweimal die Woche und öfter zur Urlaubsbetreuung einen Hund, der bei der Halterin nicht leinenführig ist, sie legt da keinen wert drauf und wohnt am Wald und der Freilauf klappt wohl trotzdem.

Das ist manchmal zu lustig, besonders wenn ich morgens mit beiden losgehe an kurzer Leine und das erste mal stehenbleiben muss. Da siehst du richtig wie es klick macht bei ihm und dann läuft er wunderbar an lockerer Leine.

Ich könnte mich an vieles gewöhnen bei einem Hund, aber lockere Leine, das muss sein, dieses Gegeneinander finde ich einfach nur schrecklich.
 
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Steffi
heute 11:25
Ich habe schon den Eindruck, dass ich meine Erwartungen sehr runtergeschraubt habe und ich arbeite auch nicht auf einen perfekten Hund hin. Es sind ja wirklich fundamentale Dinge, die wir trainieren. Wir konzentrieren uns auf eine Baustelle und versuchen nicht alles auf einmal zu verbessern. Ich verlange auch wirklich nichts außergewöhnliches. Eine gewisse Abrufbarkeit von ihm bekanntem Verhalten muss doch im Alltag gegeben sein. Erst Recht bei der Größe und Stärke des Hundes, anders ist das Zusammenleben einfach nicht tragbar. Nero zieht wirklich extrem an der Leine, das war ja auch ein Hauptabgabegrund seiner ersten Besitzer. Das sind nicht nur situative, sondern chronische Scherzen die das verursacht. Umso frustrierender ist natürlich, dass er es anders könnte (das hat er ja drei mal bewiesen) aber einfach nicht will.
Total nachvollziehbar und auch nicht zuviel verlangt.
 
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SandrA
heute 11:53
Beim Lesen und Nachdenken über deinen Beitrag kam mir in den Sinn, was ich auch bei meinen Hunden beobachte.

Vielleicht liegt der Unterschied zwischen „Verhalten kontrollieren“ und „Verhalten bzw Motivation hinter dem Verhalten verändern“ näher an deinem Problem als ein Gewöhnungseffekt.

Bei meiner Hündin zB arbeite ich aktuell an ihrem Verhalten gegenüber unseren Hühnern. Anfangs habe ich sie beispielsweise ins Platz gebracht. Aber langfristig ist das gar nicht mein Ziel. Ich möchte nicht, dass sie ihr Leben lang auf Kommando neben den Hühnern liegt. Ich möchte, dass die innere Anspannung verschwindet, dass die Hühner ihre reizvolle Wirkung auf sie verlieren und dass sie irgendwann von sich aus entspannt bleibt.
Das Kommando ist dabei eigentlich nur die Krücke oder der Rahmen, in dem Lernen stattfinden kann.

Ähnlich sehe ich es bei der Leinenführigkeit. Mein Rüde hat das ursprünglich auch über Übungen gelernt. Heute bleibt er auf Spaziergängen oft von sich aus stehen, schaut nach mir und orientiert sich an mir, obwohl ich gar nichts verlange. Das Umschauen hat er angefangen von sich aus anzubieten und ich habe ihm dazu immer ein soziales Feedback gegeben und anfangs auch belohnt, aber inzwischen wirkt es eher wie eine Strategie bzw. „Seine“ Strategie, die er im Trainingsrahmen selbst entwickelt hat: „Zusammenbleiben und Kontakt halten lohnt sich - Vor allem wenn es bergab geht ist Umschauen Mega.“

Deshalb frage ich mich bei Nero, ob er vielleicht die Übungen sehr gut versteht, aber daraus keine eigene Strategie entwickelt.

Vielleicht lernt er bei der Leinenführigkeit nicht „Orientierung am Menschen lohnt sich“, sondern nur „wenn die Leine straff wird, soll ich dieses oder jenes Verhalten zeigen“. Das ist eine Regel. Regeln kann ein intelligenter Hund verstehen und trotzdem irgendwann hinterfragen.

Hat sich bei Nero denn aus deiner Sicht etwas an seiner Motivation verändert oder lernt er vor allem Regeln?
Denn das würde auch erklären, warum verschiedene Trainer und verschiedene Methoden zunächst gut funktionieren und später immer wieder an denselben Punkt kommen.

Ich weiß nicht, ob das dein Problem erklärt. Aber beim Lesen deines Beitrags hatte ich den Eindruck, dass die Ursache vielleicht weniger im Verständnis und mehr in Neros Motivation liegen könnte.

@Kirsten: du hattest das ja schon sehr schön beschrieben 😅
 
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M.
heute 12:03
Wenn du den Rückruf mehr als Motivationsproblem einschätzt, als das es an der Schwierigkeit des Umsetzens scheitert: Hast du bereits versucht den Rückruf weniger als Abruf von etwas („Hör auf mit dem was du tust und komme zu mir“) und mehr als Ankündigung für tolle Dinge einzusetzen („Ich hab etwas grandioses für dich, was dir Freude bereitet“). Weg von der Schwierigkeit zu überwinden, dass etwas anderes interessanter ist, hin zu Themen, die selber Interesse beim ihm auslösen? Wenn du dich dort kreativ zeigst, kann es womöglich Neugier auslösen, zu Lernen was du ihm zeigen möchtest. Beispiele: Hund der gerne schwimmt -> über Rückruf zur Wasserstelle schicken Hund der gerne läuft -> kontrollierte Dynamik ankündigen (gemeinsames Laufen, fliegende Beute, usw.) - viel Energie/ Frust -> Möglichkeiten zum Dampf ablassen zeigen, die erfahrungsgemäß gut angenommen werden (Zergeln, Buddeln) - Hinweis das du etwas interessantes gesichtet hast, dass Nero auch gut findet (positive Sichtreize zeigen und beobachten) Nur ein Vorschlag 🐾
👍
 
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M.
heute 12:17
Beim Lesen und Nachdenken über deinen Beitrag kam mir in den Sinn, was ich auch bei meinen Hunden beobachte. Vielleicht liegt der Unterschied zwischen „Verhalten kontrollieren“ und „Verhalten bzw Motivation hinter dem Verhalten verändern“ näher an deinem Problem als ein Gewöhnungseffekt. Bei meiner Hündin zB arbeite ich aktuell an ihrem Verhalten gegenüber unseren Hühnern. Anfangs habe ich sie beispielsweise ins Platz gebracht. Aber langfristig ist das gar nicht mein Ziel. Ich möchte nicht, dass sie ihr Leben lang auf Kommando neben den Hühnern liegt. Ich möchte, dass die innere Anspannung verschwindet, dass die Hühner ihre reizvolle Wirkung auf sie verlieren und dass sie irgendwann von sich aus entspannt bleibt. Das Kommando ist dabei eigentlich nur die Krücke oder der Rahmen, in dem Lernen stattfinden kann. Ähnlich sehe ich es bei der Leinenführigkeit. Mein Rüde hat das ursprünglich auch über Übungen gelernt. Heute bleibt er auf Spaziergängen oft von sich aus stehen, schaut nach mir und orientiert sich an mir, obwohl ich gar nichts verlange. Das Umschauen hat er angefangen von sich aus anzubieten und ich habe ihm dazu immer ein soziales Feedback gegeben und anfangs auch belohnt, aber inzwischen wirkt es eher wie eine Strategie bzw. „Seine“ Strategie, die er im Trainingsrahmen selbst entwickelt hat: „Zusammenbleiben und Kontakt halten lohnt sich - Vor allem wenn es bergab geht ist Umschauen Mega.“ Deshalb frage ich mich bei Nero, ob er vielleicht die Übungen sehr gut versteht, aber daraus keine eigene Strategie entwickelt. Vielleicht lernt er bei der Leinenführigkeit nicht „Orientierung am Menschen lohnt sich“, sondern nur „wenn die Leine straff wird, soll ich dieses oder jenes Verhalten zeigen“. Das ist eine Regel. Regeln kann ein intelligenter Hund verstehen und trotzdem irgendwann hinterfragen. Hat sich bei Nero denn aus deiner Sicht etwas an seiner Motivation verändert oder lernt er vor allem Regeln? Denn das würde auch erklären, warum verschiedene Trainer und verschiedene Methoden zunächst gut funktionieren und später immer wieder an denselben Punkt kommen. Ich weiß nicht, ob das dein Problem erklärt. Aber beim Lesen deines Beitrags hatte ich den Eindruck, dass die Ursache vielleicht weniger im Verständnis und mehr in Neros Motivation liegen könnte. @Kirsten: du hattest das ja schon sehr schön beschrieben 😅
👍