Aber dann sind wir doch eigentlich bei meiner Frage. 😊
Wenn ein Border Collie mit mangelnder Selbstregulation aus der Zucht genommen wird, weil er die gewünschte Kombination aus Hüteverhalten, Nervenstärke und Besonnenheit nicht mitbringt, dann ist dieses Individuum doch genau der Hinweis darauf, dass die genetische Kombination nicht beliebig steuerbar ist.
Da frage ich mich dann auch, wie viel „Ausschuss“ bei einer Zucht, die immer stärker auf bestimmte Leistungsmerkmale optimiert, eigentlich akzeptabel ist?
Denn wenn wir sagen: „Der Hund, der damit nicht klarkommt, wird eben nicht zur Zucht eingesetzt“, lösen wir das Problem das den einzelnen Hund betrifft, aber wir beantworten noch nicht die Frage, ob wir bei der Selektion vielleicht schon zu weit gegangen sind.
Mir reicht es nicht darauf zu schauen, ob am Ende ein funktionierender Arbeitshund herauskommt und ob wesensschwache Individuen erkannt und aus der Zucht genommen werden.
Mich interessiert eher wie hoch der Preis ist, den wir akzeptieren, um das gewünschte Zuchtziel zu erreichen.
Für mich kann „aus der Zucht genommen“ nicht automatisch bedeuten „Problem gelöst“. Der Hund existiert ja trotzdem und muss sein Leben mit genau dieser genetischen Ausstattung führen.
Evtl ist das tatsächlich der Punkt, an dem wir schlicht unterschiedlich denken: Für mich ist ein aussortierter Hund nicht einfach ein züchterischer Fehlversuch, sondern ein Lebewesen, an dem sich zeigt, wo die Grenzen unseres Zuchtziels liegen.
Auch ein Hund der aus welchen Gründen auch immer nicht für die Aufgabe geeignet ist für die er gezüchtet wurde kann immer noch ein gutes zu Hause und auch eine sinnvolle Aufgabe finden.
Bei verantwortungsvoller Zucht ohne Überzeichnung bestimmter Eigenschaften hat man solche"Ausreißer" nicht so häufig.