Danke für die lieben Worte.😊 Ich bin mittlerweile tatsächlich auch recht stolz auf uns - auf Neo im Besonderen aber auch bei Ivy sehe ich langsam dass sich etwas tut 🥰
Es ist so wertvoll dass du einen befreundeten Jäger hast - da können Mira und du sicher sehr viel mitnehmen und tolle Erfahrungen sammeln ☺️
Ich musste beim Lesen wieder an einen Abschnitt zum Jagdverhalten aus Brede/Heberer denken. Die beiden beschreiben Jagd nicht ja einfach als „einen Jagdtrieb“, sondern als Verhaltenskette - dass einzelne Elemente der Verhaltenskette genetisch bedingt (und insbesondere durch Zucht) hyper- oder hypotrophiert ausgeprägt sein können.
Bei Ivy habe ich schon das Gefühl dass die ganz deutlich hyper ist 😅 und ich denke mittlerweile, dass sie nicht einfach nur eine hohe Jagdmotivation hat, sondern dass bei ihr sowas wie ein Handlungssog entsteht - alá „Da ist was, und JETZT (!) MUSS (!) ich handeln.“
Und ich weiß auch dass sie die Jagdkette am liebsten bis zum Ende durchziehen möchte, wenn ich sie ließe.
Da liegt für mich vielleicht auch der Unterschied zum Stand von Mira. Was du von ihr beschreibst, klingt ja nach Aktivierung, die sie in Handlung und Problemlösen - also in verschiedene Lösungsstrategien umsetzen kann. Bei Ivy habe ich eher den Eindruck, dass dieser Handlungssog ihre Möglichkeiten aktuell noch sehr verengt. Das was sie von sich aus anbietet geht wirklich eher in Richtung Körperkontakt - oder Hilfeanfrage? Ich glaube schon, sie benötigt mich zumindest aktuell noch als Ideengeberin ☝️😂
Sie wird bei Aktivierung nicht unbedingt kreativer, sondern immer zielgerichteter/fokussierter/wilder - irgendwann so stark, dass sie eben auch völlig „unvernünftige“ oder gefährliche Dinge tut.
AABER☝️ jetzt habe ich tatsächlich ein ziemlich gutes Beispiel dafür, was bei Ivy möglicherweise funktionieren könnte. Ich habe neulich im Training (obwohl ich mich gegen Echtfell bisher innerlich immer gewehrt habe, aus Gründen 🙈) einmal ein Echtfell-Zergel ausprobiert. Und dieses Dings ist für Ivy offenbar der absolute Burner. 😅So sehr, dass sie sogar eine wirklich heiße Wildspur nicht weiterverfolgt, wenn das Zergeldings auftaucht.
Das finde ich im Kontext deiner Gedsnken/Fragen gerade total spannend - das Zergel klinkt offenbar in eben diesen Handlungssog ein, den sie bei jagdlichen Reizen entwickelt und ich kann ihm so eine andere Richtung geben. Sie ist dadurch nicht weniger Jagdhund, hat aber eine andere Möglichkeit, Jagdhund zu sein.😅
Ich denke das ist wohl die Art von „Abzweigung“, nach der ich bei Ivy suchen muss: nicht irgendein beliebiges Alternativverhalten, das aus meiner bescheidenen Sicht vernünftig wäre, sondern eine Handlung, die für sie selbst so bedeutsam und lohnend ist, dass sie tatsächlich bereit ist, dafür eine andere Handlungskette zu verlassen - ich war so überrascht, dass sie dazu offenbar wirklich in der Lage ist. 🙈😂
Also, dass sie selbst bei sehr hoher jagdlicher Motivation noch für eine konkurrierende Handlung erreichbar sein kann. 💪
Ich würde das bei ihr aber gar nicht unbedingt als klassisches „Alternativverhalten trainieren“ sehen. Ich möchte ihr nicht einfach beibringen: „Wenn du Wild siehst, mach stattdessen X.“ Das wäre wahrscheinlich viel zu wenig, wenn der Tunnel naht.
Also um deine Frage nach dem stufenweisen Weg zu beantworten: Ja, ich denke auch, dass sie erst Erfahrungen mit verschiedenen funktionierenden Abzweigungen in reizärmeren Bereichen sammeln muss, bevor sie diese unter hoher Aktivierung überhaupt als Möglichkeit wahrnehmen kann.
Und da kommt auch dein Gedanke mit dem Vertrauensvorschuss für mich ins Spiel. Dieser würde ja recht schnell aufgebraucht, wenn ich ihr hundertmal in einer schwierigen Situation sage, was sie tun soll.😅 Anders ist es sicher wenn sie im Vorfeld immer wieder erlebt, dass ihre Aktivierung nicht abgewürgt wird sondern etwas sinnvolles daraus entsteht.
Und da finde ich deine Beobachtung so schön, dass Mira offenbar davon profitiert, wenn ihre jagdlichen Fähigkeiten gesehen und wertgeschätzt werden. Das hab ich bei Neo ja auch mal erleben dürfen. 🥰
Sich daran zu erinnern hilft mir enorm nicht dahin zu kippen, permanent gegen die Motivation zu arbeiten, sondern ihr einen Platz zu geben.
Ich muss mir zwischendurch immer wieder vor Augen führen, dass ich Ivy nicht weniger Jagdhund werden lassen möchte und auch nicht jede hohe Aktivierung möglichst schnell herunterregulieren muss. Aber ein paar mehr mehr Werkzeuge, mit dieser Energie umzugehen, wären schon toll. 😊
Und ja, allmählich denk ich immer mehr dass das schon eine andere Form von Fsrustrationstoleranz ist: das eigentliche Ziel ist gerade nicht erreichbar, aber die Altivierung muss nicht einfach verpuffen oder wegreguliert werden sondern es gibt noch andere Möglichkeiten, etwas damit im selben Funktionskreis zu machen - also die Handlungsbreite innerhalb ihres Jagdhund-Seins hat sich vergrößert.