Ich verstehe echt nicht, wie man so viel Mitgefühl mit Hunden und so wenig mit Menschen haben kann.
Teilweise entsteht der Eindruck, dass Melanie als Sündenbock für tatsächlich verantwortungslose Hundehalter herhalten muss.
Sie gibt den Hund nicht "einfach so" ab, weil er "gerade nicht ins Leben passt" und hat ihn auch nicht "unüberlegt" angeschafft. Das ist eine ziemliche unfaire Charakterisierung, die überhaupt nicht zutrifft.
Unüberlegt haben sich Leute einen Hund angeschafft, wenn sie zu Sommerbeginn feststellen, dass der jährliche Urlaub ansteht und ab ins Tierheim. Unüberlegt schaffen sich haufenweise Leute Malinois an und sind mit 6 Monaten schon so überfordert, dass der Hund weg MUSS (schaut mal bei Malinois in Not vorbei, oder besser nicht). Sie hat sich auch keine Qualzucht geholt, sondern einen Hund, der für lange Zeit sehr gut in ihr Leben gepasst hat.
Melanie hat sich für die richtige Rasse entschieden und hat ihren Hund zu einem tollen, freundlichen Familienbegleiter erzogen. Und das über 7 Jahre! Dass der Hund jetzt relativ einfach zu vermitteln wäre, weil er nicht ängstlich, aggressiv oder sonst was ist, ist ihr Verdienst!
Sie gibt ihn nicht einfach so ab. Sie ist eine chronisch kranke Mutter von zwei Kindern, ohne Unterstützung von Familie, der Ex-Mann lässt sie was Betreuung und Kosten angeht komplett im Stich, bei allem Respekt und auch wenn es uns nichts angeht, finanziell sieht es bei ihr nicht rosig aus, sie arbeitet so viel sie eben kann (auch da erlauben sich Leute ein Urteil) und ist so gestresst und überfordert, dass sie zusätzlich zu ihrer chronischen Erkrankung schon andere Symptome entwickelt.
Belastung und Überforderung ist subjektiv. Nur weil einige der Meinung sind, ihre Schicksalsschläge seien keine, bedeutet es nicht, dass sie es nicht so erlebt.
Was muss denn passieren, damit die Jury hier einen Abgabegrund absegnet? Muss sie erst Burnout bekommen, berufsunfähig werden und in der Klinik sitzen, damit es ihr schlecht "genug" geht? Das ist so ein toxisches Problem unsere Gesellschaft und trägt maßgeblich dazu bei, dass Menschen sich nicht rechtzeitig Hilfe holen und erst wenn sie am Boden sind Beachtung finden. Nur da ist es für manche schon zu spät und für andere der Weg zur Genesung viel länger und schwieriger, als es hätte sein müssen.
Sie schneidet dem Hund nicht den Chip raus und setzt ihn an der Autobahn aus. Sie schiebt ihn nicht ins Tierheim ab. Sie sucht nach einem neuen, schönen Zuhause, weil sie an IHRER (nicht an euerer, wie hoch diese auch sein mag) Belastungsgrenze angekommen bzw schon darüber ist.
Ich muss mir nicht auf die Zunge beißen, denn ich empfinde Mitgefühl und lasse nicht nicht meine Wut über andere Menschen stellvertretend an ihr aus.