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Celine
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zuletzt 9. März

Wegwerfartikel Hund: Wenn das Ego größer ist als die Verantwortung

Ich muss mir das gerade mal von der Seele schreiben. Wer sich ein Tier anschafft, unterschreibt einen „Vertrag auf Lebenszeit“. Doch die Realität in den Tierheimen oder Tierschutzorganisationen ist nur noch fassungslos machend. Wir reden hier nicht von Notfällen, wir reden von „Lifestyle-Entscheidungen“ Der Klassiker: „Wir haben jetzt leider weniger Zeit.“ oder „Wir können unserem Hund leider nicht mehr gerecht werden“. Seit wann ist Zeitmangel ein unvorhersehbares Schicksal? Wer arbeiten muss, weiß das in der Regel bevor er sich ein Lebewesen ins Haus holt. Zeitmangel ist kein Schicksal, sondern eine Frage der Prioritäten. Ich habe mit meinen Hunden schon einige Jobwechsel durchgemacht, war immer „alleinerziehend“. Man kann seinen Hunden im Leben nie immer gerecht werden. Wie soll das auch 10-15 Jahre funktionieren? Ist „Zeitmangel“ nur das höfliche Wort für „Ich habe keine Lust mehr, meine Freizeit zu opfern“? Auf Vermittlungsseiten liest man: Ein Dobermann-Welpe wird abgegeben, weil er nicht alleine bleiben kann. Woanders wird ein Welpe nach einem Tag zurückgebracht, weil er nicht stubenrein ist. Erwarten wir heute ernsthaft, dass ein Hund mit vorinstalliertem Betriebssystem und „Blasenkontrolle“ geliefert wird? Seit wann ist Erziehung optional? Oft heißt es: „Wenigstens war der Besitzer einsichtig und hat das Tier abgegeben.“ Nein. Ich sehe es nicht ein, das noch gut zusprechen. Ein Tier aus einem Impuls heraus anzuschaffen und bei der ersten Unbequemlichkeit zu entsorgen, ist moralisches Versagen. Warum feiern wir Menschen für ihre „Einsicht“, wenn sie eigentlich nur ihren Fehler auf Kosten des Tierheims korrigieren? Ist die Hemmschwelle, ein Tier abzugeben, in den letzten Jahren massiv gesunken? Brauchen wir eine lebenslange Sperre oder saftige Strafzahlungen für solche „Lifestyle-Abgaben“?
 
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Ingo
18. Feb. 11:45
Ich finde den Punkt der Überforderung extrem wichtig aber wir müssen ihn auch kritisch hinterfragen. Im Leben durchlaufen wir ständig Phasen der Überforderung, sei es im Job, in der Beziehung oder mit den eigenen Kindern. Aber was ist unsere Konsequenz daraus? Kündigen wir sofort beim ersten harten Projekt? Beenden wir die Beziehung bei der ersten Krise? Geben wir unser Kind ins Heim, wenn es uns an unsere Grenzen bringt? Überforderung sollte eigentlich der Startpunkt für persönliches Wachstum sein. Dank meinen zahlreichen Hunden, habe ich an mir selber arbeiten können. Klar es klappt noch nicht immer zu 100 Prozent aber ich bin wesentlich ruhiger, gelassener und vor allem geduldiger geworden. Ich bin so ein verdammt ungeduldiger Mensch gewesen. Aber die ganzen Hunde haben mich mehr oder weniger dazu gezwungen mich auch persönlich weiterzuentwickeln. Die Dobermannhündin hat meine Geduld in der Vergangenheit öfter herausgefordert. Jetzt halte ich in solchen Momenten inne, atme tief ein und aus und überlege mir gut, bevor ich reagiere.
Verstehe absolut was du meinst und ich bin da auch bei dir. Aber seien wir doch mal ehrlich, allein in den Themen gibt es viele Hundehalter, die pauschal irgendwelche Meinungen verbreiten und diese als richtig sehen. Gehört leider nicht dazu, um sich weiterzuentwickeln. Solche Leute sind dazu meist auch noch beratungsresistent und müssen erst einmal auf die Nase fallen. Normal kann man auch über den Tellerrand schauen und an seinen Anforderungen wachsen. Vielleicht liegt es heutzutage auch mit an der Lebenserfahrung. Gibt heutzutage Leute, die mehr virtuell leben.
 
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Celine
18. Feb. 12:09
Verstehe absolut was du meinst und ich bin da auch bei dir. Aber seien wir doch mal ehrlich, allein in den Themen gibt es viele Hundehalter, die pauschal irgendwelche Meinungen verbreiten und diese als richtig sehen. Gehört leider nicht dazu, um sich weiterzuentwickeln. Solche Leute sind dazu meist auch noch beratungsresistent und müssen erst einmal auf die Nase fallen. Normal kann man auch über den Tellerrand schauen und an seinen Anforderungen wachsen. Vielleicht liegt es heutzutage auch mit an der Lebenserfahrung. Gibt heutzutage Leute, die mehr virtuell leben.
Das stimmt.
Wenn diese Leute dann in der Realität auf ein Problem stoßen, fehlt ihnen oft selbst die Frustrationstoleranz. Wer gewohnt ist, Probleme per Klick oder Wisch-und-Weg zu lösen, kommt mit der Sturheit eines Lebewesens nicht klar. Anstatt über den Tellerrand zu schauen und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, wird der Hund dann als ‚nicht passend‘ deklariert und weg damit. Im schlimmsten Fall kommt direkt der nächste Hund ins Haus.
 
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Celine
18. Feb. 12:11
Und es ist doch auch so toll, dass wir so viele Möglichkeiten haben. Ich wäre null der Typ für Auslandsadoption oder Barkdates, aber ich habe schon so viele tolle Hunde als Gassigeherin kennengelernt (und das war nicht immer Liebe auf den ersten Blick) und es gibt für uns „harte“ Kriterien und „weiche“ Wünsche für einen eigenen Hund. Für uns passt es besser mit längeren Kennenlernzeit und irgendwann werden wir so mit Sicherheit einen passenden Begleiter finden.
Wer verantwortungsvoll sucht, der findet seinen Hund.
Manchmal dauert der Prozess Jahre, manchmal Monate, manchmal aber auch nur Wochen.

Lieber einmal mehr warten, als eine unüberlegte Entscheidung zu treffen. 😊
 
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Katja
18. Feb. 12:19
Das stimmt. Wenn diese Leute dann in der Realität auf ein Problem stoßen, fehlt ihnen oft selbst die Frustrationstoleranz. Wer gewohnt ist, Probleme per Klick oder Wisch-und-Weg zu lösen, kommt mit der Sturheit eines Lebewesens nicht klar. Anstatt über den Tellerrand zu schauen und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, wird der Hund dann als ‚nicht passend‘ deklariert und weg damit. Im schlimmsten Fall kommt direkt der nächste Hund ins Haus.
Ich muss nur immer an den 12-jährigen Sohn meines Freundes denken: der baut mit Vorliebe Häuser und erzählt mit Begeisterung von den Vorteilen verschiedener Fussbodenmaterialien!
Alles rein virtuell…
Auf die Frage, ob wir nicht mal was Richtiges bauen wollen: „viel zu kompliziert!“

Lustig auch sein Umgang mit Hundine: ein neuer Trick wird erklärt, 2x versucht… und dann wird der Hund dahin appliziert, wo er hin soll… tatdaaaa.
Zum Glück haben wir ein geduldiges Hundetier!🥴

Das Schlimme: Der Kurze ist schlau und total pfiffig… aber er hat halt nie gelernt, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, weil seine Eltern alles machen.
Also ist er der Meinung, er muss das auch nicht.
Echt schade.

Aber dafür gibt‘s ja dann Therapeuten, wenn man erwachsen ist…😫
 
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Ingo
18. Feb. 12:29
Das stimmt. Wenn diese Leute dann in der Realität auf ein Problem stoßen, fehlt ihnen oft selbst die Frustrationstoleranz. Wer gewohnt ist, Probleme per Klick oder Wisch-und-Weg zu lösen, kommt mit der Sturheit eines Lebewesens nicht klar. Anstatt über den Tellerrand zu schauen und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, wird der Hund dann als ‚nicht passend‘ deklariert und weg damit. Im schlimmsten Fall kommt direkt der nächste Hund ins Haus.
Ich selbst bin damit auf Unverständnis gestoßen, dass wenn ich einen Hund suche, genau nach dem passenden Hund suche. Dabei ist es mir egal, wo ich den Hund finde. Für mich muss der Hund auch gewisse Eigenschaften haben, die ich auch fördere und in die richtigen Bahnen lenke.

Es würde mir im Traum nicht einfallen, einen Hund zu nehmen, der Eigenschaften hat, die ich nicht möchte. Diese Eigenschaften vielleicht noch mit einem Trainer versuchen zu ändern. Und wenn der Trainer es nicht schafft, den Trainer noch als unfähig zu sehen. Was für ein Leben wäre es für den Hund, Eigenschaften, die in den Genen stecken nicht ausleben zu lassen.
 
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Julia 🐾Nero
18. Feb. 17:45
Ich fände es durchaus auch wichtig und interessant nicht nur die Verfehlungen oder das Versagen des Individuums zu betrachten, sondern auch strukturelle Probleme, die Haustierhaltung bzw erfolgreiche Haustierhaltung erschweren.

Mir fällt auf, dass man sich gerne über Individuen echauffieren möchte und das macht ja auch Spaß und man fühlt sich selber besser und überlegen.

Eine Studie aus Dänemark hat zum Beispiel ergeben, dass 29% der Hunde aus gesundheitlichen Gründen abgegeben werden. 21% aus Wohn- und Lebensverhältnissen (also mangelnder Wohnraum).
Das sind immerhin schon gut 50%, die nicht aus "keine Zeit" und "keine Lust" abgegeben werden.

Wie schon einmal gefragt wurde, sind die Menschen wirklich verantwortungsloser, oder sind einfach die Lebensumstände viel schwieriger und unvorhersehbarer geworden?

Gleichzeitig gab es noch nie so ein Bombardement von Medien, denen man nicht entfliehen kann. Dass die körperliche und psychische Gesundheit und Belastbarkeit in der Bevölkerung sinkt ist doch nicht nur eine Charakterschwäche des Individuums.
Welchen Einfluss Soziale Medien und die permanente Vernetzung auf das Gehirn, die Neurotransmitter usw haben ist ja kaum bis gar nicht erforscht. "Wollen" Menschen nicht oder "können" Menschen nicht.

Interessant fand ich auch mal die Aussage eines Hundetrainers, dass ein Großteil seiner Arbeit inzwischen eher psychotherapeutische Hilfe für die Halter ist.
 
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Celine
18. Feb. 18:17
Ich fände es durchaus auch wichtig und interessant nicht nur die Verfehlungen oder das Versagen des Individuums zu betrachten, sondern auch strukturelle Probleme, die Haustierhaltung bzw erfolgreiche Haustierhaltung erschweren. Mir fällt auf, dass man sich gerne über Individuen echauffieren möchte und das macht ja auch Spaß und man fühlt sich selber besser und überlegen. Eine Studie aus Dänemark hat zum Beispiel ergeben, dass 29% der Hunde aus gesundheitlichen Gründen abgegeben werden. 21% aus Wohn- und Lebensverhältnissen (also mangelnder Wohnraum). Das sind immerhin schon gut 50%, die nicht aus "keine Zeit" und "keine Lust" abgegeben werden. Wie schon einmal gefragt wurde, sind die Menschen wirklich verantwortungsloser, oder sind einfach die Lebensumstände viel schwieriger und unvorhersehbarer geworden? Gleichzeitig gab es noch nie so ein Bombardement von Medien, denen man nicht entfliehen kann. Dass die körperliche und psychische Gesundheit und Belastbarkeit in der Bevölkerung sinkt ist doch nicht nur eine Charakterschwäche des Individuums. Welchen Einfluss Soziale Medien und die permanente Vernetzung auf das Gehirn, die Neurotransmitter usw haben ist ja kaum bis gar nicht erforscht. "Wollen" Menschen nicht oder "können" Menschen nicht. Interessant fand ich auch mal die Aussage eines Hundetrainers, dass ein Großteil seiner Arbeit inzwischen eher psychotherapeutische Hilfe für die Halter ist.
Ich sehe das etwas anders. Wohn- und Lebensverhältnisse sind in den allermeisten Fällen Faktoren, die man vorher prüfen kann und muss. Wenn ich einen Hund aufnehme, kläre ich das mit der Hausverwaltung und spiele mit offenen Karten. Eine Wohnungssuche mit Hund ist schwierig, ja (sowie mit Kindern oder als alleinstehende auch) aber das weiß man, bevor man sich das Tier anschafft. Es ist eine bewusste Entscheidung, die man trifft und für die man dann auch geradestehen muss, anstatt sie später als ‚unvorhersehbares strukturelles Problem‘ zu deklarieren.

Niemand wird gezwungen, ein ‚Online-Zombie‘ zu sein. Wer sich so weit beeinflussen lässt, dass er die Realität aus den Augen verliert, zeigt vor allem eines, mangelndes eigenständiges Denken. Ein Hund ist doch gerade die Chance, aus dieser virtuellen Welt auszubrechen und das echte Leben offline zu genießen.

Natürlich ist die psychische Belastbarkeit in der Gesellschaft ein Thema aber man darf die individuelle Verantwortung nicht komplett wegrationalisieren. Ein Hund ist kein passives Hobby, sondern ein Lebewesen, das Beständigkeit braucht. Wenn man merkt, dass man medial oder psychisch nicht stabil genug ist, sollte man eben kein Tier anschaffen, anstatt später die ‚schwierigen Zeiten‘ vorzuschieben. Verantwortung bedeutet auch, seine eigenen Grenzen zu kennen, bevor ein Tier darunter leiden muss.
 
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Julia 🐾Nero
18. Feb. 18:37
Ich sehe das etwas anders. Wohn- und Lebensverhältnisse sind in den allermeisten Fällen Faktoren, die man vorher prüfen kann und muss. Wenn ich einen Hund aufnehme, kläre ich das mit der Hausverwaltung und spiele mit offenen Karten. Eine Wohnungssuche mit Hund ist schwierig, ja (sowie mit Kindern oder als alleinstehende auch) aber das weiß man, bevor man sich das Tier anschafft. Es ist eine bewusste Entscheidung, die man trifft und für die man dann auch geradestehen muss, anstatt sie später als ‚unvorhersehbares strukturelles Problem‘ zu deklarieren. Niemand wird gezwungen, ein ‚Online-Zombie‘ zu sein. Wer sich so weit beeinflussen lässt, dass er die Realität aus den Augen verliert, zeigt vor allem eines, mangelndes eigenständiges Denken. Ein Hund ist doch gerade die Chance, aus dieser virtuellen Welt auszubrechen und das echte Leben offline zu genießen. Natürlich ist die psychische Belastbarkeit in der Gesellschaft ein Thema aber man darf die individuelle Verantwortung nicht komplett wegrationalisieren. Ein Hund ist kein passives Hobby, sondern ein Lebewesen, das Beständigkeit braucht. Wenn man merkt, dass man medial oder psychisch nicht stabil genug ist, sollte man eben kein Tier anschaffen, anstatt später die ‚schwierigen Zeiten‘ vorzuschieben. Verantwortung bedeutet auch, seine eigenen Grenzen zu kennen, bevor ein Tier darunter leiden muss.
Wohnverhältnisse, körperliche und psychische Gesundheit können sich aber verändern.
Niemand geht davon aus, dass er psychisch oder chronisch krank oder arbeitsunfähig wird.
Wo einen früher ein soziales Netz über schwierige Zeiten hinweg geholfen hat, sind viele Menschen heute sehr einsam.
Sehr viele junge Menschen geben an, keine Freunde zu haben, viele Menschen haben keinen Partner mehr (vielleicht boomt der Haustiermarkt auch unter anderem deswegen?).

Gibt es nicht so einen Spruch, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen? Ist mit einem Tier vielleicht gar nicht so anders. Nur, dass vielen Menschen das Dorf (das soziale Netz) abhanden gekommen ist.

Man muss im übrigen kein Online Zombie sein, um von Medien und Vernetzung beeinflusst zu werden. Erreichbarkeit über Email und Smartphone sind inzwischen eher eine Grundvoraussetzung für einen Job und keine individuelle Entscheidung.
Aktivität auf LinkedIn oder sogar X sind nicht unbedingt freiwillig. Zumindest wurde es mir im Bewerbungstraining dringend empfohlen. Kommt sicher auch auf die Branche an.
Und ich bin schon "alt". Was ist mit Menschen, die mit Internet und Smartphone aufgewachsen sind? Das ist auch keine aktive Entscheidung. Eine Bekannte von mir musste für ihre Kids Tablets für die Schule kaufen. Ich betone *musste*. Hat die Schule beschlossen.
 
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Gisela
18. Feb. 18:41
Danke, bin ganz deiner Meinung. Ein Hund ist ein Vertrag auf Lebenszeit.
Selbst unsere Urlaubsplanung: entweder er kommt mit oder einer bleibt zu Hause mit dem Hund.
 
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Petra
18. Feb. 18:44
Danke, bin ganz deiner Meinung. Ein Hund ist ein Vertrag auf Lebenszeit. Selbst unsere Urlaubsplanung: entweder er kommt mit oder einer bleibt zu Hause mit dem Hund.
Für Urlaub können wir auf Freunde zählen, aber oft war das noch nicht der Fall. Am liebsten nehmen wir unseren Hund mit.