Auch mit 150% Rückruf werden bei freilaufenden Hunden in der Setz und Brutzeit Tiere gestört und deshalb ist für mich die Leine im Wald und auf Wiesen das ganze Jahr über Pflicht. Man kann einen Hund auch wunderbar mit Radfahren und anderen Sportarten auspowern. Ein freilaufender Hund hat in der Natur nichts zu suchen. Meine Meinung seit 45 Jahren als Hundebesitzerin.
Nach 45 Jahren Hundehaltung sollte man eigentlich wissen, dass artgerechte Auslastung nicht nur aus stupidem Auspowern am Fahrrad besteht. Ein Hund erforscht seine Umwelt primär über die Nase und braucht dafür auch Freiraum – natürlich nur dort, wo es erlaubt ist und der Hund niemanden gefährdet.
Was ist eigentlich mit den ganzen Mountainbikern, Wandergruppen, Geocachern, Autos, oder schreienden Kindern die unkontrolliert durch den Wald springen?
Stören die die Natur etwa nicht? Komischerweise wird die Schuld immer nur auf die freilaufenden Hunde geschoben.
So wie du das beschreibst, fällt scheinbar jedes Wildtier beim bloßen Anblick eines Hundes sofort tot um.
Ein unerzogener Hund an einer Leine oder gar Schleppleine, der permanent unter Strom steht, ins Unterholz prescht und alles fixiert, bringt massiv Unruhe ins Revier und verbreitet puren Stress.
Ein gut erzogener Hund im Freilauf dagegen, der unaufgeregt auf den Wegen bleibt und sofort abrufbar ist, verhält sich für die Tierwelt völlig berechenbar und hinterlässt deutlich weniger Schaden als so manche rücksichtslose Menschengruppe.
Lass mich dir mal zwei Beispiele aus unserem Alltag zeigen, wie „störend“ ein gut erzogener Hund im Freilauf wirklich ist:
Gestern erst kam auf schätzungsweise 15 Metern ein ziemlich großer Hase aus dem Gebüsch und blieb auf dem Weg sitzen. Ich blieb stehen, mein Hund blieb stehen (das funktioniert bei ihm automatisch). Der Hase sah uns, fühlte sich aber nicht mal gezwungen, wegzulaufen. Ich habe in aller Ruhe mein Handy gezückt und Fotos gemacht. Als ich locker weiterging, blieb mein Hund sitzen und beobachtete das Tier einfach nur fasziniert. Erst als der Hase entspannt weiterhoppelte und ich meinen Hund zum Weitergehen aufforderte, liefen wir ruhig weiter – während der Hase uns immer noch gelassen aus der Entfernung hinterherguckte.
Anderes Szenario: Anfang des Jahres in der Dunkelheit im selben Gebiet. Mein Hund lief etwa 10 Meter vor mir, blieb plötzlich stehen und starrte nach rechts und schaute dann zu mir. Ich knipste meine Stirnlampe an und sah in maximal 15 Metern Entfernung drei Rehe im Gras liegen. Wieder Handy raus, Foto gemacht. Die Rehe blieben völlig entspannt in der Wiese liegen, während ich meinen Hund lobte und wir einfach ruhig weitergingen.
Und du willst mir ernsthaft erzählen, dass ein durchdrehender Hund, der mangels Erziehung nur noch panisch oder aggressiv in die Leine springt, für das Wild in diesen Situationen entspannter gewesen wäre?
Für mich klingt es so, als hättest du keinen Erfolg beim Training mit der Distanzkontrolle, was dich folglich zur Leinenführung zwingt. Deshalb bist du neidisch auf alle, die sich diesbezüglich in der Sonne baden. Um diesem Unmut Herr zu werden, forderst du mit unsinnigen Argumenten einen dauerhaften Leinenzwang für alle. Da fällt mir trotz deiner 45 Jahre Hundehaltung nur eine Antwort ein: Setzen, sechs!
Dass während der Brut- und Setzzeit besondere Rücksicht genommen werden muss, steht außer Frage. Aber das ganze Jahr über ein pauschales Freilauf-Verbot zu fordern, ist keine Tierliebe, sondern Bequemlichkeit auf Kosten des Hundes.