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Julia 🐾Nero
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heute 20:13

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
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Fran
15. Juni 06:18
Dein Hund kann auch mal einen schlechten Tag haben, an dem die Leitung etwas länger ist (wie bei uns Menschen ja auch).
Kann aber auch dran liegen, dass er hinterfragt (das machen Hunde je nach Charakter unterschiedlich intensiv).


Ich würde, wenn etwas bereits Erlerntes, was einfach gerade nicht klappen mag:
1. Nicht zu oft hintereinander so versuchen, wie es gerade zu schwer ist. Das Signal verliert sonst seine Bedeutung/ der Hund ist zunehmend verwirrt/ ihr beide werdet frustriert und verliert den Spaß daran.
2. Ganz bewusst die Situation wahrnehmen: was hat mein Hund eben gemacht, als ich was von ihm vorderen wollte? Wo lag sein Interesse? Welche Reize waren ringsum? Wenn das wiederholt Auftritt, findest du vielleicht ein Muster, wann es nicht klappt.
3. Nochmal beim Urschleim in reizarmer Umgebung testen. Nach wenigen Minuten mit einem Erfolg beenden (notfalls mit einem anderen Signal).
4. Lieber Training in vielen kleinen Portionen am Tag (das ist für den Hundekopf leichter verdaulich).
5. Systematisch von reizarm (wenn es dann zu 90% super klappt und der Hund mit Begeisterung dabei ist) den selben Trainingsschritt mal systematisch mit zunehmendem bzw. verschiedenartigen Reizquellen in der Umgebung testen. Da siehst du definitiv, welche Reize besonders spannend sind (wann deine Erfolgschancen wenn du deinen Hund ansprichst gering sind).
Da kannst du dann mit dem Reiz auf einem Niveau, auf dem dein Hund dich trotzdem noch fokussiert üben.
Wenn das alles nicht klappt: mal einen Hausbesuch vom Hundetrainer buchen und den das beobachten lassen.
 
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Fran
15. Juni 06:23
Liebe Julia, ich finde deine Beschreibung sehr treffend. Wir kennen einen Teil davon: unser Havaneser lernt ähnlich schnell. Bei Beschäftigungsspielen draußen ist er begeistert dabei und spielt meist nach den Regeln mit 😊. Drinnen (und vor allem ohne Publikum 🤨) kennen wir das Phänomen, dass er bei der 3. Wiederholung einfach desinteressiert "abwinkt". Da passt der Kommentar mit der Konsequenz nicht so, finde ich. Wir brechen das Spiel dann natürlich ab, es hängt ja auch nichts Wichtiges dran, aber ich hab ähnlich wie bei Euch den Eindruck, es geht um die "Abnutzung". Bei den Spielen ist das natürlich kein Problem, dann wechselt man öfter (und vor Publikum ist er auch wieder Feuer und Flamme), aber bei Leinenführigkeit etc ist es ja was anderes. Unserer ist so heiß auf Leckerlie, dass ich mit einer neuen Belohnung immer wieder gut motivieren konnte. Aber ich bin keine Expertin für Erziehung (daher auch ein Havaneser 😉) ... Viele Grüße von Charlotte
In dem Fall klingt es für mich, als ob euer Hund das Zuhause vielleicht zu "langweilig" findet?
Kann auch von dem Spaß draußen bereits ausgelastet und satt sein?

Umso mehr man übt, umso besser prägt es sich ein. Das ist eher wie ein Trampelpfad auf der Wiese. Der wird umso deutlicher umso mehr er frequentiert wird.
 
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Fran
15. Juni 06:45
Wenn ich was von meinem Hund will, der mich aber ignoriert, dann hole ich auf keinen Fall die hochwertigere Belohnung um ihn doch noch zu verlocken.
Was lernt der Hund denn da? "Wenn ich Frauchen richtig gut ignoriere, dann holt sie die guten Sachen raus!"

Beispiel Freilauf: wenn mein Hund mich im Freilauf zu ignorieren anfängt, dann kommt (die nächste Zeit) die Schleppleine dran. Das kann ja schnell gefährlich werden, aber das ist noch ein anderes Thema. Es geht mir hier darum, dass der Hund nicht "erfolgreich" mit dem Fehlverhalten sein soll/ in übervordernden Situationen nicht die falschen Entscheidungen von ihm durchsetzbar sein sollen.

Dann bekommt mein Hund "freilaufähnliche" Situationen an der Schleppleine, in denen ich übe.
Erstmal wieder positiv verstärken (Notfalls mit der Schleppleine unterstützen), dass der Rückruf sitzt. Dann kann zu mehr Reiz gesteigert werden.
Beispielsweise rufe ich meinen Hund auch beim Spiel mit anderen immer mal zu mir, hochwertiges Leckerchen rein, und dann wieder in den Freilauf schicken. So lohnt es sich für den Hund zu dir zu kommen.

Wenn du immer die "Spaßbremse" aus Sicht deines Hundes bist (sobald er zu dir kommt ist das Spiel mit den anderen vorbei), dann wird er sich überlegen, ob er zu dir kommt.
Ich Versuche daher das ich meinen Hund möglichst oft, ohne das was spannendes los ist, mal zu mir Locke, Leckerchen rein, mal am Geschirr rumfummel, Leckerchen rein und dann wieder in den Freilauf schicken.

Wenn mein Hund mich ignoriert, wenn ich ihm ein Signal gebe, obwohl der Kopf noch frisch und die Situation nicht zu schwer sein sollte, dann ist mein Angebot zu trainieren mit meinem Hund erstmal beendet. Da kann mein Hund dann später auch versuchen mich zum Training zu animieren wie er will: ich biete Training und die "guten Sachen" an, der Hund lehnt ab. Dann war es das in der Situation (beispielsweise Gassirunde). Nächste Gassirunde, nächste Chance auf Training/ Spiel & Belohnung.
Dazu auch wie gesagt dem Hund in "wichtigen" Fragen (wie Freilauf) die Chance nehmen das Fehlverhalten durchzusetzen.

Mein Hund hat nicht "Sitz" gemacht, ist ja ein viel entspannteres Thema als, mein Hund hat sich nicht zurück rufen lassen und irgendwen belästigt oder ist bis auf eine Straße gerannt.
 
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Andreas
15. Juni 06:49
Dein Hund kann auch mal einen schlechten Tag haben, an dem die Leitung etwas länger ist (wie bei uns Menschen ja auch). Kann aber auch dran liegen, dass er hinterfragt (das machen Hunde je nach Charakter unterschiedlich intensiv). Ich würde, wenn etwas bereits Erlerntes, was einfach gerade nicht klappen mag: 1. Nicht zu oft hintereinander so versuchen, wie es gerade zu schwer ist. Das Signal verliert sonst seine Bedeutung/ der Hund ist zunehmend verwirrt/ ihr beide werdet frustriert und verliert den Spaß daran. 2. Ganz bewusst die Situation wahrnehmen: was hat mein Hund eben gemacht, als ich was von ihm vorderen wollte? Wo lag sein Interesse? Welche Reize waren ringsum? Wenn das wiederholt Auftritt, findest du vielleicht ein Muster, wann es nicht klappt. 3. Nochmal beim Urschleim in reizarmer Umgebung testen. Nach wenigen Minuten mit einem Erfolg beenden (notfalls mit einem anderen Signal). 4. Lieber Training in vielen kleinen Portionen am Tag (das ist für den Hundekopf leichter verdaulich). 5. Systematisch von reizarm (wenn es dann zu 90% super klappt und der Hund mit Begeisterung dabei ist) den selben Trainingsschritt mal systematisch mit zunehmendem bzw. verschiedenartigen Reizquellen in der Umgebung testen. Da siehst du definitiv, welche Reize besonders spannend sind (wann deine Erfolgschancen wenn du deinen Hund ansprichst gering sind). Da kannst du dann mit dem Reiz auf einem Niveau, auf dem dein Hund dich trotzdem noch fokussiert üben. Wenn das alles nicht klappt: mal einen Hausbesuch vom Hundetrainer buchen und den das beobachten lassen.
..ich kann Deinen Tipps gut folgen .. nur.. das überall vorherrschende Trainingsverständnis will nicht in meine Birne 😉

Ein Beispiel.. mein Rocky ist mehr Hüte- und Schutzhund als alles andere.. muss ich mit ihm trainieren? ..ja.. anfangs.. ein klein wenig.. wirklich nicht viel.. ist sowieso sehr leicht für ihn, keine Herausforderung, kaum Belastung.. einfach langweilig.. und er kann das Geforderte sowieso..😘

und dann lebt mein Hütehund mit mir.. wie der Hütehund mit seinem Schäfer.. trainiert der Schäfer seinen Partner?!.. nur anfangs etwas.. dann wird gelebt.. Der Hund achtet immer auf seinen Schäfer und gehorcht auch immer, wenn der Schäfer aufmerksam ist. Braucht der Schäfer Leckerlies?! .. nein.. die gemeinsamen Interessen und die Freude am gemeinsamen "Erfolg" ist mehr als genug Belohnung. Jeder intensive Blick löst Glücksgefühle beim Hund und beim Schäfer aus.

Vllt ist bei meinen Gedankenspielen ein klein wenig von Interesse für Julia und Nero dabei..und wenn es nur der Gedanke ist "gemeinsame Interessen zu finden und zu leben..". ich hoffe es.. bin aber schon etwas ratlos 😔
 
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Katja
15. Juni 07:14
Wenn ich was von meinem Hund will, der mich aber ignoriert, dann hole ich auf keinen Fall die hochwertigere Belohnung um ihn doch noch zu verlocken. Was lernt der Hund denn da? "Wenn ich Frauchen richtig gut ignoriere, dann holt sie die guten Sachen raus!" Beispiel Freilauf: wenn mein Hund mich im Freilauf zu ignorieren anfängt, dann kommt (die nächste Zeit) die Schleppleine dran. Das kann ja schnell gefährlich werden, aber das ist noch ein anderes Thema. Es geht mir hier darum, dass der Hund nicht "erfolgreich" mit dem Fehlverhalten sein soll/ in übervordernden Situationen nicht die falschen Entscheidungen von ihm durchsetzbar sein sollen. Dann bekommt mein Hund "freilaufähnliche" Situationen an der Schleppleine, in denen ich übe. Erstmal wieder positiv verstärken (Notfalls mit der Schleppleine unterstützen), dass der Rückruf sitzt. Dann kann zu mehr Reiz gesteigert werden. Beispielsweise rufe ich meinen Hund auch beim Spiel mit anderen immer mal zu mir, hochwertiges Leckerchen rein, und dann wieder in den Freilauf schicken. So lohnt es sich für den Hund zu dir zu kommen. Wenn du immer die "Spaßbremse" aus Sicht deines Hundes bist (sobald er zu dir kommt ist das Spiel mit den anderen vorbei), dann wird er sich überlegen, ob er zu dir kommt. Ich Versuche daher das ich meinen Hund möglichst oft, ohne das was spannendes los ist, mal zu mir Locke, Leckerchen rein, mal am Geschirr rumfummel, Leckerchen rein und dann wieder in den Freilauf schicken. Wenn mein Hund mich ignoriert, wenn ich ihm ein Signal gebe, obwohl der Kopf noch frisch und die Situation nicht zu schwer sein sollte, dann ist mein Angebot zu trainieren mit meinem Hund erstmal beendet. Da kann mein Hund dann später auch versuchen mich zum Training zu animieren wie er will: ich biete Training und die "guten Sachen" an, der Hund lehnt ab. Dann war es das in der Situation (beispielsweise Gassirunde). Nächste Gassirunde, nächste Chance auf Training/ Spiel & Belohnung. Dazu auch wie gesagt dem Hund in "wichtigen" Fragen (wie Freilauf) die Chance nehmen das Fehlverhalten durchzusetzen. Mein Hund hat nicht "Sitz" gemacht, ist ja ein viel entspannteres Thema als, mein Hund hat sich nicht zurück rufen lassen und irgendwen belästigt oder ist bis auf eine Straße gerannt.
Ich glaube, Julia & Nero sind hier, aus dem, was sie bisher geschrieben hat, auf einem ganz anderen Level!
Ich verstehe, dass sie inzwischen all diese Methoden recht perfekt beherrscht und auch anwendet… Es aber trotzdem nicht funktioniert. Da gehts nicht drum, dass im Timing was geändert werden muss.

Mir kommt gerade ein Text von Vroni Fuchs in den Sinn, den ich hier mal aus FB kopiere… Ich hoffe, das ist in Ordnung:

„Ein etwas längerer Text, mit vielen Gedanken und Eindrücken der letzten Zeit, für alle (angehenden) Trainer.
Viele Trainerangebote heute fühlen sich wie eine Abkürzung an, und genau das ist der Grund, warum mich diese Flachheit so stark beschäftigt, weil es um die vielen Online Angebote geht, die mir tagtäglich angezeigt werden. Dieser Post richtet sich an alle (zukünftigen) Trainerinnen, die wirklich etwas aufbauen wollen und nicht nur Inhalte wiederholen möchten. Kursinhalte und ganze Programme als Vorlage, Workshopstrukturen, die man nur noch ausfüllt und dann ist es angeblich geschafft. Was daran problematisch ist, ist nicht Struktur. Struktur ist gut. Was ich kritisch sehe ist, was dabei nach und nach im Beruf passiert. Der Beruf wird flacher.

Hundetraining lebt von Erfahrung. Nicht von perfekten Formulierungen und auch nicht von schönen Reihenfolgen. Es lebt davon, dass man Situationen wirklich sieht und daraus lernt. Man erkennt, wann ein Mensch wegkippt, obwohl die Technik stimmt. Man sieht, wann ein Hund nicht mehr mitmacht, obwohl die Übung eigentlich passend wirkt. Man merkt, wie Timing und Dosierung plötzlich alles verändern. Und man versteht, wie sich Lernen anfühlt, wenn Sicherheit fehlt und wie es wieder anläuft, sobald man den Rahmen korrigiert. Genau diese Fähigkeit wächst nicht durch Vorlagen. Diese Fähigkeit wächst nur durch echte Praxis, durch Beobachten, durch Entscheiden und durch nachträgliches Reflektieren.

Wenn man immer mehr über Vorlagen arbeitet, kommt ein anderes Prinzip rein. Man schaut weniger genau hin und man folgt mehr. Man erklärt schneller und entscheidet später. Man setzt um statt zu diagnostizieren. Dadurch entsteht aus Training irgendwann Abhandlung. Oberflächliche Schritte, nette Inhalte, alles wirkt stimmig im Kopf, aber im echten Moment trägt es nicht mehr. Dann reicht es eben nicht mehr, dass eine Idee logisch ist. Dann braucht es Erfahrung, echte Feinjustierung und die Bereitschaft, im Moment umzusteuern.

Oftmals merkt man diese Flachheit schon direkt in den Kursen daran, dass sehr viel erklärt wird aber wenig beobachtet. Dass bei Schwierigkeiten nicht zuerst nach der Ursache gesucht wird, sondern schnell die nächste Reihenfolge abgearbeitet wird. Dass die Vorlage weiterläuft, obwohl der Hund emotional längst woanders ist und die Teilnehmerin längst überfordert. Und dann wirkt es so, als müsste der Moment „wegtrainiert“ werden, statt ihn fachlich zu lesen und anzupassen. Solche Momente sind der Prüfstein, weil dort sichtbar wird, ob eine Trainerin gerade wirklich entscheidet oder ob sie gerade nur umsetzt.

Noch ein Punkt kommt dazu, der mir besonders wichtig ist. Oftmals starten gerade Anfänger mit solchen gekauften Inhalten und hier ist das Problem. Erfahrung braucht Zeit. Erfahrung braucht wiederholtes Erleben, Fehler, Nachjustieren, Feedback und das Durchleben von Situationen, die auf keinem Blatt sauber vorhersagbar sind. Manches wäre manchmal besser noch nicht anzubieten, bevor man die eigene Erfahrung dafür aufgebaut hat. Durch solche vorgefertigten Kurse machen Trainerinnen Dinge, die sie überhaupt noch nie gemacht haben. Sie übersetzen dann ein Konzept in den Alltag, ohne die Kompetenz zu haben, auf das zu reagieren, was im echten Training passiert und das führt nicht zu Tiefe, sondern zu einer Art Übertragung von Wissen, die im Moment brüchig wird, sobald ein Team aus dem Rahmen fällt.

Spannend ist auch, dass diese Kurse oftmals zum Verkauf angeboten werden von Leuten, die zwar gut KI bedienen können, die eine gute Werbeagentur hinter sich stehen haben, die einen guten Marketingplan erstellt haben, aber die leider oftmals genauso wenig echte Erfahrung mitbringen. Genau das verstärkt das Problem zusätzlich. Dann wird das, was eigentlich fachliche Praxis braucht, durch Verpackung ersetzt. Durch Reichweite. Durch überzeugendes Marketing. Und während die Werbung verspricht, dass es wie Training funktioniert, bleibt das, was im Kern gebraucht wird, nämlich Diagnostik, Timing, Entscheidungsfähigkeit und Reifung aus echter Arbeit, auf der Strecke.

Kreativität ist dabei ein weiteres Thema. Impulse von außen sind wertvoll. Wirklich! Man darf sich inspirieren lassen und Ideen mitnehmen. Flach wird es jedoch dann, wenn Kreativität zur Kopie wird. Wenn man fremde Konzepte nur übernimmt und sie nicht mehr in die eigene Arbeit übersetzt. Wenn man nicht mehr lernt, warum etwas bei bestimmten Teams funktioniert und bei anderen nicht. Wenn man nicht mehr die eigenen Entscheidungen trainiert, sondern nur noch das nächste Schema anwendet. Dann wird das Training ein Ausführen dessen, was irgendwo schon mal als richtig beschrieben wurde, statt ein eigenständiges Entwickeln für die Kundinnen und ihre Hunde.

Und noch etwas steckt da drin:
Viele wollen heute schnell ohne viel Aufwand dort stehen, wo andere nach Jahrzehnten stehen. Erfolgreich wird man nicht durch Abkürzungen, sondern durch Arbeit an sich selbst, durch Entwicklung im Alltag und durch konsequentes Nachschärfen der eigenen Kompetenz. Genau dafür braucht es Zeit, Wiederholung und echte Bewährung im Kontakt mit Menschen und Hunden. Es ist ein Prozess.

Und genau hier liegt für mich die Grenze. Selbstständig arbeiten heißt im Training verantwortlich zu entscheiden. Selbstständig heißt, auf Basis von Beobachtung anzupassen, die Dosierung zu justieren, Timing zu verändern und Menschen durch Unsicherheit zu führen. Selbstständig heißt auch, Impulse von außen aufzunehmen und dann trotzdem die Verantwortung für das eigene Vorgehen zu behalten. Vorlagen können einen Rahmen liefern. Aber sie dürfen nicht zum Ersatz für Diagnose und Erfahrung werden. Sie dürfen nicht die Haltung ersetzen. Sie dürfen nicht verhindern, dass Trainerinnen weiter wachsen.

Wenn ein Beruf flacher wird, passiert das nicht mit einem Schlag. Es passiert schrittweise. Erst wird aus Lernen Umsetzung. Dann wird aus Beobachten Einordnen. Schließlich wird aus Expertise das Abarbeiten von Konzepten und irgendwann bleibt nur noch Oberfläche übrig. Genau das möchte ich verhindern. Unser Beruf bleibt anspruchsvoll, weil die Teams anspruchsvoll sind. Wer das ernst nimmt, wird nicht nur Vorlagen brauchen, sondern die Fähigkeit, sich in echten Situationen zu orientieren und daraus weiterzuentwickeln.

Mein Standpunkt ist ganz klar. Ja zu Struktur. Ja zu Lernen aus Impulsen. Ja zu Werkzeugen. Aber nein zu Vorlagen als Abkürzung für Erfahrung. Nein zu Training, das sich gut erklären lässt, aber im Moment nicht hält. Nein zu einer Branche, in der immer weniger echte Kompetenz nachwächst. Training ist nicht dafür da, Konzepte abzuarbeiten. Training ist dafür da, Entwicklung möglich zu machen, individuell und mit Tiefe. Dafür muss die Trainerin im Prozess bleiben, wach, lernend, beobachtend und entscheidungsfähig.“

PS@Julia: wäre das vielleicht auch eine Anlaufstelle für euch…?
 
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Isabella
15. Juni 08:01
Nimmt Kontakt auf mit Lena Standke.
Sie ist zwar Doodle Expertin doch sie ist eine super tolle Hundetrainerin.
Man kann bei ihr Online das Training machen.
Ich kann sie euch nur empfehlen.
Sie hat einen Ansatz den ich so noch nie kennen gelernt habe.
 
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Doreen
15. Juni 11:33
Ich würde so gerne unsere (für eure Situation überhaupt nicht passende) Strategie aufzeichnen.

Es ist aber auch kein Leitfaden, eher die innere Einstellung und der Wunsch etwas zu ändern um es dem Hund leichter zu machen. Beobachten, analysieren, reflektieren.

Anfangs die Erkenntnis dass ich diesem Hund zuviel Freiraum zugemutet habe, sie war vollkommen überfordert. Das war leicht zu ändern.

Ständig beobachten und einschätzen was in ihr vorgeht und entsprechend entscheiden wie es weiter geht. Wie verhalte ich mich in welchen Situationen. Was macht das mit meinem Hund und wie kann ich ihr Sicherheit vermitteln.

Letztendlich lag das alles an mir. Ich musste verinnerlichen und ausstrahlen "du bist sicher" . Selbst im Freilauf, wenn irgendwas blöd ist, schaut sie zu mir und versichert sich, ob ich entspannt bin und nichts blödes zu erwarten ist.

Bei euch heißt es eher "du kannst mir vertrauen, ich hab's im Griff". Den Weg dahin ???
 
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Alois
15. Juni 11:41
Aus meiner Sicht, ist Führung erst möglich wenn der Hundehalter aus Hundesicht einen gewissen Status erreicht hat!
Erst dann gibt eine wesensstarker Hund, Führung ab.
Der Status des Hundehalters baut auf Beziehung, Bindung, dem Bestreben nach Sicherheit, einen fairen Umgang, einer artgerechten Haltung, der Bedürfnisbefriedigung des Hundes sowie der mentalen Stärke des Hundehalters auf!
Ein hohes Maß an emotionaler Kompetenz ist unabdingbar!
Gelingt dies nicht, erkennt er den Hundehalter auch nicht an!
Leider erlernt der Hund, der aus seiner Sicht, aufgrund seiner Notlage oft über Jahre hinweg alles selber regeln muss, und dadurch auch deutlich überfordert ist, ein oft umfangreiches Sortiment an Fehlverhalten!
Die Verhaltensmuster sind oft gefestigt!
Für den Hund stellt Führung eine beachtliche Entlastung dar😊
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 12:06
Find schon, das ist auch n Stück weit wie mit dem Blocken. Man darf halt net eindrehen und dann wieder weitergehen sondern halt kurz halten und warten das der Hund auch Feedback gibt das ers gecheckt hat und dann eben auch respektiert. Setzt man an und der Hund geht direkt los oder brettert sogar rein dann wars nicht ordentlich durchgesetzt.
Da enden wir dann wieder in einem "Machtgerangel".

Wenn Nero an dem Punkt ist, an dem er beschließt nicht mitzumachen, dann kann ich ihn körperlich nicht mehr blockieren oder beeindrucken.
Er bleibt nicht stehen oder weicht zurück oder beschwichtigt, sondern drängt sich seitlich solange vorbei, bis er durchkommt.

Ich weiß nicht wie ich da meinen Nachdruck eskalieren kann, ohne bei Gewalt zu landen.

Das Spiel spielt er einfach besser als ich. Er kann sich extrem gut durchsetzen.

Da fehlt mir das "Standing" wie es so schön genannt wurde.
Noch mehr Begriffe, die so viel und gleichzeitig so wenig aussagen 😅.
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 12:12
Denke auch nicht das es ein Trainingsproblem ist sondern eher ein Beziehungs und Führungsproblem. Da er ja weniger Hüti mäßig sondern eher Schutz mäßig unterwegs ist vom Wesen her könnt ich mir vorstellen das diese eine Trainerin die auf HSH spezialisiert ist dir gut helfen könnte. Weiß nur nicht mehr wie sie heißt aber wurde im Forum ja oft erwähnt wenns um HSH Probleme ging, die sind vom Wesen her ja auch so wie er. Ansonsten eben immernoch Katrin Scholz, sie arbeitet über Soziales und Führung und ist sehr gut darin Verhaltensweisen usw zu verstehen und zu erklären.
Katrin Scholz wurde mir auch schon empfohlen.
Bzw die zwei Trainerinnen, die für sie arbeiten.
Hab kürzlich jemanden kennengelernt, der bei ihr die Hundetrainer Ausbildung gemacht hat. Für ihn ist sie die beste, vor allem wenn es um Schäferhunde geht.

Vielleicht kann sie mir mit meinem "Standing" helfen.
Jedoch bin ich mir nicht sicher, wie weit ich mich und meine Persönlichkeit ändern kann. Ich habe es durchaus schon versucht. Dass ich keine Führungskompetenz für strake Hundepersönlichkeiten habe höre ich natürlich nicht zum ersten Mal.

Hast du ihr Buch gelesen?