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Julia 🐾Nero
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heute 07:14

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
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Svenja
19. Juni 06:08
Das kann man auch wunderbar auf die Mensch-Hund-Beziehung übertragen 👌😅
Ja da sind auch verschiedene "Begriffe" emotional sehr unterschiedlich belegt, dessen sollte man sich bewusst sein 😁
Wieder mal ein Zeichen dafür, wie wichtig Flexibilität und beobachten und erkennen ist, anstatt an Methoden festzuhalten.
 
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Albertine
19. Juni 06:19
Das scheint bei Nero nicht der Fall zu sein, weil er in der Anfangsphase Reiz- und Schwierigkeitssteigerungen mitmacht. Ab dem Zeitpunkt, an dem er nicht mehr mitmacht, tut er das aber auch in reizarmer Umgebung nicht mehr. Also selbst da nicht, wo wir ursprünglich angefangen haben, tritt eine völlige "Verweigerung" ein.
Hast du schon mal von Thomas Baumann gehört? Er und seine Frau Ina haben auf Youtube einen Kanal, sie haben auch Bücher geschrieben und machen Seminare, Hundeschule usw.

Vielleicht braucht ihr eine Beziehungsreform o.ä. - nicht kooperativ zu sein könnte auch mit eurer Beziehung zu tun haben. Wie lange ist Nero schon bei dir?
 
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Julia 🐾Nero
19. Juni 06:20
Und was passiert eigentlich, wenn Nero vorne ist? Kontrolliert er einfach die Vorwärtsbewegung? Oder landet er irgendwo? Also möchte er vorne sein oder irgendwo hin?
Das habe ich glaube ich schon mal beantwortet.

Es ist nicht so, dass es ein klares Ziel gibt. Grundsätzlich will er vorne sein, egal ob 2, 5 oder 10 Meter. Mal rennt er zu einer Schnüffelstelle, mal stemmt er sich aber einfach in die Leine und zieht einfach gerade aus ohne Ziel. Wenn es richtig übel wird, dann fängt er an immer wieder reinzuspringen.
Manchmal kehrt er plötzlich um und rennt zurück, weil er in seinem "Wahn" vorwärts zu kommen etwas spannendes verpasst hat. Dabei nimmt er aber auch keinerlei Rücksicht auf mich, er rennt in mich rein, so dass ich oft stolpere und fast über ihn drüber falle.

Ich habe das immer als "er ist im Tunnel", er ist zu gestresst, zu erregt usw gesehen. Das ist keine Absicht usw.

Jetzt frage ich mich, ob das wirklich stimmt. Bitte nicht falsch verstehen, ich will keine altmodische Alpha Theorie und Weltherrschaft andeuten.
Aber wenn ich Katrins Gesten und Interpretationen folge, dann ist das durchaus Absicht oder zumindest extreme Rücksichtslosigkeit, mit der schon eine gewisse "Respektlosigkeit" bzw Beziehung ausgedrückt wird.
Für Hunde sei Individualdistanz ja sehr wichtig, sie überschreiten die des Gegenübers nicht einfach so und Nero rennt auch nicht gegen Bäume oder Laternen.

Es macht mich krass traurig, wenn ich es so sehe (da werde auch ich als Rationalist richtig emotional und könnte heulen, denn ich bemühe mich sehr um ihn). Ich komme besser damit zurecht, wenn es keine Absicht wäre, Stress und Erregung geschuldet usw.
Auf der anderen Seite kommen wir seit 3 Jahren nicht weiter. Daher ist ein Perspektivwechsel vielleicht angebracht.
 
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Lisa-Eileen
19. Juni 06:32
Das ist ein ganz häufig zu beobachtendes Phänomen. Ich begleite viele Leinenpöbler, die das aus Unsicherheit heraus tun und die Sicherheit und Energie des fremden Hundes spielt eine gewaltige Rolle dabei, wie stark die Reaktion ausfällt. Besonderes, wenn der andere Hund entspannt ist und gut geführt wird, fällt diese geringer aus oder die Hunde lösen gar nicht aus. Das gibt auch immer wieder einen Hinweis darauf, dass vielleicht das Vertrauen in die Kompetenz des eigenen Halters, am anderen Hund unbeschadet vorbei zu kommen, noch ein bisschen ausbaufähig ist.
Seh ich auch immer sehr oft.
Deswegen achte ich drauf das Rocket nicht rüber guckt, allein das bringt grad kleine Hunde schon zum ausrasten.
 
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Albertine
19. Juni 06:34
Ich muss dazu sagen, dass aber die letzte Methode überhaupt nicht mit Begrenzung gearbeitet hat. Lange Schleppleine, sobald der Hund von hinten aufholt und sich in richtiger Position befindet Marker und Belohnung. Das ist glaube ich aktuell so ziemlich die neuste Methode aus dem positiven Training Bereich. Und es ja auch geklappt! Bis er angefangen hat den Marker zu ignorieren und einfach an mir vorbeizurennen. Dabei war auch der Marker wirklich gut konditioniert. Aber eines Tages hat es ihn nicht mehr interessiert.
Das klingt jetzt gerade danach als sei er einfach überfordert, also die Aufmerksamkeitsspanne. Das würde heißen lieber kürzere Einheiten machen und zwischendurch die Stimmung auflockern und wieder auf die Beziehung achten. Und, mir fällt noch ein, vielleicht braucht er mehr soziale Nähe, das beschreibt/zeigt Baumann toll.

Also versuch mal: Drei vier Trainingseinheiten/-Vorgänge, dann Rückruf, also einfach dass er bei dir ist, und mit ihm hinhocken und richtig durchknuddeln, mit hoher Stimme loben usw. Am Anfang findet er das vielleicht komisch, aber bei meiner Maus hat es ganz viel gebracht an Vertrauen und Zugehörigkeit.
 
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Julia 🐾Nero
19. Juni 06:34
Also wenn ihr alle diese Karin gelesen habt, dann wird das auf alle Fälle mein nächstes 😄, muss das neue Reichmann eben warten. Was oft wichtig ist bei Hunden, ist, "die erlangte Aufmerksamkeit mit einer bekannten Handlungsanweisung zu beantworten". Also Beispiel, der Hund ist ein Katzentöter und will gerade einer nach. Er ist aber gut trainiert und du bekommst seine Aufmerksamkeit, er schaut dich an. Sagst du ihm nun nicht was er machen soll, wird er selbst entscheiden. Nicht alle, aber ich schätze Nero wäre so einer.
Ich glaube nicht, dass es dir gefallen wird.
Aber wenn du geduldig bist und noch eine Woche oder so wartest, dann kann ich dir mein Exemplar zum Lesen zuschicken.
 
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Julia 🐾Nero
19. Juni 06:45
Hast du schon mal von Thomas Baumann gehört? Er und seine Frau Ina haben auf Youtube einen Kanal, sie haben auch Bücher geschrieben und machen Seminare, Hundeschule usw. Vielleicht braucht ihr eine Beziehungsreform o.ä. - nicht kooperativ zu sein könnte auch mit eurer Beziehung zu tun haben. Wie lange ist Nero schon bei dir?
Ja ich kenne die Videos von Thomas Baumann.

Ich habe auch schon überlegt eine Verhaltensanalyse bei ihm zu buchen. Soweit ich informiert bin kostet die allerdings um die 400€ und mit Anreise usw muss das natürlich gut überlegt sein.
Wenn ich nicht schon bei unzähligen Trainern gewesen und Unsummen ausgeben hätte, dann würde ich da wegen dem Geld nicht zögern.

Allerdings summieren sich die Namen auf unserer "da waren wir schon" Liste und die Kosten dementsprechend auch.

Nero ist jetzt 3 Jahre bei mir.
 
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Lisa-Eileen
19. Juni 06:46
Total. Ich hab selbst die Erfahrung gemacht, dass der Fokus auf nur eine Ebene manchmal dazu führen kann, dass man den Hund in seinem Zustand ein Stück weit alleine lässt. Wenn ich ausschließlich auf „Führung“ schaue, übersehe ich unter Umständen, wie es dem Hund gerade geht, welche Erfahrungen er gemacht hat oder wie ansprechbar er überhaupt noch ist. Als ich gerade über deinen Begriff „Kompetenzen“ gestolpert bin, fühlte sich das für mich etwas greifbarer an. Nicht, weil ich mit dem Begriff Führung grundsätzlich ein Problem habe, sondern weil er sehr groß ist und evtl den Blick eher darauf lenkt, was fehlt oder nicht funktioniert. Bei Kompetenzen denke ich dagegen eher an Ressourcen, Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten, bei Hund und Mensch. Ich bin da beruflich vorgeschädigt und schaue oft nicht nur darauf, was gerade schiefläuft, sondern auch darauf, welche Kompetenzen Hund bereits mitbringt und woran wir gemeinsam anknüpfen können.😅
Aber als Führer hat man das ja doch alles im Blick oder versucht es zumindest.
Wenn man führt guckt man ja auch was und wie der Hund das braucht.
 
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Lisa-Eileen
19. Juni 06:48
Das ist oft das Hauptproblem, eine gemeinsame Sprache zu finden. Menschen sind da - wie du durch deinen Beruf - manchmal sehr sensibel. Eigentlich hätte man eine gute Chance, inhaltlich auf einen Nenner zu kommen, aber es hapert an Definitionen von Begriffen, weil die bei jedem anders emotional belegt sind.
Deswegen find ichs halt net gut ständig iwas umzubenennen nur weil irgendjemand es mal negativ belegt hat oder Vorurteile hat.
Besser ist es doch aufzuklären was etwas bedeutet und den Leuten eben aus ihrer Engstirnigkeit rauszuhelfen sich nicht an ihren Vorurteilen festzuklammern sondern Worte wieder als das sehen zu können was sie bedeuten.
 
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Julia 🐾Nero
19. Juni 06:55
Ok, da ist der erste Konflikt. Nero zieht an der Leine und Du lädst ihn zu Dir ein. Bei einer Einladung überträgt man die Entscheidung, ob man zur Party kommen möchte oder nicht. Dann sagst Du:" Wie, Du kommst nicht? Das geht so nicht.", und lässt eine Konsequenz folgen, indem Du ihn zu der Party ziehst. Und dann muss er sich auch noch auf der Party benehmen. Der Knackpunkt ist die Ansprache, wenn er zieht.
Wie soll die Ansprache deiner Meinung nach aussehen?