Ich würde gerne noch allgemein etwas über unsere gemeinsame Zeit berichten, weil ich zunehmend den Eindruck bekomme, dass da möglicherweise ein falscher Eindruck entsteht.
Ich habe das Gefühl, dass es so rüberkommt, als müsste Nero die ganze Zeit neben mir gehen, als würde ich ihn griesgrämig nur ignorieren und nie loben oder auch nur Anerkennung schenken. Als würden wir nie spielen oder albern oder laufen, springen und Spaß haben.
Das ist ganz und gar nicht der Fall. Vor allem in den ersten 1,5 Jahren ist auch Nero in einer "Lobeswolke" gelaufen, er wurde viel bestätigt, wir haben auch Klick for Blick gemacht und viel Wert auf Spaß auf dem Spaziergang gelegt, mit Spieleinheiten, Leckerlibäumen, Kuscheln, Wälzen usw usw. Er ist kein Hund, der zwei mal am Tag um den Block gehen muss. Wir sind immer in der Natur, fahren an den See, ich habe ihm Hobbys angeboten wie Longieren und Mantrailing und im Winter spielt er im Schnee, bis mir die Zehen abfrieren.
Zugegeben, jetzt aktuell bin ich schlecht gelaunt und Spiel, Spaß und Überraschung stehen nicht im Vordergrund.
Allerdings haben Spiel, Spaß und Lob auch nie grundlegend etwas an unseren Problemen verändert oder verbessert. Ja während man ihn aktiv bespaßt hat hat er sich gefreut und mitgemacht und wir hatten eine Gaudi und schöne Zeit. Aber keine Minute später sobald das Entertainment vorbei war, waren auch die Probleme wieder da.
Ich habe immer versucht Freunde für ihn zu finden, was aufgrund seines innerartlichen Verhaltens sehr schwierig war. Wir waren in Hundeschulen, bei Hundetrainern, hatten Gruppenstunden und Einzelstunden und sind jetzt im dritten Hundesportverein.
Ich werde mich aber bemühen dennoch wieder mehr Wert auf Spaß und schöne Momente zu legen, auch wenn mit gerade ganz ehrlich nicht danach ist.
Ich möchte an der Stelle auch sagen, dass ich wirklich total mitfühlen kann mit dem, was du beschreibst.
Und ich hoffe ehrlich gesagt, dass meine Beiträge nicht belehrend rüberkommen. Das sollen sie natürlich nicht- es sollen wirklich nur Erfahrungsberichte sein und Gedanken, die sich aus meinen eigenen Baustellen ergeben haben. Absolut nicht, weil ich glaube, die Lösung für Nero zu kennen oder den einen richtigen Weg zu haben.
Was ich sehr gut kenne, ist dieses Gefühl, schon unglaublich viel versucht zu haben und trotzdem nicht wirklich weiterzukommen. Und ich weiß auch, wie sehr sich dadurch irgendwann der Blick verengen kann. Bei mir war es zumindest so, dass ich zunehmend defizitorientiert geschaut habe: „es funktioniert nicht! Immernoch nicht! Was ist das nächste Problem? Warum klappt das nicht? Wer ist das Problem? Ich kann es nicht! Er passt nicht - wir passen nicht!“
Und das hat logischerweise viel mit meiner eigenen Haltung gemacht.
Dagegen passt heute zwischen uns kein Blatt😅
Mir ist dieses Gefühl, den Hund verstehen zu können, inzwischen so wichtig geworden. Dadurch verschwinden die Probleme nicht, aber es lässt wieder mehr Gemeinsamkeit entstehen.
Und wenn ich lese, was ihr alles gemeinsam erlebt, ausprobiert und investiert habt, dann habe ich überhaupt nicht den Eindruck, dass euch diese Gemeinsamkeit fehlt - eher, dass ihr euch in manchen Themen festgefahren habt und darunter beide leidet.
Deshalb würde ich dir tatsächlich wünschen, jemanden an der Seite zu haben, der nicht einfach eine Methode über euch stülpt, sondern eure gemeinsame Geschichte würdigt. Jemanden, der mit dir beobachtet, Hypothesen entwickelt, auch mal eine Hypothese wieder verwirft und gemeinsam mit dir herausarbeitet, was auf Nero und euch als Team tatsächlich zutrifft.
Einfach jemanden, bei dem du das Gefühl hast, abgeholt zu werden und mit deinen Fragen nicht allein zu sein. Das würde ich dir wirklich wünschen.