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Julia 🐾Nero
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heute 08:19

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
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SandrA
19. Juni 05:12
Ohne Frage spielen verschiedene Ebenen eine Rolle.
Total.

Ich hab selbst die Erfahrung gemacht, dass der Fokus auf nur eine Ebene manchmal dazu führen kann, dass man den Hund in seinem Zustand ein Stück weit alleine lässt. Wenn ich ausschließlich auf „Führung“ schaue, übersehe ich unter Umständen, wie es dem Hund gerade geht, welche Erfahrungen er gemacht hat oder wie ansprechbar er überhaupt noch ist.

Als ich gerade über deinen Begriff „Kompetenzen“ gestolpert bin, fühlte sich das für mich etwas greifbarer an.
Nicht, weil ich mit dem Begriff Führung grundsätzlich ein Problem habe, sondern weil er sehr groß ist und evtl den Blick eher darauf lenkt, was fehlt oder nicht funktioniert. Bei Kompetenzen denke ich dagegen eher an Ressourcen, Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten, bei Hund und Mensch.

Ich bin da beruflich vorgeschädigt und schaue oft nicht nur darauf, was gerade schiefläuft, sondern auch darauf, welche Kompetenzen Hund bereits mitbringt und woran wir gemeinsam anknüpfen können.😅
 
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Svenja
19. Juni 05:16
Total. Ich hab selbst die Erfahrung gemacht, dass der Fokus auf nur eine Ebene manchmal dazu führen kann, dass man den Hund in seinem Zustand ein Stück weit alleine lässt. Wenn ich ausschließlich auf „Führung“ schaue, übersehe ich unter Umständen, wie es dem Hund gerade geht, welche Erfahrungen er gemacht hat oder wie ansprechbar er überhaupt noch ist. Als ich gerade über deinen Begriff „Kompetenzen“ gestolpert bin, fühlte sich das für mich etwas greifbarer an. Nicht, weil ich mit dem Begriff Führung grundsätzlich ein Problem habe, sondern weil er sehr groß ist und evtl den Blick eher darauf lenkt, was fehlt oder nicht funktioniert. Bei Kompetenzen denke ich dagegen eher an Ressourcen, Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten, bei Hund und Mensch. Ich bin da beruflich vorgeschädigt und schaue oft nicht nur darauf, was gerade schiefläuft, sondern auch darauf, welche Kompetenzen Hund bereits mitbringt und woran wir gemeinsam anknüpfen können.😅
Das ist oft das Hauptproblem, eine gemeinsame Sprache zu finden.
Menschen sind da - wie du durch deinen Beruf - manchmal sehr sensibel.
Eigentlich hätte man eine gute Chance, inhaltlich auf einen Nenner zu kommen, aber es hapert an Definitionen von Begriffen, weil die bei jedem anders emotional belegt sind.
 
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Svenja
19. Juni 05:23
Also wenn ihr alle diese Karin gelesen habt, dann wird das auf alle Fälle mein nächstes 😄, muss das neue Reichmann eben warten. Was oft wichtig ist bei Hunden, ist, "die erlangte Aufmerksamkeit mit einer bekannten Handlungsanweisung zu beantworten". Also Beispiel, der Hund ist ein Katzentöter und will gerade einer nach. Er ist aber gut trainiert und du bekommst seine Aufmerksamkeit, er schaut dich an. Sagst du ihm nun nicht was er machen soll, wird er selbst entscheiden. Nicht alle, aber ich schätze Nero wäre so einer.
Man muss gut zwischen den Zeilen lesen und Begriffe nicht zu stur interpretieren, finde ich. Und sich klar machen, dass es Hundepersönlichkeiten gibt, die man selber noch nicht kennengelernt hat...
Ein Beispiel, wo ich vorgestern wieder an sie und ihr Buch denken musste:
Ich komme mit fünf Hunden an der Leine zu einem Treffen mit einem 2-jährigen, großen, pubertierenden Rüden, der viel mit seiner Halterin diskutiert hat, sie dabei angesprungen, gerammelt und begrenzt hat.

Um mein Kompetenzpunktekonto nochmal gut zu füllen, bevor ich fünf Hunde in den Freilauf lasse, fordere ich ein, dass sie mich nicht überholen. Drei Hunde korrigiere ich dafür, für einen reicht stehen bleiben, zwei weitere schiebe ich hinter meine imaginäre Linie zurück. Der Rüde, auf den wir zulaufen, beobachtet mich. Er steht vor seiner Halterin.
Meine fünf nehmen meine Ansage an und laufen locker neben mir. Ich komme an und leine ab, da rennt der junge Rüde auf mich zu und springt mir in den Bauch, so dass ich rückwärts taumele.
Das war sicher kein: hallo, schön dass du da bist, ich freu mich so! 😏
 
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Steffi
19. Juni 05:26
Also wenn ihr alle diese Karin gelesen habt, dann wird das auf alle Fälle mein nächstes 😄, muss das neue Reichmann eben warten. Was oft wichtig ist bei Hunden, ist, "die erlangte Aufmerksamkeit mit einer bekannten Handlungsanweisung zu beantworten". Also Beispiel, der Hund ist ein Katzentöter und will gerade einer nach. Er ist aber gut trainiert und du bekommst seine Aufmerksamkeit, er schaut dich an. Sagst du ihm nun nicht was er machen soll, wird er selbst entscheiden. Nicht alle, aber ich schätze Nero wäre so einer.
Hey Jochen, ich hab das Buch jetzt hier liegen, nach dem ersten Reinlesen gehe ich davon aus, dass sich die Ansätze sehr von Ulli-Weg unterscheiden, bzw. ein anderer Weg beschritten wird. Aber mal sehen, vielleicht ist etwas für meine 'Toolbox' dabei.
 
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Babs
19. Juni 05:33
Das ist oft das Hauptproblem, eine gemeinsame Sprache zu finden. Menschen sind da - wie du durch deinen Beruf - manchmal sehr sensibel. Eigentlich hätte man eine gute Chance, inhaltlich auf einen Nenner zu kommen, aber es hapert an Definitionen von Begriffen, weil die bei jedem anders emotional belegt sind.
Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Das zweite Thema ist das "Timing". "Wann" belohne ich, wann korrigiere und dann noch das "Wie". Wie belohne ich, wie korrigiere ich.

Im Rahmen der Leinenführigkeit wird gerne dann belohnt, wenn man die unangenehme Situation hinter sich gelassen hat. Die Belohnung kommt dann in der entspannten Situation: Der Mensch freut sich und entspannt endlich." Was lernt der Hund? Wir müssen schnell durch die Situation, damit mein Mensch sich freuen und entspannen kann. Wer dann noch mit Leckerchen arbeitet, verstärkt noch mal das Gefühl des Menschen nach der unangenehmen Situation. Schnell hat man dann einen ziehenden Hund. Wir Menschen denken dann:" Die Situation ist meinem Hund unangenehm, deswegen müssen wir da schnell durch." Ein gegenseitiges Missverständnis und emotionales Hochfahren.

Auch für eine Korrektur gilt ja, was korrigiere ich gerade tatsächlich? Bin ich wirklich IN der Situation? Ist meine Korrektur fair?

Das Wort "Korrektur" ist negativ behaftet. Letztendlich ist es aus meiner Sicht nichts anderes als:" Hey, lass den Blödsinn sein.", wenn man normal mit seinem Hund kommuniziert und nicht überreagiert. Was "normal" ist, legt der Hund fest.
 
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SandrA
19. Juni 05:45
Also wenn ihr alle diese Karin gelesen habt, dann wird das auf alle Fälle mein nächstes 😄, muss das neue Reichmann eben warten. Was oft wichtig ist bei Hunden, ist, "die erlangte Aufmerksamkeit mit einer bekannten Handlungsanweisung zu beantworten". Also Beispiel, der Hund ist ein Katzentöter und will gerade einer nach. Er ist aber gut trainiert und du bekommst seine Aufmerksamkeit, er schaut dich an. Sagst du ihm nun nicht was er machen soll, wird er selbst entscheiden. Nicht alle, aber ich schätze Nero wäre so einer.
Sehr schöner Punkt😅
Neo würde auch übernehmen - aber ich vermute aus einer anderen Motivation heraus als Nero (witzig, dass die Namen so ähnlich sind😂).
Bei Neo geht es darum, seine Haut zu retten und das im wahrsten Sinne (Lerngeschichte). In dieser Situation gegen ihn zu arbeiten - was ich früher getan habe - beeinträchtigt und schädigt das Vertrauen massiv. Damals habe ich mit Korrekturen gearbeitet, weil Umrichten bei 30 kg einfach keine schöne Sache ist und man möchte sie schon möglichst schnell abstellen. Hinzu kommen ernste Sorgen, denn es lebt ein Kind im Haus.
Seit ich aber die Ebenen klar habe, auch in was für einem inneren Zustand Neo überhaupt ist und was ihn antreibt, kann ich auch adäquater auf ihn reagieren. Er adressiert das indem er mir zunehmend vertraut, mich anfragt und meinem Plan folgt.
Dasselbe Vorgehen bei einem anderen Hund führt aber womöglich nicht zu dem selben Ergebnis. Das erlebe ich gerade mit Ivy😅
 
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Babs
19. Juni 05:55
Sehr schöner Punkt😅 Neo würde auch übernehmen - aber ich vermute aus einer anderen Motivation heraus als Nero (witzig, dass die Namen so ähnlich sind😂). Bei Neo geht es darum, seine Haut zu retten und das im wahrsten Sinne (Lerngeschichte). In dieser Situation gegen ihn zu arbeiten - was ich früher getan habe - beeinträchtigt und schädigt das Vertrauen massiv. Damals habe ich mit Korrekturen gearbeitet, weil Umrichten bei 30 kg einfach keine schöne Sache ist und man möchte sie schon möglichst schnell abstellen. Hinzu kommen ernste Sorgen, denn es lebt ein Kind im Haus. Seit ich aber die Ebenen klar habe, auch in was für einem inneren Zustand Neo überhaupt ist und was ihn antreibt, kann ich auch adäquater auf ihn reagieren. Er adressiert das indem er mir zunehmend vertraut, mich anfragt und meinem Plan folgt. Dasselbe Vorgehen bei einem anderen Hund führt aber womöglich nicht zu dem selben Ergebnis. Das erlebe ich gerade mit Ivy😅
Du hast einen ganz wichtigen Satz geschrieben:" Gegen ihn arbeitete..."

Dieses Gefühl ruft ja gerade Konflikte herbei (Machtkämpfe aus Sicht des HF).

Seit dem Du Dein Verhalten in "ich verstehe Dich" geändert hast, läuft es ja viel besser. Und dieses Gefühl wünsche ich vielen Hundeführern.
 
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Svenja
19. Juni 05:57
Du hast einen ganz wichtigen Satz geschrieben:" Gegen ihn arbeitete..." Dieses Gefühl ruft ja gerade Konflikte herbei (Machtkämpfe aus Sicht des HF). Seit dem Du Dein Verhalten in "ich verstehe Dich" geändert hast, läuft es ja viel besser. Und dieses Gefühl wünsche ich vielen Hundeführern.
Vor allem, dass man diese Konflikte nicht als Kampf, sondern Kommunikation verstehen darf, in der immer der klügere gewinnt und nicht der lauteste.
 
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SandrA
19. Juni 06:00
Du hast einen ganz wichtigen Satz geschrieben:" Gegen ihn arbeitete..." Dieses Gefühl ruft ja gerade Konflikte herbei (Machtkämpfe aus Sicht des HF). Seit dem Du Dein Verhalten in "ich verstehe Dich" geändert hast, läuft es ja viel besser. Und dieses Gefühl wünsche ich vielen Hundeführern.
Ganz genau und dadurch bin auch authentisch in meiner Haltung.
Ich brauche keine „Führerrolle“ einnehmen, die mir vielleicht gar nicht liegt, sondern weiß um wen und was es geht und habe einen richtig guten Plan.☝️
 
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SandrA
19. Juni 06:03
Das ist oft das Hauptproblem, eine gemeinsame Sprache zu finden. Menschen sind da - wie du durch deinen Beruf - manchmal sehr sensibel. Eigentlich hätte man eine gute Chance, inhaltlich auf einen Nenner zu kommen, aber es hapert an Definitionen von Begriffen, weil die bei jedem anders emotional belegt sind.
Das kann man auch wunderbar auf die Mensch-Hund-Beziehung übertragen 👌😅