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Marie-Christin
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heute 00:21

Gefährliche Hundebegegnungen

Hallo zusammen, ich möchte mich gern zum Thema Hundebegegnungen, speziell mit kleinen Hunden, austauschen und hoffe auf eure Erfahrungen. Wir haben einen Cocker Spaniel, fast 1 Jahr alt. Leider hatten wir inzwischen zwei extrem negative und gefährliche Hundebegegnungen. In beiden Fällen sind deutlich größere Hunde unangeleint auf unseren Hund zugerannt und wollten ihn tatsächlich beißen. Bei einer Situation musste mein Mann sogar körperlich eingreifen, weil wir sonst ernsthaft Angst hatten, unseren Hund zu verlieren. Was mich besonders schockiert: Die Halter rufen ihre Hunde zwar teilweise zurück, aber die Hunde reagieren nicht – oder die Situation wird von den Haltern nicht ernst genommen. Statt einzugreifen, wird gelacht oder relativiert, obwohl ein kleiner Hund dabei real in Gefahr ist. Seitdem bin ich ehrlich gesagt sehr verunsichert, vor allem wenn ich alleine mit unserem Hund unterwegs bin. Ich frage mich zunehmend: • Wie schützt ihr kleine Hunde in solchen Situationen? • Gibt es Strategien, um Begegnungen frühzeitig zu entschärfen? • Hebt ihr eure Hunde hoch oder ist das eher kontraproduktiv? • Nutzt jemand Hilfsmittel (z. B. Schleppleine, Abwehrspray, bestimmte Trainingsmethoden)? • Wie setzt ihr euch gegenüber uneinsichtigen Hundehaltern durch?
 
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Babs
8. Jan. 10:45
Es gibt aber leider auch Hunde, die erst auf Deeskalation und Rückzug hin angreifen. Wie immer gibt es keine pauschale Lösung, auch wenn es unser Leben einfacher machen würde.
Da bin ich voll bei Dir. Ich hatte die Deeskalation in meinem Kommentar auf Ingos Hund bezogen.

Ich denke aber allgemein, dass, wenn man sich mit dem Thema intensiv auseinander gesetzt, man ein großes Lösungsrepertoire und man an sich selber gearbeitet hat, sich extrem die Chance erhöht, Gefahren abzuwehren. Ich bin auch ein Fan davon, Situationen zu trainieren, sodass man einiges schon aus dem Instinkt und generalisierten Verhaltensweisen (z. B. tief durchatmen, den eigenen Hund über ein klares und nicht zu diskutierendes Kommando abzusichern ... ) heraus managen kann, um in der Lage zu sein, IN der Situation eine Entscheidung treffen zu können. Natürlich kann auch dann noch immer etwas unvorhergesehenes passieren, aber wenn ich überhaupt nicht weiß, was ich tun könnte, ist die Ausgangsposition sehr schlecht.

Ich selber musste an mir arbeiten und Wege finden, in denen ich in blöden Situationen noch klar denken kann. Meine persönlichen Rituale: Durchatmen, meinen Hund absichern (eine Sorge weniger), in die Situation begeben. Das ist bei mir ein automatisierter Ablauf. Erst mal eine bekannte Situation (Einleitung) schaffen. Aber das muss man, zumindest musste ich es, trainieren. Angepasst an meinen sehr energetischen Hund.

Sich nur auf ein vorgegebenes Schema zu verlassen ist blauäugig. Aktive Vorbereitung ist hingegen die halbe Miete.
 
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Julia 🐾Nero
8. Jan. 10:51
Was hat der Jäger gemacht? So ein Erlebnis hatte ich auch schon. Meine Labradorhündin, damals 2 Jahre alt, hat mit einer übermotivierten 1-jährigen Labradorhündin gespielt. Wie immer bei Labradoren alles ziemlich olver. Ich habe dann bemerkt, dass es beginnt meine Hündin zu nerven. Plötzlich Riesengeschrei und es sah für mich zuerst so aus als würde mein Hund den anderen alle machen. Ich könnte die HH beruhigen, das es keine Beiserei ist. Die jüngere Hündin wurde unterworfen, und ist bedudelt zu ihrem Frauchen gelaufen. Die meine hat sich beleidigt hinter mich gestellt und wollte mit der anderen nicht mehr spielen. Alles gut gegangen. Aber der ersten Moment war schon ein Schreckmoment.
Er ist mit dem Jeep quasi in uns reingefahren. Also ich hatte ja vergeblich versucht die Hunde zu trennen, was mir bis dahin immer gelungen ist, auch bei viel größeren Hunden, aber da hatte ich keine Chance. Ich dachte echt die hören erst auf, wenn einer tot ist (umso verrückter, dass am Ende keiner wirklich verletzt war).

Seinen eigenen Hund hat er dabei auch leicht gestreift. Dieser ist daraufhin weggelaufen. Ich weiß nicht wo und wie er ihn wieder gefunden hat. Er ist auch länger erst mal bei uns geblieben, um zu schauen, ob Nero verletzt war und um sich zu entschuldigen. Von seinem Hund war die ganze Zeit keine Spur.

Wäre er nicht rechtzeitig zum Stehen gekommen hätte er mich samt Hunden umgefahren. Aber ich denke das war einfach so eine Übersprungshandlung auf seiner Seite.

PS: für ein paar Wochen nach dem Vorfall durfte der Hund nicht mehr dem Jeep hinterher laufen, sondern saß immer auf dem Beifahrersitz. Danach lief er wieder frei, hat wieder seinen bombenfesten Rückruf und ich habe kein Problem damit. Kein Hund muss wegen einem Fehler lebenslang an der Leine bleiben.
 
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Babs
8. Jan. 10:54
Ja, es wäre auf jeden Fall richtig bei meinem Hund. Mein Hund würde aber nur bei wirklicher Gefahr so reagieren. Nur habe ich keine Ahnung, wie so ein Hund reagiert, wenn er nicht erzogen und sozialisiert worden ist. Hunde mit einem ausgeprägten Wach und Schutztrieb sind keine Seltenheit.
Das meinte ich in meinem Kommentar mit: Körpersprachliche Bedrohung, wie das Blocken, kann ein Wehrverhalten auslösen. Darüber muss man sich im Klaren sein. Es ist nicht grundlegend falsch, sondern die Dosierung macht es. Ich kann warnen bishin zu aggressiv werden. Dazwischen liegt eine große Bandbreite. Wenn ein deeskalierendes Verhalten bereits Früchte trägt, brauche ich nicht mehr drohen. Aber wenn man mit sich selber ehrlich ist, kann ein deeskalierendes Verhalten zu einer Herausforderung werden.
 
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Oliver
8. Jan. 11:01
Er ist mit dem Jeep quasi in uns reingefahren. Also ich hatte ja vergeblich versucht die Hunde zu trennen, was mir bis dahin immer gelungen ist, auch bei viel größeren Hunden, aber da hatte ich keine Chance. Ich dachte echt die hören erst auf, wenn einer tot ist (umso verrückter, dass am Ende keiner wirklich verletzt war). Seinen eigenen Hund hat er dabei auch leicht gestreift. Dieser ist daraufhin weggelaufen. Ich weiß nicht wo und wie er ihn wieder gefunden hat. Er ist auch länger erst mal bei uns geblieben, um zu schauen, ob Nero verletzt war und um sich zu entschuldigen. Von seinem Hund war die ganze Zeit keine Spur. Wäre er nicht rechtzeitig zum Stehen gekommen hätte er mich samt Hunden umgefahren. Aber ich denke das war einfach so eine Übersprungshandlung auf seiner Seite. PS: für ein paar Wochen nach dem Vorfall durfte der Hund nicht mehr dem Jeep hinterher laufen, sondern saß immer auf dem Beifahrersitz. Danach lief er wieder frei, hat wieder seinen bombenfesten Rückruf und ich habe kein Problem damit. Kein Hund muss wegen einem Fehler lebenslang an der Leine bleiben.
Da kann ich nur sagen, Gott sei Dank ist Dir und den Hunden nichts passiert. Aber hier auch wieder das Verhalten des anderen Hundehalter was gefährlich und nicht wirklich souverän beherrscht war. Da hätte viel passieren können.
 
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Julia 🐾Nero
8. Jan. 11:07
Da kann ich nur sagen, Gott sei Dank ist Dir und den Hunden nichts passiert. Aber hier auch wieder das Verhalten des anderen Hundehalter was gefährlich und nicht wirklich souverän beherrscht war. Da hätte viel passieren können.
Wir sind Menschen und reagieren nicht immer rational oder wie wir es uns im Training zurecht gelegt haben.

Der ist sicher auch nicht aus dem Haus und hat sich gedacht, heute ist der Tag, an dem mein top ausgebildeter Hund mir den Stinkefinger zeigt und zum Berserker mutiert. Und dann teste ich mal, wie gut meine Bremsen auf unbefestigtem Gelände funktionieren 😅.
 
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Sebbi
8. Jan. 11:11
Das heißt, Du bist in der Lage und befähigt mit einem bissigen Hund "ins Gefecht zu gehen". Im Zweifel auch gebissen zu werden. Es gibt dazu die unterschiedlichsten Meinungen von HH und HTrainern. Nicht das ich missverstanden werde, ich finde es nicht toll einen Hund anzugreifen, aber im Zweifel meinen Hund zu schützen...als letzte Option... Wie weit kann man gehen um seinen Hund zu schützen, wenn man nicht mehr die Wahl hat und der andere HH nicht in der Lage ist mit der Situation umzugehen. Wie gesagt, ich finde es nicht toll gegen einen Hund gewalttätig vorzugehen, da ich mir im Klaren bin, dass wenn es ein Poblem mit einem Hund gibt es mit fast immer am HH liegt. Ich war noch nie in einer schwierigen Situation - Vorsicht ist besser als Nachsicht hat bis jetzt funktioniert.
Wenn du siehst, dass dein Hund chancenlos ist, sich nicht selbst aus einer Attacke befreien kann und vor Schmerzen schreit, schaust du nicht zu.
Dann interessiert dich nichts mehr – auch nicht die Gefahr, die für dich selbst besteht. Ob du dazu in der Lage oder befähigt bist, erst recht nicht.
Du stehst ihm mit Leib und Seele bei.
Ich würde bis zum Äußersten gehen!

Sebbi wurde geklammert und ich war im Krankenhaus und sollte da bleiben.

Ich würde immer wieder so handeln. Mein Junge kann sich da absolut auf mich verlassen. ☝🏼
 
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Yvonne
8. Jan. 11:19
Das ist Gott sei Dank richtig. Aber auch hier kann etwas schief gehen. Habe dadurch, dass ich meinen Hund damals, der mit Maulkorb und Leine geführt wurde und dem anderen einfach nur mitgeteilt hat, dass ein direkter Kontakt nicht gewünscht ist probiert zu schützen. Ich bemerkte, dass der andere dies nicht akzeptieren wollte. Hierbei habe ich meinen hinter mich gezogen um den anderen zu blocken. Danach hatte ich das Loch im Bein, weil ich einfach für den anderen Hund im Weg stand. Das Witzigste dabei war, daß für die Besitzerin natürlich mein Hund schuld war, der ja "angefangen" hat. Das ich ihr vorher mitgeteilt hatte, dass mein Hund keinen direkten Kontakt wünscht, aber kein Problem hat, wenn Abstand gehalten wird und noch dazu mit Maulkorb und Leine gesichert war, hat die gute Frau natürlich nicht interessiert. Im übrigen gibt es auch hin und wieder Hunde, die auf diese ganzen Tut nixe gar nicht gut zu sprechen sind. Z.B. durch die Erfahrungen, an der Leine einfach nur ausgeliefert zu sein, ihre Besitzer attackieren, die probieren ihren Hund bei sich zu behalten in dieser Stresssituationen. Für diese ganzen Vollpfosten die nicht in der Lage sind ne Leine zu nutzen, wenn ihnen ein anderer angeleinter Hund entgegen kommt, sollte man vielleicht ne App erfinden, die Ihnen den schweren Schritt der Karabinernutzung ermöglicht.
Es kann immer etwas schief gehen, darüber sollte sich jeder im Klaren sein.
Ich kann auch nur aus meiner Erfahrung heraus sprechen und ich hatte noch keine Probleme, Hunde zu stoppen, bzw. daran zu hindern, ungebremst in meine Gruppe zu rasen, wenn ich das früh genug mitbekomme.

Anders verhält es sich, und das hatte ich auch schon öfter, wenn diese Hunde von hinten in uns rein brettern.
Das ist dann richtig blöd, weil ich/wir dann überrumpelt werden.
Hier sind es dann meine beiden eigenen Hunde, die „regeln“.
Ich möchte das im Normalfall nicht, dass die das regeln, aber da habe ich dann keine Wahl.
Hier kann ich dann nur Einfluss nehmen, in dem ich meine Hunde zurückrufe. Das klappt Gottseidank zuverlässig.

Hier muss ich auch sagen, dass ich in solchen Momenten froh bin, wenn meine Hunde nicht angeleint sind. Das gäbe sonst aufgrund des eingeschränkten Bewegungsradius richtige Probleme und wahrscheinlich auch Verletzungen seitens der Hunde.

Ich spreche bei diesen Situationen auch nur von Momenten, die ich mit einer größeren Hundegruppe von 4-6 Hunden erlebe, nicht von Momenten, wenn ich nur mit meinen zwei Hunden unterwegs bin.
Mit meinen zwei Hunden alleine, habe ich solche Situationen noch nicht gehabt.
 
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Anja
8. Jan. 11:24
Das Dumme ist halt auch: Oft haben Halter überhaupt keine Ahnung von Hunden – geschweige denn von ihrem eigenen. Als Sebbi letztes Jahr mit dem Nacken im Gebiss eines Amstaffs klemmte, wollte der Halter seinen Amstaff am Geschirr wegziehen. 🙄 Danach wollte er seinem Hund das Maul öffnen. 🙄 Eine geschleuderte Leine oder eine Schreckschusswaffe hätten da vermutlich wenig geholfen. Das war übrigens dessen dritte Beißattacke. Ich musste das auch melden (Anzeige). Der Hund war immer noch nicht gemeldet. Haftpflicht und Impfung waren auch noch keine vorhanden. Erst letztens wurde mir mitgeteilt, dass Halter und Hund noch glücklich zusammenleben.
Glücklich zusammenleben heißt: Keine Auflagen (Maulkorb etc.)?
 
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Yvonne
8. Jan. 11:26
Da bin ich voll bei Dir. Ich hatte die Deeskalation in meinem Kommentar auf Ingos Hund bezogen. Ich denke aber allgemein, dass, wenn man sich mit dem Thema intensiv auseinander gesetzt, man ein großes Lösungsrepertoire und man an sich selber gearbeitet hat, sich extrem die Chance erhöht, Gefahren abzuwehren. Ich bin auch ein Fan davon, Situationen zu trainieren, sodass man einiges schon aus dem Instinkt und generalisierten Verhaltensweisen (z. B. tief durchatmen, den eigenen Hund über ein klares und nicht zu diskutierendes Kommando abzusichern ... ) heraus managen kann, um in der Lage zu sein, IN der Situation eine Entscheidung treffen zu können. Natürlich kann auch dann noch immer etwas unvorhergesehenes passieren, aber wenn ich überhaupt nicht weiß, was ich tun könnte, ist die Ausgangsposition sehr schlecht. Ich selber musste an mir arbeiten und Wege finden, in denen ich in blöden Situationen noch klar denken kann. Meine persönlichen Rituale: Durchatmen, meinen Hund absichern (eine Sorge weniger), in die Situation begeben. Das ist bei mir ein automatisierter Ablauf. Erst mal eine bekannte Situation (Einleitung) schaffen. Aber das muss man, zumindest musste ich es, trainieren. Angepasst an meinen sehr energetischen Hund. Sich nur auf ein vorgegebenes Schema zu verlassen ist blauäugig. Aktive Vorbereitung ist hingegen die halbe Miete.
Training schafft Sicherheit im Tun und hilft ungemein dabei ruhig zu bleiben.
Ruhig bleiben ist beim Umgang mit Hunden, egal ob eigene oder fremde Hunde, meiner Meinung nach das Wichtigste.
 
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Ingo
8. Jan. 11:29
Das meinte ich in meinem Kommentar mit: Körpersprachliche Bedrohung, wie das Blocken, kann ein Wehrverhalten auslösen. Darüber muss man sich im Klaren sein. Es ist nicht grundlegend falsch, sondern die Dosierung macht es. Ich kann warnen bishin zu aggressiv werden. Dazwischen liegt eine große Bandbreite. Wenn ein deeskalierendes Verhalten bereits Früchte trägt, brauche ich nicht mehr drohen. Aber wenn man mit sich selber ehrlich ist, kann ein deeskalierendes Verhalten zu einer Herausforderung werden.
Ich kann deinen Beitrag schon verstehen. Eine Lösung für alles gibt es nicht. Nicht jeder Hund ist gleich vom Wesen und der Rasse her. Mein Hund würde nach einem Angriff zur Verteidigung in die Verteidigung gehen. Da wäre deeskalierend richtig. Aber nicht jeder Hund reagiert so. Es wird auch Hunde geben, die kein Ende finden.