Wenn ein Hund - und dazu noch ein großer - wirklich mit Beschädigungsabsicht auf deinen Hund losgeht, dann bringt ein Ast herzlich wenig. Im Zweifel macht der alles nur noch schlimmer!
Wenn ein Hund eine Scheinattacke startet, weil er ungestüm, unerfahren, unsicher oder einfach jung und doof ist, ist eine bewaffnete Attacke verheerend. Auch für den eigenen Hund, der im Zweifel auch einen mitkriegt und obendrein mindestens miterlebt, wie die Führung die Fassung verliert.
Nochmal der Appell, sich darin zu üben „Save Zones“ zu etablieren und zu behaupten.
Stehe ich souverän und mit deutlicher Haltung vor meinen Hunden, bricht ein pöbeliger, vogelfreier Doofhans sein widriges Ansinnen ab und kommt gar nicht näher an uns heran.
Da würde ich dir beipflichten und noch einen Aspekt einwerfen, der häufig nicht bedacht wird.
Wenn man mit so massiver Gewalt und Schreckreizen ungestüme, doofe Junghunde konfrontiert, kann man sich ganz schnell wirklich gefährliche Hunde in der eigenen Umgebung schaffen.
Nero war nämlich so ein ungestümer Junghund, der mal an der Leine gebellt hat oder auf andere Hunde zugerannt ist, um dann in 3 oder 4 Meter Abstand abzubremsen, die 2 Mal anzubellen und dann wieder abzuhauen.
Dann haben Leute ohne Vorwarnung zwei Blechdosen mit Steinen oder Nägeln nach ihm geworfen, als er völlig unaufgeregt auf ihre 3 großen Hovawarts zugetrabbt ist.
Nero hat sich dermaßen erschreckt, dass er tatsächlich weg gelaufen ist und ich Mühe hatte ihn einzufangen. Da haben die Leute noch gelacht und meinten sowas wie, sie hätten nicht gedacht, dass das so gut funktioniert. Die Hovawarts waren übrigens weder durch den sich annähernden Nero, noch durch den starken Lärm beeindruckt.
Da ist aber bei Nero der Schalter gekippt von ungestümen Junghund, der andere Hunde mal mit Abstand anbellt, zu einem wirklich aggressiven Hund, der Hunde tatsächlich mit Körperkontakt angreift.
Er wird den für ihn starken negativen Reiz mit den Hunden assoziiert haben und sieht sie seitdem als ernsthafte Gefahr.
Natürlich ist die Situation der TE anders und ich sage auch nicht, dass man seinen Hund, ob groß oder klein nicht schützen soll. Aber wenn es blöd läuft begegnet man dem gleichen Hund wieder und der hat den eigenen Hund ganz sicher nicht vergessen. So war die erste Begegnung vielleicht eine Scheinattacke, die nächste womöglich aber nicht mehr.
Nero war in wirklich viele Konflikte mit Körperkontakt verwickelt. Zur schlimmsten Zeit wurde er 2 mal die Woche "angegriffen". Im Nachhinein waren aber bis auf 1 oder maximal 2 Auseinandersetzung alle "harmlos", laute Rangeleien, Kommentkämpfe oder Prügeleien unter Rüden, die sehr schlimm aussahen, es aber nicht waren.
Hunde, die tatsächlich schädigen oder wie hier geschrieben töten wollen, sind in der Regel lautlos und fokussiert. Ein bellender Labbi, der auf einen zurennt sieht sicher subjektiv gefährlich aus, ist es aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht, selbst wenn es zum Kontakt kommt.
Ich kann aber absolut nachvollziehen, dass solche Situation für Halter mit kleinen Hunden noch mal besonders schlimm erscheinen, auch wenn es unabhängig von Körpergröße für alle scheiße ist.
Man sollte dennoch mit übereifrigem und unverhältnismäßigem Aktionismus vorsichtig sein. Nicht nur, weil man die abgeschossenen, gekickten und erschreckten Hunde beeinflusst und sich damit selber mehr Problemhunde in der Umgebung schafft, sondern wie du sagst, auch den eigenen. Denn wenn der eigene Hund noch keine Angst vor Fremdhunden hatte, dann nach solchen Aktionen ganz bestimmt.