Home / Forum / Verhalten & Psychologie / "Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Verfasser
Dogorama-Mitglied
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 1465
heute 14:51

"Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Hallo ihr Lieben :) Ich habe kürzlich o.g. Buch verschlungen und gleich begeistert mit dem dort aufgeführten Training begonnen. Für alle, die es nicht kennen: Es geht darum gemeinsam mit seinem Hund die Welt zu entdecken und Spuren zu suchen etc.. Quasi ein Leitfaden, wie man dem Hund zeigt nicht mehr alleine jagen zu gehen, sondern voller Freude zu kooperieren. Ich bin nun unendlich begeistert, weil erste (auch unerwartete) Erfolge schon in wenigen Tagen sichtbar wurden und wollte nun mal fragen, ob noch jemand inspiriert von diesen Methoden mit seinem Hund die Welt erkundet? Würde mich über einen Erfahrungsaustausch unheimlich freuen! Liebe Grüße
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
heute 13:45
Ich meine das man den Hund nicht als ewiges Kleinkind behandeln sollte. Wie einen erwachsenen Menschen auch nicht, ist er ja auch nicht. Eher ein 'Ich sehe dich, ich möchte dich verstehen, ich nehme dich ernst, ich möchte ein gemeinsames Leben mit Dir, das für uns beide gut ist'. Dazu gehört wesentlich mehr, als "Gassi", Futter und bei Problemen des Tieres in der Menschenwelt dauerhaft nur zu managen.
Sehe ich genau so. Hunde werden auch erwachsen und finden (hoffentlich) ihren Charakter.

Ich denke, was mit den kognitiven Fähigkeiten auf der Basis eines 3 jährigen Kind gemeint ist, ist im Wesentlichen die Komplexität/Kapazität/Leistungsfähigkeit des Gehirns. Also würde ich jetzt mal so sehen 😳.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
heute 13:59
Mich beschäftigt diese Frage schon lange, da ich meiner Meinung nach meiner wundervollen Hündin immer noch nicht ganz gerecht werde. Was dieses 'schlechte Gewissen' angeht, wäre ich wohl eher geeignet, eine Katze zu halten, da diese in unserer Welt ein autarkeres Leben führen könnte. Mein Sohn ist auch gerade in einer für mich herausfordernden Phase. Fast 15, Pubertät tobt und es passiert so viel in Kopf und Körper. Da den richtigen Weg finden, um zu unterstützen, zu schützen, Erfahrungen machen zu lassen, nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, loslassen und trotzdem da sein... Na ja, hat ja keiner gesagt, dass Verantwortung zu tragen leicht ist und Bewusstsein und sich selber zu hinterfragen ist sicherlich ein wichtiger Baustein, um es so gut wie möglich zu machen😊
Ich denke, dass Du Deinen Sohn auf erzieherischer Ebene nicht mit einem Hund vergleichen kannst 🤗. Deinen Sohn erziehst Du ja zur Selbstständigkeit, sodass er sein Leben alleine meistern kann, dafür Verantwortung übernimmt und nicht mehr auf Euch angewiesen ist.

Einen Hund erzieht man mMn nur in einem bestimmten Grad zur Selbstständigkeit. Er hat seinen Überlebensinstinkt, aber die Gefahren, die von den Menschen ausgehen (Autos bishin zur Tötung bei Verletzung eines anderen Lebewesens) wird er nicht verstehen können. Als Hundeführer bleibt man immer verantwortlich für das Leben des Hundes.

Ich hoffe, dass ich Dich richtig verstanden habe 🫣.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Steffi
heute 14:07
Ja hast Du..ich vergleiche da eigentlich gar nicht, nehme aber die Verantwortung für beide sehr ernst. Will ich aber auch nicht anders.
Ist auch so ein' face to face bei einem Kaffee oder Wein - Thema', trotzdem Danke fürs Mitdenken😊
 
Beitrag-Verfasser-Bild
SandrA
heute 14:15
Ich meine das man den Hund nicht als ewiges Kleinkind behandeln sollte. Wie einen erwachsenen Menschen auch nicht, ist er ja auch nicht. Eher ein 'Ich sehe dich, ich möchte dich verstehen, ich nehme dich ernst, ich möchte ein gemeinsames Leben mit Dir, das für uns beide gut ist'. Dazu gehört wesentlich mehr, als "Gassi", Futter und bei Problemen des Tieres in der Menschenwelt dauerhaft nur zu managen.
Das sehe ich ganz ähnlich. Für mich heißt das, den Hund wirklich als Hund wahrzunehmen, mit seiner eigenen hündischen Struktur, Persönlichkeit und seinen artspezifischen Bedürfnissen. Nicht als ewiges Kleinkind und nicht als kleinen Menschen, sondern als eigenständiges Wesen.

Was ich an diesen ja recht populären Vergleichen mit Kleinkindern immer etwas problematisch finde, ist, dass Hunde dadurch schnell defizitär verstanden werden - so, als wären sie eine Art „unterentwickelter Mensch“. Ja, der Mensch entwickelt sich weiter, aber der Hund halt auch - nur eben hündisch. Er wird ein erwachsener Hund mit einer ausgereiften, eigenen Struktur und bleibt nicht auf einer Vorstufe stehen. Dass seine Entwicklung anders verläuft als unsere, macht sie ja nicht weniger vollständig.

Hunde lernen ja auch ständig über uns – unsere Stimmungen, unsere Signale, unsere Welt. Da finde ich es nur fair, dass wir uns genauso bemühen, ihre Art zu denken, zu fühlen und zu kommunizieren zu verstehen.

Mir gefällt der Gedanke, ein gemeinsames Leben zu gestalten, das für beide Seiten gut ist. Wertschätzend, anerkennend und artgerecht und nicht nur zweckmäßig und rein auf Funktion ausgelegt.
 
Beitrag-Verfasser
Sarah
heute 14:51
Ganz kurzer Einwurf, bevor ich wieder gespannt mitlese:
Mir kam eben der Gedanke, dass es ja genausowenig *den* dreijährigen wie *den* Hund gibt. Manch ein dreijähriges Kind ist auf motorischer/emotionaler/sozialer Ebene vielleicht langsamer oder schneller als seine Altersgenossen.
Sicher sind wir uns alle einig, das der Vergleich nicht bis in letzte Detail ernst gemeint ist, sondern eher als Denkanstoß von Frau Reichmann. Trotzdem arbeitet in mir der Gedanke: ,,Wilma ist körperlich stark und schnell und ausgewachsen, aber mit logischem Denken tut sie sich schwer- meine Dreijährige Nachbarin kann schließlich schon bis zehn zählen!"
Während ich also gar nicht so genau weiß, was ich zu diesem Thema (begeisterte Mitleserin seit Tag 1) beitragen kann, überlege ich, ob ich Wilma mit dem Gedanken an dreijährige Kinder fordere, fördere oder vielleicht über-/ unterfordere.