Ich kann da wahrscheinlich wirklich nicht mitreden, da Polli sich quasi von Anfang an selbst erzogen hat…🥴
Trotzdem versuch ich‘s, auch auf Grundlage dessen, was ich jeden Tag (in Mengen!) um mich rum sehe: das Wichtigste ist für mich, beobachten & Schlüsse ziehen… und dann eine Strategie entwickeln, wie man genau DIESE Reize gezielt stufenweise steigert.
Ich weiß, dass Du da ne echt Herausforderung an der Leine hast, Julia, und ich ziehe echt meinen Hut vor dem, was Du mit Nero geschafft hast… auch tw. gegen Deine eigene Natur!!!
Bei Illona kann ich das nicht wirklich einschätzen, also berichte ich aus meinem Alltag aus der Stadt.
Und da sehe ich soooo viele Leute, die trotz klarer Signale des Hundes Dinge tun… und sehe dann auch, wie sich der Hund über Wochen und Monate immer mehr entwickelt. Und das in eine Richtung, die der Halter nicht wirklich will.
Deswegen: welche Signale gibt es, dass ein größerer Garten der Situation helfen würde?
350qm find ich jetzt nicht sooo klein (für Berliner Verhältnisse!). Wenn Polli im Garten ist, liegt sie eh nur in der Sonne. Und vielleicht versteckt sie auch mal nen Knochen… Bewegungsradius braucht sie da nicht.
Was macht Yuna denn bei Radfahrern und anderen Hunden? Weißt Du, was ihre Motivation ist? Dann würde ich das ganz gezielt erstmal rausnehmen und stückchenweise hochfahren, so dass ich dem Verhalten, was ich sehen will, Stück für Stück näher komme.
Ich finds dabei übrigens ganz ganz wichtig, sich bewusst zu machen: was will ich in ganz genau DIESER Situation eigentlich als Endergebnis sehen? Und mir dann einen Weg zu überlegen, wie ich da Stück für Stück hinkomme…
Mein Vorbild sind definitiv die Hunde von Punkern, Obdachlosen & Co hier in Berlin. Die merkt man größtenteils nicht, die sind einfach mit dabei!😀
Letztens in der (nicht ganz leeren!) U-Bahn: kommt ne Gruppe mit nem großen Hund (ohne Leine) rein. Die stellen sich in die Mitte, da keine Sitzplätze mehr frei waren. Der Hund geht in eine freie Ecke und legt sich an der Wand einfach hin… gänzlich ohne in die Nähe eines fremden Menschens zu kommen. Irgendwann steigen sie aus. Gefühlt ohne Ansprache oder Auffordern folgt der Hund einfach im Fuß. Viele im Wagen haben gar nicht mitgekriegt, dass der überhaupt drin war!
Chapeau, die Leute hätte ich echt für ihren Hund knutschen können!!!😀
Bis vor kurzem hatten wir auch eine Wagenburg in der Nähe. Die Gassigänger von dort hab ich immer gerne getroffen: selbst wenn es mal ein unkastrierter Rüde war, wird eben auf Entfernung kurz die Situation geklärt. Wenn ich dann sage, Hündin, aber auch ein bisschen schüchtern, wird gleich aufgepasst, dass der eigene Hund nicht zu übergriffig wird. Aber Kontakt zulassen oder nicht ist eigentlich fast nie die Frage, alles echt gechillt.
Aber bei mir ist immer die Frage: was würde ich bei meinem Hund in DER Situation gerne sehen? und zwar nicht allgemein („soll nicht auslösen“), sondern: darf er/sie gucken? Ab wann ist das Gucken nicht ok (-> Fixieren)? Soll er/sie weitergehen? Darf er/sie stehenbleiben? Wenn ja: vor mir, neben mir oder sogar hinter mir? Und was davon ist mit MEINEM Hund realistisch?
Polli z.B. wird sich nie in fremden Situationen hinlegen. Dafür ist sie als ehemaliger Strassenhund immer noch zu sehr im Hinterkopf in sowas wie „allzeit bereit!“-Modus. Hinsetzen geht besser. Und ist definitiv besser als stehen, da es die Spannung rausnimmt und den Fokus auf mich lenkt. Also sitzen wir halt viel!😀
Herrchen versucht sich immer noch mit „Platz“ überall… und es ist (für mich gefühlt) ein ständiger Kampf.
Das hat mir aber alles Hundine Stück für Stück selber „erklärt“…
Puh, langer Text… aber vielleicht wird ein bisschen klar worauf ich hinauswill…🥴
Ich verstehe was du meinst. So ist ja auch meine Herangehensweise. Manchmal möchte sie den anderen vertreiben,gerade Fremdhunde. Bei Hunden die sich kennt möchte sie hin, was auch in der Regel gut macht. Bei Radfahrern ist es manchmal, der Schreck, wenn die ohne Vorwarnung an uns vorbeizu schiessen. Ich sehe schon viel, aber manchmal eben auch nicht. Ich warne auch Yuna vor: Achtung das kommt ein Radfahrer. Manchmal schiessen die Schmerzen rein, dann will sie nur Abstand. Schön ist ja, das sie unsere Signale in der Regel gut funktionieren. Ich kann aber oft nicht erkennen, wann es zuviel wird. Weil das so schnell kippt. Und ich kann sie schon gut lesen, ist aber manchmal, als wenn ein Schalter umgelegt wird.