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Finne Joeline
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 16
heute 19:33

Geräuschphobie

Meine Enna hat jetzt seit mehreren Jahren schon panische Angst vor Böllern, Feuerwerk generell, knallenden Autotüren, Motorradgeräusche, Auspuffgeräusche von Autos,…. Alles, was irgendwie "knallt“. Wir haben schon vieles versucht und hatten einige Trainer, die allesamt nicht helfen konnten. Es hat auch nie ein besonderes Ereignis gegeben, wodurch sie diese Panik entwickelt hat. Es hat sich in ihrer Junghund-phase eher entwickelt und wurde immer schlimmer. Als wir ihre Mutter und Schwester kennengelernt hatten, stellte sich heraus, dass die Beiden auch extrem anfällig für Geräusche sind. Habt ihr Tipps oder Erfahrungen gemacht, die bei euren Kleinen wirklich was gebracht haben? 💕
 
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Finne Joeline
2. Juni 23:18
Ich gehe mal davon aus dass der Tierarzt nichts Auffälliges gefunden hat. Schmerzen können alles mögliche auslösen. Bei uns hat sich die Panik vor geknalle beim vorletzten Silvester entwickelt. Mit Gegenkonditionierung/Desensibilisierung das ganze Jahr über hat er letzte Silvester drinnen gut überstanden. Draußen habe ich beim Training Fehler gemacht, da bin ich dran das dieses Jahr wieder einzufangen. Ist ein langer Weg. Wie habt ihr den trainiert und wie lange? Der Reiz darf im Training nur so schwach sein das der Hund keinen Stress empfindet, ansonsten kippt es sehr schnell ins Gegenteil. Die Schwelle herauszufinden ist nicht immer leicht und man erlebt dabei auch Rückschläge.
Genau das ist leider der Punkt, ich wüsste nicht, wie ich das umsetzen sollte. Dass der Reiz nur so schwach sein soll, dass sie nicht direkt solche Panik empfindet. In Dresden wird ja leider, vor allem jetzt wo es wärmer ist, mehrfach unter der Woche geböllert und Feuerwerk gemacht. Das kann ich ja nicht minimieren, da es sooo spontan zu den verschiedensten Zeiten auftritt. Wie kontrollierst du das?

Ich trainiere mir ihr jetzt seit 8 Jahren, das heißt mehrfach die Woche, wenn es mal wieder plötzlich knallt.

Tierärztlich untersucht ist sie, sie ist zum Glück topfit.
 
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Finne Joeline
2. Juni 23:24
Hast Du sie schon als Welpe gehabt oder erst als sie erwachsen war? Bei Afra war das schlimm, mein Mann musste sie zum Lösen tragen. 🥴 Ich war damals auch beim Tierarzt zum Impfen, habe ihm mein Leid geklagt und er ist tatsächlich auch mit ihr gelaufen und Madame ist mitgegangen ohne wenn und aber. Peinlich!!! Einmal habe ich sie überlistet und ihren Liebsten Freund mit Frauchen rekrutiert und da ist sie gelaufen, als wäre nichts.
Ich habe sie mit 12 Wochen adoptiert. Das klingt ja so, als wäre es dann eher auf dich bezogen, kann das sein? 😵‍💫 Oder sie hat sich einfach sicherer gefühlt, weil ihr dann ein "größeres Rudel“ wart?

Bei Enna ist es genau umgekehrt. Wenn sie überhaupt Pipi macht, dann vor allem, wenn ich mit ihr gehe. Und wenn andere Hunde dabei sind (wir gehen sehr oft in größeren Grüppchen spazieren), dann hat sie da genau so viel Panik wie sonst. Selbst wenn die anderen Hunde alle totale Ruhe ausstrahlen 🥲
 
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Finne Joeline
2. Juni 23:44
Danke, für Deine ausführliche Antwort. Kurz zu meinem Hintergrund: Wir haben unsere Hündin mit 10 Monaten bekommen und sie kannte keine Haushaltsgeräusche. Das bedeutet, raschelnde Tüten, Topfdeckel auf Töpfe legen, Fernseher, Musik, fallende Plastikflaschen, zischende Flaschen, einräumen der Geschirrspülmaschine, Kartons die 10 cm woanders standen als am Vortag.... Alles ganz große Probleme für sie. Wir haben jedes einzelne Geräusch aufgearbeitet, aber ... der Schlüssel war, ist und wird immer so bleiben ... Vertrauen. Gemeinsam das Problem bewältigen. Gemeinsam durch die Geräusche gehen. Letztendlich durfte sie darauf vertrauen, dass wir ihr die nötige Sicherheit geben, dass sie durch die Situation kommt. Wir haben u.a. versucht ihre Neugier zu wecken Heute: Sie beisst in Plastikflaschen und findet die spannend, raschelnde Tüten erwecken Neugier, klopft jemand werde ich spannend beobachtet ... Wir haben ihr keinen Raum des Mitleids gegeben, sondern die Situationen freudig und neugierig entgegengenommen, sie aber nie mit ihrem Gefühl alleine gelassen. Es war ein langer Weg mit viel herantasten... Beispiel: Zzusammengeknüddeltes eitungspapier in einen Karton geworfen und darin Leckerchen versteckt. Ich habe dann in dem Karton rumgesucht, bis sie sich selber mal rantraute. Tricks in Verbindung mit Kartons aufgebaut. Sie war soooo mutig, in den Karton zu steigen. Raschelnde Tüten: Einen Advebtskalender mit Tüten gebastelt und im Durchgang zwischen Wohnzimmer und Esszimmer aufgehängt. Jeden Tag habe ich geraschelt und ein Leckerchen fiel von oben runter. Sie hatte anfangs das Problem, das dieser Kalender da schon hing und wollte nicht drunter durchlaufen. Irgendwann saß sie unter dem Kalender und wartete auf das Rascheln bis das Leckerchen runterfiel. Bei den Plastikflaschen hat dann unser junger Rüde geholfen. Er biss überall rein und das hat sie sich wohl abgeschaut. Während ich kochte und mit Töpfen klapperte, hat mein Mann mit ihr gekuschelt, sie gekämmt (Körperpflege betrieben). Alles drehte sich um das Thema "Gemeinsam" und Vertrauensaufbau. Es geht nie ganz weg, aber zwischen "in der Ecke verkriechen" und "wir schaffen das gemeinsam" liegen Welten. Ich hoffe ich konnte erklären, worauf ich hinaus möchte.
Das ist ganz lieb gemeint, vor allem, weil ich deine Message zu 100% verstehe. Ich habe schon immer Hunde aus dem Tierschutz adoptiert. Mein erster Rüde Kasper und unsere Hündin Claudia, so wie mein zweiter Rüde John lebten alle auf der Straße. Kasper und Claudia kamen aus Rumänien und John aus Teneriffa. Es war schrecklich, jeder hatte ganz andere Ängste. Claudia wurde von Männern geschlagen und hatte dadurch vor allem vor Männern Angst, Kasper mit Stöcken und hatte dann davor extreme Angst, John hatte auch schlimme Gewalt erlebt… Vor allem John ähnelt dem, was du erzählst, sehr. Er hatte vor allem Angst und er kannte absolut gar nichts.

Ich musste ihm jeden Gegenstand und jedes Geräusch in der Wohnung und außerhalb langsam vertraut machen und er, so wie Kasper und Claudia, blühten bei uns so unglaublich auf. Nach dem Training und dem Vertrauensaufbau, immer alles mit Geduld, Ruhe und vor allem Liebe zu machen, hatte wirklich Wunder bewirkt.

Enna sieht vielleicht noch jung aus, aber das täuscht. Im Oktober wird sie dieses Jahr bereits 9 Jahre alt (oh Gott, wie die Zeit rennt….). Und sie ist dieses totale "Mama-Kind“. Wir haben 3 Jahre Agility gemacht und natürlich ist sie als kurzhaar Hund die größte Kuschelmaus. Sie liebt ZOS, "Knobelspiele“, toben. In der Wohnung - egal wovor, hat sie keine Angst (außer sie hört einen Knall natürlich). Wir haben ein extrem positives Vertrauen zueinander, auch das ist mir sehr oft aufgefallen, da Enna, ist sie nicht angeleint und es knallt draußen, nur zu mir rennt und bei mir sein will. Selbst in den Situationen, in denen sie also wirklich Todesangst hat, fühlt sie sich bei mir dennoch noch am sichersten. Aber all das, was vorher bei meinen drei anderen Hunden geklappt hat, einfach gemeinsam die Ängste zu überkommen, funktioniert bei Enna nicht.

Klar jeder Hund ist anders, aber mittlerweile ist bei mir nur noch ein großes Fragezeichen. 😔

Tut mir leid, dass meine Nachricht jetzt so unglaublich lang wurde - ich danke dir aber jetzt schon von Herzen, fürs Lesen und für deine Nachricht! 🫶🏻
 
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Jay
heute 06:49
Dann habt ihr ja schon alles durch, inklusive evtl ein paar Trainer die das Problem noch schlimmer gemacht haben. Bei meiner haben nur Benzos von Verhaltensmedizinerin geholfen, und jetzt der Gehörverlust im Alter. So wirklich laute Geräusche können aber auch bei sensiblem Gehör physisch Schmerzen bereiten. Ich kenne das von mir selbst und das lässt sich nicht wegtrainieren, deshalb tragen ja Menschen mittlerweile häufig Gehörschutz auch im Alltag. Trotzdem müssen wir wohl lebenslang weiter trainieren.
 
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Martin
heute 15:50
Genau das ist leider der Punkt, ich wüsste nicht, wie ich das umsetzen sollte. Dass der Reiz nur so schwach sein soll, dass sie nicht direkt solche Panik empfindet. In Dresden wird ja leider, vor allem jetzt wo es wärmer ist, mehrfach unter der Woche geböllert und Feuerwerk gemacht. Das kann ich ja nicht minimieren, da es sooo spontan zu den verschiedensten Zeiten auftritt. Wie kontrollierst du das? Ich trainiere mir ihr jetzt seit 8 Jahren, das heißt mehrfach die Woche, wenn es mal wieder plötzlich knallt. Tierärztlich untersucht ist sie, sie ist zum Glück topfit.
Wie sieht euer Training den aus? Mit den Alltagsgeräuschen kannst du nicht trainieren, da nicht kontrollierbar und meistens zu stark. In der Situation sagt ein Trainer: wenn es irgend weiter geht so lange am Ort bleiben bis der Hund sich wieder beruhigt hat, andere sagen möglichst schnell aus der Situation raus. Ist aber kein Training. Ich das Training drinnen angefangen. Auf YouTube nach Videos mit Feuerwerk und/oder geknalle suchen."dog firework desensitisation" oder Kanonnenböller o. ä. zuerst vom Handy so leise abspielen dass der Hund es aushält. Besser noch gleich belohnen wenn er es zum ersten mal aus dem Handy hört. Mehrmals am Tag jeweils ein paar Minuten. Dann 1 oder 2 Bluetooth Lautsprecher in der Wohnung verteilen und nicht vom Handy abspielen sondern über die Bluetooth Lautsprecher. Gerne strich dabei füttern, aber darauf achten dass der Hund keine Stresssignale zeigt und dass das Futter nicht zum ankündiger des Geknalles wird. Mit der Zeit immer lauter abspielen. Vielleicht die Stereoanlage über Bluetooth ans Handy koppeln als weitere Variante. Auch mal abends leise anfangen, wenn alle im Bett sind. Dann draußen mit dem Handy und wieder leise anfangen und genau so steigern wie drinnen. Achtung: sobald der Hund stresssignale zeigt war der Schritt zu groß, dann unbedingt wieder einen oder mehrere Schritte zurück. Draußen hab ich jetzt so eine Klatsche, in klein, die die Leichtathleten beim Start verwenden. Kann man die Lautstärke sehr gut dosieren. Was auch geht zum starten sind Kinderfeuerwerk und knallerbsen. Zuerst aber mit viel Abstand, evtl. Zu zweit, dass der Hund es aushalten kann. Als nächstes dann tischfeuerwerk etc. Ich hab mit luftbalonen angefangen, dass ging schief weil du nur schwer in der Lautstärke zu regulieren sind beim platzen
 
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Thomas
heute 19:33
Ich habe bei meinem Pudel super Erfahrung mit Gegenkonditionierung mittels Klicker unterstützt durch antidepressiva gemacht, bei uns war es aber so schlimm, dass sie teilweise vollkommen apathisch war draußen, wenn sie durch ein Geräusch erschreckt wurde. Mittlerweile machen ihr Geräusche nicht mehr viel aus… Waren aber auch 2 Jahre Training auf Medikation mit super langsamen ausschleichen.