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Lotta
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zuletzt 2. Aug.

„Der Tierarzt will doch nur Geld verdienen!“

„Der Tierarzt will doch nur Geld verdienen!“ – Diesen Satz kann ich langsam nicht mehr hören. Kaum ist ein Hund krank, geht es um Wurmkuren, Zeckenschutz, Medikamente oder Futter, dauert es keine fünf Minuten, bis dieser Satz fällt: „Der Tierarzt will doch nur Geld verdienen.“ Ganz ehrlich – denkt ihr eigentlich einmal darüber nach, was ihr da behauptet? Welcher von euch geht jeden Morgen zur Arbeit und sagt: „Ich brauche kein Gehalt.“ Niemand! Jeder möchte für seine Arbeit fair bezahlt werden. Warum sollte das ausgerechnet für Tierärzte nicht gelten? Eine Tierarztpraxis finanziert sich nicht von allein. Da müssen Miete, Strom, Wasser, Versicherungen und Steuern bezahlt werden. Moderne Röntgen-, Ultraschall- oder Narkosegeräte kosten oft Zehntausende Euro. Medikamente, Labortechnik, OP-Material und Verbrauchsmaterialien müssen ständig angeschafft werden. Dazu kommen Gehälter für die Mitarbeiter und regelmäßige Fortbildungen, damit eure Tiere nach aktuellem medizinischem Stand behandelt werden können. Und trotzdem wird bei jeder Rechnung sofort unterstellt: „Die wollen doch nur Geld verdienen.“ Ja, natürlich müssen Tierärzte Geld verdienen – genauso wie jeder Handwerker, jede Pflegekraft, jeder Bäcker oder jeder andere Beruf auch. Dann wird ständig über die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) geschimpft. Dabei wird oft vergessen, dass sie nach vielen Jahren angepasst wurde, während in nahezu allen anderen Bereichen die Preise und Löhne längst gestiegen sind. Warum sollte ausgerechnet die Tiermedizin davon ausgenommen sein? Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Praxen. Manche rechnen günstiger ab, andere teurer – je nach Ausstattung, Aufwand oder Notdienst. Jeder Tierhalter kann selbst entscheiden, welche Praxis er aufsucht. Was mich aber besonders stört, sind die ständigen Unterstellungen. Egal ob Wurmkur, Floh- und Zeckenschutz, Medikamente oder Spezialfutter – sofort heißt es: „Der Tierarzt verdient daran.“ Unsere Tierärztin hat uns einmal ein Futter empfohlen und den Namen einfach aufgeschrieben. Wir haben es selbst gekauft. Sie hätte es bestellen können, hat es aber nicht getan. Dieses pauschale Misstrauen passt einfach nicht zu den Erfahrungen, die viele Tierhalter machen. Und wir sollten eines nicht vergessen: Die Tiermedizin hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Bluttransfusionen, moderne Narkosen, CT, MRT, spezialisierte Operationen, Chemotherapien oder aufwendige Zahnbehandlungen retten heute Tiere, die früher keine Chance gehabt hätten. Unsere eigene Hündin wäre nach einem Behandlungsfehler beinahe gestorben. Erst eine Tierklinik konnte sie mit einer Notoperation und einer Bluttransfusion retten. Dafür bin ich bis heute unendlich dankbar. All diese Möglichkeiten gibt es nicht kostenlos. Forschung, Technik, Medikamente und hochqualifiziertes Personal kosten Geld. Aber genau davon profitieren unsere Tiere. Und noch etwas: Jeder Tierhalter kann vorsorgen. Es gibt OP-Versicherungen, Krankenversicherungen, Tarife mit Selbstbeteiligung oder die Möglichkeit, regelmäßig Geld für Notfälle zurückzulegen. Wer sich bewusst gegen jede Form der Vorsorge entscheidet, kann im Ernstfall nicht den Tierarzt dafür verantwortlich machen, dass eine notwendige Behandlung Geld kostet. Natürlich gibt es – wie in jedem Beruf – auch schwarze Schafe. Aber deshalb einen ganzen Berufsstand unter Generalverdacht zu stellen, ist unfair. Ein Tier zu halten bedeutet Verantwortung. Dazu gehören nicht nur Futter, Spielzeug und schöne Spaziergänge, sondern auch die Bereitschaft, für eine notwendige medizinische Versorgung aufzukommen. Vielleicht sollten wir alle etwas weniger pauschal urteilen und etwas mehr Wertschätzung für die Menschen zeigen, die oft Tag und Nacht alles dafür tun, das Leben unserer Tiere zu retten. Kritik ist völlig in Ordnung. Pauschale Unterstellungen helfen niemandem – am wenigsten unseren Tieren.
 
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Kati
27. Juli 15:21
Mir konnte noch niemand plausibel erklären, warum es eine GOT überhaupt gibt? Warum sollen ausgerechnet dort marktwirtschaftliche Gesetze nicht greifen dürfen? Das ist doch ausschließlich einer Lobbyarbeit zu verdanken.
Welche Lobby genau?
Die GOT soll einen fairen Wettbewerb ermöglichen bei hochwertiger fachlicher Versorgung. Dabei gleichzeitig Transparenz für den Tierhalter schaffen.
Ist übrigens bei Human- und Zahnärzten auch so. Da bekommt es der gesetzlich Versicherte nur nicht so mit.

Wir haben damit in Europa eine Sonderstellung. Ob es mit freier Marktwirtschaft immer so viel besser ist muss jeder selbst entscheiden.
Österreich zum Beispiel: laut Konsumerhebung 2014/15 haben die Haushalte 4,7 Euro für Dienstleistungen am Haustier (TA, Friseur...) ausgegeben. 2019/20 waren es 24,50€ und 2024/25 waren es 29,7€. Im Jahre 2016 haben die Österreicher übrigens ihr GOT-Äquivalent abgegeben...
 
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Jochen
27. Juli 15:49
Welche Lobby genau? Die GOT soll einen fairen Wettbewerb ermöglichen bei hochwertiger fachlicher Versorgung. Dabei gleichzeitig Transparenz für den Tierhalter schaffen. Ist übrigens bei Human- und Zahnärzten auch so. Da bekommt es der gesetzlich Versicherte nur nicht so mit. Wir haben damit in Europa eine Sonderstellung. Ob es mit freier Marktwirtschaft immer so viel besser ist muss jeder selbst entscheiden. Österreich zum Beispiel: laut Konsumerhebung 2014/15 haben die Haushalte 4,7 Euro für Dienstleistungen am Haustier (TA, Friseur...) ausgegeben. 2019/20 waren es 24,50€ und 2024/25 waren es 29,7€. Im Jahre 2016 haben die Österreicher übrigens ihr GOT-Äquivalent abgegeben...
"Welche Lobby genau?"
Die Bundestierärztekammer.

Ich bin der Meinung, dass das Fehlen von Konkurrenz immer nachteilige Auswirkungen hat. Herausragende Tierarztpraxen beispielsweise können sich nicht weiterentwickeln, weil sie im GOT Katalog gefangen sind.

Oder es lohnt nicht sich zu spezialisieren (zB. nur Kastrationen) und dafür aber prozessoptimiert, günstig und routiniert arbeiten zu können.

Oder eine mobile Praxis anzubieten oder oder oder... lohnt alles in einem starren lethargischen Bürokratensystem nicht.

Staatliche Eingriffe sollten mE. nur dort erfolgen, wo es unbedingt Not tut, weil sie immer zu einer Verschlechterung führen (Extrembeispiel Sozialismus) und diese Not sehe ich einfach nicht.
 
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Kati
27. Juli 16:01
"Welche Lobby genau?" Die Bundestierärztekammer. Ich bin der Meinung, dass das Fehlen von Konkurrenz immer nachteilige Auswirkungen hat. Herausragende Tierarztpraxen beispielsweise können sich nicht weiterentwickeln, weil sie im GOT Katalog gefangen sind. Oder es lohnt nicht sich zu spezialisieren (zB. nur Kastrationen) und dafür aber prozessoptimiert, günstig und routiniert arbeiten zu können. Oder eine mobile Praxis anzubieten oder oder oder... lohnt alles in einem starren lethargischen Bürokratensystem nicht. Staatliche Eingriffe sollten mE. nur dort erfolgen, wo es unbedingt Not tut, weil sie immer zu einer Verschlechterung führen (Extrembeispiel Sozialismus) und diese Not sehe ich einfach nicht.
Die Bundestierärztekammer ist nun keine Lobby, sondern eine Standesvertretung. Übrigens mit Zwangsmitgliedsschaft als Tierarzt und zahnloser als jede Gewerkschaft. Wenn du jetzt den Bpt genannt hättest, da hätten wir über Lobby reden können. Oder BfT, der Lobby für die Pharmaindustrie macht.

Aber wo fehlt denn die Konkurrenz? Wenn das so einfach wäre, dann würde der eine ja nicht zu dem TA und der andere zum Anderen gehen. Und dann sagt die GOT doch nicht, dass etwas genau XY€ kostet. Am normalen Geschäftstag kann sich jeder zwischen dem einfachen bis dreifachen Satz bewegen. Deswegen kostet die allgemeine Untersuchung in der Stadtmitte München ja anders als in der brandenburgischen Weite.

Und Spezialisierungen lohnen sich. Es gibt mehrere FTA Titel und Kliniken, die ihre Nische gefunden haben und Experten auf ihrem Gebiet sind. Und natürlich kannst du mit einen FTA oder Diplomate auch einfach mehr Geld verdienen.
Mobile Praxen entstehen momentan zu Hauf. Warum boomt zB Felmo so?
Also entschuldige bitte, aber das sehe ich überhaupt nicht so, dass diese Dinge durch GOT eingeschränkt werden.
 
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Jochen
27. Juli 16:07
Aber das erklärt ja dann erst recht nicht, wofür sie notwendig sein soll?

Und du hast doch selbst geschrieben, dass dieses System nur in Deutschland existiert.

Warum?

Werden Tiere zB. in der Schweiz schlechter behandelt?
 
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Kati
27. Juli 16:20
Aber das erklärt ja dann erst recht nicht, wofür sie notwendig sein soll? Und du hast doch selbst geschrieben, dass dieses System nur in Deutschland existiert. Warum? Werden Tiere zB. in der Schweiz schlechter behandelt?
Wofür die Kammer so ist fragen sich einige Tierärzte manchmal...
Bezüglich GOT: Historie? Transparenz? Warum haben wir eine GOÄ? Oder eine Gebührenordnung bei Notaren?

Und ja, es gibt Menschen die sich dafür einsetzen sie zu erhalten. Übrigens vor der notwendigen Erhöhung war auch die FN, die ja gerade der Meinung ist niemand könne mehr ein Pferd halten wegen der GOT, da gar kein so großer Gegner von.

Und es hängt von dem Können des Tierarztes ab, ob die Behandlung schlechter oder besser ist. Ob ich im Vorfeld aber zumindest öffentlich zugänglich sehen kann, was mich das wohl kosten wird, das hängt von der Gesetzgebung ab. Auch in der Schweiz. Ich weiß nämlich nicht, ob die nicht ihre Preise öffentlich machen müssen (also nicht im Sinne individueller KV, sondern Preisliste online).
 
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Jochen
27. Juli 16:30
Ja, aber die stark verspätete Erhöhung der GOT hat doch noch mal ganz deutlich gezeigt, dass das System viel zu träge ist?

Und es spricht doch nichts gegen ein Orientierungssystem wie in der Schweiz?

Warum müssen Tierärzte, die für Tierschutzorganisationen oder Tierheime zum Selbstkostenpreis behandeln wollen in die Illegalität?

(ach und danke, dass du meine Fragen so fachkundig beantwortest)
 
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Kati
27. Juli 16:43
Ja, aber die stark verspätete Erhöhung der GOT hat doch noch mal ganz deutlich gezeigt, dass das System viel zu träge ist? Und es spricht doch nichts gegen ein Orientierungssystem wie in der Schweiz? Warum müssen Tierärzte, die für Tierschutzorganisationen oder Tierheime zum Selbstkostenpreis behandeln wollen in die Illegalität? (ach und danke, dass du meine Fragen so fachkundig beantwortest)
Jaein...also natürlich hätte das früher und dann gerne in kleineren Schritten gemacht werden dürfen. Ich sage auch gar nicht, dass die unbedingt bleiben muss, aber ich sage auch, dass eine Umstellung auf komplett freie Marktwirtschaft nicht nur Vorteile hat in meinen Augen.

Haben die Schweizer ein Orientierungssystem? Ich kenne das da überhaupt nicht, wie gesagt. Ich weiß das es Länder gibt, wo Preise öffentlich sein müssen. In AT gibt die Kammer auch immer noch eine "Honorarempfehlung".

Die Tierärzte könnten einen Bestandsbetreuungsvertrag mit dem Tierheim machen oder sich anstellen lassen. Über die Bestandsbetreuung sind so Standartsachen wie Impfung etc abgedeckt und wie viel Gehalt du von deinem Arbeitgeber bekommst, das liegt ja an dir.

Danke dir das diese Diskussion auf einem hohen Niveau bleibt!
 
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Thomas
27. Juli 17:01
Aber das erklärt ja dann erst recht nicht, wofür sie notwendig sein soll? Und du hast doch selbst geschrieben, dass dieses System nur in Deutschland existiert. Warum? Werden Tiere zB. in der Schweiz schlechter behandelt?
Wir haben in etlichen Bereichen geregelte Preise - ich ergänze hier mal die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Das sind fast immer Bereiche wo es wenig "Konkurrenz" oder "Markt" gibt und der Endkunde geschützt werden soll - weil er keinerlei Überblick darüber hat was eine Leistung denn tatsächlich kosten sollte. Ohne diese Regelung könnte jeder Arzt, Tierarzt, Architekt etc sein Honorar selber festlegen - ohne das Du wüsstest ob das auch nur halbwegs gerechtfertigt ist...
 
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Petra
27. Juli 17:16
Ich bin der Meinung, wer einen guten Job macht, der darf auch gutes Geld verdienen.
Meinen TA hab ich nach meinen eigenen Anforderungen ausgesucht. Ich will einen der nicht nur ein Röntgengerät hat und einen dann für alles immer in eine TK schichen muss. Mein TA hat ne Menge an teuren Geräten, die angeschafft und unterhalten werden müssen, der spezialisiert ist und keine langen Wartezeiten hat. Das kostet Geld, aber das ist es mir für meine Tiere einfach wert. Natürlich ist es dadurch teurer, aber wie gesagt mir geht größt mögliche Sicherheit auch bei OPs vor Geld. Gsd bin ich in der Lage das mir leisten zu können.
 
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Gabriele
27. Juli 17:49
Zu meiner Tierärztin habe ich vollstes Vertrauen und die Preise sind in Ordnung. Sie schwatzt einem auch keine unnötigen Untersuchungen auf.
Mit Raya musste ich jetzt wegen Durchfall zu einem anderen Tierarzt, da unsere Tierärztin im Urlaub gewesen ist. Die haben mir gleich noch ein Blutbild aufgeschwatzt und ich habe letztendlich für die Untersuchung + Blutbild+ Spritze + 2 Medikamente 270,- € bezahlt. Das ist Abzocke! Bin wirklich froh, dass meine Tierärztin jetzt wieder da ist!