Mein absoluter Traumhund war eigentlich immer ein Dobermann – so richtig im „Zeus und Apollo“-Style. Aber da gab es dieses riesige Problem mit dem Kupieren. Ich könnte einfach niemals mit dem Gedanken leben, dass einem Hund nur für mein eigenes Ego Schmerzen zugefügt werden. Dazu kam, dass ich im Bekanntenkreis zwei Leute mit unkupierten Dobermännern hatte, und beide Hunde hatten ständig massive Probleme mit den Ohren.
Dann habe ich ein Auge auf den Rottweiler geworfen. Aber da hat sich das Zuchtziel – zumindest in der Showlinie – für meinen Geschmack total ins Negative verändert. Als ich die Rasse vor vielen Jahren das erste Mal so richtig wahrgenommen habe, waren die Hunde noch deutlich schlanker und eleganter gebaut. Heute sind sie mir einfach viel zu bullig. Dieser extrem abgesetzte Fang (Stop) und der eckige Kopf sind für mich mittlerweile ein echtes K.-o.-Kriterium.
Danach fand ich den Australian Shepherd eine Zeit lang ziemlich interessant. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass gefühlt „jeder Horst“ mit einem Aussie rumläuft. Als ich mich dann tiefer mit ihrem Wesen beschäftigt habe, war die Rasse für mich sowieso raus. Diese Kuschelbär-Optik („Everybody’s Darling“) und das tatsächliche Wesen – also dieses körperliche gepaart mit einem ordentlichen Schutztrieb – passen für mich einfach null zusammen.
Da fand ich das Gesamtpaket beim Malinois irgendwie stimmiger. Aber gegen den Mali sprachen einfach die extremen Ansprüche. Ich war ehrlich zu mir selbst: Ich habe stark bezweifelt, dass ich dem gerecht werden kann. Und was aus einem Mali wird, der keine vernünftige Aufgabe hat, weiß man ja.
Der Wendepunkt kam, als ich einen Bekannten besucht habe, der zwei Border Collies hat. Bis dahin hatte ich auch nur dieses typische Klischee im Kopf: „Border Collie? Puh, mit dem musst du aber rund um die Uhr viel Action machen!“
Seine beiden Mädels kommen aus einer echten Arbeitslinie, weil er sie für seine Schafe braucht. Er hat mir dann mal die Augen geöffnet und erklärt, dass dieses Vorurteil totaler Quatsch ist. Er meinte nur: „Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass meine Hunde von morgens bis abends an den Schafen stehen? Ich brauche die zum Treiben, wenn die Herde auf eine andere Weide muss. Für den Rest habe ich Zäune! Die machen auch mal tagelang gar nichts, und im Winter sind die Schafe eh im Stall.“
Das hat gesessen. Ich habe angefangen, mich intensiv mit Border Collies zu beschäftigen, und am Ende war mir absolut klar: Mein nächster Hund wird ein BRAUNER, männlicher Border.
(Der pragmatische Mann denkt eben logisch. Auf nem braunen Fell finden sich Zecken schneller)
Dem Stand Leider der Wunsch meiner Frau entgegen.
„Brauner Rüde? No way! Schwarzes Mädel, Basta!“
Wie krass Wunsch und Realität dann manchmal auseinanderdriften, sieht man heute an Sebbi.
Aber rückblickend kann ich nur sagen: Sebbi war mein absoluter Wunschhund – und zum echten Traumhund ist er auch verdammt schnell geworden.
Und das mit der Action? Na ja, ganz ehrlich: Eigentlich bin ich derjenige, der die Füße nicht stillhalten kann. Mir fällt es verdammt schwer, wenn er situationsbedingt mal einen Tag lang gar nichts machen soll.