Ich habe ein recht ähnliches "Exemplar" aus Griechenland und stellte mir dieselbe Frage. Da meiner mit 9 Monaten bereits extremen Schutztrieb zeigte, aber zeitgleich sogar Angst vor Enten hatte (er kannte halt nichts), versuchte ich zwei Hundeschulen. Eine davon war wirklich sehr gut. Das Problem war, dass er mir zwar folgte, nicht weglief, aber keine starke Bindung da war. Dafür brauchte er fast ein Jahr. In der Zeit war jede Art von Erziehung fast sinnlos und sehr zermürbend. Ich verbrachte die ganze Zeit damit ihm ganz ruhig die Welt zu zeigen, damit er beobachten kann, dass alles gut ist und kaum etwas Gefahr für ihn bedeutet.
Ich finde es problematisch, dass deine Eltern da keinen Blick für haben. Von Training und Hundeschule würde ich anfangs abraten, aber essentiell wäre es, dem Hund ganz viel Ruhe und Gelassenheit zu vermitteln und sehr liebevoll konsequent zu sein und exakt zu erkennen, wo der Hund welches Problem hat, um ihm da Raum zu geben.
Zu dem Kommentar vor meinem: Ich lebe mit meinem in einer Etagenwohnung ohne Garten, aber man muss, wenn der HSH etwas durchkommt, dem Hund etwas bieten und HSH sind extrem sensibel, dh sie durchschauen Menschen extrem gut und nutzen das. Da sie sehr eigenständig sind, braucht mal viel Bindungsarbeit, viel Auslastung (artgerecht) und Geduld. Mit meinem fuhr ich anfangs immer zum Reitstall, wo er auf die Pferde aufpassen konnte und ich sitze viel mit ihm draußen, wo er beobachten darf und ich lobe ihn für "angemessene" Reaktionen, zb wenn er bellt, aber neben mir stehen bleibt.
Nach zwei Jahren apportiert er auch (nur Futterdummys) und sucht diese im Gelände, aber sein liebstes Hobby ist es wo zu liegen und zu beobachten.
Wir haben hier Raum Bochum gute Hundepsychologen, die nach Hause kommen und diesen Einstieg erleichtern. Bei euch in der Region kenne ich mich leider nicht aus.
Ja, ich glaube auch, dass es an der Bindung hapert. Aber ich habe auch den Eindruck, dass meine Eltern nicht verstehen, dass dieser Hund so ganz anders tickt als ihre Barsois. Die waren damit zufrieden, im Garten für ne halbe Stunde richtig Gas zu geben, dann noch mal spazieren zu gehen gegen Abend und sonst im Haus zu liegen und zu schlafen. Bei Rupert merkt man, dass er gern ne Aufgabe möchte.
Dieses ihm alles zeigen und ihn beim Spaziergang mal die Welt erkunden lassen, machen sie so gut wie nicht. Spazieren gehen heißt im Moment, dauernd an dem Hund zu arbeiten, damit er nicht zieht. Dass er aber zieht, weil er gestresst ist, und ihr dauerndes "Bei Fuß" gar nichts bringt, verstehen sie nicht. Wir haben gestern mit ihm genauso gearbeitet wie mit unserem Mono, ganz viel gelobt, wenn er gut gelaufen ist, oder wenn er sich was angeguckt hat, was er zuerst gruselig fand (machen meine Eltern auch nicht), oder wenn er einen Blick zu uns zurück geworfen hat. Das ist im Prinzip auch das, was ich mit Training meine, halt, dass jemand meine Eltern darin trainiert, den Hund zu lesen und mit ihm über solche Sachen eine Bindung aufzubauen. Sitz, Platz, Bleib, oder klaglos allein bleiben (üben sie alles mit ihm im Moment auf eigene Faust) sehe ich als etwas an, was wirklich später trainiert werden kann. Erstmal muss der Hund doch mit ihnen zusammen wachsen, man muss vielleicht am Schutztrieb arbeiten, aber doch nicht diese sinnlosen Befehle dauernd. Aber genau dafür bräuchten sie einen guten Trainer, der gleichzeitig auch Psychologische Hilfe geben kann und nicht diese Tante aus dem Tierheim, die will, dass sie in drei Wochen dann zum Auslaufgelände am Tierheim zum Gruppentraining kommen. Training, in einer Umgebung, die ihn durch die in ihren Zwingern bellenden Hunde schon gestresst hat, als er noch im Tierheim war und dann auch noch mit ganz vielen neuen Menschen und Hunden. Wie soll das funktionieren?