Die Korrektur über die Leine hat es vermutlich massiv verstärkt. Das Anspringen entsteht vermutlich aus Frust, Überforderung oder Überreizung.
Es ist eine umgerichtetes Verhalten. Ein Ventil. "Jetzt weiss ich nicht wohin mit mir". Deshalb nimmt er dann auch kein Futter: der Stress muss für ihn enorm sein. Die Korrektur bietet keine Alternative oder Orientierung und das Nervensystem fährt noch mehr hoch. Druck erzeugt noch mehr Gegendruck. Deshalb hat die Leinenkorrektur nicht geholfen.
Tipps hast Du schon einige bekommen. Ergänzen würde ich noch. Das Verhalten konsequent sozial ignorieren (nicht schimpfen, nicht schauen. Schimpfen stachelt noch mehr an) und Alternativen aufbauen. In der Regel spielt auch Verhaltensübertragung eine Rolle. Du musst absolut ruhig, besonnen und souverän bleiben. Er braucht keine Korrekktur. Er braucht jemand, der ihm unaufgeregt zeigt wie er eine für ihn stressige, frustierende Situation meistern kann. Wer an der Leine ruckt, ist in der Regel selbst in einer erregten Gefühlslage.
Es kann auch helfen durch ruhigere, feste Routinen das ganze System herunterzufahren. Manchmal ist weniger mehr.
Auch Übertraining kann so etwas hervorrufen oder wenn der Hund so sehr behütet wird, dass er keine Entscheidung treffen darf. Er lernt nicht sich selbst zu regulieren.
Massregeln kann natürlich mit rein spielen. Das würde unterstützen, das du für ihne keine Orientierung bietest, dann macht er sein eigenes Ding.
Wichtig, obwohl Jochen es schon gesagt hat. Das hat nichts mit Strenge zu tun.
Ein Tagebuch kann helfen die genauen Stressauslöser zu finden.
(Ich lasse in solchen Fällen Hundkontakte an der lockeren Leine zu. So kann der Hund sich ein Bild machen, dass man ja gar nicht so aufgeregt sein muss. Häufig entsteht sowas auch, weil kein Kontakt an der Leine zu gelassen wird. Dadurch wird der Reiz natürlich noch interssanter. Verbotene Früchte will man erst recht. ABER: dafür muss man seinen und andere Hunde sehr gut lesen können, damit ein positiver unaufgeregter Kontakt möglich ist. Das würde ich bei Dir nur unter professioneller Anleitung emphehlen.)
Sorry, ich halte sowieso nichts von Hundekontakt an der Leine, zumindest nicht bei sich fremden Hunden. Wenn der Hund aber auch noch aufgeregt ist und unbedingt zu einem anderen Hund hin will, geht das gar nicht, auch und besonders nicht für den anderen Hund. Wäre das meiner, würde ich das tunlichst unterbinden, wenn ein solcher Hund aufgeregt auf uns zukommt. Wenn der Hund mit diesem Verhalten immer mal durchkommt und dann seinen Willen bekommt, muss man sich nicht wundern, dass er dann so ausrastet, wenn er es nicht darf. Konsequenz heißt da das Zauberwort. Damit ist man für den Hund berechenbar und dann wird er auch nicht maßregeln und „diskutieren“, wenn ihm etwas nicht passt.