Hi,
Respekt gebührt dir für deine Ehrlichkeit. Vermutlich wird dir meine Einschätzung dazu nicht gefallen, aber da du mit der Gesamtsituation unzufrieden bist und diese gerne ändern möchtest, sind klare Worte einfach notwendig.
Jemand muss euch mal die Augen öffnen und euch aus eurer „Schöne Welt Blase“ herausholen! Das was du beschreibst, ist der Klassiker, den Anfänger immer wieder aufs Neue begehen.
Ihr holt euch ein Familienmitglied, integriert es in euren Verbund und verwechselt Hund mit Mensch. Genau dadurch schafft ihr diese chaotischen Zustände, mit welchen ihr eigentlich gar nicht zufrieden seid, aber ändern wollt ihr letztendlich auch nichts. Ihr verwechselt verlässliche Führung und Struktur leider völlig mit Freiheitsentzug. Ein zwei Jahre alter Hütehund Mix ist kein Kind, dem man einen Gefallen tut, wenn man ihm im Haus die narrenfreie Zone überlässt.
Weil bei euch niemand klar die Regie übernimmt, springt der Hund zwangsläufig in die Lücke. Das hat nichts mit Bosheit zu tun, er versucht schlicht, die Kontrolle über die Situation zu bekommen. Das gibt ihm zwar ein Mindestmaß an vermeintlicher Sicherheit, bedeutet für ihn aber in erster Linie gigantischen, dauerhaften Stress.
Das Ergebnis seht ihr an der Haustür: Er bewacht euer Territorium, bestimmt, wer reinkommt, und maßregelt Besuch mittlerweile bereits durch Schnappen.
Eines muss euch klar sein: Schnappen ist erst der Anfang. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Hund hier einmal resoluter durchgreift und richtig zubeißt. Wie es danach weitergeht, kann man nur vermuten, auf jeden Fall nicht positiv für den Hund!
Schaut euch doch mal an, was ihr durch euer aktuelles Handeln eigentlich bewirkt:
- Indem ihr ihn frei im Haus flitzen lasst, schenkt ihr ihm keine Freiheit, sondern ladet ihm die volle Verantwortung auf, das Haus zu bewachen und Entscheidungen zu treffen.
- Indem ihr weiter Wurfspiele und Stöckchenspiele macht, lastet ihr ihn nicht mental aus, sondern pumpt ihn mit Adrenalin und Stresshormonen voll. Das Hirn brennt durch und an der Tür fehlt ihm anschließend jegliche Impulskontrolle.
- Indem ihr den Besuch Leckerlis füttern lasst, löst ihr nicht sein Problem, sondern bringt ihn in einen massiven inneren Konflikt zwischen Futtergier und Unsicherheit oder Kontrollzwang.
Das Traurige daran ist:
Ihr hattet bereits eine Trainerin da, die euch exakt die richtigen Ratschläge gegeben hat, von der Hausleine über den Ruheort bis hin zum Stopp der Wurfspiele. Ihr werft die Lösung aber über Bord, weil sie nicht in euer romantisches Wunschbild von Hundehaltung passt.
Der aktuelle Zustand, der bei euch herrscht, ist das Produkt eures Fehlverhaltens und eurer Fehlinterpretation.
Entweder ihr übernehmt jetzt die Verantwortung für den jungen Kerl, oder ihr lasst es sein und gebt ihn in fürsorgliche und verantwortungsbewusste Hände ab.
So wie es aktuell ist, schadet ihr dem Hund mehr, als ihr ihm wirklich Gutes tut.
Solange ihr ihm nicht die Verantwortung abnehmt und klare Grenzen setzt, wird sich an diesem gefährlichen Verhalten absolut gar nichts ändern.