Wie lange ist er denn schon bei dir? :)
Es ist natürlich total individuell wie lange es dauert bis sich eine gute Orientierung aufgebaut hat.
Ich finde ein Kommando wie "Schau" an sich schon praktisch, aber um dadurch Orientierung zu bekommen zu statisch. Das führt dann eher zu einem Blick, Lob abfangen und sich dann wieder den Außenreizen zuwenden.
Wenn er draußen noch kein Futter oder Spieli nimmt, könnte das für eine Unsicherheit draußen sprechen.
Ich würde an deiner Stelle erstmal jede Orientierung in deine Richtung verbal loben - sei es ein Blick, ein Ohr in deine Richtung gestellt und so weiter.
Wir haben es in der Welpenzeit oft so gemacht, dass wir an einer Stelle stehengeblieben sind, wenn Rosi sehr im außen war und sie haben gucken lassen. Wenn sie mich dann angeguckt hat und sie den Eindruck gemacht hat, dass sie genug geguckt hat, hab ich den Blick ruhig gelobt und wir sind weitergegangen.
Zusätzlich würde ich drinnen gemeinsames Zusammenarbeiten fördern und versuchen herauszufinden was im Spaß macht. Zergeln? Apportieren? Tricktraining? Rangeln? Irgendwas tragen? Leckis fangen? Leckis suchen?
Letzteres kann sich schon schwierig gestalten. Gerade Hunde aus dem Auslandstierschutz haben nie gelernt zu spielen, vor allem, wenn sie keine Welpen mehr sind. Man muss sich mal das Leben auf der Straße vor Augen führen. Das ist ein täglicher Überlebenskampf. Die Hunde sind ständig auf Futtersuche, um nicht zu verhungern und nebenbei müssen sie sich noch vor Autos, anderen Hunden und Menschen, die sie vertreiben wollen, in Acht nehmen. Da macht es null Sinn zu spielen und Zeit ist dafür schon gar nicht da. Waren sie zeitlebens an der Kette gefangen, war auch nichts mit Spielen. 🙈 Spiel ist ein Luxus, den nur Hunde genießen können, die halbwegs behütet aufgewachsen sind. Manche dieser Hunde lernen es mit der Zeit und mit Geduld, manche aber auch nicht.
@ Celine
Ich habe das Problem mit meiner Mila (aus Rumänien) jetzt auch. Sie ist nun 3 Monate bei mir, aber zu einem Spiel mit Spielzeug, Stock (was aber gefährlich ist) usw. bekomme ich sie zu Hause, wenn überhaupt, inzwischen nur ganz kurz. Draußen ist immer noch alles interessanter. Auch mit Leckerchen war es anfangs schwierig. Man muss halt suchen und etwas finden, was der Hund richtig toll findet. Und auch das kann dann draußen wieder dahin sein. Ich denke, Geduld und ganz viel Einfühlungsvermögen ist gefragt. Nur mit einem antrainierten Signal entsteht keine Bindung. Die entsteht durch gemeinsame Unternehmungen und Erlebnisse, auch wenn das kein Spiel ist und das braucht Zeit. Und die Eingewöhnung kann je nach Hund dauern. Gerade für diese Hunde ist alles neu und gruselig, ein richtiger Kulturschock. Schon deshalb kann er draußen noch so abgelenkt sein. Wenn diese Hunde auch noch lange Zeit in irgendwelchen Sheltern oder gar der Tötungstation eingesperrt waren, dann ist erstmal alles draußen interessant und sie können sich endlich wieder bewegen. Das merke ich Mila ganz deutlich an. Sie ist richtig glücklich, dass sie endlich rennen darf und das genießt sie, besonders auch wenn wir mit dem Fahrrad fahren. Das Leckerchenproblem haben wir zum Glück ganz schnell hinter uns gebracht. Mila hat anfangs aus Unsicherheit auch sehr langsam und schlecht gefressen. Auch Dinge außer der Reihe hat sie höchstens beschnüffelt. Inzwischen (nach ca. 3-4 Wochen) inhaliert sie jetzt ihr Futter und nimmt alles zusätzlich, was sie bekommen kann, sogar Obst und Gemüse. 🤪😂😂 Beim ersten Durchfall musste ich sie noch zu ihrem Glück zwingen und habe ihr die Möhrensuppe mit der Spritze eingegeben. Nun frisst sie Möhren- Apfel- Erdbeer- Melonen- Bananen- und Gurkenstücke mit Hingabe und bekommt gar nicht genug davon. Auch das kennen sie ja alles nicht und müssen sich wahrscheinlich erst einmal an den Geschmack gewöhnen. Bei den Leckerchen ist es ähnlich. Mit dem Spielen hat sich bisher allerdings noch nicht sehr viel getan. Sie rennt tatsächlich auch sehr gerne und genießt die Spaziergänge auch ohne Leine, ist aber inzwischen meistens sofort bei mir, wenn ich sie rufe. Ich würde die Aufmerksamkeit nicht versuchen, durch ein trockenes Signal einzufordern. Das macht für den Hund wenig Sinn und wird deshalb auch nicht sehr erfolgreich sein. Und eine Bindung entsteht aus der bloßen Befolgung des Befehls auch nicht. Vielmehr belohnst du lieber dann, wenn er von sich aus schaut und sich an dir orientiert. Das muss auch nicht unbedingt durch Anschauen passieren. Ich habe vielmehr darauf gesetzt, dass Mila lernt, dass sie auf mich achten muss, weil ich sonst eventuell weg sein könnte. 🤪🙈 Ich bin da eher der Typ, der nicht viel redet. Das heißt, anfangs war da natürlich noch die Schleppleine dran und ich bin z.B. bei Weggabelungen einfach ohne Kommentar in eine andere Richtung gegangen, hab mich mal hinter einem Baum versteckt, gehe weiter, wenn sie schnüffelt und rufe nur, wenn es unbedingt nötig ist. Auch einfach ohne Kommentar umdrehen und zurückgehen funktioniert gut. So lernt der Hund , sich auch ohne Signal immer an dir zu orientieren und dich im Auge zu behalten und es funktioniert bestens. Inzwischen schleppt sie im Freilauf nur noch ein kleines Stück Schleppleine hinterher zu meiner Sicherheit. Sie schaut nach mir und wenn ich die Richtung ändere, auch mit dem Fahrrad, kommt sie sofort von alleine hinterher gedüst. Und natürlich wird das auch belohnt, wenn sie von sich aus kommt z.B. mit einer Leberwursttube, aber meist einfach auch mit Worten, wie „Super! oder feine Maus!🤪“ Auch das ist eine Belohnung. Und das kann man auch noch gleich mit dem Rückruftraining kombinieren. Nur rennen und kuscheln ist zwar auch gut, reicht aber nicht wirklich aus. Baue einfach beim Rennen auch Dinge ein, z.B. das Kommando halt oder hopp und springt gemeinsam über einen Baumstamm. Dann tust du etwas mit dem Hund. Du kannst dich auch einfach mal mit ihm auf eine Bank setzen und Kinder auf einem Spielplatz beobachten. Auch dabei kann man loben, dass er z.B. ruhig schaut und nicht den rennenden Kindern hinterher will. Nur durch gemeinsame Interaktionen wird sich die Bindung immer mehr aufbauen und festigen. Das dauert, beim einen Hund geht es etwas schneller, als beim anderen, aber das baut sich sogar über Jahre immer mehr auf. Nicht umsonst ist man mit seinem Hund (meinem verstorbenen Mailo 🕯️🌈🕯️) nach vielen Jahren wie 2 alte Latschen.🤪🙈🙈Man kennt sich in- und auswendig und hat unendliches Vertrauen ineinander, denn nicht nur der Hund muss Vertrauen und eine Bindung aufbauen, sondern auch der Mensch. Vertraue ich meinem Hund nicht, wird z.B. auch kaum ein Freilauf möglich sein.