Ich möchte nochmal erklären, worum es mir geht.
Ozzy ist "albern". Er nähert sich anderen Hunden (egal welcher Rasse und Geschlecht) wie ein alberner Welpe. Mir ist durchaus bewusst, dass rassebedingt eine gewisse "Naivität" existiert, aber sein Verhalten ist eindeutig juvenil. Er leckt Ohren und Lefzen, er hat eine sehr "hibbelige Energie" und wird auf Grund dieser Energie von den anderen Hunden gemaßregelt. Das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Aber ich glaube mittlerweile (oder empfinde die tierärztliche Meinung dazu schlüssig), dass die Reife bzw. die Fähigkeit sich erwachsen zu benehmen auch biologisch (im Gehirn) geebnet werden muss.
In den letzten Wochen habe ich viel darüber gelesen, wie Testosteron das Gehirn verändert und dem Hund eine "geistige Reife" verschafft. Fernab von Training und Sozialisation. Quasi die Fähigkeit souverän, ruhig und gelassen zu agieren. Persönlich habe ich mit meinem Rüden damals genau das erlebt. Er wurde mit 1 Jahr kastriert und ist nie "erwachsen" geworden. Souveräne Tiere haben ihn nie akzeptiert, in jeder Gruppe war er unsicher und teilweise unklar in seiner Kommunikation. Er blieb irgendwie "albern". Ich finde leider kein besseres Wort, aber ich kann definitiv sagen, dass die Energie von meinem verstorbenen Rüden die gleiche ist, wie ich sie jetzt bei Ozzy wahrnehme. Und offensichtlich sehen das Hunde draußen genauso 😆
Mir ist bewusst, dass Biologie nur ein Baustein ist und ich durch Handling, Training, und Erfahrungen mit anderen Hunden viel ausgleichen kann. Mein verstorbener Rüde ist auch ohne Beißvorfall durchs Leben gekommen. 😁 Aber ich denke, warum einen Baustein wegnehmen und die Situation unnötig schwerer machen, als sie sein kann?!
Es geht also nicht um Verhaltensprobleme. Ich glaube, dass das, was ich an Ozzy wahrnehme einfach Biologie ist. Wie eine Hündin, die während der Läufigkeit durch Hormone ein anderes Verhalten zeigt, als außerhalb der Läufigkeit. Er ist nicht unerzogen oder schlecht sozialisiert (in dem Punkt). Ich glaube, er besitzt noch gar nicht die Fähigkeit sich zu kontrollieren und angemessen zu verhalten, weil das Programm in seinem Kopf noch nicht installiert ist. 😆
Wenn du davon so überzeugt bist, wäre die Schlussfolgerung jetzt für mich, entweder wartest du noch mit der Kastration (so das medizinisch vertretbar ist), oder du lässt ihm halt den anderen Hoden. Wenn sich dann sein Verhalten nicht ändert, siehst du zumindest, dass dass dann offensichtlich nicht der Grund war. Ich denke nach wie vor, dass das auf fehlende Sozialisierung und zusätzlich auf falschen Umgang des Halters damit zurückzuführen ist. Wir haben hier in der Nachbarschaft einen Bolonka mit dem gleichen Problem. Die Hündin ist inzwischen reichlich 2 Jahre alt und benimmt sich total aufgedreht, quiekt wie eine Wilde, weil sie zu jedem Hund hin will und wenn sie es dann darf, hüpft sie wie eine Wilde um dem Hund herum und rennt hin und her. Auch dieses von dir beschriebene Lecken zeigt sie. Die Dame, der der Hund gehört, reagiert in diesen Situationen völlig falsch. Theoretisch weiß sie es und ich habe es ihr auch schon hundertmal gesagt, dass sie den Hund in diesem Erregungszustand nicht zu anderen Hunden lassen darf. Als Antwort kommt da, dass sie ja aber lieb und nicht aggressiv ist….🙈Inzwischen lässt sie den Hund zwar kurz sitzen, wenn wir kommen, wartet aber nicht, bis er ruhig ist und dann darf er auch schon zu uns rennen.🙈🙈 Dazu kommt, dass ausschließlich eine Schleppleine genutzt wird. Meinen verstorbenen Mailo habe ich da nicht rangelassen, da er die Hündin nicht sehr zartfühlend gemaßregelt hätte. Das hätte Frauchen für ihren Liebling (ist auch noch sehr klein und zierlich) nicht verkraftet, aber genau das hätte der Hund von klein auf gebraucht - erwachsene gut sozialisierte Hunde, die ihn in seine Schranken weisen, wenn es zu viel ist. Mailo hat da ganz deutlich kommuniziert. Als wir uns ohne Hundekontakt ein anderes Mal eine ganze Weile unterhalten haben, hat sich die Hündin inzwischen beruhigt und da war es auch kein Problem mehr für Mailo. Meine Mila jetzt kommuniziert auch sehr gut und deutlich und ist nur genervt, ist aber dabei deutlich zarter und das ignoriert die Hündin komplett. Dieses Verhalten hat sich in der langen Zeit schon viel zu sehr gefestigt. Nun will ich dir natürlich nicht unterstellen, dass das bei dir auch so ist. Ich wollte dir nur damit zeigen, dass sehr wohl auch das Verhalten des Halters Einfluss hat, gerade wenn die Sozialisierung fehlt. Und da du ja erzählt hast, dass das bei deinem vorherigen Hund auch so war, könnte man zumindest mal darüber nachdenken, ob dein Verhalten in solchen Situationen da auch Einfluss darauf haben könnte..…🤷♀️