Home / Forum / Erziehung & Training / "Gewöhnungseffekt" im Training?

Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 608
heute 20:13

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
17. Juni 17:03
---> Ob er morgen wieder
gar nicht hört 🤷🏻‍♀️? <---
---------------------------‐---
(Zu Baja würde ich jetzt sagen: "lass das!" 😉)

Der Satz zeigt eine (innere) Erwartungshaltung an.
Damit programmiert man sich quasi schon selbst den Misserfolg herbei
und festigt negative innere Leitbilder und Glaubenssätze.
Dann fällt es schwer an den Erfolg zu glauben.

Eine einfache Methode solche Glaubenssätze durch positive zu ersetzen währe z.B. "autogenes Training",
manche Menschen benützen auch Audiotexte vor dem einschlafen zur Unterstützung - ein Freund von mir macht das regelmässig, mit Erfolg wie er mir erzählt hat.
Der kommt natürlich nicht sofort sondern schleicht sich eher einfach ein. Irgendwann fällts einem plötzlich auf.

Ist halt auch "dran bleiben" angesagt, so wie mit allem was alte Gewohnheiten und Strukturen betrifft.
🌻
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Jörg
17. Juni 18:11
Jörg, bei all deinem Pochen und Hinweisen auf die Rasse deines Lieblings und warum vieles nicht geht, interessiert es mich ehrlich gesagt schon - oder erst recht - wie du ihn eigentlich beschäftigst oder "auslastest". Egal wo ich mich über Amstaffs informiere, überall wird er als sehr sportlicher und bewegungsfreudiger Hund beschrieben. Magst du mal erzählen was Du alles so mit ihm unternimmst?
Ja das stimmt auch die können sehr sportlich sein wobei man Ausdauer nicht unbedingt deren Ding ist. Zumindest bei meinem nicht. Und körperlich Auslastung findet hauptsächlich übern Balance Übung wie zb. Baumstämmen und solche Dinge bei ihm statt das strengt ihn mehr an als lange Spaziergänge. Und ist auch gut an der Leine machbar. Zuhause im Garten mach ich dann auch mal zos oder etwas Dynamik mit dem Aggiliti Tunnel mal durch mal drüber. Aber ich mach das nicht mit zuviel Action sondern eher in der Konzentration zb ich steige über den Tunnel und er soll mir Folgen und neben mir ins Sitz gehen. Früher war ich auch im Gebrauchshunde Sport. Das war glaube ich so gar eher kontraproduktiv da er dadurch immer höher in der Erregung war und im Alltag dann doch etwas schwierig zu händeln war da er dieses Erregungs Level mit ins gewohnte Revier übernommen hat.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Moni
17. Juni 18:11
Letztendlich steht und fällt alles mit dem, was man selbst erlebt hat und wie verschiedene Situationen ausgegangen sind.
Entweder ging's gut oder es war schon fast traumatisch und das prägt sehr die innere Stimme des Menschen.
Und das nimmt der Hund wahr.

Und jeder Tag ist ein anderer 😉
Selbst jede Sekunde ist eine andere. Und Hunde testen eigentlich immer, wie gut unsere Kompetenzen gerade sind. Denn auch deren Kompetenzen sind nicht jeden Tag gleich gut.
Und es gibt Hunde, wie meinen, dem Wild - fast - egal ist. Er hat sich noch nie dafür interessiert.

Manche Hunde brauchen auch einfach lange, um eine Situation zu bewerten und machen können das ganz schnell und mache verlassen sich voll und ganz auf den Führenden, weil sie es gar nicht können.

Ich finde es wichtig, dass man mal über die eigenen Stärken und Schwächen nachdenkt und welche Rolle man selbst übernehmen würde in einer Gruppe, die irgendwo im nirgendwo überleben müsste.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Jeannette
17. Juni 18:14
Hallo darf ich mal wie slt dein Hund ist, denn es 2 phasen in denen man meint mann fängt wieder bei null an .Das ist so zwischen 13 und 18 mon. Und dann so mit 3/ 3,5 Jahren da sind sie in der Pupertät wie Teenager.
Es kann auch sein das es ihm ganz eibfach zu langweilig ist. Trainiere sn verschuedenen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten. Baue die Übung etwas um. Viel Spẞ bei üben.
Achja und bei der Pubertät heißt üben,Ballbleiben und
ruhe bewahren.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Karin
17. Juni 18:20
Ich habe ihn schon vor der Wohnungstür warten gelassen, dann selber raus, eingeladen, wieder warten lassen, Tür zu, hin zu den Treppen, warten lassen, selber Treppen runter, einladen, gleiches an der Haustür. Dann sind wir los, ich mir dem inneren Mantra "ich bin jemand, der sich nicht durch die Gegend ziehen lässt". Und dann habe ich ihn immer wieder für 20 bis 30 Meter rangeholt mit unserem Leinenführigkeitssignal (bei mir) und wieder freigegeben zum schnüffeln/Geschäfte erledigen. Wenn er aber in Freigabe angefangen hat zu ziehen direkt zurück eingeladen und körpersprachlich zum bleiben aufgefordert. So, dass hat gestern erst mal richtig gut geklappt. ABER und ich hoffe ich enttäusche hier niemanden. Ich habe heute morgen alles genauso gemacht wie gestern. Mit noch ein bisschen mehr Zuversicht, weil es gestern geklappt hat. Und Nero ist wieder viel öfter vorgegangen. Bei weitem nicht so schlimm wie sonst (er hat nicht gezogen oder ist gesprungen), aber ich musste ständig dagegenarbeiten, auch wenn er mitgemacht hat. Ob er morgen wieder gar nicht hört 🤷🏻‍♀️?
Er probiert, ob das eine Eintagsfliege ist. Nicht nachlassen und den längeren Atem haben!
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
17. Juni 18:25
Warst du mit Chino mal an einem Wildschweingehege? Wo die Wildschweine meist Menschen und Hunde am anderen Ende des Zauns gewöhnt sind und recht entspannt bleiben? Wäre interessant, ob es tatsächlich schon alleine der Geruch ist, oder die Bewegung und die Rotte als Ganzes. Und ob eine Desensibilisierung über Zeit eintritt, wenn ihr da einfach mal eine Stunde auf der Bank sitzt. Nero dreht bei Wildschweinen (im Wald, nicht am Gehege! ) auch auf, wie bei sonst keinem Wild. Ich bilde mir ein das liegt daran, dass Wildschweine im Gegensatz zu anderem Wild nicht nur Beute, sondern ernstzunehmende Gegner darstellen. Manchmal bilde ich mir ein, dass Nero Wettbewerb sucht, um seinen Kampfgeist zu befriedigen. Das ist etwas, das ich mit Suchspielen und Bewegung/Laufen nicht kompensieren kann. Sich einfach mal ernsthaft zu messen, zu beweisen und Widerstand zu bewältigen. Für jegliche Art von Beißsport sind wir nicht geeignet, schwierig da einen befriedigenden "Ersatz" zu finden.
Ich denke da vermischt sich eure grundsätzliche Problematik mit der natürlichen Neugierde deines vieleicht dann auch jagdlich getriggerten Nero.

So gesehen wird das von Dir beschriebene Verhalten von Nero einfacher zu fassen sein. Wobei ich deine "Einbildung" nicht einfach wegwischen möchte, aber sie wirkt auf mich schon sehr "vermenschlicht"

Herausforderung suchen, oder sich mit
etwas "messen " wollen kann auch dahingehend gedeutet werden, das dem Hund einfach etwas Entertainment fehlt.
So gesehen beäuge ich auch Baja gerade etwas argwöhnisch, z.Z. ist sie echt recht "triebig" unterwegs. 😁
Das erinnert mich schon an ihre ersten drei Jahre, Junghundezeit. Damals hab ich oft richtig Nerven gebraucht und stand öfters etwas ratlos da.
🌻
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
17. Juni 18:39
Ja das stimmt auch die können sehr sportlich sein wobei man Ausdauer nicht unbedingt deren Ding ist. Zumindest bei meinem nicht. Und körperlich Auslastung findet hauptsächlich übern Balance Übung wie zb. Baumstämmen und solche Dinge bei ihm statt das strengt ihn mehr an als lange Spaziergänge. Und ist auch gut an der Leine machbar. Zuhause im Garten mach ich dann auch mal zos oder etwas Dynamik mit dem Aggiliti Tunnel mal durch mal drüber. Aber ich mach das nicht mit zuviel Action sondern eher in der Konzentration zb ich steige über den Tunnel und er soll mir Folgen und neben mir ins Sitz gehen. Früher war ich auch im Gebrauchshunde Sport. Das war glaube ich so gar eher kontraproduktiv da er dadurch immer höher in der Erregung war und im Alltag dann doch etwas schwierig zu händeln war da er dieses Erregungs Level mit ins gewohnte Revier übernommen hat.
Habt ihr im Hundesport keine Anleitung bekommen wie man seinen Hund wieder runter fährt? Pausen-Modus?
Wurdet ihr wenigstens darauf hingewiesen?
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Jörg
17. Juni 18:45
Habt ihr im Hundesport keine Anleitung bekommen wie man seinen Hund wieder runter fährt? Pausen-Modus? Wurdet ihr wenigstens darauf hingewiesen?
Jain da ging es mehr um hohe Drehzahl beim Hund und Unterordnung und nicht wirklich den Hund wieder runter zu holen. Also wirklich eher für die Arbeit im Schutzdienst. Klar wurden auch Pausen zwischen den einzelnen durchgängen gemacht. Das war dann aber eher im Zwinger oder im Auto warten auf den nächsten Durchgang. Teilweise bin ich nachts um eins nach Hause gekommen. Das war nicht das was ich mir im zusammen leben mit dem Hund so vorgesehen habe. Manche Dinge waren hilfreich manche Dinge eben nicht.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
17. Juni 21:13
Jain da ging es mehr um hohe Drehzahl beim Hund und Unterordnung und nicht wirklich den Hund wieder runter zu holen. Also wirklich eher für die Arbeit im Schutzdienst. Klar wurden auch Pausen zwischen den einzelnen durchgängen gemacht. Das war dann aber eher im Zwinger oder im Auto warten auf den nächsten Durchgang. Teilweise bin ich nachts um eins nach Hause gekommen. Das war nicht das was ich mir im zusammen leben mit dem Hund so vorgesehen habe. Manche Dinge waren hilfreich manche Dinge eben nicht.
Oha... 😶
...da habe ich wohl völlig andere Erfahrungen gemacht und Schwerpunkte empfohlen bekommen.
Kann gut verstehen dass du das irwann sein lassen hast.
(Allerdings habe ich nie Unterordnung gemacht.)
Bin in einem ganz normalen Gebrauchshundeverein, keine Zwinger, (sind aus alten Zeiten noch vorhanden) kein Warten im Auto.

LG 🌻 🙂
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Lisa-Eileen
17. Juni 22:23
Wenn ich mir die Gesten in Gesamtheit anschaue, dann passt bei Nero am besten Führungsansage und Führungsaussage. Hohe Erregung spielt natürlich eine Rolle im Verhalten, aber Nero zeigt auch alle beschriebenen Verhalten in Ruhe und Zuhause. Wenn es nur das gewalttätige Leinenzerren wäre, dann würde ich es noch unter Erregung und Stress verordnen. Aber es sind viele Kleinigkeiten die beschrieben werden, die er macht. Angefangen von anrempeln beim Spielen, in Türen liegen, in den Weg stellen, sehr viel und nur markieren (ein Lösen gibt es nicht), Kontakt einfordern durch Stupsen, Pfote und Kopf auflegen usw usw. Ich habe es aus dem Buch so verstanden. Ein Hund stellt eine Führungsansage, wenn er sich für kompetenter hält. Das ist was Frank DA schon vor vielen Beiträgen mehrfach geschrieben hat. Nero hält mich nicht für kompetent. Die Führungsaussage kommt, wenn der Hund sich insgesamt für den tollsten hält. Sie beschreibt es als "ich hab mich umgesehen, ich bin der Geilste hier". Sich präsentieren, große Abstand draußen einhalten, imponieren, mit Gegenständen stolzieren. Also wir hätten nach anfänglicher Betrachtung den Fall, dass Nero sich speziell im Bezug zu mir für kompetenter und sich grundsätzlich für den geilsten hält. Ob das alles so stimmt ist natürlich eine andere Frage. Wir reden hier ja nicht von wissenschaftlichen Studien, sondern von der Beobachtung und Interpretation einer Frau, die mit vielen Hunden lebt. Muss man natürlich mit einer Prise Salz lesen. Aber völlig Unrecht wird sie auch nicht haben, wenn sie dauerhaft 30 bis 40 Hunde erfolgreich führt und mit ihnen lebt.
Mit dem für den geilsten halten fand ich etwas einseitig/ komisch.
Fand ich eher sinnvoll im Kontext wenn ich als Mensch ne Führungsfrage stelle das das dann unter anderem die Antwort vom Hund ist wenn er es übernimmt/ übernehmen will.
Eher so ein "ich bin der kompetenteste hier, dann übernehm ich, geht klar wenn du es nicht kannst" und nicht im Sinne von das der Hund iwie prollig ist.
Gibts bestimmt auch, aber ich hatte da eher aus meiner Sicht mit Rocket draufgeguckt und er ist sehr fürsorglich und garnicht iwie prollig.