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Julia 🐾Nero
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Anzahl der Antworten 608
zuletzt 21. Juni

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 15:03
Hier sind ja schon richtig viele schöne Kommentare und Ratschläge zusammengekommen, ich finde der zitierte Kommentar hier hat in meinen Augen ganz viel wichtiges! Passend dazu will ich mal erzählen, wie das bei uns lief: Ich habe die Leinenführigkeit (also eher Alltagsfuß für uns, neben mir gehen, kein Schnüffeln, bis Freigabe) zunächst über Futtertreiben aufgebaut, Ablenkung gesteigert, Futter langsam abgebaut, pipapo. Das hat bei uns in Summe ganz in Ordnung funktioniert, hat aber nicht dazu geführt, dass Hina an lockerer Leine (3 m oder auch 10 m Schleppleine) gelaufen ist, wenn sie das Kommando nicht hatte. Was für mich die große Veränderung war: Radiustraining, schauen was mir der Hund an Aufmerksamkeit bietet (es muss kein direkter Blick sein!), diese anfangs auch einfordern (hier über Richtungswechsel, aber alles ohne Ansprache), eine abwechslungsreiche Belohnung und Interaktion mit mir für die freiwillige Aufmerksamkeit (a la "es lohnt sich aufmerksam zu sein, wir kennen es) und am besten auf die aktuellen Bedürfnisse abgestimmt (z.B. Jagen wollen, stattdessen abwenden (ist aber auch schon next level!) - gibts ein Leckerlinachjagspiel mit mir). Zusätzlich auch noch andere "Arbeit" wie Dummysuche, Mantrailing o.Ä., was dem Hund Spaß macht und ihn entsprechend seiner Bedürfnisse beschäftigt. Ich habe das als Onlinekurs bei Familienjagdhund gemacht (Freilaufkurs für jagdlich motivierte Hunde). Durch dieses Training, was eigentlich auf einen Freilauf abzielt, ist unsere Bindung insgesamt deutlich besser geworden und ihre Aufmerksamkeit auch an der kurzen Leine gewachsen. Ich habe sie auch viel besser lesen gelernt. (Kann den Kurs auch wirklich empfehlen ^^) Worauf ich hinaus will: Hundetraining bzw. bestimmte Trainingsziele sind ja selten losgelöst und eigenständig zu sehen. Ich schätze auch, dass die einzelnen Methoden für die Leinenführigkeit nicht viel bringen, wenn das große Ganze vielleicht nicht passt und es vielleicht woanders hapert (Beziehung ausbaufähig, Belohnungen wirklich(!) bedürfnisorientiert - und der Hund entscheidet was die Belohnung ist :D, Führungsthemen wurden hier ja auch oft schon angesprochen). Vielleicht lohnt es sich wirklich nochmal ganz wo anders anzusetzen und sich zu fragen, was dem Hund Spaß macht, was dir und euch eventuell zusammen Spaß macht! Gibt es denn freiwillige Aufmerksamkeitssignale von Nero (Ohr dreht sich, er wird langsamer, seitlicher Blick, ...?). Bei dem Radiustraining ging es übrigens auch darum, die "richtige" Position quasi zu markern, aber nicht so punktuell (weil ja Spielraum ist) und vor allem nicht eintönig, damit es doch immer abwechslungsreich und spannend bleibt - da konnte man z.B. auch mal längere Aufgaben einbauen, wenn das was für den Hund ist. Das Thema mit ruhig in den Spaziergang starten bzw. Themen, die zuhause schon entstehen nutzen, um Regeln und Grenzen durchzusetzen unterschreibe ich auch.
Das ist interessant.
Futtertreiben habe ich auch schon probiert.
Aber wir bekommen das Fuß gehen überhaupt nicht hin.
Das mag er nicht, das will er nicht.
Da konnte ich bisher keine zwei Schritte hinbekommen.

Ich werde mich mal über diesen Kurs informieren. Jagdlich motiviert ist er auf jeden Fall. Das scheint eine seiner größten Interessen zu sein.

Vielleicht können wir darüber dann gemeinsamen Spaß aufbauen. Ich habe schon einiges probiert, aber irgendwie war nie das richtige dabei. Gut, die Futterbeutelarbeit macht ihm Spaß und lässt sich auch gut in den Alltag integrieren.
Aber vielleicht geht ja noch mehr.
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 15:16
Wenn Bewegung eines seiner Befürfnisse ist, Dir aber vom Leinenzug alles wehtut - schon mal über Zughundesport, z.B. DogScooter, nachgedacht? Kraft genug hat er ja, Bewegungsfreude ebenfalls, ist nur die Frage ob er halbwegs dauerhaft Spass dran hätte...
Wir haben ein bisschen Canicross probiert.

An Bikejöring oder Dogscooter traue mich aufgrund seiner Reaktivität und des Jagdverhaltens nicht ran. Da fürchte ich liege ich schneller im Graben, als ich schauen kann.
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 15:24
..ich kann Deinen Tipps gut folgen .. nur.. das überall vorherrschende Trainingsverständnis will nicht in meine Birne 😉 Ein Beispiel.. mein Rocky ist mehr Hüte- und Schutzhund als alles andere.. muss ich mit ihm trainieren? ..ja.. anfangs.. ein klein wenig.. wirklich nicht viel.. ist sowieso sehr leicht für ihn, keine Herausforderung, kaum Belastung.. einfach langweilig.. und er kann das Geforderte sowieso..😘 und dann lebt mein Hütehund mit mir.. wie der Hütehund mit seinem Schäfer.. trainiert der Schäfer seinen Partner?!.. nur anfangs etwas.. dann wird gelebt.. Der Hund achtet immer auf seinen Schäfer und gehorcht auch immer, wenn der Schäfer aufmerksam ist. Braucht der Schäfer Leckerlies?! .. nein.. die gemeinsamen Interessen und die Freude am gemeinsamen "Erfolg" ist mehr als genug Belohnung. Jeder intensive Blick löst Glücksgefühle beim Hund und beim Schäfer aus. Vllt ist bei meinen Gedankenspielen ein klein wenig von Interesse für Julia und Nero dabei..und wenn es nur der Gedanke ist "gemeinsame Interessen zu finden und zu leben..". ich hoffe es.. bin aber schon etwas ratlos 😔
Oh nein bitte nicht ratlos sein 😊.

Nero zeigt eigentlich recht wenig Hütehundverhalten. Also ja er ist reizoffen und reagiert stark auf visuelle Reize. Aber wirklich Hüteverhalten kann ich nicht erkennen.

Ich habe nie sonderlich Interesse an Jagdverhalten und entsprechen Jagdtraining gehabt.
Vielleicht ist das aber etwas, das wir gemeinsam machen können und uns verbindet.
Er ist da auf jeden Fall sehr stark ambitioniert.
Mein Ding ist es bisher nicht, aber ich habe es auch noch nicht wirklich kennengelernt.

Vielleicht finden wir über ein gutes Jagdersatztraining zueinander.

Zuzüglich zur der ganzen Führungs/Beziehungsarbeit.
 
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Lisa-Eileen
15. Juni 15:27
Bestellt 😉
Bins auch grad am lesen jetzt, habs aber nur bis Seite 45 oder so gepackt.
Mega geil und ich hab auch bei mir nochmal viel erkannt im Bereich Führungsanfragen.
Sehr spannend.
Beim Teil Führungsansagen und teils Anfragen musste ich oft an dich denken, aber wollt jetzt auch nicht das ganze Buch abfotografieren.😅🤣
Sehr gut auf jeden Fall und ich glaub es wird uns beiden (und auch anderen) sehr helfen.👌🏻
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 15:27
Hallo Julia, danke für deine ehrliche Worte! Du hast es in dem Text sehr schön selbst erklärt, wie du Nero zu dem Hund erzogen hast der er jetzt ist! Anscheinend bist du aber mit dem Resultat nicht sehr zufrieden?
Das ist die Untertreibung des Jahres! 😀
 
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Lisa-Eileen
15. Juni 15:33
Ich mag Cesar Millan auch ganz gerne. Ja er weiß nichts über den mordernen wissenschaftlichen Stand und er kann nicht verhaltensbiologisch und nach Lerntheorie erklären was er macht, aber er kann intuitiv mit Hunden umgehen und führen. Ich finde er wird oft übertrieben schlecht gemacht. Er ist halt das Gegenteil von Trainieren und Konditionieren. Wobei er durch ein bisschen Training und Konditionierung weniger sozialen Druck ausüben müsste. Nur sind Hunde auch keine fragilen Porzellanpuppen, die bei Druck kaputt gehen und traumatisiert sind. Wenn man ehrlich ist sind seine Hunde nicht eingeschüchtert oder unglücklich. Es ist nicht für jeden was, keine Frage, aber ihm jegliche Kompetenz abzusprechen ist einfach nicht ehrlich. Und er war überhaupt der erste bekannte Haustiertrainer, der Haltung, Energie und Führung des Menschen thematisiert hat. Und nie den Hunden die Schuld gegeben hat.
Die Folgen die ich damals mal gesehen habe kam er immer mit Brechstange (im übertragenen Sinne) und es wurde nie an der Ursache gearbeitet oder der Hintergrund erklärt.
Meine Mum wollte von ihn damals auch was nachmachen und meinte wenn sie die Leine hochzieht damit er sich würgt würd er aufhören zu ziehen.
Surprise surprise, es juckte ihn nicht.
Seitdem durft sie nicht mehr an ihn ran.😬
Hatte bisher nie was positives gesehen bei ihm, aber die Amis sind halt oft auch echt strange drauf was Hunde(haltung) angeht.
Gehen net Gassi, geben keine Führung und lasten net aus und erziehen nicht und dann wundert man sich das der Hund die Bude zerlegt und meint das wär normal.
 
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Julia 🐾Nero
15. Juni 15:33
So ihr Lieben, ich denke ich habe soweit alle Fragen beantwortet.
Manche Fragen haben sich überschritten oder wurden mehrfach gestellt, daher seid mir nicht böse, wenn ich dann nur auf einen Beitrag und nicht alle geantwortet habe.

Ich denke wir haben hier eine Menge aufgedeckt, Danke dafür!

Es war nicht das, was ich erwartet habe, als ich den Thread erstellt habe. Aber wohl das, was ich gebraucht habe.

Ich würde den Thread noch ein paar Tage offen lassen, falls das Bedürfnis nach Austausch über ähnliche Situationen oder über das Konzept der vorliegenden Situation besteht. Dann würde ich ihn langsam schließen.

Noch einmal herzlichen Dank für die Fragen und Anregungen, ich muss jetzt viel nachdenken und schauen, wie es weitergehen soll.
 
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W
15. Juni 16:07
Hier wird nach Methoden und Tips und Tricks gesucht. Gelesen, gesehen, gehört ?!? Versuche von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Hunden. Ein Video wo man sich selbst beim Training mit dem Hund in Großaufnahme sieht, der Hund muss garnicht zu sehen sein. Nur sich selbst beurteilen und die eigene Körpersprache und Mimik beobachten.
Wer ein Buch bis Seite 45 gelesen hat, sollte die Zeit vorm Training auch nutzen mental gut drauf zu sein und das dem Hund zu zeigen.
Ich habe das Glück richtig gute Leute um mich zu haben. Die haben mir einige Videosequenzen von mir gezeigt wo ich verwundert war wie schlecht ich dabei weg kam. Ich war das Fragezeichen. Wir haben uns ehrlich geholfen. Das funktioniert hier nicht. Es muss sich eigene Überzeugung entwickeln.
Wir haben uns auch gefilmt wenn alles gut war. Haben uns angeschoben und mit Schwung und Tatendrang passend zum Hund beim nächsten Mal wieder noch besser zu sein. Das war Hundesport im Team mit Menschen und Hund. Da hat auch nicht immer alles sofort funktioniert. Wichtig ist aber doch das Verzweiflung, Stress, und Unsicherheit nicht in unserer Ansprache beim Hund ankommen.
Ein Verein in der Nähe mit Leuten die sympathisch sind und wo man sich wohl fühlt können besser helfen als dieses Forum. Der Spaß und die Freude dürfen nicht fehlen.
Mir macht das mitlesen keinen Spaß mehr.
 
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Frank
15. Juni 16:44
Deine (Selbst-)Ehrlichkeit ist wirklich bemerkenswert, ich ziehe meinen Hut vor Dir.

Und sie ist entscheident dafür dass du eine Lösung zum Thema "Standing" für dich finden kannst, mit Ausdauer und Mut.
Sei dir selbst eine gute Freundin, so wie du es auch für Nero wirklich bist in meinen Augen.

Es gibt durchaus Trainer, Verhaltenstrainer und möglicherweise Vereine die sich auf solch selbstständige Rassen spezialisiert haben, gerade auch im Bezug darauf, den Halter dementsprechend anzuleiten.

Psychologisch bin ich übrigens genauso belastet aufgestellt wie manch andere Menschen hier am Board, mit Problemen wie z.B. Adhs und traumatischen Hintergrundgeschichten. (Lisa Eileen hat das äusserst direkt benannt.)
Das ist der Grund warum mir diese Themen auch so am Herzen liegen und ich darauf herumreite.
Und ja, einen Hund wie Nero hätte mich vermutlich auch überfordern können,
meine Streunerin bringt - oder besser brachte - mich oft genug an meine Grenzen und zum Heulen/Kotzen war mir deshalb auch oft genug.

Allerdings sprengt das Thema auch schnell einen Thread, wird auch schnell von sehr persönlicher Natur.
Nicht jedermann's Sache. 🌻

Ich wünsche Dir Mut und Zuversicht, ich bin sicher Du kannst das, hast alles was du dafür brauchst.
LG 🌻
 
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Elke
15. Juni 16:48
Deine (Selbst-)Ehrlichkeit ist wirklich bemerkenswert, ich ziehe meinen Hut vor Dir. Und sie ist entscheident dafür dass du eine Lösung zum Thema "Standing" für dich finden kannst, mit Ausdauer und Mut. Sei dir selbst eine gute Freundin, so wie du es auch für Nero wirklich bist in meinen Augen. Es gibt durchaus Trainer, Verhaltenstrainer und möglicherweise Vereine die sich auf solch selbstständige Rassen spezialisiert haben, gerade auch im Bezug darauf, den Halter dementsprechend anzuleiten. Psychologisch bin ich übrigens genauso belastet aufgestellt wie manch andere Menschen hier am Board, mit Problemen wie z.B. Adhs und traumatischen Hintergrundgeschichten. (Lisa Eileen hat das äusserst direkt benannt.) Das ist der Grund warum mir diese Themen auch so am Herzen liegen und ich darauf herumreite. Und ja, einen Hund wie Nero hätte mich vermutlich auch überfordern können, meine Streunerin bringt - oder besser brachte - mich oft genug an meine Grenzen und zum Heulen/Kotzen war mir deshalb auch oft genug. Allerdings sprengt das Thema auch schnell einen Thread, wird auch schnell von sehr persönlicher Natur. Nicht jedermann's Sache. 🌻 Ich wünsche Dir Mut und Zuversicht, ich bin sicher Du kannst das, hast alles was du dafür brauchst. LG 🌻
Kann ich voll unterschreiben, auch ich habe größten Respekt vor Julias Offenheit! Hinzufügen möchte ich noch einen Dank an alle Beteiligten, das ist ein sehr konstruktiver und vor allem freundlicher Austausch, heute nicht mehr selbstverständlich ❣️