Liebe Yvonne,
dein Schmerz schlägt jedem, der nur ein wenig Empathie empfindet, beim Lesen voll entgegen. Und ich glaube, jeder hier im Forum spürt beim Zeilenlesen diesen tiefen, dumpfen Stich im Herzen.
Ich habe wegen Krebs bei meinem Felix genau dasselbe durchgemacht. Man sucht verzweifelt die Schuld bei sich, dreht jeden einzelnen Tag im Kopf um und denkt, man hätte in dem Moment, als es darauf ankam, einfach versagt. Dieses Gefühl brennt sich so unglaublich tief ein, weil man seinen Hund um jeden Preis beschützen wollte und dieser schleichenden Krankheit plötzlich völlig hilflos gegenübersteht. Ich kann den letzten Weg von Felix bis heute nicht ohne Pausen erzählen. Es hat bei uns zehn ganze Jahre gedauert, bis wir überhaupt bereit für ein neues Familienmitglied waren.
Einen Hund mit nur dreieinhalb Jahren so brutal aus dem Leben gerissen zu bekommen, ist der absolute Albtraum. Es gibt keine Worte auf dieser Welt, die diesen tiefen, schwarzen Abgrund in deiner Brust gerade kleiner machen können. Er war deine Welt und du seine, und dass diese Welt von einer Sekunde auf die andere in tausend Scherben zerbricht, tut so unsagbar weh.
Aber bitte, hör auf, nach Schuld bei dir zu suchen. Du hast nicht versagt. Krebs bei Hunden ist ein schrecklicher, leiser Dieb. Er schleicht sich völlig ohne Warnzeichen ein, besonders an Organen wie der Leber, die selbst keine Schmerzen melden. Cooper hat bis zu diesem Moment nichts gespürt und nicht gelitten. Er hat einfach jeden einzelnen Tag sein glückliches, unbeschwertes Leben an deiner Seite genossen. Dass du nichts gemerkt hast, liegt nicht an dir, sondern daran, dass er bei dir einfach wunschlos glücklich war und bis zum Schluss deine pure Liebe gespürt hat.
Diese Wellen, die dich gerade zu Boden reißen, diese lähmende Stille im Haus, wenn das leise Schnarchen fehlt und dich beim Heimkommen niemand mehr mit leuchtenden Augen erwartet, das ist der Preis für diese ganz besondere, bedingungslose Liebe zwischen euch beiden. Der Schmerz wird vielleicht niemals ganz schwinden, aber er wird mit der Zeit erträglicher und gibt dir irgendwann wieder Raum zum Durchatmen.
Cooper hat in seinen dreieinhalb Jahren mehr reine Liebe erfahren, als manche Hunde in ihrem ganzen Leben erleben dürfen. Er ist nicht allein gegangen, sondern getragen von deiner unendlichen Liebe.
Lass die Tränen fließen, wann immer sie kommen. Du musst jetzt für niemanden stark sein. Wir weinen hier alle ein Stück weit mit dir.
Fühl dich ganz leise und fest umarmt.
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Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de Saint-Exupéry)
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