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Dogorama-Mitglied
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heute 11:56

"Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Hallo ihr Lieben :) Ich habe kürzlich o.g. Buch verschlungen und gleich begeistert mit dem dort aufgeführten Training begonnen. Für alle, die es nicht kennen: Es geht darum gemeinsam mit seinem Hund die Welt zu entdecken und Spuren zu suchen etc.. Quasi ein Leitfaden, wie man dem Hund zeigt nicht mehr alleine jagen zu gehen, sondern voller Freude zu kooperieren. Ich bin nun unendlich begeistert, weil erste (auch unerwartete) Erfolge schon in wenigen Tagen sichtbar wurden und wollte nun mal fragen, ob noch jemand inspiriert von diesen Methoden mit seinem Hund die Welt erkundet? Würde mich über einen Erfahrungsaustausch unheimlich freuen! Liebe Grüße
 
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Katja
heute 09:13
Hi, hier meine zusammenhanglosen Gedanken zum Nein. 1. Denke ich, dass der Rezipient bestimmt, was eine Strafe/ein Abbruch durch Vermeidung ist. -> Dracu wirkt in dem tollen Video für mich absolut nicht gestraft, sondern an eine Abmachung erinnert. 2. Könnte Nein nicht (natürlich nur in diesem Zusammenhang) ein Spektrum sein? Ich lerne sehr viel aus diesem tollen Thread, arbeite aber nicht nach dem Ulli-Weg. Wenn ich mit Wilma Dummyarbeit mache, zeigt ihr ein ,,A" an, dass sie sich vom Dummy zu weit entfernt. Wie ein ,,kalt" beim Topfschlagen. Beim Fährtenuntersuchen auf der Rehwiese funktioniert dieses ,,A" wie ein Abbruch-> wir konzentrieren uns in eine andere Richtung, z.B. weil der Wechsel in ein Brombeergebüsch führt. Je nachdem wie vertieft Wilma arbeitet, kann das A sehr sanft oder etwas schärfer ausgesprochen werden. Ich muss einschätzen, wie viel Intensität gerade nötig ist. Da finde ich es schwierig die Grenze zu ziehen und zu sagen, ab dann ist es eine Vokabel auf die wir uns vorher verständigt haben und alles darüber ist ein Abbruch. Ergibt das Sinn?
Genauso benutze ich es auch!🤗

Was ich total spannend finde: Der Hund lernt ja, wie man tickt und nach kurzer Zeit braucht’s oft gar keine Äußerung meinerseits mehr, sondern es passiert automatisch das, was ich mir in der Situation vorstelle!🤗

Beispiel war bei uns die Straße: ich wollte kein hartes Kommando, aber ich wollte natürlich auch nicht, dass Polli einfach auf die Straße schlurft.
Also haben wir am Anfang ein „Warte“ eingeführt, um sie am Bordstein zu stoppen. Zum Glück hat Hundine nen eingebauten Bordsteindetektor… das hat’s echt einfach gemacht.😀
Echt schnell hat sie dann angehalten, ohne, dass ich es sagen musste.
Und wenn sie jetzt im Zweifel ist, ob der Bordstein jetzt ernstgenommen werden muss oder nicht, dann seh ich das Fragezeichen über ihrem Kopf und geb kurz ein „ey“, quasi als Erinnerung/Entscheidungshilfe.

Dieses gemeinsame Denken/Entscheiden find ich echt total faszinierend!
Funktioniert ja durchaus auch umgekehrt: Wenn ich in Gedanken vor mich hinschlurfe, zeigt mir Hundine auch schonmal eine Abzweigung an und schaut mich dann ganz erwartungsvoll an. Wenn ich dann zeige oder sogar „na denn los!“ sage, wird sofort freudig in die neue Richtung losgaloppiert und unser Spaziergang nimmt einen ganz anderen Verlauf…
 
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Ina
heute 09:14
Mit Amy (Border Terrier🌈) habe ich ein „Denk nach“ als Vorstufe zum „Nein“ gelernt. So als Erinnerung was unsere Abmachungen sind und triff dann deine Entscheidung. Das war nicht Situationsgebunden, sondern konnte alle Regeln des Miteinanders betreffen. Das hat Amy meistens tatsächlich zum Nachdenken gebracht.
Bei Yaco (Hund aus dem spanischen Auslandstierschutz) ist dieser Drang eigene Entscheidung zu treffen extrem ausgeprägt und betrifft sämtliche Lebensbereiche. Er hat selbstständig die Entscheidung getroffen bei uns zu bleiben und uns vorher getestet (wie reagieren wir in verschiedenen Situationen, wenn er nicht folgt). Selbst die Gabe von Ohrentropfen ist eine Entscheidung, die er trifft und vorher überlegt (soll er mir soweit vertrauen?) Wenn ich ihm die Zeit lasse seine Entscheidung zu treffen, vielleicht auch eine Belohnung in Aussicht stelle, dann kann ich ihn zu einer Entscheidung in meinem Sinne bewegen. Mit Kommandos und Zwang funktioniert bei ihm gar nichts, mit freundlicher Einladung und Mitnehmen auf meinem Weg fast alles.
Das hat natürlich nichts mit Kontrolle des Jagdverhaltens zu tun. Insofern muss ich auch in dieser Hinsicht nichts Abbrechen.
 
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Kirsten
heute 09:39
Danke Dir, Kirsten, für diese fast schon philosophischen Ausführungen!😀 So macht der Austausch immer wieder Spaß, auch bei u.U. kontroversen Meinungen! Der moralische Zeigefinger löst dagegen spontan andere Reaktionen bei mir aus, die ich aber beileibe hier nicht aufschreiben werde, weil es niemandem was bringt. Jeder wie er meint.
Ich weiß nicht, was du mit dem letzten Absatz meinst. Wenn es nicht hierher gehört, gibt es ja immer noch PN (: Falls du magst, kannst du es mir dort erklären.
(Falls Teile meines Textes gemeint waren)
 
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Das
heute 10:16
Vielen Dank für Deine Gedanken Kirsten und ich finde es sehr interessant darüber nachzudenken, was ein "nein" überhaupt bedeutet. In der "klassischen " Hundeerziehung wird das Wort "nein" oftmals als reines Abbruchsignal verstanden. Ob ich aber nun "eh eh", "Kartoffelsalat" oder ein sonstiges Wort oder einen Laut (wie einen Pfiff) nehme, hat m. M. n. innerhalb des jeweiligen Mensch-Hund-Teams seine eigene Bedeutung. Es kommt m. M. n. immer darauf an, was bzw. wie es beim Hund ankommt (Sender-Empfänger). Z. B. spielt es eine große Rolle, wie das Abbruchsignal aufgebaut wurde. Ist es für den Hund überhaupt negativ behaftet? Ich bin ja ein Fan des objektiven Beobachtens und versuche so wenig wie möglich zu schnell in eine Bewertung reinzugehen. Und man kann m. E. beobachten, wie es beim Hund ankommt. Zuckt er zusammen oder zeigt er:" Alles klar, ich vertraue Dir, dass Du gerade einen wichtigen Grund hast, mich davon abzuhalten." (menschlich ausgedrückt). Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass ein klassisches Abbruchsignal ("was Du auch immer gerade vor hasst ... brech Dein Handeln ab") jeder Hund kennen sollte, da es über Leben und Tod entscheiden kann. Ich könnte nicht mehr in einer lebensbedrohlichen Situation so einfach ruhig bleiben, sondern würde unser klares Abbruchsignal anwenden (das ich klar - ohne zittriger Stimme - aussprechen kann). Für mich ist das klassische Abbruchsignal ein Notfallkommando. Unser Abbruchsignal ist auch mit keiner weiteren Handlung verbunden. Danach käme bei uns z. B. bleib mal stehen, oder komm zu mir oder geh einfach weiter, oder schau mich an. Insgesamt empfinde ich ein Abbruchsignal nicht als negativ, wenn es ordentlich aufgebaut wurde. Es ist eine Grenze, die gesetzt wird. Egal, wie man es formuliert. Ausschlaggebend ist, was und wie es beim Hund ankommt.
So sehe ich das auch.
Das Abbruchsignal wird ausschließlich positiv aufgebaut.

Zum Beispiel anhand meines Video's mit dem Damwild: Wenn Dracu Wild sieht ist die Bedingung das er schauen darf aber nur wenn er stehen bleibt.

Ein nein bedeutet in unserer Beziehung keinen Abbruch einer speziellen Situation, sondern eine Erinnerung an die Rahmenbedingung, wie eben die Handlung Richtung Wild zu laufen zu unterbrechen, darf aber wiederrum weiter schauen.

Und im Grunde ist ja auch ein Rückruf ein Abbruch Signal?
Würde ich Dracu aus so einer Situation zu mir rufen wollen, kommt er diesem nur widerwillig nach weil es ja damit die gesamte Situation beendet.
 
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Kirsten
heute 11:03
Weiß jemand was von Anneke und Tina? 😞
 
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Maren
heute 11:56
Und wenn du dem gemeinsamen rennen einen Namen gibst? Wie "Lets Fetz" oder "Go Go Go"? Das sie weiß worum es geht. Wenn Dracu beschäftigt ist, ich ihn aus der Situation eher freundlich raus locken will, Frage ich Belohnungen ab die ich benannt habe, wie : Schmacko? Hetzen? Suchen? Neulich stand Dracu Recht weit von mir entfernt und beobachtete Damwild. Schmacko, dass Leckerlie aus der Hand war nicht so Attraktiv wie das hetzen nach dem Dummy. Aber schön das ihr erfolge habt! 🤗
Königsklasse 😳 Wahnsinn!