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Katrin
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Anzahl der Antworten 65
heute 13:39

Verkaufen durch Angst

Hallo zusammen, ich muss mal etwas loswerden, was mir in letzter Zeit extrem auffällt: Die Hundewelt scheint immer mehr von Angst und Misstrauen regiert zu werden. Egal ob in der Werbung, in Facebook-Gruppen oder auf TikTok usw – ständig begegnet man Botschaften, die uns suggerieren, dass wir eigentlich „Versager“ sind, wenn wir nicht Produkt X kaufen oder Methode Y folgen. Es fängt beim Futter an (Stichwort: „Getreide ist Gift“ oder „Trockenfutter macht krank“) und hört bei der Erziehung auf, wo oft mit der Angst vor einem „unkontrollierbaren“ Hund Kasse gemacht wird. Was mich aber besonders besorgt, ist die Kombination aus Marketing und gezielten Falschmeldungen. Oft werden reißerische Warnungen verbreitet – etwa über angeblich tödliche Inhaltsstoffe, die wissenschaftlich gar nicht belegt sind, oder übertriebene Panikmache vor bestimmten Alltagsgegenständen. Diese News verbreiten sich wie ein Lauffeuer, weil wir natürlich nur das Beste für unsere Vierbeiner wollen. Am Ende steht dann oft ein Link zu einem „rettenden“ Produkt. Es fühlt sich so an, als würde unsere emotionale Bindung zum Hund schamlos ausgenutzt, um uns in permanenter Alarmbereitschaft zu halten. Mich würde eure Erfahrung interessieren: Marketing-Druck: Wo hattet ihr schon mal das Gefühl, dass eine Marke euch ein schlechtes Gewissen einreden wollte (z. B. durch Begriffe wie „Schlachtabfälle“ oder „Chemiekeule“)? Fake-News-Falle: Seid ihr schon mal auf eine dieser typischen WhatsApp- oder Social-Media-Warnungen reingefallen und habt danach panisch euer Verhalten oder Futter geändert? Vertrauen: Wem glaubt ihr in diesem Dschungel aus Experten und Influencern überhaupt noch? Verlässt ihr euch eher auf den Tierarzt, die Wissenschaft oder euer Bauchgefühl? Ich bin gespannt auf eure Meinungen – lasst uns mal versuchen, die Fakten von der Panikmache zu trennen! 🐾 Wie immer bitte freundlich bleiben. Liebe Grüße, Katrin und Suki
 
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Carola
27. Feb. 16:30
Ich habe neulich meinem Mann mal von solchen Sachen erzählt, insbesondere Wurmtest statt Kuren, gerade weil hier im Forum ja gern darüber diskutiert wird. Der hat mich nur angeguckt als ob ich spinne und versteht diesen Zirkus überhaupt nicht.
Ich kann deinen Mann sehr gut verstehen!
 
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Sonja
27. Feb. 16:45
Ich bin eher der Typ: "Gibt es dazu wissenschaftliche Studien?" Was mich tatsächlich ärgert, dass selbst Mediziner oder auch Physiotherapeuten, von denen man als Laie ja fachliche Expertise erwartet, Produkte anpreisen, deren Wirkung selbst in Studien (auch mehrfach) nicht bewiesen werden konnte. Das finde ich wirklich bedenklich, gerade wenn ein Tier (schwer) krank ist und man als Besitzer/in dann auf diese "vermeintliche" Expertise angewiesen ist.
Was ich bei dem Thema auch immer schlimm finde ist, dass viele Tierkliniken etc. sich ebenfalls an der Verzweiflung der Besitzer bereichern (selbst in der Familie mit einer sterbenskranken Katze gehabt. Zig Tests und Medikamente, die in dem Zustand völlig unnötig und übertrieben waren). Ich habe vor einiger Zeit bei TikTok etwas verfolgt wo ich von Anfang an dachte "lass ihn gehen", hab mich dazu aber nicht geäußert. Man hat ja auch Mitleid und kann verstehen, wenn jeder Halm ergriffen wird. Aber ich persönlich hatte gleich den Eindruck, dem Tier wäre am besten geholfen, wenn man ihm noch eine schöne Zeit macht und es dann gehen lässt. Wurde erst überlegt, aber dann nicht gemacht. Vielleicht auch durch Druck von außen. Alle Beteiligten haben sich für einen mittleren fünfstelligen Betrag die Beine ausgerissen und es kam wie es kommen musste: das Tier konnte einfach nicht mehr. Was hat man erreicht? Man hat zwar gekämpft und meinte es gut, aber die letzten Wochen waren für das Tier nur anstrengend und eher eine Qual. Mit Würde hatte das leider nichts zu tun, auch wenn ich den menschlichen Schmerz, die Verzweiflung und den Wunsch nach einem Wunder verstehe. Dass aber die medizinische Beratung immer noch mehr raus holt, anstatt ehrlich zu sagen "es ist Zeit", hat mich am meisten schockiert. Die Halter können in solchen Momenten einfach nicht klar denken. Da erwarte ich von Fachleuten eine ehrliche, wenn auch manchmal unerfreuliche Einschätzung.
Meine Tierärztin sagt uns zwar auch immer was möglich ist... Aber eben auch was realistisch ist. Und was sie ihren Tieren zumuten würde und was nicht. Die Entscheidung ist dann natürlich unsere. Aber mit dem Kompass fühle ich mich immer fair beraten. Nur weil man tausend Sachen machen KANN, sind sie nicht immer im Sinne des Tieres. Nur die Klinik und alle die mit ins Boot geholt werden lernen dann natürlich und verdienen auch. Nicht immer der richtige und tatsächlich moralische Weg. Auch wenn es im ersten Moment so wirkt. Aber so verletzlich kann einem schnell ein schlechtes Gewissen gemacht werden, wenn man nicht alle Register zieht.
 
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Lo
27. Feb. 17:03
Was ich bei dem Thema auch immer schlimm finde ist, dass viele Tierkliniken etc. sich ebenfalls an der Verzweiflung der Besitzer bereichern (selbst in der Familie mit einer sterbenskranken Katze gehabt. Zig Tests und Medikamente, die in dem Zustand völlig unnötig und übertrieben waren). Ich habe vor einiger Zeit bei TikTok etwas verfolgt wo ich von Anfang an dachte "lass ihn gehen", hab mich dazu aber nicht geäußert. Man hat ja auch Mitleid und kann verstehen, wenn jeder Halm ergriffen wird. Aber ich persönlich hatte gleich den Eindruck, dem Tier wäre am besten geholfen, wenn man ihm noch eine schöne Zeit macht und es dann gehen lässt. Wurde erst überlegt, aber dann nicht gemacht. Vielleicht auch durch Druck von außen. Alle Beteiligten haben sich für einen mittleren fünfstelligen Betrag die Beine ausgerissen und es kam wie es kommen musste: das Tier konnte einfach nicht mehr. Was hat man erreicht? Man hat zwar gekämpft und meinte es gut, aber die letzten Wochen waren für das Tier nur anstrengend und eher eine Qual. Mit Würde hatte das leider nichts zu tun, auch wenn ich den menschlichen Schmerz, die Verzweiflung und den Wunsch nach einem Wunder verstehe. Dass aber die medizinische Beratung immer noch mehr raus holt, anstatt ehrlich zu sagen "es ist Zeit", hat mich am meisten schockiert. Die Halter können in solchen Momenten einfach nicht klar denken. Da erwarte ich von Fachleuten eine ehrliche, wenn auch manchmal unerfreuliche Einschätzung. Meine Tierärztin sagt uns zwar auch immer was möglich ist... Aber eben auch was realistisch ist. Und was sie ihren Tieren zumuten würde und was nicht. Die Entscheidung ist dann natürlich unsere. Aber mit dem Kompass fühle ich mich immer fair beraten. Nur weil man tausend Sachen machen KANN, sind sie nicht immer im Sinne des Tieres. Nur die Klinik und alle die mit ins Boot geholt werden lernen dann natürlich und verdienen auch. Nicht immer der richtige und tatsächlich moralische Weg. Auch wenn es im ersten Moment so wirkt. Aber so verletzlich kann einem schnell ein schlechtes Gewissen gemacht werden, wenn man nicht alle Register zieht.
Das ist das, was ich nicht verstehe. Für Veterinärmediziner muss es doch auch ein ärztliches Berufsethos geben.

Besitzer stehen dem Ganzen ohnmächtig gegenüber, weil sie natürlich und auch verständlich alles für ihr krankes Tier tun würden. Nichts ist für sie schlimmer, als sich später den Vorwurf machen zu müssen, nicht alles getan zu haben. Selbst wenn es völlig unberechtigt ist.

Und wenn das dann Experten/Mediziner auf Kosten des Tieres schamlos ausnutzen, dafür habe ich kein Verständnis.
 
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Katrin
27. Feb. 17:39
Was ich bei dem Thema auch immer schlimm finde ist, dass viele Tierkliniken etc. sich ebenfalls an der Verzweiflung der Besitzer bereichern (selbst in der Familie mit einer sterbenskranken Katze gehabt. Zig Tests und Medikamente, die in dem Zustand völlig unnötig und übertrieben waren). Ich habe vor einiger Zeit bei TikTok etwas verfolgt wo ich von Anfang an dachte "lass ihn gehen", hab mich dazu aber nicht geäußert. Man hat ja auch Mitleid und kann verstehen, wenn jeder Halm ergriffen wird. Aber ich persönlich hatte gleich den Eindruck, dem Tier wäre am besten geholfen, wenn man ihm noch eine schöne Zeit macht und es dann gehen lässt. Wurde erst überlegt, aber dann nicht gemacht. Vielleicht auch durch Druck von außen. Alle Beteiligten haben sich für einen mittleren fünfstelligen Betrag die Beine ausgerissen und es kam wie es kommen musste: das Tier konnte einfach nicht mehr. Was hat man erreicht? Man hat zwar gekämpft und meinte es gut, aber die letzten Wochen waren für das Tier nur anstrengend und eher eine Qual. Mit Würde hatte das leider nichts zu tun, auch wenn ich den menschlichen Schmerz, die Verzweiflung und den Wunsch nach einem Wunder verstehe. Dass aber die medizinische Beratung immer noch mehr raus holt, anstatt ehrlich zu sagen "es ist Zeit", hat mich am meisten schockiert. Die Halter können in solchen Momenten einfach nicht klar denken. Da erwarte ich von Fachleuten eine ehrliche, wenn auch manchmal unerfreuliche Einschätzung. Meine Tierärztin sagt uns zwar auch immer was möglich ist... Aber eben auch was realistisch ist. Und was sie ihren Tieren zumuten würde und was nicht. Die Entscheidung ist dann natürlich unsere. Aber mit dem Kompass fühle ich mich immer fair beraten. Nur weil man tausend Sachen machen KANN, sind sie nicht immer im Sinne des Tieres. Nur die Klinik und alle die mit ins Boot geholt werden lernen dann natürlich und verdienen auch. Nicht immer der richtige und tatsächlich moralische Weg. Auch wenn es im ersten Moment so wirkt. Aber so verletzlich kann einem schnell ein schlechtes Gewissen gemacht werden, wenn man nicht alle Register zieht.
https://ggtm.de/kurs/2609-homoeopathie-akut-geht-gut-akute-intervention-bei-narkosezwischenfaellen-mit-homoeopathie/

Darüber gab es neulich einen doch echt entsetzen Aufschrei unter den Tierärzten.

Ich denke es gibt leider genauso schwarze Schafe wie in jedem anderen Beruf.

Ob nun Verlängerung von Leid durch immer neue Mittel oder durch nicht nachweislich wirksame Mittel die nicht über den Placeboeffekt hinausgehen. Beides finde ich ehrlich gesagt schlimm. Scheint aber fachlich irgendwie geduldet zu werden.
 
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Mel und
27. Feb. 18:05
Ich sehe das ziemlich pragmatisch: Einflussnahme passiert ständig – und zwar bei uns allen, ob wir es merken oder nicht.
Werbung funktioniert ja nicht, weil Menschen „leichtgläubig“ sind, sondern weil sie gezielt unsere Emotionen anspricht.

Man kennt das aus ganz vielen Bereichen: Autos werden nicht mit Motorwerten verkauft, sondern mit Gefühlen wie Freiheit und Status. In der Politik werden Themen bewusst dramatisch formuliert, damit wir emotional reagieren, statt darüber nachzudenken. Und bei Gesundheit oder Ernährung wird besonders gern mit Angst gearbeitet, weil das einfach am stärksten zieht.

Angst wird schon seit Jahrhunderten genutzt, um Menschen zu lenken/gefügig zu machen– von Kirche über Politik bis hin zur Werbung heutzutage.Das ist absolut nichts neues .

Bei Hunden oder auch Kindern wirkt das meiner Meinung nach noch intensiver, weil wir uns verantwortlich fühlen. Wenn irgendwo steht, etwas könne schaden, springt automatisch der Beschützerinstinkt an. Das ist total menschlich – aber genau dieser Reflex macht uns eben auch empfänglich für solche Übertreibungen und Behauptungen.
Ich finde deshalb nicht entscheidend, ob man „beeinflussbar“ ist oder nicht – ich denke das sind wir wirklich alle.

Ich habe mir angewöhnt, bei dramatischen Aussagen innerlich einen Schritt zurückzugehen und mich zu fragen:Wer hat etwas davon, wenn ich jetzt verunsichert bin? Wird eine seriöse Quelle genannt oder nur mit starken Worten gearbeitet? Und wird zufällig direkt eine „Lösung“ angeboten?

Ich glaube, am Ende braucht es eine Mischung aus gesundem Menschenverstand, seriösen Quellen und auch dem eigenen Bauchgefühl .
 
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Ina
27. Feb. 18:15
Ich versuche auf Werbung un falsch Meldungen nicht reinzufallen. Und höre auf mein Bauchgefühl. Mich interessiert Tictok nicht . Ich habe meine guten Produkte und sehe das es meinem Hund gut geht.
 
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Uwe
27. Feb. 18:32
Hallo ihr zwei,
Ich bin der Typ Bauch Gefühl, Erfahrung, Menschenverstand.
Panik machen betrifft leider nicht nur die Tiere.
VG Räuber und Uwe
 
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Tina
28. Feb. 04:07
Ich vertraue meinem 🐕 meinem gesunden Menschenverstand 🤔meinem Bauchgefühl 🧘‍♂️und meiner TÄ. 👂
 
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Jörg
28. Feb. 06:48
Auf jeden Fall wird der Mensch durch Medien egal in welcher Form beeinflusst. Leider geht es meistens eher ins Negativ da sich Menschen so etwas eher merken als das positive zu sehen. Menschen sind heut zu Tage so negativ eingestellt weil es durch die Medien geht das fast alles nur noch schlecht ist außer das was man sich kaufen kann. Irgendwie muss sich ja Teleshopping und Werbung für Produkte ja als positiv darstellen. Kaum ein Mensch weiß es heutzutage zu schätzen was er umsonst bekommt. Wenn Menschen für ein freundliches Guten Morgen bezahlen müssten würden sie sich eventuell mehr darüber freuen.
 
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Heike
28. Feb. 07:12
Es gibt ja reichlich Dokumentationen über die finanziellen Zustände in deutschlands Kliniken für Menschen. Was da für Gewinnoptimierung alles getan wird und den Patienten als „notwendige OP“ von den Ärzten untergejubelt wird, nur damit nicht weiter Minus eingefahren wird ist echt unglaublich 😳
Es ist leider sehr schwer für medizinische Laien, die Vertrauen zu den behandelnden Ärzten haben, dieses Vorgehen zu durchschauen. Sehr viele OP‘s sind unnötig und wären durch alternative Behandlungsverfahren zu ersetzen, die weniger invasiv und oft auf Dauer effektiver sind, wobei der Patient dann auch mitarbeiten muss.
So ist es auch in der Tiermedizin. Viele suchen aber leider auch die „schnelle Lösung“, durch Medikamente oder Behandlungen und die aktive, konsequente und längerdauernde Mitarbeit um ein gesundheitliches Problem in den Griff zu bekommen ist nicht so wirklich beliebt.